Eine Patientin berichtet

Migräne-Selbsthilfegruppe: So hat sie mir geholfen

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Zusammenhalt kann stärken - das berichtet auch Migräne-Patientin Christel Plum.
Getty Images/Hemera

Manche halten Selbsthilfegruppen für Schwafel-Runden, andere verknüpfen mit ihnen die Hoffnung auf eine Wunder-Therapie. Keine dieser beiden Vorstellungen trifft jedoch die Realität. Doch was passiert in den Selbsthilfegruppen? Welche Vorteile haben sie? LIFELINE sprach darüber mit Christel Plum (44), Mitglied einer MigräneLiga-Selbsthilfegruppe aus Krefeld.

LIFELINE:

Frau Plum, warum haben Sie sich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen?

Christel Plum:

Ich bin vor sieben Jahren zum ersten Mal mit einer Selbsthilfegruppe in Kontakt gekommen und merkte sofort, dass sie einem die Angst vor der Krankheit nehmen kann: Ich litt unter einer Migräne mit Aura, ich hatte richtige Panikattacken, wenn ich in der Stadt mit meinem Säugling unterwegs war und plötzlich nichts mehr sah. Ich hatte unheimliche Angst, unter einem Hirntumor zu leiden. Dann aber sprach ich mit einer Frau aus einer Selbsthilfegruppe in Köln, die Ähnliches erlebt hatte.

LIFELINE:

Inwiefern hat Ihnen das geholfen?

Christel Plum:

Nach dem Gespräch habe ich mich längst nicht mehr so ausgeliefert gefühlt. Denn ich wusste, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Schmerzen hat - dass es jemanden gibt, der sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man mit dem Kopf am liebsten gegen die Wand laufen würde, weil dies immer noch besser ist als die Migräne selbst. Außerdem hat mir die Frau geraten, mich an einen Neurologen zu wenden - das hat mir auch sehr geholfen.

LIFELINE:

Wie läuft so ein Treffen Ihrer Selbsthilfegruppe ab?

Christel Plum:

Zunächst stellen sich die neuen Besucher vor. Anschließend schildert jeder, welche Erfahrung er in den letzten Wochen mit der Migräne gemacht hat. Daraus entwickelt sich dann ein Gespräch.

LIFELINE:

Das klingt ein wenig nach Kaffeekränzchen ...

Christel Plum:

Nein, das ist es nicht. Oft fragt jemand z.B. "ich habe das und das, was kann ich machen?" Daraus entspinnt sich eine Diskussion. Außerdem laden wir auch Experten ein. Vor einigen Wochen hatten wir einen Allgemeinmediziner zu Gast, der über die verschiedenen Migräne-Arten und schulmedizinische Therapieansätze referierte. Demnächst kommt ein Psychologe und erzählt uns, wie man in seinem Fachgebiet die Migräne deutet.

LIFELINE:

Stehen Sie Ihrer Krankheit gelassener gegenüber, seit Sie eine Selbsthilfegruppe besuchen?

Christel Plum:

In jedem Fall. Die Gespräche in der Selbsthilfegruppe machen mir die Krankheit bewusster. Darum werde ich von den Attacken nicht mehr überfallen. Wenn ich jetzt einen Migräne-Anfall bekomme, ärgere ich mich zwar darüber - aber die Attacke wirft mich nicht mehr aus der Bahn. Ich stelle mich auf sie ein: Ich lege mich hin und mache nur angenehme Sachen.

Mir geht es jetzt aber ohnehin besser: Ich habe jetzt oft monatelang keinen Anfall. Außerdem halten die Attacken nur noch vier Stunden an und sind relativ schwach.

LIFELINE:

Warum sind Sie noch immer in einer Selbsthilfegruppe, wenn es Ihnen inzwischen so gut geht?

Christel Plum:

Ich muss die Krankheit in meinem Bewusstsein behalten - auch in Zeiten, in denen es mir gut geht. Ich mache seit längerer Zeit täglich eine halbe Stunde Entspannungsübungen und dreimal in der Woche Ausdauertraining - ein Tipp übrigens, den mir jemand in der Selbsthilfegruppe gegeben hat. Diese Sachen haben sicherlich dazu beigetragen, dass es mir jetzt so gut geht. Doch darf ich jetzt nicht anfangen, das Training schleifen zu lassen - und dabei hilft mir die Selbsthilfegruppe.

Außerdem möchte ich natürlich meine Erfahrung mitteilen und hoffnungslosen Migräne-Kranken klar machen, dass man in den meisten Fällen durchaus etwas tun kann. (BSMO)

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Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2012

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