Migräne

Migräne zählt zu den häufigsten Kopfschmerzformen. Wenn die bohrenden Schmerzen einsetzen, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen, ist an Arbeit oder andere Aktivitäten nicht mehr zu denken. Heilen lässt sich das Leiden nicht, aber erfolgreich behandeln.

Migräne lässt sich nicht heilen, aber erfolgreich behandeln.
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Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz, denn Mediziner unterscheiden zunächst grob zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Letztere sind Symptom einer Grunderkrankung. So können beispielsweise eine Grippe, Bluthochdruck oder eine Hirnhautentzündung Kopfschmerzen auslösen. Der primäre Kopfschmerz lässt sich nicht als Symptom einer anderen Erkrankung erklären, sondern tritt selbstständig auf.

Neben dem Spannungskopfschmerz ist die Migräne die zweithäufigste Form primären Kopfschmerzes: Zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräneattacken.

Eine Migräneattacke kommt selten allein

Im Unterschied zum Spannungskopfschmerz setzt die Migräne Betroffene völlig außer Gefecht. Je nach Intensität der Schmerzen ist jemand trotz Spannungskopfschmerz oft noch in der Lage, seinen Alltagsbeschäftigungen nachzugehen. Das ist bei einer Migräneattacke anders, für viele ist beispielsweise an Arbeit nicht zu denken, zumal jede Bewegung das Pochen im Kopf stärker werden lässt. Typisch sind Begleiterscheinungen wie die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz und Lärm oder das Auftreten von Übelkeit sowie Erbrechen.

Laut den diagnostischen Kriterien, die die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) aufgestellt hat, liegt eine Migräne dann vor, wenn:

Aura bei bis zu zwanzig Prozent der Migräne-Patienten

Die Migräne hat verschiedene Unterformen: So wird beispielsweise unterschieden in Migräne mit und ohne Aura. Rund zehn bis 20 Prozent der Migräne-Patienten erleben das Auftreten einer Aura. Diese steht für neurologische Symptome, meist Sehstörungen wie das Wahrnehmen von Lichtblitzen, Streifen oder Punkten. Daneben erleben manche Sprechstörungen oder Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl, in seltenen Fällen sogar Lähmungserscheinungen. Die typische Aura setzt unmittelbar vor oder zu Beginn des Migränekopfschmerzes ein. Die Aura entwickelt sich in fünf bis 20 Minuten und verschwindet meist nach weniger als einer Stunde wieder.

Aura ohne Kopfschmerz ist auch eine Migräneform

Die Aura kann in seltenen Fällen länger anhalten, ohne dass es dafür eine Erklärung wie einen Schlaganfall gibt. Mediziner sprechen dann von der persistierenden Aura. Eine weitere Variante ist eine typische Aura ohne Kopfschmerz. Es treten also nur die Aura-Symptome auf, der Kopfschmerz bleibt aus. Den Betroffenen ist oft gar nicht klar, dass sie an Migräne leiden. Von einer typischen Aura ohne Kopfschmerz sind insbesondere ältere Menschen betroffen.

Die Aura ist nicht zu verwechseln mit den Vorboten einer Migräne, die bei vielen Betroffenen Stunden bis maximal zwei Tage vor der eigentlichen Schmerzattacke auftreten. Hierbei handelt es sich meist mehr um allgemeinere Symptome wie Hunger auf Süßes, Müdigkeit,  Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Gähnen oder Blässe. Aber auch Nackensteifheit, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit, Übelkeit oder verschwommenes Sehen können einen Migräneanfall ankündigen.

Migräne bei Frauen häufiger und heftiger

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft schätzt, dass die Migräne bei Männern bei rund sechs bis acht Prozent auftritt, während sich der Prozentanteil bei Frauen zwischen zwölf und 14 bewegt. Frauen bekommen nicht nur häufiger Migräne, bei ihnen ist sie heftiger und hält länger an. Vor der Pubertät liegt die Häufigkeit der Migräne dagegen gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt bei vier bis fünf Prozent.

Am häufigsten tritt die Migräne im Alter von 35 bis 45 Jahren auf. Ab 45 verlieren die Migräne-Anfälle im Allgemeinen an Heftigkeit und werden seltener.

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Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2013
Quellen: HC Diener, K Brune, W-D Gerber, V Pfaffenrath, A Straube: Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe - Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in Kooperation mit der Kommission "Schmerztherapie" der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN); Informationen der Int. Kopfschmerzgesellschaft (IHS)