Für die akute Behandlung und Vorbeugung

Medikamente gegen Migräne

Zur Behandlung von Migräneattacken stehen heute vielfältige Medikamente zur Verfügung. Das Spektrum reicht von gängigen Schmerzmitteln bis hin zu verschreibungspflichtigen Triptanen.

Frau Tablette
Mit geeigneten Medikamenten lässt sich die Migräne gut behandeln.
© iStock.com/FotoDuets

Medikamente bei Migräne eignen sich sowohl zur Behandlung eines akuten Anfalls als auch – falls nötig – zur Vorbeugung in Form einer Dauertherapie. Welcher Wirkstoff dabei zum Einsatz kommt, gilt es je nach Art und Intensität der Beschwerden mit dem behandelnden Arzt zu klären.

Migränemittel für die Akutbehandlung

Zur Behandlung eines akuten Migräneanfalls stehen Medikamente zur Schmerzlinderung und zudem gegen Übelkeit und Erbrechen zur Verfügung. Wichtig ist grundsätzlich, die Mittel gegen die Magen-Darm-Beschwerden in einem zeitlichen Abstand von etwa 20 Minuten vor dem Schmerzmittel einzunehmen, sodass beide Migränemittel gut wirken können.

In der Regel sollten die Mittel frühzeitig und bei ersten Anzeichen eingenommen werden, sodass eine Schmerzattacke noch vor ihrem Höhepunkt gezielt bekämpft werden kann. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Zur Schmerzlinderung können folgende Mittel zum Einsatz kommen:

  • Geeignete Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, Nichtopioid-Analgetika) wie zum Beispiel Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure bei leichten Schmerzen. Die Dosierung erfolgt gemäß Packungsbeilage beziehungsweise Anweisung von Arzt oder Apotheker. Die Anwendung sollte frühzeitig erfolgen.

  • Triptane (Serotoninrezeptoragonisten) wie zum Beispiel Sumatriptan oder Zolmitriptan (verschreibungspflichtig; als Tabletten, Spritzen oder Nasenspray) bei mittelschweren und starken Beschwerden. Triptane verengen über die Beeinflussung des Serotoninstoffwechsels die Blutgefäße und haben auf diese Weise einen schmerzstillenden Effekt. Triptane werden deshalb auch als Serotonin-Antagonisten bezeichnet. Es gibt sie als Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Spritzen zur Selbstinjektion. Nicht jedes Triptan wirkt bei den unterschiedlichen Migräneformen gleich gut. Auch ist die Zeitspanne, bis die Wirkung einsetzt, unterschiedlich lang und hängt mit von der Darreichungsform ab. So wirkt Sumatriptan, unter die Haut injiziert, mit zehn Minuten bis zum Einsetzen der Wirkung am schnellsten.

    Zwar kann mit einer Triptane-Behandlung jederzeit während eines Migräne-Anfalls begonnen werden, sie wirken jedoch umso besser, je früher sie nach Beginn der Migräne-Attacke angewendet werden. Auch hier sollten die Packungsbeilage und die Anweisungen von Arzt oder Apotheker berücksichtigt werden. Ob und welches Triptan wie oft im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit dem Facharzt geklärt werden. Denn eine zu häufige Anwendung kann erneute Kopfschmerzen auslösen.

    Ein Problem stellt manchmal die relativ geringe Wirkdauer der Triptane dar. Die Folge ist ein erneutes Auftreten der Kopfschmerzen, der sogenannte Wiederkehrschmerz. Beim Wiederkehrschmerz kann eine weitere Dosis der Triptane eingenommen werden. Hat aber schon die erste Dosis keinerlei Wirkung gezeigt, ist auch die Einnahme einer zweiten Dosis nicht Erfolg versprechend. Eventuell ist dann das Ausweichen auf einen anderen Wirkstoff empfehlenswert.

    Wichtig: Die Anwendung von Triptanen ist bei Bluthochdruck und Koronarer Herzkrankheit nur nach Rücksprache und Nutzen-Risikoabwägung durch den Arzt in Erwägung zu ziehen. Darüber hinaus dürfen Triptane nicht gemeinsam mit sogenannten Mutterkornalkaloiden sowie während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

  • Mutterkornalkaloide wie etwa Ergotamintartrat oder Dihydroergotamin. Auch diese Medikamente wirken verengend auf die Blutgefäße, werden allerdings aufgrund der Verträglichkeit seltener als Triptane eingesetzt. Mutterkornalkaloide müssen zu Beginn einer Attacke angewendet werden. Wichtig: Die Einnahme mit Triptanen zusammen ist unbedingt zu vermeiden!
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Migränemedikamente in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist die Einnahme von Medikamenten oft nicht nötig: Migräne-Anfälle bleiben in der Schwangerschaft in 80 Prozent der Fälle ganz aus oder treten abgeschwächt auf. Dass sich während der Schwangerschaft die Migräne bessert, ist auf den gleichmäßig hohen Östrogenspiegel besonders nach dem dritten Monat zurückzuführen.

Schwangere, die trotzdem leiden, dürfen Schmerzmittel einsetzen, doch bei weitem nicht jedes.

So sind Triptane für Schwangere nicht zugelassen. Absolut verboten ist das Medikament Valproinsäure, das fruchtschädigend wirkt: Es kann unter anderem eine Spina bifida (offener Rücken) und eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hervorrufen. Auch ergotaminhaltige Medikamente dürfen Schwangere unter keinen Umständen einnehmen. In Tierversuchen hat es sichebenfalls als schädlich für den Embryo erwiesen.

Ein absolutes Schmerzmittel-Verbot herrscht nur in den ersten drei Monaten, sagt Dr. Volker Pfaffenrath, Kopfschmerzspezialist aus München. Danach ist Paracetamol in Kombination mit Metoclopramid (gegen Übelkeit und Erbrechen) während der gesamten Schwangerschaft erlaubt. Bis zum sechsten Monat einschließlich könne die Schwangere auch Acetylsalicylsäure (ASS) nehmen. Da ASS aber nicht nur ein Schmerzmittel, sondern auch blutverdünnendes Medikament ist, sollten Frauen es zu einem späteren Zeitpunkt wegen des erhöhten Blutungsrisikos nicht mehr nehmen. Im letzten Drittel der Schwangerschaft und bei auftretender Migräne spricht gegen eine Verwendung zudem, dass ASS die Schwangerschaft und den Geburtsvorgang verlängern kann.

Wichtig: Bei Schwangeren ist in Bezug auf eine medikamentöse Therapie besondere Vorsicht geboten.  Alle Medikamente gegen Migräne sollten in der Schwangerschaft nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. 

Zur Linderung von Migräne-Attacken werden alternative Methoden wie Akkupunktur und Entspannungstechniken. Auch Magnesium kann den Schmerz lindern – unter anderem, weil es krampflösend wirkt. Die Schwangere sollte den Mineralstoff allerdings schon einnehmen, bevor es überhaupt zu einer Attacke gekommen ist. Empfehlenswert sei eine Dosis von täglich zweimal 300 mg.

Medikamente für Kinder

Auch bei Kindern müssen nicht gleich Medikamente eingesetzt werden. Gerade bei jungen Kindern sind die Attacken meist sehr schnell wieder vorbei.

Bei Kindern rät die neurologische Fachgesellschaft DGN zu Ibuprofen (10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht), Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr können auch mit Sumatriptan als Nasenspray behandelt werden. Bevor Kinder Medikamente gegen Migräne nehmen, sollte zur Sicherheit ein Arzt konsultiert werden.

Medikamente gegen Symptome wie Übelkeit

Wer bei Migräne nicht nur unter Schmerzen, sondern auch unter Übelkeit und Erbrechen leidet, kann auch gegen diese Beschwerden gezielt Medikamente einsetzen. Wichtig ist dabei ein zeitlicher Abstand von etwa 20 bis 30 Minuten zu den Schmerzmitteln. Viele Migränegeplagte nehmen das Antiemetikum – welches die Übelkeit behandelt – zusammen mit den Triptanen oder Schmerzmitteln ein. Besser ist es aber, das Antiemetikum eine halbe Stunde vor den Triptanen einzunehmen. Auf diese Weise ist die Übelkeit bereits abgeklungen, wenn die Triptane in den Magen gelangen. Es besteht somit nicht mehr die Gefahr, dass der Betroffene sich übergibt und die Triptane nicht wirken können. Auch wenn er die Migräne mit einem normalen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol behandelt, gilt: Erst das Antiemetikum einnehmen. Bei starker Übelkeit werden Antiemetika wie zum Beispiel Metoclopramid (MCP) eingesetzt, welche den Brechreiz unterdrücken. Auch Domperidon hat sich bewährt.

Sobald das Antiemetikum wirkt, ist es wichtig, viel zu trinken. Denn sollte sich der Patient in der Übelkeitsphase häufiger übergeben haben, leidet er unter einem Flüssigkeitsmangel, der Kreislaufprobleme hervorrufen und sogar zu Ohnmacht führen kann. An Getränken eignet sich am besten Mineralwasser, da es viele lebenswichtige Elektrolyte wie Natrium und Kalium enthält, die während des Erbrechens ebenfalls verloren gehen. Manchmal ist auch Kaffee einen Versuch wert, denn in einigen Fällen wird die Migräneattacke auch durch einen Abfall des Koffeinspiegels im Blut ausgelöst. Die Wirksamkeit der Medikamente kann durch Allgemeinmaßnahmen unterstützt werden: durch Hinlegen in einen ruhigen und abgedunkelten Raum und Kühlen der Stirn, beispielsweise mit einem in kaltes Wasser getränkten Tuch. Einigen Betroffenen hilft auch Wärme im Nacken.

Migränemittel zur Prophylaxe

Gerade bei besonders häufigen (mehr als zwei bis drei schweren Migräne-Attacken im Monat) beziehungsweise stark ausgeprägten, lange andauernden (mehr als 48 Stunden) Migräneattacken wird Betroffenen die Einnahme geeigneter Medikamente auch zur Vorbeugung empfohlen. Laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist eine medikamentöse Migräneprophylaxe angezeigt bei hohem Leidensdruck oder wenn die Anfälle trotz der Akutbehandlung als unerträglich erlebt werden. In diesem Fall kann eine Dauermedikation notwendig sein.

Als Mittel zur Vorbeugung kommen unter anderem in Frage:

  • Beta-Rezeptoren-Blocker wie Metoprolol, Propranolol, Bisoprolol
  • Calciumantagonisten wie Flunarizin
  • Medikamente gegen Epilepsie wie Valproinsäure oder Topiramat
  • Bestimmte Serotoninantagonisten
  • Naproxen (insbesondere bei menstrueller Migräne)
  • Pflanzliche Wirkstoffe wie beispielsweise Pestwurz

Welcher Wirkstoff und welche Dosierung im individuellen Fall geeignet sind, gilt es mit dem behandelnden Arzt zu klären.

SOS-Tipps gegen Migräne

Neben der medikamentösen Standardbehandlung gibt es zahlreiche weitere Therapieoptionen bei Migräne. Darunter fallen beispielsweise Maßnahmen, die das Verständnis für die Erkrankung schärfen – wie das Führen eines Migränetagebuchs –, Verhaltenstherapie, intensive Behandlungsprogramme in speziellen Migräne-Kliniken sowie alternative Ansätze – etwa aus der Traditionellen Chinesische Medizin (TCM).

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