Akromegalie im Alltag

Beschwerden schränken Betroffene stark ein

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Akromegalie kann Betroffene im Alltag stark einschränken

Die besonderen Beschwerden, die durch Akromegalie ausgelöst werden, beeinträchtigen die Betroffenen im Alltag oft erheblich. Dabei stehen vor allem Veränderungen der inneren Organe und des Stoffwechsels im Vordergrund.

Die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes wie die Vergröberung der Gesichtszüge ist sicherlich die auffälligste Erscheinung, die durch eine Akromegalie ausgelöst wird. Doch der Überschuss an Wachstumshormonen wirkt sich auf den gesamten Organismus aus und sorgt für viele weitere Beschwerden. Da die Krankheit nur langsam voranschreitet und zudem auch sehr selten ist, vergehen bis zur richtigen Diagnose und Behandlung oft einige Jahre. In dieser Zeit kämpfen die Betroffenen mit diffusen und für sie unerklärlichen Symptomen, die den Alltag deutlich einschränken und sogar bis zur Berufsunfähigkeit führen können.

Probleme mit dem Gebiss und unangenehmer Körpergeruch

So klagen viele über rasche Ermüdbarkeit, verringerte körperliche Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche und allgemeines Unwohlsein. Im Gesicht zeigen sich typischerweise ein auffallend hervorstehendes Kinn, eine sich vergrößernde Nase sowie ausgeprägte Lippen und Jochbögen. Diese Veränderungen vollziehen sich jedoch meist unmerklich und fallen Menschen mit Akromegalie selbst oft nur dadurch auf, dass die Schuhe zu klein werden, Fingerringe und Hüte nicht mehr passen. Da auch der Kiefer weiter wächst, macht sich eine zunehmende Fehlstellung des Gebisses mit entsprechenden kieferorthopädischen Problemen bemerkbar.Betroffene können Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme bekommen, da das Abbeißen durch die verschobenen Zahnreihen erschwert wird. Auch eine Zahnprothese, die nicht mehr richtig passt, kann ein Hinweis auf Akromegalie sein. Das erklärt, warum der Zahnarzt oft als erstes aufgesucht wird, um entsprechende Auffälligkeiten abzuklären. Sehr unangenehm sind für viele auch die Veränderungen der äußeren Körperhülle: So wird die Haut dicker und dunkler, die Körperbehaarung dichter. Die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut nehmen an Größe zu und produzieren große Mengen an Schweiß. Daher kommt es häufig zu störendem Körpergeruch.

Atmung, Herz und Kreislauf werden in Mitleidenschaft gezogen

Da neben Lippen und Kiefer auch Zunge, Kehlkopf und Teile der Nase wachsen, ist irgendwann die Atmung erschwert. Sehr häufig tritt das Schlafapnoe-Syndrom auf, bei dem die Betroffen - fast immer Schnarcher - unter nächtlichen Atemstillständen leiden, die länger als 10 Sekunden andauern. Diese Atemaussetzer können bis zu 300 Mal in einer Nacht auftreten und somit die nächtliche Erholung empfindlich stören. Vermehrte Tagesmüdigkeit und auch Bluthochdruck können die Folge sein. Das Herz-Kreislauf-System wird zusätzlich durch ein vergrößertes Herz belastet, das man bei fast drei viertel aller Patienten feststellen kann. Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche als Folge können zu einer ernsthaften Bedrohung für die Betroffenen werden. Je frühzeitiger eine Akromegalie behandelt wird, umso eher lassen sich auch die Veränderungen am Herzen stoppen.

Auch das Skelettsystem leidet

Die Betroffenen plagen daneben eine Reihe schmerzhafter Erscheinungen. Denn die Akromegalie hinterlässt ihre Spuren auch an den Gelenken, die durch einen Verlust der Knorpelsubstanz anschwellen und steif werden. Für viele ist dies sogar das erste Zeichen der Erkrankung, da die schmerzenden Gelenke die Lebensqualität der Patienten häufig noch mehr einschränkt als die anderen Veränderungen. Mit den Gelenkbeschwerden ist das sogenannte Karpaltunnelsyndrom eng verknüpft. Hierbei schwillt der Medianus-Nerv an, der durch den Karpaltunnel vom Arm bis zur Hand zieht. Die Folge können brennende Schmerzen, Gefühlsstörungen und sogar ein Muskelschwund an der Hand sein, wenn keine Behandlung erfolgt. Etwa die Hälfte der Betroffenen leidet außerdem unter Rückenschmerzen.

Hormonhaushalt gerät aus der Balance

Nicht zuletzt leiden die Patienten unter einem veränderten Stoffwechsel und einer gestörten Hormonregulation. Es können erhöhte Blutzuckerspiegel bis hin zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) auftreten, da das Wachstumshormon ein Gegenspieler des blutzuckersenkenden Insulins ist und somit den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.Der Druck des Tumors auf die gesunden Anteile der Hirnanhangsdrüse stört außerdem die hormonellen Regelkreise und kann zu Libidoverlust, Menstruationsstörungen und einer Unterfunktion von Nebennieren oder Schilddrüse führen. Die lokale Druckwirkung des Tumors äußert sich durch Kopfschmerzen oder - wenn er bereits besonders groß ist - eine Beeinträchtigung der Sehnerven mit Tunnelsehen, eventuell droht sogar der Verlust des Sehvermögens.Nach der Diagnose und erfolgreicher Behandlung der Akromegalie lassen meist auch viele der Folgeerscheinungen bald wieder nach - soweit sie noch nicht zu weit fortgeschritten sind.

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Letzte Aktualisierung:12. Januar 2009
Quellen: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, des Deutschen Akromegalie Registers, der Zahnärztlichen Mitteilungen online und der Fachzeitschrift Endocrine Reviews

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