Spirometrie

Spirometrie
Atemnot gehört zu den Indikationen für eine Spirometrie.
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Die Spirometrie ist das gängigste Verfahren zur Lungenfunktionsprüfung. Mit einem Spirometer werden dabei Aufnahme- und Leistungsfähigkeit der Lunge bestimmt.

Die Spirometrie, auch als kleine Lungenfunktionsprüfung bezeichnet, ist eine Untersuchung zur Bestimmung des Lungen- und Atemvolumens. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen Wort spirare ab, es bedeutete atmen. Wichtige Parameter, die im Rahmen der Spirometrie gemessen werden, sind vor allem die Vitalkapazität und die Einsekundenkapazität. Sie ermöglichen dem Arzt die Diagnose und Einteilung einer Lungenerkrankung sowie die Beurteilung des Schweregrads.

Eingeschränkte Vitalkapazität bei restriktiven Lungenkrankheiten

Unter Vitalkapazität versteht man die größtmögliche Luftmenge, die man ausatmen kann, nachdem man zuvor so tief wie möglich eingeatmet hat. Bei gesunden Erwachsenen sind das drei bis fünf Liter. Werte darunter können auf eine restriktive Lungenerkrankung hindeuten. Das sind Krankheiten, die mit einer Verminderung der Dehnbarkeit beziehungsweise Schrumpfung der Lunge einher gehen, beispielsweise die Lungenfibrose.

Die Einsekundenkapazität gibt an, wie viel Luft der Untersuchte nach möglichst tiefem Einatmen innerhalb einer Sekunde ausstoßen kann. Unterdurchschnittliche Werte können ein Hinweis sein auf eine obstruktive Lungenerkrankung wie beispielsweise Asthma, COPD oder chronische Bronchitis, bei der sich die Bronchien verengen und so den Luftstrom behindern. Der Verdacht auf eine obstruktive Lungenerkrankung lässt sich erhärten, indem der Patient ein Bronchien erweiterndes Mittel verabreicht bekommt. Verbessern sich bei einer erneuten Spirometrie die Werte, spricht dies stark für eine obstruktive Lungenerkrankung.

Keine besondere Vorbereitung nötig

Eine besondere Vorbereitung auf die Spirometrie ist nicht erforderlich. Über die regtelmäßige Einnahme von bronchienerweiternden Medikamenten sollte der Arzt allerdings Bescheid wissen; ob und wie lange das Aussetzen solcher Medikamente vor der Untersuchung notwendig ist, ist im Vorfeld abzuklären.

Zur Untersuchung sitzt man auf aufrecht auf einem Stuhl und atmet über ein Mundstück und eine Röhre beziehungsweise einen Schlauch in den Spirometer. Die Nase wird mit einer Nasenklemme verschlossen, sodass ausschließlich über den Mund in das Gerät ein- und ausgeatmet wird – zunächst ruhig und gleichmäßig. Dann werden auf Zuruf des Arztes  Tiefe und Stärke der Atemzüge sowie die Atemgeschwindigkeit verändert, wenn es zum Beispiel heißt: "Jetzt tief und lang einatmen" oder "stark und schnell ausatmen". Um aussagekräftige Messwerte zu erhalten, ist es sehr wichtig, genau den Anweisungen des Arztes zu folgen.

Atembeschwerden sind Anlass für eine Spirometrie

Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Minuten und ist für den Patienten schmerz- und risikolos. Grund für eine Spirometrie kann zum einen die Überwachung des Verlaufs bei bereits diagnostizierten Erkrankungen sein. So kann der Arzt anhand der Messergebisse feststellen, ob die Behandlung Wirkung zeigt oder andere beziehungsweise weitere Maßnahmen nötig sind. Daneben ist die Spirometrie ein wichtiges Diagnoseinstrument zum Abklären von Symptomen wie Atemnot, Husten oder sonstigen Atembeschwerden sowie generell bei Verdacht auf Erkrankungen im Brustraum. Sie wird auch zur Gesundheitsvorsorge insbesondere Rauchern angeboten, muss aber in diesem Fall von Untersuchten selbst bezahlt werden. Eine weitere Indikation für eine Spirometrie ist eine geplante Operation. Dann kann mittels der Spirometrie im Vorfeld geprüft werden, ob der Patient operationsfähig ist beziehungsweise ob mit Komplikationen aufgrund der gesundheitlichen Verfassung des Patienten zu rechnen ist.

Spiroergometrie zeigt Zusammenspiel von Lunge, Herz und Kreislauf

Eine Sonderform der Spirometrie ist die Spiroergometrie oder Ergospirometrie. Der Begriff isetzt sich aus Spirometrie und Ergometrie zusammen. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um eine Art Belastungs-Spirometrie, bei der die Messungen vorgenommen werden, während der Untersuchte durch Übungen auf einem Ergometer - einem Trainingsgerät, mit dem sich die körperliche Aktivität in Watt messen lässt - stufenweise steigert. Üblicherweise wird ein Fahrrad-, seltener ein Laufbandergometer eingesetzt. Der Untersuchte trägt dabei eine Atemmaske, durch die er in den Spirometer atmet. Gleichzeitig ist er an ein EKG- Gerät angeschlossen, und es wird kontinuierlich Puls und Blutdruck gemessen. Ziel ist es, die Veränderung des Lungen- und Atemvolumens unter körperlicher Anstrengung zu überprüfen. Damit wird vor allem die Leistungsfähigkeit von Sportlern ermittelt; das Verfahren wird oft im Rahmen einer Sporttauglichkeitsuntersuchung eingesetzt. Die Spiroergometrie ist aber auch ein Diagnoseverfahren zur Aufdeckung von Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen, sie ermöglicht dem Arzt die Beurteilung des Zusammenspiels von Herz, Lunge und Kreislauf.

Die Spiroergometrie ist ein risikoarmes Verfahren; wie bei einem Belastungs-EKG auch kann es jedoch in seltenen Fällen durch die körperliche Anstrengung zu Komplikationen bis hin zu Atemnot und Herzrhythmusstörungen kommen. Die ständige Überwachung der Herz-, Lungen- und Kreislauffunktionen ermöglicht dem Arzt in solchen Fällen jedoch ein frühzeitiges Eingreifen.

Autor: Ruth Sharp / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2012
Quellen: Lungeninformationsdienst des HelmholzZentrums München im Auftrag des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL)

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