Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr

Die Pille danach: Rezeptfreies Notfallverhütungsmittel

Die Pille danach ist ein hormonell wirksames Medikament, das den Eisprung verhindert oder verzögert. Frauen sollten die Pille danach so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr nehmen. Auch wenn sie relativ arm an Nebenwirkungen ist und man sie seit März 2015 rezeptfrei in der Apotheke kaufen kann, sollte die Pille danach nur zur Notfallverhütung einer Schwangerschaft eingesetzt werden.

Pille danach
Seit März 2015 ist die Pille danach rezeptfrei erhältlich.
© DingDong/Fotolia

So sicher viele Mittel zur Empfängnisverhütung sind, Pannen können immer auftreten – zum Beispiel, wenn das Paar nicht daran denkt oder das Kondom reißt. Für diesen Fall steht eine besondere Art der Notfallverhütung zur Verfügung: Die Pille danach.

Pille danach: Die wichtigsten Infos

  • 72 bis 120 Stunden (je nach Präparat) nach dem Geschlechtsverkehr ist die Pille danach wirksam. Je früher sie eingenommen wird, desto wahrscheinlicher ist die Verhütung einer Schwangerschaft.

  • Es gibt zwei verschiedene Präparate, eines mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, eines mit Ulipristalacetat. Beide sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die Kosten muss man selber tragen: Sie belaufen sich auf etwa 18 bis 30 Euro.

  • Die Pille danach kann Nebenwirkungen haben, die jedoch eher gering ausfallen.

Elf vermeidbare Verhütungspannen

Wie und wie lange wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verzögert oder verhindert den Eisprung, der etwa in der Mitte zwischen zwei Menstruationsblutungen stattfindet. Ohne eine reife Eizelle kann keine Befruchtung durch die männlichen Spermien und keine Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut stattfinden. Die Medikamente verhindern eine Schwangerschaft, bevor sie entsteht. In Deutschland stehen zwei Wirkstoffe für die Pille danach zur Verfügung: Levonorgestrel und Ulipristalacetat.

  • Levonorgestrel ist ein künstlich hergestelltes Gelbkörperhormon (Gestagen), welches gezielt den Eisprung verhindert. Es ist Bestandteil vieler Antibabypillen. In der Pille danach ist es jedoch bis zu 50-fach höher dosiert. Levonorgestrel-Präparate (in Deutschland unter dem Namen PiDaNa) müssen in den ersten drei Tagen (72 Stunden) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirksamkeit ist umso höher, je eher die Einnahme erfolgt.

  • Die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (oder Ulipristal) gibt es seit Ende 2010 unter dem Namen ellaOne. Ulipristalacetat blockiert das weibliche Sexualhormon Progesteron. So wird der Eisprung hinausgezögert und die Gebärmutterschleimhaut kann sich nicht auf die Einnistung der Eizelle vorbereiten. Ulipristalacetat kann bis zu fünf Tage oder 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Unter anderem wegen dieser relativ großen Zeitspanne für den Einsatz (im Vergleich zu Levonorgestrol) sprechen sich Frauenärzte in Deutschland für Ulipristalacetat als das Mittel der Wahl zur Notfallverhütung aus.

Nach der Einnahme der Pille danach muss das Paar bis zur nächsten Monatsblutung mit nicht-hormonellen Methoden, zum Beispiel mit Kondomen verhüten. Normalerweise setzt die Menstruation um den gewohnten Zeitpunkt oder leicht verspätet ein. Falls die Regel länger als drei Wochen nach Einnahme der Pille danach auf sich warten lässt, sollte die Frau einen Schwangerschaftstest machen.

Mythen übers Verhüten

Kosten für die Pille danach

Seit 16. März 2015 sind Pillen danach mit beiden erhältlichen Wirkstoffen auch in Deutschland rezeptfrei in Apotheken zu bekommen. Die Kosten betragen pro Packung:

  • PiDaNa (Wirkstoff Levonorgestrel): 18,31 Euro
  • ellaOne (Wirkstoff  Ulipristalacetat): 29,96 Euro

Die Pille danach ist ein Medikament, welches in den Hormonhaushalt eingreift. Frauen sollten sie deshalb nur als Notfallverhütung einsetzen. Sie eignet sich als Verhütungsmittel nicht für den Dauergebrauch. Die Pille danach kann nur in einem eng begrenzten Zeitfenster eine Schwangerschaft verhindern, ist vergleichsweise teuer und stressig in der Beschaffung. Außerdem kann sie mit Nebenwirkungen verbunden sein.

Welche Nebenwirkungen hat die Pille danach?

Mit beiden Wirkstoffen ist die Pille ein hochdosiertes Hormonpräparat, das zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Dazu zählen

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Unterleibsschmerzen
  • Brustspannen
  • verzögert einsetzende Menstruation
  • Zwischenblutungen

Bei entsprechend veranlagten Frauen steigt außerdem die Gefahr einer Thrombose.

Wenn es trotzdem zur Schwangerschaft kommt oder diese bereits im vorangegangen Zyklus entstanden ist, wird der Embryo durch die Einnahme der Pille danach mit Levonorgestrel nicht beeinträchtigt. Das Risiko für das (ungeborene) Kind durch Präparate mit Ulipristalacetat ist derzeit noch nicht abschätzbar.

Daher sollte bei Präparaten mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat vor der Einnahme eine bereits bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Frauen, welche die Pille danach mit Ulipristalacetat einnehmen, dürfen für die nächsten sieben Tage zudem nicht stillen.

Alternativen zur Pille

Wie sicher ist die Pille danach?

Die Pille danach kann nicht zu hundert Prozent verhindern, dass eine Frau nach ungeschütztem Verkehr schwanger wird. Beide Wirkstoffe sind nur vor dem Eisprung einsetzbar. Deshalb ist es wichtig, die Pille danach so früh wie möglich nach der Verhütungspanne einzunehmen. So wird die Zeitspanne größer, in der sich der Eisprung verzögert – und das Zeitfenster kleiner, in dem Spermien in der Gebärmutter die Chance haben, ein Ei zu befruchten. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, ist die Pille danach wirkungslos, eine Befruchtung kann dann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Bei Frauen mit Übergewicht sinkt die Wirksamkeit der Pille danach je nach Präparat deutlich. Ab einem Body-Mass-Index über 35 empfiehlt der Berufsverband der Frauenärzte eine Kupferspirale zur Notfallverhütung.

Vorsicht mit anderen Medikamenten: Mögliche Wechselwirkungen

Die Wirkung der Pille danach kann durch bestimmte Arzneimittel herabgesetzt werden. Lesen Sie dazu bitte auch den Beipackzettel gut durch. Mit Medikamenten gegen folgende Beschwerden können Wechselwirkungen auftreten:

Selbsttest
Welches Verhütungsmittel passt zu mir?

Verhütung ist eine höchst individuelle Sache und kommt stark auf die eigenen Vorlieben, den Charakter und die Lebensumstände an. Dieser Test kann daher nur als grobe Einschätzung dienen, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet sein könnte. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bewerten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin und gegebenenfalls Ihrem Partner.

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