Behandlung von Migräneanfällen

Die Therapie von Migräne

Die Migränetherapie zielt zum einen darauf ab, Migräne-Anfälle zu reduzieren. Dafür müssen Auslöser erkannt werden. Zum anderen geht es darum, die Symptome bei einer akuten Migräne wirksam zu lindern.

Frau hat Migräne in der Arbeit
Auch wenn Sie die Migräne im ungünstigen Moment überrascht, können Sie sich meist ganz einfach selbst helfen.
© iStock.com/AndreyPopov

Therapie bei Migräne heißt zweierlei: Den Kopfschmerz-Attacken vorbeugen und, wenn es zu einem Migräne-Anfall kommt, die Symptome effektiv zu behandeln. Um die Migräne-Anfälle reduzieren zu können, müssen Sie die Auslöser der Attacken kennen.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Migräne-Tagebuch deckt Auslöser auf

Den Faktoren, die eine Migräne hervorrufen, kann man am besten mit einem Migränetagebuch auf die Spur kommen. Hier werden jeder Migräne-Anfall und seine Umstände festgehalten. Auf diese Weise lernen Betroffene ihre Auslöser für Migräneattacken kennen und können diese entweder – falls möglich – meiden oder sich auf eine bevorstehende Migräne-Attacke vorbereiten. Migräne-Tagebücher gibt es in gedruckter und elektronischer Form, zum Download und als APP für Ihr Smartphone. Schnell und kostenlos bei uns zum Download!

Im Akutfall: Ruhe, Dunkelheit und Medikamente

Zur nichtmedikamentösen Akutbehandlung bei Migräne gehört vor allem Ruhe in einem abgedunkelten Raum. In der Regel kommt bei Migräne aber auch eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Diese sollte mit einem erfahrenen Arzt abgestimmt werden und immer individuell auf den Patienten angepasst sein. Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen kommen freiverkäufliche allgemeine Schmerzmittel in Frage. Als Mittel erster Wahl empfiehlt die Deutsche Kopfschmerz- und Migränegesellschaft (DKMG) ein Kombinationspräparat in der Zusammensetzung 250 bis 265 mg Acetylsalicylsäure (ASS), 200 bis 265 mg Paracetamol und 50 bis 65 mg Koffein, wovon zwei Tabletten zu nehmen sind. Als weitere Mittel erster Wahl nennt die DKMG Ibuprofen (400 mg), Naratriptan (2,5 mg), Paracetamol (1.000 mg) und Phenazon (1.000 mg).

Starke Schmerzen werden in der Regel mit Ergotalkoiden oder Sumatriptan behandelt. Die wohl bekanntesten Arzneistoffe bei Migräne sind Triptane, sogenannte Serotoninrezeptoragonisten, die verengend auf Blutgefäße wirken. Eine ähnliche Wirkung wie Triptane haben Mutterkornalkaloide, die jedoch auf Grund ihrer geringeren Verträglichkeit, seltener eingesetzt werden.

Zur Behandlung von Übelkeit, einem typischen Begleitsymptom von Migräne, werden in einem zeitlichen Abstand zu den Migränemitteln Antiemetika eingesetzt, die den Brechreiz unterdrücken.

Behandlung in speziellen Migräne-Kliniken

Besonders bei chronischer Migräne – diese liegt vor, wenn die Migräne-Beschwerden an mehr als 15 Tagen im Monat über mindestens drei Monate aufgetreten sind – kann eine Behandlung in einer auf Migräne spezialisierten Klinik sinnvoll sein. Wer sich die "Aufnahme-Indikationsliste" anschaut, die die Schmerzklinik Kiel gemeinsam mit der AOK Schleswig-Holstein erarbeitet hat, merkt schnell: Nur schwere Fälle haben eine Chance. Gründe für eine Aufnahme in die Spezialklinik sind:

  • Trotz diverser Untersuchungen sind die vorbehandelnden Ärzte über die Diagnose im Zweifel.
  • Wiederholte Therapieversuche konnten die Schmerzen nicht reduzieren.
  • Die Migräne ist so ausgeprägt, dass der Patient ständig mehr Medikamente nimmt, als ratsam ist.
  • Die Behandlung ist sehr kompliziert, da der Patient noch unter anderen schweren körperlichen Erkrankungen wie einer koronaren Herzkrankheit, psychischen Störungen leidet (zum Beispiel Depressionen, Schlafstörungen) oder eine Medikamentenunverträglichkeit vorliegt.

Manchmal werden Patienten auch aufgenommen, wenn sie von plötzlichen heftigen Schmerzen überfallen werden ("schmerztherapeutischer Notfall"), die Ärzte ohne Spezialisierung nicht therapieren können, wie eine aktive Clusterkopfschmerz-Periode oder eine Trigeminusneuralgie.

Patienten, die meinen, gute Aussichten auf die Aufnahme in eine Migräneklinik zu haben, können ihren Arzt um eine Einweisung bitten, sagt Prof. Hartmut Göbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel, in der sich ein Patient durchschnittlich drei Wochen aufhält. Damit die Kosten für den Klinikaufenthalt von der Krankenkasse übernommen werden, muss der Patient bei seiner Krankenkasse einen entsprechenden Antrag einreichen. Antragsformulare werden in der Regel von den Kliniken, die im Normalfall auch bei Fragen bezüglich des Antrags beraten, bereitgestellt. Nach den Erfahrungen von Nikolai Karheiding, Vorsitzender der Migräne-Liga e.V. Deutschland, lehnen die Krankenkassen – und auch die Rentenversicherungsträger – eine stationäre Behandlung zunächst aber oft ab. Es lohne sich in jedem Fall, fristgemäß Widerspruch einzulegen und sich dabei ganz präzise auf die Absagegründe zu beziehen. Erteilt die Krankenkasse die Absage informell etwa übers Telefon, ist es zudem ratsam, auf eine schriftliche Absage mit Rechtsmittelbehelf zu bestehen.

Erhält der Patient eine Zusage, sollte er unbedingt prüfen, ob in der ihm zugewiesenen Klinik auch wirklich Migräne-Spezialisten arbeiten, rät Karheiding. Bei einer Reha-Klinik, die nur eine psychosomatische Abteilung hat, sei grundsätzlich Vorsicht angebracht: "Medikamentenentzug, Programme zur Schmerzbewältigung, Patientenaufklärung sowie Akutbehandlung während eines Migräne-Anfalls bleiben zu oft auf der Strecke." Eine Liste mit Spezialkliniken für Migräne findet sich auf der Internetseite der Migräne-Liga.

Sieben überraschende Migräne-Helfer

Alternative Behandlungsformen

  • Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sieht den Auslöser für Migräne in einem gestörten Energiefluss. Eine Behandlung mit Akupunktur, Ohrakupunktur und Kräutern (zum Beispiel Artischocken-Extrakte) kann den Energiefluss wieder ins Gleichgewicht bringen und damit eine Behandlungsoption bei Migräne sein.

  • Ebenfalls stehen homöopathische Arzneimittel zur Verfügung, die bei der Behandlung von Migräneattacken unterstützen können.

  • Inzwischen gibt es einige Hinweise aus kleineren Studien, dass die transkranielle Magnetstimulation (TMS) auch bei bestimmten Migräneformen mit Aura wirkt. Allerdings sind TMS-Geräte meist sehr groß und unhandlich, sodass eine Behandlung nur in einer entsprechend ausgerüsteten Praxis erfolgen kann.

  • Biofeedback ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren der Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse für den Patienten wahrnehmbar gemacht werden. Muskelaktivität, Herzfrequenz, Atemtätigkeit, Hauttemperatur, Hautfeuchtigkeit und Hirnaktivität können willentlich vom Patienten verändert werden, um so in Stresssituationen besser entspannen zu können.

  • Akupunktur: Ein weiterer erfolgversprechender Ansatz zur Reduzierung von Migräne-Anfällen ist die Akupunktur. Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) beispielsweise nennt sie als Option. Allerdings ist die Akupunktur bei Migräne keine Kassenleistung und muss in der Regel selbst bezahlt werden.

Verhaltenstherapie bei Migräne

Das Leben mit dem Schmerz hinterlässt bei vielen Patienten Spuren. Angststörungen und Depressionen zählen zu den häufigen Komorbiditäten, die einer gezielten Behandlung bedürfen. Hier kann die professionelle Hilfe durch einen Psychotherapeuten sinnvoll sein. Dasselbe gilt auch im Hinblick auf das Erlernen gezielter Strategie, um das Leben mit der Migräne (und gegebenenfalls Komorbiditäten wie Depressionen) wieder in den Griff zu bekommen.

Eine Verhaltenstherapie wird laut den Leitlinien zur Therapie bei Migräne dann empfohlen, wenn die Attacken sehr häufig auftreten oder Migränemittel in gefährlich hoher Menge eingenommen werden. Auch wenn psychische Veränderungen wie zunehmender sozialer Rückzug, Traurigkeit und Antriebslosigkeit beobachtet werden, kann eine psychotherapeutische Hilfestellung sinnvoll sein. Ob eine Verhaltenstherapie empfohlen wird, hängt insbesondere auch von der subjektiv empfundenen Beeinträchtigung durch die Migräneattacken ab.

Bei chronischer Migräne kann Botox helfen

Zur Behandlung nur bei chronischer Migräne können zudem Injektionen mit Botulinumtoxin A (Botox), eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen zur medikamentösen Migräne-Prophylaxe nicht gewirkt haben. Sollten Sie sich für diese Behandlungsoption interessieren, ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt dringend empfehlenswert.

Eine weitere Option zur Prävention von Migräne-Attacken könnte die Behandlung mit dem Schlafhormon Melatonin sein: In einer brasilianischen Studie, die im Frühjahr 2013 vorgestellt worden war, konnte damit die Zahl der Anfälle deutlich gesenkt werden.

Bekannte Hausmittel gegen akute Migräneanfälle

  • Befeuchten Sie einen Waschlappen mit kaltem Wasser und legen Sie den kalten Lappen in den Nacken. Die angenehme Kühle wirkt bei Migräne schmerzlindernd.

  • Träufeln Sie ein paar Tropfen ätherisches Lavendel-Öl auf ein Stück Stoff und legen Sie dieses auf die Stirn. Lavendel hat eine entspannende und beruhigende Wirkung.

  • Nehmen Sie ein warmes Fußbad. Lassen Sie dazu warmes Wasser in eine Schüssel ein und baden Sie Ihre Füße fünf bis 15 Minuten darin. Die Wärme entspannt die Muskulatur und fördert die Durchblutung Ihres Körpers. Eine Handvoll schwarzes Senfmehl kann diesen Effekt noch verstärken.

Prophylaxe: Stressabbau und Entspannung beugen Migräne vor

Migräne-Patienten stellen oft sehr hohe Anforderungen an sich selbst und geraten so häufiger in Stresssituationen. Stress ist einer der häufigsten Triggerfaktoren für Migräne. Eine Vermeidung von Stress und kann in vielen Fällen entscheidend dazu beitragen, Migräneanfälle zu verhindern. Regelmäßige Entspannungsübungen helfen, ausgeglichener zu sein und sich von Stresssituationen nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen.

Die hier vorgestellten Techniken steigern die Körperwahrnehmung und stabilisieren Körperfunktionen wie Muskelan- und -entspannung, Herzfrequenz und Hormonausschüttung.

  • Autogenes Training: Die Grundidee dieser Entspannungsmethode ist, durch die eigene Vorstellungskraft auf physiologische Vorgänge im Körper einzuwirken. So kann regelmäßiges Üben helfen, in Stresssituationen schneller zu entspannen und Migräneanfälle zu verhindern.

  • Progressive Muskelentspannung: Der Entspannung und dem Stressabbau dienen Techniken wie die Muskelentspannung nach Jacobson. Hier wird gelernt, die An- und Entspannung der Muskulatur bewusst wahrzunehmen. So fällt es Betroffenen leichter, auch im Alltag zu erkennen, wann der Körper übermäßig angespannt ist. So k

  • Yoga: Viele Migräne-Patienten haben auch gute Erfahrungen mit Yoga gemacht. Der Körper wird beweglicher, seine Funktionen verbessern und stabilisieren sich. Yoga arbeitet auf der Ebene von Körper, Atem und Geist. Muskelverspannungen und falsche Atemfrequenz (Hyperventilation) werden schneller wahrgenommen. Somit kann im Alltag bei Verspannungen und Unruhezustände gezielter entgegengewirkt werden.

  • Qi Gong: Die Heilgymnastik aus dem alten China verbindet Atem-, Bewegungs- und Meditationsübungen miteinander und trägt aktiv dazu bei, Stress abzubauen.

  • Meditation: Je aktiver die linke Gehirnhälfte ist, umso besser können wir negative Einflüsse wie Stress verarbeiten. Meditative Achtsamkeitsübungen zielen darauf ab, die Aktivität der linken Gehirnhälfte zu steigern. Regelmäßige Meditationseinheiten helfen so, dass Stress als Migräne-Triggerfaktor an Bedeutung verliert.

  • Alles begann mit einer Studie der Universität von Wisconsin. Durch Hirnstrommessungen wurde festgestellt, dass ihre Probanden innerhalb von 4 Monaten eine effektive Linderung der Probleme spürten. So war zu Beginn der Untersuchung die rechte Gehirnhälfte der Probanden aktiver und nach 4 Monaten war dies aufgrund der Achtsamkeitsmeditation auf die linke Gehirnhälfte übergegangen. Dies kann für einen Patienten mit Migräne die Rettung vor ständigen Schmerzattacken sein. Wenn nämlich die linke Hirnhälfte aktiver wird, können Stress und negative Alltagsereignisse besser verarbeitet werden.

Migräneattacke? Diese SOS- und Prophylaxe-Tipps helfen Ihnen

Weitere Methoden zur Migräne-Prophylaxe

  • Regelmäßiger Sport: Zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen, mit denen Sie vor allem die Schmerzintensität von Migräne-Anfällen vorbeugend mindern können, gehört regelmäßige körperliche Bewegung. Vor allem durch Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren werden seelische und körperliche Spannungszustände abgebaut. Treiben Migränepatienten beispielsweise dreimal pro Woche leichten Ausdauersport, etwa 20-minütige Joggingeinheiten, sinkt die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken um 20 bis 45 Prozent. Wissenschaftler führen die positiven Effekte von Ausdauersport auf den Migräne-Verlauf darauf zurück, dass bei Sport Stress abgebaut wird.

  • Regelmäßige Schlafenszeiten: Sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Ein Schlafdefizit bedeutet Stress für den Körper und Stress ist ein bedeutender Auslöser für Migräne-Attacken. Allerdings kann auch ungewohnt langes Ausschlafen zu einer Migräneattacke führen.

  • Ausgewogene Ernährung: Eine spezielle Migräne-Diät gibt es nicht. Das Umstellen der Ernährung ist dann sinnvoll, wenn ein direkter Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder dessen Zusatzstoff und dem Auftreten einer Migräne besteht. Ob und welche das sind, können Betroffene mit einem Migränetagebuch herausfinden. Neben dem Verzicht auf bekannte individuelle Auslöser sollten keine Mahlzeiten verschoben oder übersprungen werden.

  • Vermeidung von Extremen: Ob Alkoholexzesse, einseitige Fastenkuren oder durchgefeierte Nächte rächen sich bei Migräne-Patienten oft. Hilfreich ist dagegen ein geregelter Tagesablauf.

  • Im Urlaub: Jetlag, ungewohntes Klima, geänderte Schlafenszeiten – im Urlaub können einige typische Migräne-Auslöser zusammenkommen. Dies sollten Sie daher möglichst schon bei der Urlaubsplanung berücksichtigen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, Ihre gewohnten Medikamente im Reisegepäck mitzuführen, da sie im Ausland unter Umständen schwer zu beschaffen sind.

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