Eine weltweit auftretende Infektionskrankheit

Hepatitis B

Infektionen mit Hepatitis B stellen weltweit ein großes Problem dar. Sie sind weit verbreitet, sehr ansteckend und können bei chronischem Verlauf jahrelang unerkannt bleiben sowie zu schweren Lebererkrankungen führen.

Frau bekommt Impfung
Gegen Hepatitis B wirkt die Schutzimpfung zuverlässig.
iStock/fstop123

Hepatitis B ist eine Leberentzündung (Gelbsucht), die durch Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) hervorgerufen wird. Hepatitis B wird durch ein kleines, umhülltes Virus übertragen, das recht stabil gegenüber Umwelteinflüssen ist, häufig Resistenzen gegenüber Desinfektionsmitteln aufweist und außerhalb des Körpers bis zu sieben Tage überleben kann. Die häufigste Infektionsquelle sind chronisch infizierte Menschen, die keine oder nur wenige Symptome haben und daher von ihrer Hepatitis-B-Virus-Infektion nichts wissen.

Im Überblick:

Sieben Fakten zur Leber

Infizierte Menschen haben das Hepatitis-B-Virus in teilweise sehr hohen Konzentrationen im Blut, sodass bereits kleinste Mengen Blut für eine Übertragung ausreichen, wenn es über – auch geringfügige – Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper einer Kontaktperson gelangt. Darüber hinaus ist das Virus in wesentlich geringeren Konzentrationen auch in anderen Körperflüssigkeiten, wie Sperma, Vaginalsekret, Speichel und Tränenflüssigkeit enthalten.

Die Ansteckungsgefahr, die von chronisch Infizierten ausgeht, kann – unterschiedlich ausgeprägt – jahrelang bestehen bleiben und sehr hoch sein. Sie hängt unter anderem davon ab, wie die Übertragung stattfindet und wie stark die Virusbelastung ist. Das Risiko besteht, unabhängig von den Symptomen des Infizierten, solange bestimmte Bluttests Hinweise auf eine anhaltende Virusvermehrung liefern. Zwischen der Infektion mit Hepatitis B und dem Ausbruch der Erkrankung – falls überhaupt Symptome auftreten – können 45 bis 180 Tage vergehen, die Dauer hängt vor allem von der Menge der übertragenen Viren ab.

Hepatitis B: Häufigkeit weltweit

Hepatitis B stellt eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit dar. Bei den Angaben zur Häufigkeit ist der teilweise sehr unterschiedliche Verlauf zu berücksichtigen. So geht die Infektion nur bei einem Teil der Betroffenen mit einer akuten Erkrankung einher, die in den meisten Fällen schnell kontrollierbar wird. Bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Infektion – häufig mit vorheriger akuter Phase. Dies hat nicht nur eine individuelle, sondern auch eine erhebliche gesundheitspolitische Bedeutung, weil die chronische Infektion oft jahrelang unbemerkt bleibt und zu einer Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) oder sogar zu Leberkrebs führen kann.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben etwa zwei Milliarden Menschen weltweit bereits eine Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) durchgemacht. Darüber hinaus sind 300 bis 420 Millionen Menschen chronisch mit HBV infiziert. Obwohl seit Anfang der 1980er Jahre für Hepatitis B ein hochwirksamer, gut verträglicher Impfstoff zur Verfügung steht, infizieren sich nach wie vor weltweit sehr viele Menschen mit Hepatitis B. So wird jedes Jahr mit bis zu einer Million Todesfällen gerechnet, die auf Leberzirrhose bzw. Leberkrebs zurückzuführen sind.

Häufigkeit von Hepatitis B in Deutschland

In Europa gibt es deutliche Unterschiede in der Verbreitung von Hepatitis-B. Während in Nordwesteuropa (Skandinavien, Vereinigtes Königreich) weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung eine chronische Hepatitis-B-Infektion aufweisen, sind es in Ost- bzw. Südeuropa bis zu acht Prozent. Deutschland gehört nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eher zu den Ländern mit geringem Auftreten von Hepatitis B: Nach Studien tragen nur etwa 0,4 bis 0,8 Prozent der Bevölkerung das Hepatitis-B-Virus in sich und sind daher ansteckend.

Die Zahl der bundesweit jedes Jahr chronisch Infizierten beläuft sich nach Schätzungen auf 400.000 bis 500.000 Personen. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen mit Hepatitis B schätzt das RKI auf mehrere Tausend. So ließ sich im Jahr 2007 allein bei rund 1.000 Menschen eine akute Hepatitis B nachweisen. Bei etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung ist darüber hinaus von einer abgelaufenen Hepatitis-B-Infektion auszugehen.

Übertragung und Ansteckung mit Hepatitis B

Das einzige natürliche Reservoir für Hepatitis-B-Viren ist der Mensch. Eine Ansteckung mit Hepatitis B durch den Kontakt mit Tieren ist damit praktisch ausgeschlossen. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten.

Die Ansteckung kann erfolgen durch:

  • ungeschützten Geschlechtsverkehr: Nicht nur Blut, auch andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Scheidensekret, Tränenflüssigkeit, Speichel und das sogenannte Kolostrum, die Vormilch nach der Geburt, können die Hepatitis-Viren enthalten. Schätzungen zufolge gehen 40 bis 70 Prozent aller Neuinfektionen mit Hepatitis B heute auf eine sexuelle Übertragung zurück, wobei Geschlechtsverkehr ohne die Benutzung von Kondomen vermutlich die größte Rolle spielt.

  • mit Blut kontaminierte Gegenstände: Schon kleinste Blutmengen genügen für eine Ansteckung. Daher kann etwa der gemeinsame Gebrauch von Spritzen und Kanülen durch Drogenabhängige zu einer Infektion führen, wenn die Instrumente nicht nach jedem Gebrauch sorgfältig gereinigt werden. Es wird vermutet, dass auch schlecht gereinigtes Besteck für Tätowierungen, Piercings oder Ohrlochstechen sowie operative medizinische und zahnmedizinische Eingriffe, bei denen Hygienevorschriften nicht eingehalten werden, eine potenzielle Infektionsquelle für die Ansteckung mit Hepatitis B darstellen.

  • Dialyse: Eine besonders gefährdete Personengruppe für die Ansteckung mit Hepatitis B sind Dialysepatienten, die sich aufgrund von Nierenerkrankungen regelmäßigen Blutwäschen unterziehen müssen. Dank neuer Dialysetechniken, des Einsatzes von Wegwerfmaterialien für den einmaligen Gebrauch und aufwendiger Reinigungsverfahren der dabei eingesetzten Maschinen ist auch in diesem medizinischen Bereich das Ansteckungsrisiko deutlich geringer geworden.

  • Geburt und Schwangerschaft: Auch die Übertragung einer Hepatitis-B-Infektion auf Neugeborene durch die Mutter während der Geburt ist möglich. Ist eine Schwangere mit Hepatitis B infiziert, ist eine Ansteckung des Kindes mit Hepatitis B-Erregern sehr wahrscheinlich. Eine Infektion des Kindes kann jedoch fast immer verhindert werden, wenn sofort nach der Geburt eine vorbeugende Impfung des Kindes erfolgt.

Zudem ist eine Ansteckung mit Hepatitis B möglich, wenn ein Kontakt infizierter Körperflüssigkeiten mit verletzter Haut oder Schleimhaut zustande kommt, zum Beispiel innerhalb der Familie, in Einrichtungen für Kinder oder in Behinderten-Wohngemeinschaften.

Richtige Ernährung bei Hepatitis (Leberentzündung)

 

Früheres Risiko Blutkonserve gilt heute als sicher

Besonders für eine Infektion gefährdet sind daher Personen, die mit Fremdblut oder Gegenständen, an denen sich Fremdblut befinden kann, in Berührung kommen. Ein häufiger Übertragungsweg für die Ansteckung mit Hepatitis B war bis Anfang der 1980er Jahre die Behandlung mit Blut oder Blutprodukten in Form von Bluttransfusionen. Durch die Einführung spezieller Tests konnte das Ansteckungsrisiko hierbei deutlich gesenkt werden. Heute wird das Restrisiko, dass eine unerkannt infektiöse Vollblutspende geleistet wird, auf 1:250.000 bis 1:500.000 geschätzt. Produkte, die Bestandteile von Blutplasma enthalten, gelten dank neuer Test- und Inaktivierungsverfahren praktisch als 100 Prozent virusfrei.

Risikogruppen für Hepatitis

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Personengruppen, die ein hohes Risiko für eine Infektion mit Hepatitis B haben:

  • Personen, die Sexualkontakt mit sogenannten HBs-Ag-Trägern – also Infizierten, die aufgrund einer chronischen Infektion das Virusantigen tragen und Überträger sein können – haben
  • Personen, deren Sexualverhalten eine hohe Ansteckungsgefahr birgt (häufige Partnerwechsel, ungeschützter Verkehr, besondere Sexualpraktiken mit Verletzungsrisiken)
  • Homosexuell aktive Männer
  • Prostituierte

Welche Symptome treten bei Hepatitis B auf?

Nach einer Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch) von etwa 45 bis 180 Tagen können sich bei Hepatitis B zuerst allgemeine, unspezifische Symptome entwickeln:

Ein bis zwei Wochen nach dem Auftreten dieser Beschwerden kann es zu Gelbsucht mit Gelbfärbung der Augen oder Haut kommen. Dieses Phänomen ist relativ einfach zu erklären: Die entzündete Leber ist in ihrer Funktion eingeschränkt und kann den Gallenfarbstoff Bilirubin nicht mehr ausreichend abbauen. Da die normale Verarbeitung und somit auch die Ausscheidung gestört sind, reichert sich Bilirubin im menschlichen Körper an.

Nun können Übelkeit und Oberbauchschmerzen, eventuell auch ein akut auftretender Hautausschlag (Exantheme) hinzutreten.

In der Mehrzahl der Fälle verläuft die Leberentzündung aber ohne Symptome und wird möglicherweise erst viele Jahre später mit dem Auftreten von Komplikationen wie der Leberzirrhose diagnostiziert.

Hepatitis B diagnostizieren

Hepatitis B lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Dabei werden Antikörper nachgewiesen. Antikörper sind ein Zeichen für die Immunantwort des Körpers. Man findet sie auch nach erfolgreicher Hepatitis-B-Impfung. Anti-HBc-IgM treten bei einer akuten Hepatitis auf, Anti-HBcIgG im späteren akuten Stadium sowie nach der Abheilung. Die Messung von Virus-DNA (Virus-Erbmaterial) ist für die Diagnose und den Verlauf der chronischen Hepatitis wichtig. Bei einer ruhenden Infektion ist wenig Virus-DNA im Blut. Wenn viel DNA zu finden ist, spricht dieser Befund für eine akute oder aktive chronische Hepatitis.

Der Nachweis und die Kontrolle einer Leberzellschädigung erfolgen über eine histologische (feingewebliche) Untersuchung von zuvor mit einer Kanüle entnommenem Lebergewebe (Biopsie).

Selbsttest
Hepatitis: Kann ich mich damit infizieren?

Hepatitis verbreitet sich, obwohl die Übertragungswege bekannt sind. Finden Sie mit diesem Test heraus, ob Sie sich infiziert haben könnten oder wie groß Ihr Risiko einer Ansteckung ist.
(Quelle: Dieser Test wurde vom Leberspezialisten Dr. Markus Cornberg von der Deutschen Leberstiftung entwickelt)

Therapie bei akuter und chronischer Hepatitis B

Hepatitis B ist eine Krankheit, die in den meisten Fällen (zu 90 Prozent) akut, also vorübergehend, auftritt. Bis zu zehn Prozent der Fälle münden jedoch in chronische Hepatitis B. Die Akute und die chronische Verlaufsform der Hepatitis B werden – in Abhängigkeit vom aktuellen Krankheitsgeschehen und den Beschwerden – unterschiedlich behandelt.

Akute Hepatitis B: Bettruhe, kein Alkohol und gesunde Kost

Hepatitis B ist heilbar. Bei akuter Hepatitis B reichen in der Regel allgemeine Maßnahmen aus, um den Patienten Linderung zu verschaffen und die Krankheit abheilen zu lassen. Empfohlen werden Bettruhe sowie eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost. Letztere hat zwar keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf, wird aber von vielen Betroffenen als angenehm empfunden und entlastet die Leber. Alkohol sollte, solange die akute Leberentzündung andauert, nicht getrunken werden. In den meisten Fällen ist kein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Nur selten kommt es zu schweren akuten Verläufen von Hepatitis B, bei denen die Entzündung das Lebergewebe massiv angreift und Blutgerinnungsstörungen auftreten können. In diesen Fällen wird neben intensivmedizinischen Maßnahmen auch der Einsatz antiviraler Mittel notwendig.

Chronische Hepatitis B: Sind Medikamente nötig?

Selbst wenn die Krankheit in eine chronische Hepatitis B übergeht (chronifiziert), müssen nicht immer Medikamente zum Einsatz kommen. Treten keine Symptome auf, reichen regelmäßige Kontrollen der Leberwerte aus, um den Krankheitsverlauf zu überwachen. Betroffene sollten aber auf eine gesunde und leberschonende Ernährung achten.

Ist die Leberentzündung hingegen aktiv, das heißt, wenn Symptome wie Gelbfärbung der Haut, Unwohlsein, Erbrechen und Durchfall auftreten, das Risiko für eine Leberzirrhose besteht oder sich bereits eine gebildet hat, sollte eine gezielte Behandlung mit antiviral wirkenden Mitteln erfolgen. Ziel dieser Therapieoption ist es, die Zahl der Viren deutlich zu reduzieren und damit die Entzündung in der Leber einzudämmen. Auch eine Kontrolle der chronischen Hepatitis B ist durch eine solche Behandlung möglich.

Antivirale Medikamente gegen Hepatitis B

Interferon-alpha (IFN-α), ein Botenstoff des Immunsystems, der die Abwehrzellen stimuliert, kann den Verlauf einer chronischen Hepatitis B günstig beeinflussen. Das Medikament wird über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten einmal täglich oder drei Mal pro Woche unter die Haut gespritzt. Bei einem Drittel bis der Hälfte der Patienten können die Viren durch diese Behandlung zurückgedrängt werden. Die Patienten bleiben zwar Träger des Hepatitis-Virus, die Hepatitis verursacht aber keine Symptome mehr.

Eine neuere Entwicklung sind die sogenannten Nukleosidanaloga, zu denen Entecavir, Lamivudin und Telbivudin zählen, sowie Nukleotidanaloga. Zu Letzteren gehören Adefovir und Tenofovir. Sie weisen ähnliche Eigenschaften wie bestimmte Virusbestandteile auf. Die Wirkstoffe konkurrieren somit mit den natürlichen Bestandteilen um die Bindungsstellen der für die Vermehrung der Viren zuständigen Enzyme und führen dadurch zum Abbruch der Virus-Reproduktion bei Hepatitis B. Diese Mittel gibt es in Form von Tabletten. Sie sind selbst über die lange Therapiedauer von bis zu sechs Monaten gut verträglich und können auch dann noch eingesetzt werden, wenn bereits schwere Leberschäden vorliegen.

Welches Präparat in Frage kommt, entscheidet der Facharzt je nach individuellem Krankheitsfall. Weitere Wirkstoffe werden gerade in Studien untersucht. Meist zielen aber auch sie nicht auf eine echte Heilung ab, sondern darauf, die Symptome der Hepatitis zu lindern und das Risiko für Spätfolgen zu minimieren. In höchstens drei von hundert Fällen kommt es nach der Behandlung mit oben genannten Wirkstoffen zu einer Heilung des Patienten.

Wenn die Leber versagt

In sehr schweren Fällen kann eine chronische Hepatitis B die Leber so stark schädigen, dass sie nicht mehr arbeiten kann. Als letzter Ausweg bleibt dann nur eine Lebertransplantation. Um zu verhindern, dass die transplantierte Leber nach der Operation sofort wieder mit Hepatitis infiziert wird, muss eine vorbeugende Impfung gegen das Hepatitis B-Virus in Kombination mit antiviralen Mitteln erfolgen.

Hepatitis-B-Impfung

Obwohl sich die chronische Infektion mit dem Hepatitis B-Virus heute besser als früher medikamentös behandeln lässt – sofern sie rechtzeitig erkannt wird – heilt sie bei den meisten Betroffenen nicht vollständig ab. Daher ist es wichtig, die Infektion durch eine Hepatitis B-Impfung von vornherein zu verhindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt seit 1995 eine generelle Schutzimpfung gegen Hepatitis B im Säuglings- beziehungsweise Kindes- und Jugendalter.

Wie oft muss die Impfung erfolgen?

Bei der Hepatitis B-Impfung handelt es sich um eine sogenannte aktive Impfung, die das Immunsystem dauerhaft auf eine mögliche Infektion mit dem Hepatitis B-Virus vorbereitet, damit es diese schnell und effektiv bekämpfen kann. Die Impfung bei Babys und Kleinkindern erfolgt in der Regel mit Kombinationsimpfstoffen im Rahmen der Standardimpfungen und sollte bis etwa zum 14. Lebensmonat abgeschlossen sein. Findet diese Standardimpfung nicht statt, sollte die Immunisierung laut STIKO-Empfehlung möglichst vor der Pubertät, spätestens jedoch bis zum 18. Lebensjahr, nachgeholt werden.

Hepatitis B-Impfung von Risikogruppen

Neben dieser allgemeinen Impfempfehlung wird bestimmten Gruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko zu einer Hepatitis B-Impfung geraten. Dies gilt beispielsweise für Beschäftigte im Gesundheitswesen und für andere Berufsgruppen, bei denen im Rahmen ihrer Tätigkeit ein Kontakt mit Hepatitis B-infizierten Menschen möglich ist. Hinzu kommen Patienten, die eine chronische Nierenkrankheit haben, Blutwäschen (Dialysen) benötigen, häufig Blutprodukte erhalten oder vor einer größeren Operation stehen. Zudem sollten Menschen eine Impfung erhalten, wenn sie ein chronisches Leiden mit Leberbeteiligung oder eine chronische Lebererkrankung haben, die nicht durch Hepatitis B verursacht wurde.

Auch HIV-Patienten und Personen mit Kontakt zu chronisch HBV-Infizierten (zum Beispiel in der Familie) sollten sich impfen lassen. Zu weiteren Risikogruppen gehören Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko aufgrund ihres Sexualverhaltens, homosexuelle Männer, Drogenabhängige und Prostituierte. Zudem empfiehlt die STIKO die Impfung Menschen, die in Gebiete mit erhöhtem Hepatitis B-Vorkommen reisen, insbesondere wenn sie sich hier länger aufhalten und engen Kontakt zu Einheimischen haben.

Risikogebiete für Hepatitis B weltweit

In welchen Gebieten ist die Gefahr einer Infektion mit Hepatitis B besonders groß? Die Weltkarte mit den Risikogebieten zeigt es und hilft bei Reisevorbereitungen.

Hepatitis-B-Risikogebiete
Hepatitis B: Risikogebiete
Wie lange wirkt die Hepatitis-B-Impfung?

Um einen ausreichenden Impfschutz zu erzielen, sind in der Regel drei Impfungen gegen Hepatitis B notwendig: Nach der ersten Impfung erfolgt die zweite etwa einen Monat und die dritte etwa ein halbes bis ein Jahr später. Mit diesem Impfschema lässt sich bei den meisten Menschen ein voller Impfschutz über mindestens zehn Jahre erreichen. Eine Auffrischung der Impfung nach zehn Jahren empfiehlt die STIKO derzeit nicht generell, sondern nur Angehörigen einer Risikogruppe. In Zweifelsfällen ist es möglich, den Impfschutz (Titer) anhand von Blutuntersuchungen zu überprüfen.

Schutz unmittelbar nach der Hepatitis-Infektion

Menschen, die nicht geimpft sind und Kontakt mit Personen mit Hepatitis B hatten, beispielsweise durch eine Nadelstichverletzung oder Sex, erhalten möglichst schnell nach diesem Ereignis eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe. Diese besteht aus der aktiven Impfung mit dem Hepatitis B-Impfstoff und einer zusätzlichen passiven Impfung. Letztere enthält Antikörper (Immunglobuline), die gegen eine Hepatitis B-Infektion gerichtet sind, und unterstützt das körpereigene Immunsystem bei der Abwehr des Virus.

Ähnliches gilt für Neugeborene von Frauen, die während der Schwangerschaft positiv auf Hepatitis B getestet wurden. Beim Baby beginnt innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt eine Immunisierung gegen Hepatitis B, indem es gleichzeitig die erste Impfstoffdosis und die Hepatitis B-Immunglobuline erhält. Einen Monat später wird die zweite und sechs Monate später die dritte Impfstoffdosis verabreicht, um die Immunisierung gegen Hepatitis B zu vervollständigen.

Übernahme der Kosten

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung für alle Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie für Angehörige von Risikogruppen und Reisende in Länder mit erhöhtem Krankheitsvorkommen.

Hepatitis B durch Schutzmaßnahmen vorbeugen

Hepatitis B ist eine tückische Erkrankung, da bereits geringe Mengen infizierten Bluts oder anderer infizierter Körperflüssigkeiten für eine Ansteckung ausreichen. Neben der Impfung, die den sichersten Schutz bietet, lässt sich eine Hepatitis B-Ansteckung durch einfache Verhaltensmaßnahmen vermeiden.

  • Geschlechtsverkehr mit Kondom – ein Muss bei unbekannten Personen

  • Persönliche Gegenstände sollten nur bedingt mit anderen Personen geteilt werden (Rasierapparate, Zahnbürsten, Ohrringe, Spritzen und Nagelscheren).

  • Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein Familienmitglied nachweislich mit Hepatitis B infiziert und Virusträger ist. In diesem Fall sollte vorsichtshalber auch auf den gemeinsamen Gebrauch von Handtüchern, Geschirr und Essbesteck verzichtet werden.

  • Beschäftigte im Gesundheitswesen, die täglichen Umgang mit Patienten haben, sind einem erhöhten Risiko für eine Hepatitis-B-Ansteckung ausgesetzt. Neben der vorbeugenden Impfung sollten sie die hygienischen Vorschriften zur Entsorgung von Spritzen und Kanülen beachten sowie bei risikoreichen Tätigkeiten Handschuhe und eventuell weitere Schutzkleidung (Mundschutz, Schutzbrille) tragen.

  • Vorsicht beim Piercen und Tätowieren: Instrumente, die zum Ohrlochstechen, Piercen oder Tätowieren verwendet werden, stellen eine potenzielle Gefahrenquelle für eine Hepatitis-B-Ansteckung dar. Es muss deshalb gewährleistet sein, dass benutzte Bestecke nach dem Gebrauch gründlich gereinigt werden. Wer sich ein Tattoo anfertigen lassen möchte beziehungsweise Ohrlochstechen oder ein Piercing plant, sollte sich der Gefahr bewusst sein und die entsprechenden Angebote im Vorfeld sorgfältig prüfen.

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