Erotik in anderen Umständen

Sex in der Schwangerschaft: Gefährlich oder unbedenklich?

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Sex in der Schwangerschaft galt lange als gefährlich, befürchtet wurde unter anderem, dass die Erschütterungen frühzeitige Wehen auslösen könnten. Allerdings sind diese Sorgen in der Regel unbegründet: Es gibt nur wenige Gründe, auf Sex in der Schwangerschaft zu verzichten, sofern beide Spaß daran haben.

Sex in der Schwangerschaft: Gefährlich?
© Getty Images/LSOphoto

Manche Frauen stellen in der Schwangerschaft fest, dass sie mehr Lust auf Sex haben als zuvor. Vaginale Penetration mögen viele Frauen während der Schwangerschaft trotzdem nicht und auch die üblichen Sex-Stellungen werden in einer fortgeschrittenen Schwangerschaft schwierig.

Auch bei vielen Männern wächst durch die Schwangerschaft ihrer Partnerin die Sorge: Verletze ich das Baby im Bauch beim Sex? Schade ich meiner Frau? Normalerweise sind solche Ängste unbegründet. Behutsamer Sex ist völlig unbedenklich. Wichtig ist eine offene Kommunikation, über Sorgen und Ängste, aber auch darüber, was sich gut anfühlt und welche Vorlieben und Bedürfnisse bestehen. In nur sehr wenigen Fällen ist Sex während der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen gefährlich für Mutter und Kind.

Im Überblick:

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Mehr Verlangen auf Sex und Zweisamkeit in der Schwangerschaft

Das Verlangen nach erotischen Momenten in der Schwangerschaft unterliegt oftmals großen Schwankungen "Manche Frauen fühlen sich schwanger sehr schön", sagt Lea Beckmann vom Deutschen Hebammenverband. Andere fühlen sich dagegen so gar nicht attraktiv. "Männer sollten dann mit Zärtlichkeiten und kleinen Gesten körperliche Nähe herstellen und ihrer Partnerin zeigen, dass sie sie auch mit Babybauch attraktiv finden."

Viele Frauen haben im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimester) nicht zuletzt aufgrund der oft wiederkehrenden Schwangerschaftsübelkeit und Müdigkeit wenig Sinn für Erotik und sexuelle Aktivitäten. Zudem können Beschwerden wie geschwollene und empfindliche Brüste, jegliche Form von Berührung unangenehm werden lassen. Darüber hinaus ist die Neuigkeit über Familienzuwachs häufig so überwältigend, dass im Denken und Fühlen kaum etwas anderes Platz hat. Andere Schwangere wiederum schätzen es, sich endlich nicht mehr um Verhütung kümmern zu müssen und die Intimität von ihrer unbeschwerten Seite genießen zu können.

Mehr Sexualhormone – mehr Lustempfinden

Im zweiten Drittel der Schwangerschaft erleben die meisten Schwangeren den Höhepunkt ihrer Lust. Die Zeiten von Übelkeit und Erbrechen sind meist vorüber. Viele Frauen genießen dann die körperlichen Veränderungen, die immer deutlicher zutage treten. Die Brüste werden größer, die Formen weiblicher, und das Bäuchlein ist noch gut zu tragen. Der Körper bildet in dieser Zeit obendrein vermehrt Sexualhormone, der Genitalbereich ist stärker durchblutet und damit sensibler.

Auch wenn körperliche Nähe im 3. Schwangerschaftsdrittel als besonders angenehm empfunden wird: Ab der 30. Woche wird es zunehmend schwierig, eine geeignete Stellung zu finden, bei der der wachsende Babybauch beim Sex in der Schwangerschaft nicht im Weg ist. Viele Eltern haben in dieser Phase besonders große Angst, das Kind zu verletzen. Für manche sind dabei die Bewegungen des Kindes irritierend, andere finden diese Möglichkeit durchaus prickelnd.

Ist Sex in der Schwangerschaft gefährlich?

Einige werdende Eltern sind besorgt, dass die Erschütterungen des Körpers oder Kontraktionen im Unterleib durch Erregung und einen Orgasmus, Mutter und Kind gefährden könnten. Allerdings sind die meisten Sorgen unbegründet. So gefährden Kontraktionen des Uterus, die durch den Orgasmus ausgelöst werden, das Ungeborene nicht. Dieses liegt gut geschützt in der Fruchtblase. Das Fruchtwasser dämpft selbst stärkere Erschütterungen durch Stöße und Bewegungen beim Liebesspiel.

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Lifeline / Wochit

Angst vor Frühgeburt oder Komplikationen ist meist unbegründet

Viele junge Eltern belassen es lieber beim Kuscheln – aus Angst vor einer Infektion, die Komplikationen oder eine Frühgeburt herbeiführen können. Das Risiko ist ab der 20. Schwangerschaftswoche zwar vorhanden. Doch nur, wenn der Muttermund bereits geöffnet ist, können Bakterien in den Uterus eindringen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Muttermund verletzt ist.

Um die Infektionsgefahr einzudämmen, ist eine gute Intimpflege jedoch für beide Pflicht. Es reicht eine tägliche, normale Reinigung mit Wasser oder einer seifenfreien, pH-neutralen Waschlotion für den Intimbereich. Auch Kondome können vor Infektionen schützen.

Kann Sperma Wehen auslösen?

Eine weitere große Angst rankt sich um eine mögliche Frühgeburt als Folge des Geschlechtsverkehrs. In der Regel ist diese Befürchtung unnötig. Gegen Ende der Schwangerschaft kann Sperma allerdings tatsächlich die Geburt einleiten. Samenflüssigkeit enthält Prostaglandine, diese Hormone können tatsächlich Wehen auslösen.

Die wehenauslösende Wirkung wird jedoch nur dann möglich ein, wenn der Körper und die Gebärmutter ohnehin bereit für die Geburt sind. Ist der rechte Zeitpunkt für die Entbindung noch nicht gekommen, kann also ein Samenerguss keine Wehen in Gang setzen. Auch der weibliche Orgasmus löst keine Wehen aus.

Bis zu welchem Monat ist Sex in der Schwangerschaft möglich?

Wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, können Paare im Prinzip bis kurz vor der Geburt Sex miteinander haben. Meist ist es jedoch so, dass vor dem errechneten Geburtstermin die körperliche und seelische Anspannung steigt und sich die Lust auf Sex reduziert.


Sex in der Schwangerschaft: Wann lieber nicht?

Manchmal sprechen medizinische Gründe gegen Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft. Fachleute raten von Sex während der Schwangerschaft ab bei:

  • Blutungen

  • Mehrlingsschwangerschaften

  • Scheideninfektionen

  • Neigung zu frühzeitigen Wehen

  • vorzeitig geöffnetem Muttermund

  • Gebärmutterhalsschwäche

  • Komplikationen während der Schwangerschaftswochen

  • Fehlgeburten bei früheren Schwangerschaften

  • Fehllage der Plazenta (Placenta praevia)

Kommt es nach dem Geschlechtsverkehr zu Blutungen, muss das nicht schlimm sein. Sicherheitshalber sollte man dieses Symptom allerdings gynäkologisch abklären lassen.

Sexstellungen: Varianten des Liebesspiels für Schwangere

Für alle anderen ist die Schwangerschaft kein Grund, auf Sex zu verzichten. Mit wachsendem Babybauch nehmen aber oftmals die Hemmungen zu. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch: Viele Paare betreten jetzt in der Schwangerschaft Neuland in Sachen Sex, probieren neue Praktiken und Stellungen aus.

Manche erfahren in der Schwangerschaft das erste Mal in ihrem Leben, wie befriedigend die gegenseitige orale Stimulation sein kann. Auch die gemeinsame Selbstbefriedigung ist eine sehr intime und lustvolle Variante des Liebesspiels, wenn die schwangere Frau das Eindringen als unangenehm empfindet. Zuzusehen, wie sich der*die Partner*in sich mit seinen eigenen Händen zum Orgasmus bringt, erregt Männer und Frauen oft gleichermaßen.

Auch der Busen ist bei den meisten Frauen während der Schwangerschaft ein sehr erotisches Terrain. Er ist prall und hochempfindlich. Eine sinnliche Penis-Massage zwischen den Brüsten gefällt deshalb nicht nur den Männern. Aber nicht erschrecken, wenn etwa mitten im Orgasmus Milch aus den Brustwarzen spritzt. Der weibliche Körper zeigt während der Schwangerschaft alle möglichen Reaktionen.

Geeignete Sex-Stellungen während der Schwangerschaft

Nach ärztlicher Absprache, spricht nichts gegen Sex in der Schwangerschaft – vorausgesetzt er ist zärtlich und für beide lustvoll. Alle Liebestechniken und Stellungen sollten aber der fortschreitenden Schwangerschaft angepasst werden. Großer Druck auf dem Busen ist unangenehm, auch die Missionarsstellung wird in der Schwangerschaft unbequem: Der zunehmende Bauch ist erheblich im Wege. Druck sollte nicht auf den Babybauch ausgeübt werden. Mit viel Vorsicht und Experimentierfreude passt aber auch der prallste Bauch ins Liebesspiel!

Folgende Sex-Stellungen eignen sich in der Schwangerschaft:

  • Stellung 1 "Löffelchen": Bei dieser seitlichen Stellung kehrt die Frau dem Mann den Rücken zu und schmiegt sich in seinen Schoß. So entsteht kein Druck auf ihren Rücken und Unterleib. Sie kann sich frei bewegen und sich die Position suchen, in der sie sich am wohlsten fühlt.

  • Stellung 2 – "Vierfüßler": Die Frau hockt und stützt sich nach vorne mit ihren Händen ab. Das Gewicht des Babys hängt im Unterleib, der Rücken wird entlastet. Der Druck auf die so fast im rechten Winkel zur Vagina liegenden Gebärmutter nimmt ab. Die Schwangere kann in dieser Lage die Pomuskulatur nutzen, um die Stöße des Penis zu dämpfen.

  • Stellung 3 – "Kranichposition": Sie liegt mit angezogenen Beinen auf dem Rücken, er seitlich. Er wendet sich ihr zu, sein Unterleib liegt zwischen ihren angewinkelten Ober- und Unterschenkel. Diese Position ist sehr innig, kann aber durch die Rückenlage schon mal Schwindel auslösen. Dagegen helfen zusätzliche Kissen unter Kopf und Schultern.

Sex nach der Geburt: Ab wann und wie oft?

Mit der Geburt des Kindes dreht sich das Leben der Eltern um 180 Grad. Bisherige Rollen und Gewohnheiten in der Beziehung sind oft hinfällig. Davon bleibt das Sexleben nicht verschont. Die Mutter ist mit sich und dem Kind beschäftigt, sodass sie oft weniger unter Sexmangel leidet als der Vater. Dazu kommen viele neue Aufgaben und der obligatorische Schlafmangel. Der frischgebackene Vater sollte in dieser Phase Geduld haben, fürsorglich sein und keinesfalls nicht fordernd auftreten. Diese Zeit der Umstellung ist notwendig und geht meist von selbst vorbei.

Aber auch wenn beide wieder für Intimität bereit sind: Dass sich die Sexualität mit dem Elternsein verändert, ist normal. Viele Männer haben Bedenken, dort einzudringen, wo Wochen zuvor ihr Kind herausgeschlüpft ist. Diese Sorgen sollten nicht einfach zur Seite geschoben werden. Besser: ansprechen und nachfragen. Signalisiert die Partnerin, dass sie sich bereit fühlt, verfliegen die ersten Ängste.

Nach der Geburt braucht der Körper der Mutter oftmals mehrere Wochen bis Monate, um sich zu regenerieren. So müssen Geburtswunden abheilen und der Wochenfluss abklingen. Bei Wochenfluss handelt es sich um Wundsekret der großen Wunde an der Gebärmutterwand, die durch die Ablösung der Plazenta entsteht. Sex in dieser Zeit erhöht das Risiko für Infektionen und das sogenannte Wochenbettfieber.

Aber auch nach dem Wochenbett, klagen viele Frauen oft noch über Schmerzen an Damm, Scheide oder Unterbauch, sodass das Eindringen des Mannes unangenehm wird. Männer müssen behutsam sein, und Frauen sollten klar sagen, was sich gut anfühlt und was weh tut. Auch in der Zeit sollte man als Paar neue Wege suchen, die beiden guttun. Sexuelle Befriedigung kann sich auch ohne Penetration einstellen.

Acht Gründe, warum Sex gesund ist
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Beratender Experte
Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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