Laborwerte

Homocystein

Bislang hielt die Fachwelt Cholesterin für den größten Risikofaktor unserer Blutgefäße. Doch das Homocystein hat ihm in den letzten Jahren deutlich den Rang abgelaufen. Die Aminosäure entsteht als Zwischen- oder Abfallprodukt bei bestimmten Stoffwechselprozessen und gilt als Zellgift. Der Normalwert von Homocystein liegt nüchtern zwischen fünf und 15 µmol/l. Übersteigt seine Konzentration diese Werte, so greift es die Gefäße an und ist ein möglicher Auslöser für Herzinfarkt, Schlaganfall, Alzheimer, Osteoporose oder das chronische Schmerzsyndrom. Welche Faktoren zu erhöhten Homocysteinwerten führen und wie Sie diese senken.

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Kleines Molekül mit großer Wirkung: Homocystein ist ein Abbauprodukt des Schwefel-Lieferanten Methionin und führt in hoher Konzentration im Blut zu Schäden an der Gefäßwand.
© Zerbor/Fotolia

Homocystein ist eine Substanz, die als Zwischenprodukt im Stoffwechsel immer dann entsteht, wenn besonders viel Fisch und Fleisch, aber auch bestimmte Gemüsesorten verzehrt werden. Es bildet sich also immer dann, wenn die α-Aminosäure Methionin abgebaut wird, die als wichtige Schwefelquelle zur Deckung des täglichen Bedarfs unseres Körpers dient.

Während Methionin lebenswichtig ist, so ist das Abbauprodukt Homocystein gefährlich für den Organismus, im Speziellen für die Gefäßwand, und wird deshalb normalerweise fast vollständig über die Nieren ausgeschieden.

So kommt es zum erhöhten Homocysteinspiegel

Ist der Abbau oder die Urinausscheidung gestört, erhöht sich die Konzentration von Homocystein im Blut, wodurch schwere akute und chronische Erkrankungen entstehen können. Beispiele hierfür sind:

  • Akute oder altersbedingte Niereninsuffizienz
    Mit zunehmendem Alter lässt die Funktion der Nieren nach. Ab dem 60 Lebensjahr geht rund ein Prozent der Filterleistung jährlich verloren. Homocystein kann dann immer weniger ausgeschieden werden.

  • Störung im Homocystein-Abbau
    Damit das gefährliche Homocystein vom Körper abgebaut und ausgeschieden werden kann, müssen ausreichend B-Vitamine zur Verfügung stehen, die für die reinigenden Stoffwechselprozesse unverzichtbar sind. Besteht eine ernährungsbedingte Unterversorgung, kann das Homocystein nicht mehr verstoffwechselt werden und verbleibt unverändert im Blut.

  • Erhöhte Zufuhr an Methionin
    Fisch und Fleisch, aber auch bestimmte Gemüsesorten wie Broccoli, grüne Erbsen sowie Ei und Spinat enthalten besonders viel Methionin. Stehen diese Lebensmittel häufig auf Ihrem Speiseplan oder werden in großen Mengen gemeinsam verzehrt, kann der Organismus die Menge zunächst nicht abbauen. Die Erhöhung ist dann nur vorübergehend und sollte zu einem späteren Zeitpunkt kontrolliert werden.

  • Medikamentöse Wechselwirkung
    Bestimmte Medikamente benötigen die Vitamine B12, B6 und Folsäure (B9), um wirken zu können. Dazu gehören Antibiotika, Neuroleptika, Schleimlöser, Rheumamittel oder die Anti-Baby-Pille. Dadurch stehen weniger dieser B-Vitamine zur Verfügung und das Homocystein kann nicht mehr ausreichend abgebaut werden.

  • Organisch bedingter Homocystein-Anstieg
    Bei bestimmten Krankheiten wie Leberleiden oder Diabetes, aber auch in der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf der Organe an Vitamin B. Auch hier stehen dann nicht mehr genügend B12,  B6 und Folsäure (B9) für den Homocystein-Abbau zur Verfügung.

  • Genetische Ursache für zu hohes Homocystein
    Auch eine angeborene Stoffwechselstörung ist möglich. Diese wird über erhöhte Homocysteinwerte im Urin festgestellt (Homocysteinurie).

Homocystein schädigt den Körper mehrfach

Menschen mit erhöhten Homocysteinwerten haben ein gesteigertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da Homocystein die Gefäßwände direkt und indirekt angreift: Zum einen regt es die großen Fresszellen dazu an, in die Gefäßwände einzuwandern und diese abzubauen. Zum anderen führt es zu Veränderungen in der Gefäßwand.

Die Gefahr für  Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt ebenso, da Homocystein die Blutplättchen aktiviert, was die Gerinnung und die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) erhöht.

Die besten Vitamin-B2-Lieferanten

Bestimmte Demenzformen werden auf Fehlfunktionen der Blutgefäße im Gehirn zurückgeführt (vaskuläre Demenz). Hier scheint Homocystein ein Auslöser zu sein, ebenso wie für Sehstörung aufgrund einer Durchblutungsstörung in der Netzhaut, wie bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD).

Neu ist die Erkenntnis, dass Homocystein Einfluss auf das Schmerzgedächtnis nimmt und wohl als Speicherort für schmerzvolle Erinnerung fungiert. Je länger ein Schmerz also anhält, desto mehr Homcystin lagert sich ab. So wird der akute Schmerz im Gehirn gespeichert und in einen chronischen Schmerz verwandelt, wenn der eigentliche Auslöser längst verheilt ist, aber das Homocystein den Kopf immer noch daran erinnert.

So wird der Homocysteinwert bestimmt

Homocystein kommt ganz natürlich im Körper vor und bereitet keine Problem, wenn es kurzfristig erhöht ist. Wenn sich zugleich ein weiterer negativer Faktor hinzugesellt, also beispielsweise hohe Homocysteinwerte gepaart mit Diabetes, Rauchen oder Bluthochdruck, sollte der Wert genau beobachtet werden.

Die Bestimmung des Homocysteins erfolgt über eine Blutentnahme am Morgen im nüchternen Zustand – also mit leerem Magen. Mindestens zwei Tage zuvor sollte sowohl auf methioninhaltige Kost und auf Kaffee verzichtet werden, da die Werte sonst verfälscht werden.

Der nüchterne Normalwert für Homocystein liegt zwischen
5 und 10 µmol/l (Mikromol pro Liter)

Erhöhte Homocysteinwerte senken mit Vitamin-Kur und Ernährungsumstellung

Homocystein kann nur richtig abgebaut werden, wenn genügend von den Vitaminen B12, B6 und B9 (Folsäure) vorhanden sind. Fehlt nur eines dieser drei Vitamine, wird es schwierig. Bei erhöhten Werten ist zunächst eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten ratsam: Die Zufuhr an methioninreicher Kost wie Fisch und Fleisch sollte reduziert werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Homocysteinspiegels zeigt den Erfolg dieser Ernährungsumstellung.

Bleibt er aus, empfehlen Mediziner die hochdosierte Einnahme der mangelnden Vitamine über Nahrungsergänzungsmittel oder per Injektion einer Vitamin-Kombi-Lösung in den Muskel oder in die Blutbahn. Das Überangebot an B12, B6 und Folsäure erleichtert dem Stoffwechsel den Abbau des Homocysteins, der Spiegel im Blut sinkt und die Gefäße sind wieder geschützt. Die Vitamin-Kur wirkt sich zudem positiv auf die Vitalität aus, wovon chronische Schmerzpatienten profitieren, die aufgrund ihres Zustands an einem permanenten Erschöpfungszustand leiden (Fatigue-Syndrom).

Untersuchungen zeigen, dass chronischen Schmerzpatienten mehrheitlich eine deutliche Linderung ihrer Schmerzen verspüren, da das Homocystein ein Baustein im Schmerzgedächtnis ist und in einem von der angebotenen Menge an B-Vitaminen abhängigen Abbauprozess einfach gebunden und ausgeschieden wird. Zeigt die Anwendung der Kur Erfolg, sollten B-Vitamine dauerhaft eingenommen werden. Die Gefahr einer Überdosierung besteht nicht, da überschüssiges Vitamin vom Körper ausgeschieden wird.

Lebensmittel mit Vitamin B12: Die besten Lieferanten
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