Debatte um Verhütung im Notfall

Pille danach: Pro und Contra

Soll die Pille danach auch in Deutschland rezeptfrei werden?

Soll die Pille danach auch in Deutschland rezeptfrei werden? Über diese Frage wird in Deutschland heftig diskutiert. Lifeline stellt die Argumente der Befürworter und Gegner vor.

Pille danach bald ohne Rezept?
Verhütung im Notfall: Wann gibt es die Pille danach in Deutschland ohne Rezept?
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Die Pille danach als Notfallverhütung nach ungeschütztem Sex gibt es seit Jahren in Deutschland auf ärztliches Rezept. Im November 2013 hat sich der Bundesrat für die  Abschaffung der Rezeptpflicht der Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel ausgesprochen. In fast allen europäischen Ländern können Frauen die Pille danach rezeptfrei bekommen.

Der Bundestag diskutierte darüber zuletzt im Februar 2014. Für die Befürworter ist die Abschaffung der Verschreibungspflicht längst überfällig. Vor allem Politiker der Union können sich eine rezeptfreie Pille danach einfach nicht vorstellen.

Argumente für die Rezeptfreiheit der Pille danach

Zuletzt haben Experten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte die Freigabe Levonorgestrel-haltiger Mittel zur Notfallverhütung empfohlen. Wichtig bei der Abgabe des Medikaments in der Apotheke sei dabei eine ausführliche Beratung, so ihre Begründung.

Weitere Argumente der Befürworter wie etwa Familien- und Frauenverbände, Hebammen, Apothekerkammer einer rezeptfreien Pille danach:

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit 2010 Levonorgestrel als Medikament zur Notfallverhütung. Das Mittel kann ohne ärztliche Beratung eingenommen werden. Weltweit ist es in über 80 Ländern rezeptfrei erhältlich.
  • Nebenwirkungen nach der Einnahme der Pille danach mit Levonorgestrel sind gering und nur vorübergehend. Auch die Einnahme während einer bestehenden Frühschwangerschaft schädigt nicht den Embryo.
  • Bei der Wirksamkeit der Pille danach mit Levonorgestrel ist der Zeitfaktor entscheidend. Eine möglichst schnelle Einnahme in den ersten zwölf bis 24 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr ist wichtig, damit eine Schwangerschaft verhütet wird. Die Frauen kostet das Aufsuchen eines Arztes oder einer Notfallambulanz unnötige Zeit.
  • Im ländlichen Raum und konfessionell stark geprägten Regionen stoßen Frauen mitunter auf Schwierigkeiten, ein Rezept für die Pille danach zu bekommen. Lange Wartezeiten, peinliche Befragungen, mitunter Zurechtweisungen kommen hinzu.
  • Apotheken leisten schon jetzt eine oft ausführlichere Beratung zur Einnahme, zu Nebenwirkungen und nachfolgender Verhütung als dies bei Bereitschaftsärzten oder in Notfall-Sprechstunden geschieht.

Contra Rezeptfreiheit der Pille danach

Die Rezeptpflicht für die Pille danach mit Levonorgestrel kann vom Bundesgesundheitsministerium aufgehoben werden. Das Ministerium ist dagegen, auch Frauenärzteverbände wollen an der Verschreibungspflicht festhalten, aus folgenden Gründen:

  • Die Pille danach mit Levonorgestrel ist nicht das Mittel der ersten Wahl. Es bietet als Notfallverhütung nicht die höchstmögliche Sicherheit. Neuere Medikamente, die den Wirkstoff Ulipristalacetat enthalten, wirken besser und länger – bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr. Letzteres ist überall verschreibungspflichtig.
  • Die Pille danach ist ein hochdosiertes hormonell wirksames Präparat, die Nebenwirkungen sind nicht zu vernachlässigen. Eine ärztliche Beratung ist deshalb erforderlich. In vielen Fällen ist eine Einnahme nicht notwendig.
  • Deutschland besitzt ein beispielhaftes System für einen rund um die Uhr zugänglichen ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Versorgung mit Frauenärzten in Deutschland ist flächendeckend.
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Pille danach – wie geht es weiter?

Am 13. Februar 2014 hat der Bundestag über die Rezeptfreiheit zur Pille danach beraten. Anträge der Fraktionen der Linken und der Grünen haben die Parlamentarier an den Gesundheitsausschuss verwiesen. Dort soll weiter beraten werden.

Neue Brisanz in die Debatte um die Pille danach könnte eine Entscheidung auf europäischer Ebene bringen. Der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) liegt ein Antrag vor, auch die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat europaweit freizugeben. Geschieht dies, so wäre die Rezeptpflicht für die Pille danach mit Levonorgestrel in Deutschland möglicherweise hinfällig.

Was sagen Sie? Soll die Pille danach rezeptfrei erhältlich sein - oder die bisherige Praxis beibehalten werden? Wir freuen uns über Ihre Meinung im Kommentarbereich unter diesem Artikel!

Alternativen zur Pille

Autor:
Letzte Aktualisierung:09. September 2014
Quellen: Stellungnahme Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit zur Pille danach, Februar 2014 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Sitzungsprotokoll des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht, Januar 2014 Stellungnahme von Pro Familia e.V. zur Pille danach, Februar 2013 Bundesvereinigung Deutscher Apothekerinnen und Apotheker - Beschluss auf Hauptversammlung September 2013 Bundestag.de - Debattenbericht zur Sitzung am 13. Februar 2014 Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zur Pille danach vom 17.4. 2013

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