Der Kuss als Ur-Instinkt

Warum Menschen sich küssen

Lifeline erklärt, wie der liebevolle Mund-zu-Mund-Kontakt entstanden sein könnte und warum Küssen gesund und schön macht.

paar küsst sich unter wasser
Ein leidenschaftlicher Kuss stärkt das Immunsystem, macht glücklicher und hilft gegen Fältchen.
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Eltern und Kinder tun es, gute Freundinnen und natürlich Liebespaare: sich küssen. Doch warum busseln wir überhaupt? Eine gängige Theorie lautet, das Küssen könnte aus der Weitergabe von vorgekauter Nahrung entstanden sein. Das vermutete schon der berühmte Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

Die "Kuss-Fütterung" lässt sich etwa an Vogeleltern beobachten, die ihren Küken Nahrung in die aufgesperrten Schnäbel schieben. Einige Naturvölker füttern noch heute ihren Nachwuchs, indem sie ihm etwa vorgekaute Bananen per Kuss in den Mund schieben. Auch viele moderne Forscher sind Anhänger dieser Theorie.

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Kuss-Theorien: Mutterbrust saugen und Hintern beschnuppern

Psychoanalytiker Sigmund Freud dagegen hatte eine andere Idee der Kuss-Entstehung im Kopf: Der liebevolle Kontakt rühre vom befriedigenden Saugen des Babys an der Mutterbrust her. Und glaubt man Freud, leidet der, dem diese Wonne zu wenig vergönnt war, im späteren Leben öfter an Alkohol- oder Nikotinsucht, um so sein Saugbedürfnis zu stillen.

Auch viele andere Tiere nehmen zuerst über den Geruchssinn und Kopf Kontakt auf. Die Bremer Sexualwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld vermutete gegenüber der Tageszeitung "Welt" gar, das Küssen sei eine Abwandlung vom Hintern-Lecken und -Beschnuppern, wie man es von Hunden kennt: Es stamme noch aus einer Zeit, wo die Vorfahren des Menschen auf vier Beinen unterwegs waren und sei mit dem Aufrichten gleichsam eine Etage höher gewandert. Auch das "Erschnüffeln" der genetischen Ausstattung eines potenziellen Partners könnte beim Küssen eine Rolle spielen.

Tausende Bakterien stimulieren das Immunsystem

Abgesehen von der bis heute nicht zweifelsfrei geklärten Kuss-Evolution steht außer Frage, dass Küssen gesund ist: Der Kontakt von Mund zu Mund führt zur sogenannten Kreuzverkeimung, die das Immunsystem stärkt. Denn pro Kuss werden mit dem Speichel etwa 40.000 Bakterien ausgetauscht. Das wirkt ähnlich wie eine Schluckimpfung. Der Körper bildet als Antwort auf die fremden Keime Antikörper, die gegen Infekte abhärten.

Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit ein einer verstärkten Insulinproduktion auf das Küssen, was wiederum Abwehrzellen auf den Plan ruft. Die Freisetzung sogenannter Glückshormone im Hirn tut ihr Übriges.

Und für alle Figurbewussten: Küssen macht schlank – und das nicht nur, weil man währenddessen nicht essen kann. Wer sich richtig ins Zeug legt, verbrennt bis zu 18 Kalorien je Kuss. Für einen leidenschaftlichen Kuss sind 38 Muskeln im Gesicht und am Kiefer aktiv. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Haut wird besser durchblutet, das wirkt Fältchen entgegen.

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Letzte Aktualisierung: 06. Juli 2016

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