Testosteron geht zurück

Wechseljahre bei Männern: So äußern sich die Beschwerden

Auch Männer kommen in die Wechseljahre. Der Rückgang der Sexualhormone äußert sich aber anders als bei Frauen. An welchen Symptomen sich die sogenannte Andropause erkennen lässt und wie man Beschwerden lindert.

Älteres Paar im Bett
Auch Männer kommen in die Wechseljahre - allerdings bemerkt so mancher nichts.
iStock

Wechseljahre bei Männern (Klimakterium virile oder Andropause) sind im Gegensatz zum weiblichen Klimakterium ein recht unbekanntes Phänomen. Doch auch der männliche Körper erlebt ab einem gewissen Alter einen Rückgang der Sexualhormone. Allerdings verläuft er schleichend, während sich die Menopause bei Frauen in der Lebensmitte im Vergleich abrupter anlassen, obwohl sie sich auch insgesamt über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren hinziehen.

Nicht alle Männer durchleben Wechseljahre

Der Rückgang der Sexualhormone betrifft zudem nicht alle Männer: In Studien zeigte sich bei etwa einem Fünftel aller Männer über 60 Jahre ein erniedrigter Testosteronwert. Viele andere Beschwerden der "Midlife Crisis" sind psychisch bedingt und lassen sich nicht durch Testosteronpräparate lösen.

Elf kleine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Symptome der männlichen Wechseljahre

Im Vergleich zu den Symptomen der Wechseljahre bei der Frau sind die Beschwerden der Wechseljahre beim Mann (Klimakterium virile oder Andropause) meist unspezifisch und weniger ausgeprägt. Das liegt unter anderem daran, dass der Prozess beim Mann schleichend vorangeht. Typische Symptome, die häufig auch in Kombination miteinander auftreten, sind:

  • Abnahme der Libido
  • Erektionsstörungen
  • verminderter Bartwuchs
  • Abbau von Muskel- und Zunahme von Fettmasse
  • Osteoporose
  • nachlassende Leistungsfähigkeit und Motivation
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • innere Unruhe und Nervosität
  • Depressionen

Allerdings haben laut einer aktuellen Studie nur drei Symptome aus dem sexuellen Bereich einen direkten Bezug zu den zurückgegangenen Testosteronwerten. Dazu zählen Erektionsstörungen, ein gemindertes sexuelles Verlangen sowie seltenere morgendliche Erektionen.

Testosteron-Rückgang als Ursache der Wechseljahre bei Männern

Etwa bis zum 30. Lebensjahr steigt die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron im Körper jedes Mannes an. Danach bleibt sie auf einem gleich hohen Niveau, bis sie etwa ab dem 40. Lebensjahr um ein Prozent jährlich zurückgeht. Gleichzeitig steigt der Anteil des Globulin (SHBG), das Sexualhormone bindet.

Dadurch ergibt sich ein kontinuierlicher Rückgang des dem Körper zur Verfügung stehenden Testosterons. Die Wechseljahre beim Mann sind – wie die Wechseljahre bei der Frau – genau genommen keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase. Ob jeder Mann in diese Lebensphase mit den typischen Beschwerden kommt, ist noch nicht geklärt.  Fest steht aber, dass sich die natürliche Abnahme des Testosterons nur durch die Gabe künstlicher Hormone beeinflussen lässt – sofern der Patient dies wünscht.

Wechseljahre: Die ersten Symptome

Lifeline/Wochit

Diagnose der Andropause

Ob das Auftreten eines oder mehrerer der oben genannten Symptome ein Anzeichen für die Wechseljahre beim Mann ist oder ob die Ursache auf Organstörungen und andere Krankheiten zurückzuführen ist, kann nur ein Arzt diagnostizieren.

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden mit dem Arzt (im Idealfall ein Urologe oder Endokrinologie) folgt eine körperliche Untersuchung. Sie dient vor allem dazu, organische Ursachen für die Symptome auszuschließen.

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Ob der Grund für die Beschwerden die Wechseljahre beim Mann (Klimakterium virile oder Andropause) sind, lässt sich nur mit einer Blutuntersuchung eindeutig feststellen. Dabei wird die Konzentration der Sexualhormone im Blut gemessen. Ist sie erniedrigt, und befindet sich der Mann in der fortgeschrittenen Lebensphase, ist die Diagnose Wechseljahre beim Mann ziemlich wahrscheinlich.

Wenn das Testosteron einen bestimmten Wert unterschreitet und Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Adipositas oder Diabetes dazukommen, werden Mediziner aufmerksam. Denn das Hormon beeinflusst diese Leiden – und die Krankheiten wirken sich ihrerseits auf den Testosteronspiegel aus. Dann kann es Sinn haben, mit Testosteron zu behandeln, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

Hormonersatztherapie gegen Wechseljahre beim Mann nicht leichtfertig anwenden

Da es sich beim Rückgang der Hormonproduktion um einen natürlichen Prozess handelt, ist es nicht nötig, die Wechseljahre beim Mann zu therapieren. Eine klassische Hormonersatz-Therapie (HAT), wie sie schon seit Jahren bei Frauen zur Linderung der Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird, gibt es für Männer nicht. Es ist zwar möglich, eine Testosteronsubstitutionsbehandlung anzuwenden, diese gehört jedoch noch nicht zu den Standardverfahren.

Aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen ist die Gabe von Hormonen umstritten. Testosteron steht in Verdacht, die Entstehung von Prostatakrebs zu begünstigen. Zudem existieren noch keine gesicherten Langzeitstudien zum Einsatz von Hormonen gegen die Beschwerden der Wechseljahre beim Mann.

Den neuen Lebensabschnitt annehmen

Dass sich der Körper mit zunehmendem Alter verändert, ist ein natürlicher Prozess im Leben jedes Menschen. Alterungsprozesse werden nicht unbedingt durch einen sinkenden Anteil von Sexualhormonen verursacht.

Eine positive Einstellung zum Leben hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Wechseljahre beim Mann. So ist es ratsam, die Wechseljahre als Beginn eines neuen Lebensabschnitts zu akzeptieren und den Körper mit gesunder Ernährung und Sport fit zu halten.

Andropause kann bis zum 75. Lebensjahr dauern

Man vermutet, dass die Wechseljahre beim Mann etwa mit 75 Jahren abgeschlossen sind. Ob womöglich bei allen Männern unbemerkt die Wechseljahre eintreten, ist bislang nicht eindeutig geklärt und umstritten.

Etwa vom 40. Lebensjahr an nimmt der Testosteronwert im Blut eines Mannes um jährlich rund 1,2 Prozent ab. Dieser langsame Rückgang liegt am altersbedingten Abbau in den Hoden oder Gehirnregionen, die den Hormonhaushalt steuern.

Testosteron ist wichtig für den Muskelaufbau, die Knochendichte und die Bildung von roten Blutkörperchen sowie für den Stoffwechsel im Fettgewebe, das Sexualleben und die Fortpflanzungsfähigkeit. Ein Absinken des Testosterons im Blut allein macht aber noch keinen Mann krank, es kommt immer auf den Einzelfall an, ob eine Ersatztherapie angesagt ist.

Wechseljahre beim Mann: "Midlife Crisis" geht vorbei

Einer altersbedingten Abnahme der Produktion der Sexualhormone, denen die Andropause zugrunde liegt, kann man nicht vorbeugen. Das ist auch gar nicht nötig, da es sich um einen völlig natürlichen und harmlosen Prozess handelt.

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung hält den Körper auch im Alter fit. Die typischen Wechseljahresbeschwerden können so etwas reduziert werden.

Der Psychologe Kurt Seikowski von der Uni Leipzig wird regelmäßig von Männern gefragt, ob ihnen die Gabe von Testosteron helfen könnte. Seit mehr als 30 Jahren befasst er sich mit Beschwerden wie Depressionen, Schlaf oder Konzentrationsstörungen bei Männern. "Vor allem als der Boom mit Mitteln wie Viagra aufkam, herrschte fast schon Erleichterung bei Männern: Wir haben ja Medikamente, können stark bleiben und müssen nicht über unsere Psyche nachdenken", kritisiert der renommierte Sexualwissenschaftler.

In der Midlife Crisis sinkt die Lebenszufriedenheit drastisch

Inzwischen akzeptierten die Männer eher, dass ab 40 ihre Leistungsfähigkeit abnehme und sie über Erholungspausen nachdenken müssten. Und sie hinterfragten mehr, ob sie sich auf Hormone oder andere Präparate einlassen sollten. Vor allem Männer zwischen 48 und 55 Jahren beschrieben einer kleinen Studie eine stark verminderte Lebenszufriedenheit. "In den Jahren danach haben sie sich jedoch meist wieder angepasst", sagt Seikowski. Der englische Ausdruck "Midlife Crisis" treffe es daher immer noch am besten.

Sex: Liebestipps für die Wechseljahre

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Mai 2017
Durch: sist
Quellen: Auernhammer, C., Engelhardt, D., Göke, B., Parkhofer, K: Praxisbuch Endokrinologie und Stoffwechsel. Urban & Fischer, München Online-Informationen der Philipps Universität Marburg: www.uni-marburg.de Online-Informationen des Schweizerischen Medizin-Forum: www.medicalforum.ch; dpa

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