Riss am After

Analfissur: Symptome und ihre Behandlung von Salbe bis OP

Eine Analfissur bezeichnet einen länglichen Riss in der Analhaut, die den Analkanal von innen auskleidet. Charakteristische Beschwerden sind stechende Schmerzen beim Stuhlgang, Juckreiz, Brennen und Blut im Stuhl sowie Verstopfung.

mann mit analfissur
Eine Analfissur führt zu stechenden Schmerzen beim Stuhlgang.
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Eine Analfissur – auch als Afterriss bezeichnet – entsteht fast immer an der Hinterseite des Analkanals in Richtung des Steißbeins und verläuft in der Regel strahlenförmig. Unter Umständen kann sich die entstehende Wunde durch eindringende Keime entzünden, was die Heilung deutlich hinauszögert. Die Analfissur zählt zu den häufigen Erkrankungen des Enddarms, die je nach Art, Ausmaß und Dauer der Erkrankung einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen kann.

Anzeichen einer Analfissur: Stechende Schmerzen

Die typischen stechenden Schmerzen beim Stuhlgang führen dazu, dass Betroffene den Stuhl aus Angst vor den Beschwerden zurückhalten. Dieses Vermeidungsverhalten führt zu einem Teufelskreis, durch den sich die Schmerzen verstärken: Der Stuhl dickt weiter ein, wird härter und macht den Stuhlgang noch schmerzhafter als zuvor. Zudem verkrampft sich der Schließmuskel, was die Durchblutung verringert und damit den Heilungsprozess verzögert. Die Anspannung des Schließmuskels kann zudem weitere Risse hervorrufen.

Nicht erst bei Blut im Stuhl zum Arzt!

Aus Scham suchen die meisten Betroffenen den Arzt bei einer Analfissur erst dann auf, wenn bereits ein erheblicher Leidensdruck in Folge der starken Schmerzen sowie der Blutungen im Analbereich besteht. Bis dahin versuchen sie, die Symptome mit verschiedenen Hausmitteln, Salben oder Cremes selbst zu behandeln. Dieses Vorgehen kann den Heilungsverlauf deutlich verzögern, da sich die Wunde leicht durch eindringende Keime entzündet. Das erhöhte Infektionsrisiko geht vor allem auf die hohe Erreger-Dichte im Analbereich zurück.

Eine Analfissur kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten, bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen mittleren Alters oder bei älteren Menschen. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr entwickelt sich die Erkrankung jedoch besonders häufig.

Analfissur: Diese Symptome sind typisch

Typische Analfissur-Symptome sind stechende Schmerzen, Brennen sowie Juckreiz im Analbereich, während aber auch nach dem Stuhlgang. Weitere Anzeichen können hellrote Blutbeimengungen im Stuhl sein.

Die Analhaut im Übergang zum After ist eine äußerst schmerzsensible Region, in der eine Vielzahl von Nervenenden liegt. Die Analfissur-Symptome sind deswegen vor allem durch stechende Schmerzen während und nach dem Toilettenbesuch gekennzeichnet. Ein schmerzfreier Stuhlgang ist nicht mehr möglich. Dies verursacht Verkrampfungen im Schließmuskel, die ihrerseits zu erneuten Rissen führen können oder bestehende Risse vertiefen. Wenn die Fissuren über die Analhaut und die Analschleimhaut hinaus auch das Schließmuskelgewebe betreffen, kann es zur vermehrten Bildung von Bindegewebe kommen. Die Folge können Verhärtungen im Schließmuskel sein.

Verstopfung als Anzeichen der Analfissur

Auch eine Verstopfung, die durch die Schmerzen verursacht wird, kann Teil der Analfissur-Symptome sein: Aus Angst vor erneuten Schmerzen unterdrücken viele Menschen mit einem Analriss den Stuhlgang. Dieses Verhalten lässt den Stuhlgang eindicken und macht ihn hart. Das Pressen wird noch schmerzhafter und lässt unwillkürliche Krämpfe in und um den Schließmuskel entstehen, was zu weiteren Rissen führen und die Beschwerden insgesamt verschlimmern kann.

Blut im Stuhl als weiteres Symptom

Weitere Symptome einer Analfissur sind Brennen, Juckreiz und Schleimabsonderungen im Analbereich. Darüber hinaus können die Blutungen in Folge des Risses zu hellroten Blutbeimengungen im Stuhl führen. Diese sollten immer ärztlich abgeklärt werden, um andere Ursachen und mögliche schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Ursachen: Warum kommt es zur Analfissur?

Zu den häufigen Ursachen einer Analfissur zählt das starke Pressen bei zugleich hartem Stuhlgang, etwa bei akuter oder chronischer Verstopfung. Analfissuren häufen sich auch in Zusammenhang mit bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn.

Die bei einer Analfissur entstehende Wunde kann sich zudem durch Keime aus der Darmflora entzünden und die Heilung hinauszögern oder verhindern. Typischerweise entwickelt sie sich durch starkes Pressen von hartem Stuhl. Das Zusammenspiel beider Faktoren zählt zu den wesentlichen Auslösern einer Analfissur. Ein Analriss kann jedoch auch bei normaler, weicher Stuhlbeschaffenheit oder Durchfall auftreten, wenn Betroffene ohne Notwendigkeit zur stark pressen. Das Einreißen der Analhaut ist dabei sehr schmerzhaft, da dieser Bereich ausgesprochen schmerzsensibel ist.

Die Analfissur führt zudem zu einer erhöhten Anspannung des Schließmuskels, des sogenannten Sphinkters. Das zunehmende Verkrampfen im Analbereich leitet einen Teufelskreis ein, der die Symptome verstärkt. Betroffene müssen noch stärker gegen die Verkrampfungen „anpressen“. Dies erhöht die Schmerzintensität und führt zu einem Vermeidungsverhalten. Die Folge: Der Stuhl dickt weiter ein und wird noch härter, was wiederum die Schmerzen verstärkt. Unter Umständen können die Verspannungen des Schließmuskels selbst zu einem Analriss führen. Sie zählen deswegen ebenfalls zu den Ursachen von Analfissuren.

Elastizitätsverlust als Auslöser von Analrissen

Auch ein Elastizitätsverlust in der Analhaut gehört zu den möglichen Auslösern einer Analfissur. Er geht in der Regel auf benachbarte Entzündungen des Analbereichs zurück, wie etwa Analfisteln oder Analabszesse. Die Schmerzen sind hierbei weniger ausgeprägt, da es nur selten zu Verkrampfungen des Schließmuskels kommt. Während Analfisteln entzündlich veränderte Gänge im Analbereich sind, handelt es sich bei Analabszessen um eitrige Entzündungen der Analregion, die sich als Blasen im Gewebe abkapseln. Beide Entzündungsformen häufen sich im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Analverkehr kann eine Fissur verursachen

Darüber hinaus sind auch Sexualpraktiken wie Analverkehr und das Einführen von Gegenständen in den Enddarmbereich Ursachen für eine Analfissur. Verschiedene weitere Faktoren erhöhen das Risiko für einen Analriss:

Analfissur-Diagnose: Das passiert beim Arzt

Die Analfissur-Diagnose stellt der Arzt durch eine eingehende Befragung des Betroffenen sowie eine Untersuchung des Afters. Dabei ist ein schmerzhaftes Geschwür oder ein schmerzhafter Strang spürbar. Der Schließmuskel ist in der Regel verkrampft.

Für eine erste Diagnose reicht meist eine kurze Untersuchung des Analbereichs aus. Der Analriss ist dabei charakteristischerweise zum Steißbein hin in Richtung sechs Uhr sichtbar. Seltener entsteht die Fissur in Richtung zwölf Uhr, also zum Damm hin.

Im Rahmen des vorhergehenden Anamnese-Gesprächs wird der Arzt zudem wissen wollen, ob und falls ja in welchen Situationen die Schmerzen auftreten und ob begleitende Symptome wie Juckreiz im Analbereich oder eine Verstopfung vorliegen. Er wird sie außerdem nach Blut im Stuhl fragen.

Diagnosestellung erfolgt über Abtasten des Enddarms

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung inspiziert der Arzt in erster Linie den äußeren Analbereich. Zur Untersuchung der inneren Schleimhaut tastet er den Enddarm mit den Fingern ab. Da diese Region äußerst schmerzsensibel ist, betäubt er vorher den Analbereich. Bei Verdacht auf andere Erkrankungen kann er zudem eine Enddarm-Spiegelung, eine sogenannte Proktoskopie durchführen. Sie macht Veränderungen in der Enddarm-Region sichtbar. Mögliche Gewebeveränderungen, wie sie beispielsweise beim Analkarzinom auftreten, lassen sich durch Entnahme entsprechender Gewebeproben (Biopsie) nachweisen.

Gegebenenfalls sind zur Absicherung der Diagnose sowie bei Verdacht auf schwerwiegende, weitere Erkrankungen zusätzliche Untersuchungsverfahren wie eine Darmspiegelung, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig.

Therapie: Analfissur behandeln mit Salbe oder OP

Für eine erfolgreiche Analfissur-Therapie sind Geduld und die konsequente Anwendung der verordneten Behandlungsmaßnahmen von zentraler Bedeutung. Für die Therapie kommen beispielsweise schmerzstillende Salben, Zäpfchen und Analtampons zum Einsatz, die zudem abschwellend wirken. Bei ausgeprägten Schmerzen können Betroffene zusätzliche Schmerzmittel einnehmen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Region um die Analfissur örtlich zu betäuben, um den Schmerzkreislauf zu unterbrechen und die Heilung zu beschleunigen.

Analdehner zur Behandlung der Analfissur

Betroffene können zur begleitenden Behandlung der Analfissur mehrmals täglich einen sogenannten Analdehner einsetzen, mit dem sie den Schließmuskel vorsichtig dehnen, um die Muskelspannung passiv zu verringern. Auch die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit tragen zur Genesung bei. Sie machen den Stuhl weicher und flüssiger und erleichtern damit den Stuhlgang.

Auch Abführmittel können bei einer begleitenden Verstopfung unter Umständen helfen. Sie sollten jedoch nur über einen kurzen Zeitraum und in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Der Grund: Häufiger, flüssiger Stuhlgang kann den Analbereich ebenfalls reizen und Entzündungen verstärken, die sich im Rahmen der Analfissur bilden.

Letzter Schritt: Operation der Analfissur

Bleibt eine Analfissur über mehrere Wochen oder Monate bestehen, ohne dass die Wunde abheilt, ist ein chirurgischer Eingriff für die Therapie der Analfissur unerlässlich. Bei der sogenannten Fissurektomie wird dabei die gesamte Fissur nebst vernarbtem Gewebe und möglichen Fisteln operativ entfernt. Da die entstehende Wunde nicht vernäht wird, nimmt die Wundheilung etwa vier bis sechs Wochen in Anspruch.

Eine weitere Möglichkeit ist die vorsichtige Teildurchtrennung des Schließmuskels (Sphinkterotomie). Sie führt in mehr als 95 Prozent der Fälle zum Erfolg, da sie den Druck auf den Riss deutlich verringert. Einziger Nachteil: In höherem Lebensalter kann sie zu leichter Stuhlinkontinenz führen, da der Schließmuskel unter Umständen nicht mehr vollständig funktioniert. Darüber hinaus können chronische Fissuren durch eine sogenannte House-Plastik abgedeckt werden.

Alternative zur OP: Botox gegen Analfissur

Eine Alternative zur Operation ist die Verwendung von Botulinum-Toxin (Botox) in der Analfissur-Therapie. Sie führt zu einer vorübergehenden Lähmung des inneren Schließmuskels und ist über mehrere Monate wirksam.

(Chronischer) Verlauf und mögliche Komplikationen

Bei frühzeitiger und adäquater Behandlung zeigt eine Analfissur einen guten Verlauf ohne Komplikationen. Die Erkrankung heilt dann meist innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Im selteneren Fall kann ein Analriss zu chronischen Entzündungen führen, die einen Verschluss der Wunde hinauszögern oder verhindern.

Mit passender Behandlung ist Heilung innerhalb weniger Wochen möglich

In der Regel heilt eine Analfissur durch eine geeignete, nicht-operative Behandlung binnen zwei Wochen folgenlos aus. Durch die Einhaltung bestimmter Regeln zur Analhygiene können Betroffene einen wichtigen Beitrag zum Heilungsprozess leisten und bei einer Analfissur den Verlauf positiv beeinflussen.

Im weiteren Verlauf sind Analfisteln und -abszesse möglich

Falls es dennoch zu chronischen Entzündungen im und um den Riss kommt, können sich in der Folge Analfisteln oder Analabszesse bilden. Analfisteln sind entzündlich veränderte Verbindungsgänge, die bis in den Schließmuskel vordringen können. Durch die Fistelbildung kann sich die Entzündung im umgebenden Gewebe ausbreiten. Analabszesse sind eitrige Entzündungen, die sich in Folge einer entzündeten Analfissur im Gewebe als eine Art Blase abkapseln. Sie sind begleitet von Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost.

So beugen Sie Analfissuren vor

Einer Analfissur und ihren Folgen lässt sich durch die richtige Ernährung, Sport und Bewegung sowie einem achtsamen Umgang mit Sexualpraktiken im Analbereich wirksam vorbeugen.

Es empfiehlt sich eine ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter pro Tag). Das macht den Stuhl weich und beugt Verletzungen im Analbereich vor. Sport und regelmäßige Bewegung im Alltag regen nicht nur den Kreislauf an, sie stimulieren auch die Darmtätigkeit und können Verstopfungen vermeiden. Sexualpraktiken wie Analverkehr oder das Einführen von Gegenständen sollten schonend und unter Verwendung von Gleitmitteln erfolgen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2017
Durch: sba
Quellen: Online-Informationen der Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäß- und Kinderchirurgie an der Universitätsklinik Würzburg: http://www.zom-wuerzburg.de (Abrufdatum: 07. Juli 2014) Online-Informationen des Berufsverbands der Coloproktologen: www.coloproktologen.de. (Abrufdatum: 07. Juli 2014) Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 265. Auflage, Berlin 2013 Herold, G.: Innere Medizin 2014. Selbstverlag, Köln 2014 Hirner, A., Weise, K.: Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2008

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