Alternative Schmerztherapie

Neuraltherapie

Bei der Neuraltherapie werden Injektionen mit örtlich wirkenden Betäubungsmitteln in Störfelder des Körpers gesetzt. Sie helfen dabei, Körperfunktionen wieder zu normalisieren und die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.

Neuraltherapie
Injektionen mit lokal wirkenden Anästhetika bilden die Basis der Neuraltherapie.
Getty

Wie der Name schon vermuten lässt, stehen bei der Neuraltherapie die Nerven im Fokus. Das Prinzip dieser Behandlungsform: Der Therapeut spritzt in geringen Mengen ein lokal wirkendes Betäubungsmittel in die Nervenenden in der Haut. Dabei verwendet er vor allem:

  • Lidocain
  • Procain

Diese Lokalanästhetika sollen Schmerzen an den betroffenen Stellen lindern.

Neuraltherapie nutzt Nervenverbindung zwischen Organ und Haut

Diese Wirkung üben sie jedoch nicht nur an der Einstichstelle aus. Auch weiter entfernte Störzonen wie Narbengewebe und erkrankte Organe soll die Neuraltherapie erreichen. Sie verfügt also über eine Fernwirkung. Denn zwischen allen Organen und Gewebeverbänden gibt es der Theorie nach Nervenverbindungen zu bestimmten Hautstellen.

Diese sogenannten Head-Zonen auf der Haut sind also wie ein äußerer Spiegel des inneren Körperzustands. Reagiert etwa eine bestimmte Head-Zone besonders empfindlich, deutet das auf ein Problem in dem zugeordneten Organ. Ein Beispiel: Gallenblasenbeschwerden strahlen häufig in die rechte Schulter aus. Die Haut reagiert dann an dieser Stelle sehr sensibel.

Die Anwendungsgebiete der Neuraltherapie

Besonders erfolgversprechend zeigte die Neuraltherapie bei folgenden Gesundheitsproblemen:

Außerdem kann die Behandlung die Rehabilitation nach Unfällen oder Operationen beschleunigen.

Die Neuraltherapie geht auf den Arzt Ferdinand Huneke (1891-1966) zurück. In den 1920er Jahren fand er heraus, dass jedes Körperteil über Nervenbahnen mit bestimmten Hautpartien verbunden ist. Huneke versuchte die Beschwerden eines Körperteils zu lindern, indem er das Betäubungsmittel Procain in die zugeordnete Hautpartie spritzte. Gleichzeitig behandelte er Störfelder des Körpers, etwa Narben oder Verletzungen, die seiner Meinung nach die Ursache für diverse Erkrankungen sind.

Neuraltherapeuten gehen davon aus, dass chronische Erkrankungen mit Störfeldern des Körpers zusammenhängen. Störfelder sind zum Beispiel Narben, Verletzungen oder chronische Entzündungen.

So wird die Neuraltherapie durchgeführt

Meist nutzen Heilpraktiker und naturheilkundlich orientierte Ärzte die Neuraltherapie. Während der ausführlichen Anamnese schildert der Patient seine Beschwerden. Danach folgt die körperliche Untersuchung, wobei der Therapeut die Haut sorgfältig abtastet. Dabei achtet er auf Head-Zonen sowie Triggerpunkte und kann auf diese Weise Störfelder und die damit verbundenen inneren Erkrankungen identifizieren.

Nach der Diagnose entscheidet sich der Therapeut für eine Stichtechnik, denn neben der Injektion direkt unter die Haut ist auch das tiefere Einstechen in Muskeln und Triggerpunkte möglich.

Beweise für die Wirksamkeit der Neuraltherapie

Handelt es sich bei dem Erfolg der Neuraltherapie um einen Placebo-Effekt oder wirken die Schmerzspritzen tatsächlich? Ihre Wirkung konnte in klinischen Studien zumindest teilweise belegt werden. Vermutlich verhindern die Betäubungsmittel, dass die Nerven an der behandelten Stelle weiter Dauerreize aussenden. Die Schmerzen lassen nach und das vegetative Nervensystem wird positiv beeinflusst. Die Selbstheilungskräfte des Körpers können nun aktiver werden, da der Teufelskreis des Dauerschmerzes unterbrochen worden ist.

Risiken und Nebenwirkungen der Neuraltherapie

Allerdings kann die Neuraltherapie auch zu unerwünschten Effekten führen. So gibt es Menschen, die allergisch auf die verwendeten Lokalanästhetika reagieren. Deshalb ist es sinnvoll, dass der Therapeut das vorher mit einem Allergietest kontrolliert. Außerdem können sich blaue Flecke um die Einstichstellen bilden, die jedoch in der Regel rasch wieder verschwinden. Entzündungen durch die Injektionen gibt es kaum, zumindest solange Einmalnadeln verwendet werden.

Dauer der Behandlung und Kosten

In der Regel reichen fünf Behandlungen aus. Die Neuraltherapie ist jedoch keine Kassenleistung. Pro Sitzung, bei der mehrere Injektionen erfolgen, muss der Patient mit rund 25 Euro rechnen.

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Letzte Aktualisierung:26. Oktober 2016

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