Testosteron geht zurück

Wechseljahre bei Männern: So äußern sich die Beschwerden

Auch Männer können in die Wechseljahre kommen. Der Rückgang der Sexualhormone äußert sich aber anders als bei Frauen. An welchen Symptomen sich die sogenannte Andropause erkennen lässt und wie man Beschwerden lindert.

Mann nachdenklich
Auch Männer kommen in die Wechseljahre - allerdings bemerkt so mancher nichts.
© iStock.com/Nikada

Wechseljahre bei Männern (Klimakterium virile oder Andropause) sind im Gegensatz zum weiblichen Klimakterium ein recht unbekanntes Phänomen. Doch auch der männliche Körper kann ab einem gewissen Alter einen Rückgang der Sexualhormone erleben. Allerdings verläuft er schleichend, während die Menopause bei Frauen in der Lebensmitte im Vergleich abrupter beginnt.

Nicht alle Männer durchleben Wechseljahre

Der Rückgang der Sexualhormone führt nicht bei allen Männern zu Symptomen, nur etwa jeder zehnte Mann ist betroffen. Viele Beschwerden des Alterungsprozesses haben andere Ursachen als einen veränderten Hormonspiegel und sind zum Beispiel psychisch bedingt.

Elf kleine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Symptome der Andropause

Im Vergleich zu den Symptomen der Wechseljahre bei der Frau sind die Beschwerden der Wechseljahre beim Mann (Klimakterium virile oder Andropause) meist unspezifisch und weniger stark ausgeprägt. Das liegt unter anderem daran, dass der Prozess beim Mann schleichend vorangeht. Typische Symptome, die häufig auch in Kombination miteinander auftreten, sind:

  • Abnahme der Libido
  • Erektionsstörungen
  • verminderter Bartwuchs
  • Abbau von Muskel- und Zunahme von Fettmasse (vor allem von Bauchfett)
  • Abnahme der Knochendichte (Osteoporose)
  • Gelenkbeschwerden
  • Hauttrockenheit und verminderte Spannkraft der Haut
  • nachlassende Leistungsfähigkeit und Motivation
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • innere Unruhe und Nervosität
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • depressive Verstimmungen

Laut einer Studie haben drei Symptome aus dem sexuellen Bereich einen direkten Bezug zu den zurückgegangenen Testosteronwerten. Dazu zählen Erektionsstörungen, ein vermindertes sexuelles Verlangen sowie seltenere morgendliche Erektionen.

Testosteron-Rückgang als Ursache der Wechseljahre bei Männern

Etwa bis zum 30. Lebensjahr steigt die Produktion des Sexualhormons Testosteron im männlichen Körper. Danach bleibt sie auf einem gleich hohen Niveau, bis sie etwa ab dem 40. Lebensjahr um etwa 1,2 Prozent jährlich zurückgeht. Dadurch ergibt sich ein kontinuierlicher Rückgang des dem Körper zur Verfügung stehenden Testosterons. Dieser langsame Rückgang liegt am altersbedingten Abbau in den Hoden oder Gehirnregionen, die den Hormonhaushalt steuern. Gleichzeitig steigt der Anteil des Globulin (SHBG), das Sexualhormone bindet.

Anders als bei Frauen, die durch die Wechseljahre einen sehr starken Mangel an Östrogen erleiden, kommt es bei Männern nur zu einem schleichenden, moderaten Rückgang von Sexualhormonen. In den meisten Fällen führt die verringerte Hormonproduktion deshalb zu keinerlei Beschwerden. Einige Mediziner finden es deshalb unpassend, bei Männern überhaupt von "Wechseljahren" zu sprechen. In Fachkreisen werden daher die differenzierteren Bezeichnungen "Partielles Androgendefizit des alternden Mannes (PADAM)" und "Partielles endokrines Defizit des alternden Mannes (PEDAM)" bevorzugt.

Die Wechseljahre beim Mann sind – wie die Wechseljahre bei der Frau – keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase, die hauptsächlich Männer im Alter von 40 bis 55 Jahren betrifft. Man vermutet, dass die Wechseljahre beim Mann spätestens mit 75 Jahren abgeschlossen sind.

Die Schwachstellen des starken Geschlechts

Lifeline / Wochit

Diagnose der Andropause

Ob das Auftreten eines oder mehrerer der oben genannten Symptome ein Anzeichen für die Wechseljahre beim Mann sind, oder ob die Beschwerden auf andere Ursachen, etwa Organstörungen, zurückzuführen sind, kann nur ein Arzt diagnostizieren.

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden mit dem Arzt (im Idealfall ein Urologe oder Endokrinologie) folgt eine körperliche Untersuchung. Sie dient vor allem dazu, organische Ursachen für die Symptome auszuschließen.

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Ob eine Andropause vorliegt, lässt sich nur mit einer Blutuntersuchung eindeutig feststellen. Dabei wird die Konzentration der Sexualhormone im Blut gemessen. Liegt ein Testosteronmangel vor und befindet sich der Mann in der fortgeschrittenen Lebensphase, ist die Diagnose Wechseljahre beim Mann ziemlich wahrscheinlich.

Wenn das Testosteron einen bestimmten Wert unterschreitet und Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Adipositas oder Diabetes dazukommen, werden Mediziner aufmerksam. Denn das Hormon beeinflusst diese Leiden – und die Krankheiten wirken sich ihrerseits auf den Testosteronspiegel aus. Dann kann es sinnvoll sein, mit Testosteron zu behandeln, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

Behandlung der Wechseljahre beim Mann sinnvoll?

Testosteron ist wichtig für den Muskelaufbau, die Knochendichte, die Bildung von roten Blutkörperchen sowie für den Stoffwechsel im Fettgewebe, das Sexualleben und die Fortpflanzungsfähigkeit. Ein Absinken des Testosterons im Blut allein macht aber keinen Mann krank.

Da es sich beim Rückgang der Hormonproduktion um einen natürlichen Prozess handelt, ist es meist nicht nötig, die Wechseljahre beim Mann zu therapieren. Eine klassische Hormonersatz-Therapie (HAT), wie sie bereits seit Jahren bei Frauen zur Linderung der Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird, gibt es für Männer nicht. Es ist zwar möglich, eine Testosteronsubstitutionsbehandlung anzuwenden, diese gehört jedoch noch nicht zu den Standardverfahren.

Aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen ist die Gabe von Hormonen zur Linderung von Symptomen der Andropause umstritten. Es kommt immer auf den Einzelfall an, ob eine Ersatztherapie angezeigt ist.Testosteron steht in Verdacht, die Entstehung von Prostatakrebs zu begünstigen. Daher darf bei Vorliegen eines hormonsensitiven Prostatakarzinoms keine Testosteronsubstitution erfolgen. Zudem existieren noch keine gesicherten Langzeitstudien zum Einsatz von Hormonen gegen die Beschwerden der Wechseljahre beim Mann.

Zur Behandlung von Libidoverlust und Erektionsproblemen können gegebenenfalls potenzsteigernde Mittel in Betracht gezogen werden. Da diese das Herz-Kreislauf-System beeinflussen und ernste Nebenwirkungen haben können, sollten sie jedoch ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht angewandt werden.

Den neuen Lebensabschnitt annehmen

Dass sich der Körper mit zunehmendem Alter verändert, ist ein natürlicher Prozess im Leben jedes Menschen. Alterungsprozesse werden nicht unbedingt durch einen sinkenden Anteil von Sexualhormonen verursacht.


Eine positive Einstellung zum Leben hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Wechseljahre beim Mann. So ist es ratsam, die Wechseljahre als Beginn eines neuen Lebensabschnitts zu akzeptieren und den Körper mit gesunder Ernährung und Sport fit zu halten.

Wechseljahre beim Mann lassen sich nicht vorbeugen

Einer altersbedingten Abnahme der Produktion von Sexualhormonen, denen die Andropause zugrunde liegt, kann man nicht vorbeugen.

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung hält den Körper auch im Alter fit. Gleichzeitig können so ebenfalls die typischen Wechseljahresbeschwerden bei Männern etwas reduziert werden.

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Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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