Behandlung von Migräneanfällen

Die Therapie von Migräne

Die Migränetherapie zielt zum einen darauf ab, Migräne-Anfälle zu reduzieren. Dafür müssen Auslöser erkannt werden. Zum anderen geht es darum, die Symptome bei einer akuten Migräne wirksam zu lindern.

Frau hat Migräne in der Arbeit
Auch wenn Sie die Migräne im ungünstigen Moment überrascht, können Sie sich meist ganz einfach selbst helfen.
© iStock.com/AndreyPopov

Therapie bei Migräne heißt zweierlei: Den Kopfschmerz-Attacken vorbeugen und, wenn es zu einem Migräne-Anfall kommt, die Symptome effektiv zu behandeln. Um die Migräne-Anfälle reduzieren zu können, müssen Sie die Auslöser der Attacken kennen.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Migräne-Tagebuch deckt Auslöser auf

Den Faktoren, die eine Migräne hervorrufen, kommen Sie am besten mit einem Migränetagebuch auf die Spur. Hier halten Sie jeden Migräne-Anfall und die Umstände fest. Auf diese Weise lernen Sie Ihre Auslöser für Migräneattacken kennen und können diese entweder – falls möglich – meiden oder sich auf eine bevorstehende Migräne-Attacke vorbereiten. Migräne-Tagebücher gibt es in gedruckter und elektronischer Form, zum Download und als APP für Ihr Smartphone. Schnell und kostenlos bei uns zum Download!

Prophylaxe: Stressabbau und Entspannung beugen Migräne vor

Vielen Menschen fällt es im Alltag ausgesprochen schwer, abzuschalten und sich von Stresssituationen zu erholen. Immer wieder ist versucht worden, das Auftreten von Migräne einem bestimmten Persönlichkeitstyp zuzuordnen – ohne jeden Erfolg. Die typische Migräne-Persönlichkeit existiert nicht, es kann grundsätzlich jeden treffen. Allerdings ist bei solchen Untersuchungen aufgefallen, dass Migräne-Patienten oft sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellen, möglichst alles perfekt machen wollen und so häufiger in Stresssituationen geraten. Solch eine Lebenseinstellung kann einen erheblichen Faktor darstellen, der zur Auslösung von Migräne-Attacken beiträgt. Erkennen Sie sich hier wieder, sollten Sie versuchen, die Ansprüche an sich selbst etwas herunterzuschrauben. Niemand muss immer alles perfekt machen – gestehen Sie sich auch einmal kleine Fehler und Abweichungen von Ihren Prinzipien zu. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie versuchen, den Migräneanfall als Warnsignal Ihres Körpers anzunehmen und Ihre momentanen Belastungen und Erwartungen an sich selbst zu überprüfen.

Das Erlernen von Entspannungstechniken kann wesentlich zur Vorbeugung von Migräne-Attacken beitragen. Die hier vorgestellten Techniken steigern die Körperwahrnehmung und stabilisieren Körperfunktionen wie Muskelan- und -entspannung, Herzfrequenz und Hormonausschüttung. Der Körper wird bei regelmäßig angewandten Entspannungstechniken von Stresssituationen nicht so leicht aus dem Gleichgewicht gebracht.

  • Autogenes Training: Die Grundidee dieser Entspannungsmethode ist, durch die eigene Vorstellungskraft auf physiologische Vorgänge im Körper einzuwirken. So können wir es schaffen, Körperfunktionen zu steuern, die unser unwillkürliches Nervensystem lenkt und damit normalerweise ohne Einfluss unseres Willens geschehen.

  • Progressive Muskelentspannung: Der Entspannung und dem Stressabbau dienen daneben Techniken wie die Muskelentspannung nach Jacobson. Hier wird unter Anleitung gelernt, die An- und Entspannung der Muskulatur bewusst wahrzunehmen.

  • Yoga: Viele Migräne-Patienten haben auch gute Erfahrungen mit Yoga gemacht. Der Körper wird durch Yoga beweglicher, seine Funktionen verbessern und stabilisieren sich. Yoga arbeitet auf der Ebene von Körper, Atem und Geist. Muskelverspannungen und falsche Atemfrequenz (Hyperventilation) werden schneller wahrgenommen.

  • Qi Gong: Die Heilgymnastik aus dem alten China verbindet Atem-, Bewegungs- und Meditationsübungen miteinander und trägt aktiv dazu bei, Stress abzubauen.

  • Biofeedback ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren der Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse für den Patienten wahrnehmbar gemacht werden. Muskelaktivität, Herzfrequenz, Atemtätigkeit, Hauttemperatur, Hautfeuchtigkeit und Hirnaktivität können willentlich vom Patienten verändert werden, um so in Stresssituationen besser entspannen zu können.

  • Akupunktur: Ein weiterer erfolgversprechender Ansatz zur Reduzierung von Migräne-Anfällen ist die Akupunktur. Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) beispielsweise nennt sie als Option. Allerdings ist die Akupunktur bei Migräne keine Kassenleistung und muss in der Regel selbst bezahlt werden.

Migräneattacke? Diese SOS- und Prophylaxe-Tipps helfen Ihnen

Weitere Methoden zur täglichen Migräne-Prophylaxe

  • Regelmäßiger Sport: Zu den nichtmedikamentösen Maßnahmen, mit denen Sie vor allem die Schmerzintensität von Migräne-Anfällen mindern können, gehört regelmäßige körperliche Bewegung. Durch körperliche Aktivierung und vor allem Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Rad fahren werden seelische und körperliche Spannungszustände abgebaut. Treiben Migränepatienten beispielsweise dreimal pro Woche leichten Ausdauersport, sinkt die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken um 20 bis 45 Prozent. Das belegen verschiedene neuere Studien. Dabei ist es gleich, ob gejoggt oder gewalkt wird, wichtig ist nur die regelmäßige Bewegung. Wissenschaftler führen die positiven Effekte von Ausdauersport auf den Migräne-Verlauf darauf zurück, dass bei Sport Stress abgebaut wird.

  • Migräne-Auslöser vermeiden: Kommen Sie Ihren persönlichen Migräne-Auslösern auf die Spur und versuchen Sie, solche Faktoren nach Möglichkeit zu vermeiden. Oft hilft es auch, einmal Bilanz zu ziehen, die gesamte Lebenssituation zu überdenken und den täglichen Stress besser in den Griff zu bekommen. Eine geregelte gesunde Lebensführung kann zur Vorbeugung von Migräne-Attacken beitragen.

  • Fester Tagesablauf: Versuchen Sie, Ihren Tag so einzuteilen, dass Sie Ihren Pflichten nachkommen, ohne in Hektik zu geraten. Planen Sie dabei feste Ruhe-Inseln ein, die der Entspannung dienen. Lernen Sie, auch mal nein zu sagen, wenn die Anforderungen zu hoch werden.

  • Regelmäßige Schlafenszeiten: Sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Ein Schlafdefizit bedeutet Stress für den Körper und Stress ist ein bedeutender Auslöser für Migräne-Attacken. Allerdings kann auch ungewohnt langes Ausschlafen zu einer Migräneattacke führen.

  • Ausgewogene Ernährung bei Migräne: Eine spezielle Migräne-Diät gibt es nicht! Das Umstellen der Ernährung ist nur dann sinnvoll, wenn ein direkter Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder dessen Zusatzstoff und dem Auftreten einer Migräne besteht. Neben dem Verzicht auf bekannte individuelle Auslöser sollten keine Mahlzeiten verschoben oder übersprungen werden.

  • Vermeidung von Extremen: Ob Alkoholexzesse, einseitige Fastenkuren oder durchgefeierte Nächte – Extremsituationen rächen sich bei Migräne-Patienten oft.

  • Im Urlaub: Jetlag, ungewohntes Klima, geänderte Schlafenszeiten – im Urlaub können einige typische Migräne-Auslöser zusammenkommen. Dies sollten Sie daher möglichst schon bei der Urlaubsplanung berücksichtigen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, Ihre gewohnten Medikamente im Reisegepäck mitzuführen, da sie im Ausland unter Umständen schwer zu beschaffen sind.

Im Akutfall: Ruhe und Dunkelheit

Zur nichtmedikamentösen Akutbehandlung bei Migräne gehört vor allem Ruhe in einem abgedunkelten Raum. Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen kommen freiverkäufliche allgemeine Schmerzmittel in Frage. Als Mittel erster Wahl empfiehlt die Deutsche Kopfschmerz- und Migränegesellschaft (DKMG) hier besonders ein Kombinationspräparat in der Zusammensetzung 250 bis 265 mg Acetylsalicylsäure (ASS), 200 bis 265 mg Paracetamol und 50 bis 65 mg Koffein, wovon zwei Tabletten zu nehmen sind. Als weitere Mittel erster Wahl nennt die DKMG Ibuprofen (400 mg), Naratriptan (2,5 mg), Paracetamol (1.000 mg) und Phenazon (1.000 mg).

Verhaltenstherapie bei Migräne

Das Leben mit dem Schmerz  hinterlässt bei vielen Patienten gerade bei der chronischen Form Spuren. Angststörungen und Depressionen zählen zu den häufigen Komorbiditäten, die einer gezielten Behandlung bedürfen. Hier kann die professionelle Hilfe durch einen Psychotherapeuten beziehungsweise Psychologen sinnvoll sein. Dasselbe gilt auch im Hinblick auf das Erlernen geeigneter Stressbewältigungsstrategien (Stress gilt als häufiger Triggerfaktor von Migräneattacken) und den besseren Umgang mit den Schmerzattacken selbst.

Eine Verhaltenstherapie wird laut den Leitlinien zur Therapie bei Migräne insbesondere dann empfohlen, wenn die Migräneattacken besonders häufig auftreten oder wenn der Gebrauch an Migränemitteln gefährlich hoch ist. Auch wenn psychische Veränderungen wie zunehmender sozialer Rückzug, Traurigkeit und Antriebslosigkeit beobachtet werden, kann eine psychotherapeutische Hilfestellung sinnvoll sein. Zentral scheint insbesondere auch die subjektiv empfundene Beeinträchtigung durch die Migräneattacken zu sein.

Im Rahmen der Verhaltenstherapie werden dann – je nach vorliegendem Befund beziehungsweise Form der Beeinträchtigung – gezielte Strategien erarbeitet, um das Leben mit der Migräne (und gegebenenfalls Komorbiditäten wie eine Depression) wieder in den Griff zu bekommen. Die Stärkung der Selbstkontrolle sowie eine Verbesserung der Schmerzbewältigung spielen dabei eine zentrale Rolle. In der Regel werden 12-16 Sitzungen in Einzel- oder auch Gruppentherapie empfohlen. Im Einzelfall ist bei Medikamentenabhängigkeit ein Medikamentenentzug sinnvoll. Bei psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen kann die Gabe geeigneter Medikamente wiederum sinnvoll sein – hier ist bei der Verordnung natürlich auf die Wechselwirkungen mit Migränemitteln zu achten.

Behandlung in speziellen Migräne-Kliniken

Wer sich die "Aufnahme-Indikationsliste" anschaut, die die Schmerzklinik Kiel gemeinsam mit der AOK Schleswig-Holstein erarbeitet hat, merkt schnell: Nur schwere Fälle haben eine Chance. Gründe für eine Aufnahme in die Spezialklinik sind:

  • Trotz diverser Untersuchungen sind die vorbehandelnden Ärzte über die Diagnose im Zweifel.
  • Wiederholte Therapieversuche konnten die Schmerzen nicht reduzieren.
  • Die Migräne ist so ausgeprägt, dass der Patient ständig mehr Medikamente nimmt, als ratsam ist.
  • Die Behandlung ist sehr kompliziert, da der Patient noch unter anderen schweren körperlichen Erkrankungen wie einer koronaren Herzkrankheit, psychischen Störungen (zum Beispiel Depressionen, Schlafstörungen) oder einer Medikamentenunverträglichkeit leidet.

Manchmal werden Patienten auch aufgenommen, wenn sie unter plötzlichen heftigen Schmerzen leiden ("schmerztherapeutischer Notfall"), die Ärzte ohne Spezialisierung nicht therapieren können, wie eine aktive Clusterkopfschmerz-Periode oder eine Trigeminusneuralgie.

Patienten, die meinen, gute Aussichten auf die Aufnahme in eine Migräneklinik zu haben, können ihren Arzt um eine Einweisung bitten, sagt Prof. Hartmut Göbel, Direktor der 30-Betten-Schmerzklinik Kiel, in der sich ein Patient durchschnittlich drei Wochen aufhält. Nach den Erfahrungen von Nikolai Karheiding, Vorsitzender der Migräne-Liga e.V. Deutschland, lehnen die Krankenkassen – und auch die Rentenversicherungsträger – eine stationäre Behandlung zunächst aber oft ab. Es lohne sich in jedem Fall, fristgemäß Widerspruch einzulegen und sich dabei ganz präzise auf die Absagegründe zu beziehen. Erteilt die Krankenkasse die Absage informell etwa übers Telefon, ist es zudem ratsam, auf eine schriftliche Absage mit Rechtsmittelbehelf zu bestehen.

Erhält der Patient eine Zusage, sollte er unbedingt prüfen, ob in der ihm zugewiesenen Klinik auch wirklich Migräne-Spezialisten arbeiten, rät Karheiding. Bei einer Reha-Klinik, die nur eine psychosomatische Abteilung hat, sei grundsätzlich Vorsicht angebracht. "Medikamentenentzug, Programme zur Schmerzbewältigung, Patientenaufklärung sowie Akutbehandlung während eines Migräne-Anfalls bleiben zu oft auf der Strecke." Eine Liste mit Spezialkliniken für Migräne findet sich auf der Internetseite der Migräne-Liga.

Sieben überraschende Migräne-Helfer

Alternative Behandlungsformen

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat für Migräne und andere Kopfschmerzen gute Erklärungsmodelle. Begleitsymptome der Kopfschmerzen und Migräne wie Augendruck, Lichtscheu, Nackenschmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen, Hitzegefühl im Kopf, Verspannungen und Reizbarkeit werden häufig bei psychischer Überreizung, Wetterwechsel und Ernährungsfehlern ausgelöst. Alle diese Symptome und Ursachen finden sich im Bild der so genannten Funktionskreise "Leber und Galle" der TCM wieder. Der Gallenmeridian verläuft über den seitlichen Schädel, den Hinterkopf und die Stirn, die Patienten zeigen oft auf Punkte dieses Meridians, wenn sie den Schmerz beschreiben wollen. Eine Behandlung dieses Meridians beziehungsweise des Funktionskreises Leber/Galle mit Akupunktur, Ohrakupunktur und Kräutern (zum Beispiel Artischocken-Extrakte für die Galle, Mariendistel für die Leber) kann eine Behandlungsoption bei Migräne sein.

Ebenfalls stehen homöopathische Arzneimittel zur Verfügung, die bei der Behandlung von Migräneattacken unterstützen können.

Inzwischen gibt es einige Hinweise aus kleineren Studien, dass die transkranielle Magnetstimulation (TMS) auch bei bestimmten Migräneformen mit Aura wirkt. Allerdings sind TMS-Geräte meist sehr groß und unhandlich, so dass eine Behandlung nur in einer entsprechend ausgerüsteten Praxis erfolgen kann.

Bekannte Hausmittel gegen Migräne

  • Befeuchten Sie einen Waschlappen mit kaltem Wasser und legen Sie den kalten Lappen in den Nacken. Die angenehme Kühle wirkt schmerzlindernd bei starken Migräne-Kopfschmerzen.

  • Träufeln Sie ein paar Tropfen Lavendel-Öl auf ein Stück Stofftuch und legen Sie dieses auf die Stirn. Lavendel hat eine entspannende und beruhigende Wirkung.

  • Nehmen Sie ein warmes Fußbad. Lassen Sie dazu warmes Wasser in eine Schüssel ein und baden Sie Ihre Füße fünf bis 15 Minuten darin. Die Wärme entspannt die Muskulatur und fördert die Durchblutung Ihres Körpers. Eine Handvoll schwarzes Senfmehl kann diesen Effekt noch verstärken.

Bei chronischer Migräne kann Botox helfen

Zur Behandlung nur bei chronischer Migräne – diese liegt vor, wenn die Migräne-Beschwerden an mehr als 15 Tagen im Monat über mindestens drei Monate aufgetreten sind – können zudem Injektionen mit Botulinumtoxin A ( Botox), eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen zur medikamentösen Migräne-Prophylaxe nicht gewirkt haben. Sollten Sie sich für diese Behandlungsoption interessieren, ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt dringend empfehlenswert.

Eine weitere Option zur Prävention von Migräne-Attacken könnte die Behandlung mit dem Schlafhormon Melatonin sein: In einer brasilianischen Studie, die im Frühjahr 2013 vorgestellt worden war, konnte damit die Zahl der Migräne-Anfälle deutlich gesenkt werden.

Medikamente: In der Regel kommt bei Migräne auch eine medikamentöse Therapie zum Einsatz. Diese sollte mit einem erfahrenen Arzt abgestimmt werden und immer individuell auf den Patienten angepasst sein.

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