Nierenerkrankung

Conn-Syndrom: Hormonell bedingter Bluthochdruck

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Viele Menschen leiden unter Bluthochdruck. Auslöser muss aber nicht zwingend eine ungesunde Lebensweise sein. Denn Bluthochdruck kann auch durch eine Erkrankung der Nebennieren, dem sogenannten Conn-Syndrom verursacht werden. Lesen Sie hier, wie die Erkrankung erkannt und behandelt wird.

Conn-Syndrom
Das Conn-Syndrom ist eine Erkrankung der Nebennieren, bei der ein erhöhter Blutdruck vorliegt.
© Getty Images/PeopleImages

Das Conn-Syndrom wurde erstmals von Jerome Conn im Jahr 1954 beschrieben. Die Erkrankung der Nebennieren wird auch als primärer Hyperaldosteronismus oder Morbus Conn bezeichnet.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist ein Conn-Syndrom?

Das Conn-Syndrom ist eine Erkrankung der Nebennieren, bei der verstärkt das Hormon Aldosteron gebildet wird. Die wichtigste Funktion von Aldosteron ist es, den Salz- und Flüssigkeitshaushalt im Körper zu regulieren. Eine Überproduktion des Hormons stört den Natrium- und Kaliumgehalt im Blut, wodurch sich das Flüssigkeitsvolumen im Blutkreislauf erhöht. Die Folge: Ein Blutdruck, der dauerhafter zu hoch ist.

Häufigkeit des Conn-Syndroms

Laut Robert Koch-Institut hat in Deutschland fast jede*r dritte Erwachsene Bluthochdruck (Hypertonie). Wie viele Menschen aufgrund von Morbus Conn davon betroffen sind, ist allerdings nicht bekannt. Es wird aber angenommen, dass bei schätzungsweise 13 Prozent der Erwachsenen mit Bluthochdruck ein primärer Hyperaldosteronismus vorliegt.

Die Erkrankung tritt vor allem zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen für das Conn-Syndrom

Bei einem Conn-Syndrom ist die Funktion der Nebennieren gestört. Die Nebennieren gehören zu den acht Hormondrüsen des Körpers, sitzen oberhalb der Nieren und produzieren über 40 Hormone. Das Hormon Aldosteron wird in der äußersten Schicht (Zona glomerulosa) der Nebennierenrinde gebildet und ist Bestandteil des sogenannten Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Dieses Hormonsystem steuert den Wasser- und Elektrolythaushalt im Körper und beeinflusst damit auch den Blutdruck. Produzieren die Nebennieren zu viel Aldosteron, gerät der Natrium- und Kaliumgehalt im Blut aus dem Gleichgewicht. Die Folge ist ein erhöhter Wassereinstrom in die Blutgefäße und damit eine Erhöhung des Blutdrucks.

Die beiden häufigsten Ursachen für eine Überproduktion von Aldosteron sind:

  • Ein gutartiger Tumor (Adenom) der Nebenniere. Der Tumor bildet sich im Drüsengewebe der Nebennierenrinde, produziert selbst Aldosteron und tritt meistens einseitig auf.

  • Ein verstärktes Wachstum beider Nebennierenrinden, die sogenannte bilaterale Nebennierenhyperplasie.

Sehr selten treten vererbbare Formen von Morbus Conn auf (Familiärer Hyperaldosteronismus Typ I und Typ II). Ebenso selten sind eine einseitige Nebennierenhyperplasie oder ein Aldosteron produzierender, bösartiger Tumor an einer Nebenniere.

Welche Symptome treten beim Conn-Syndrom auf?

Die Hauptsymptome des Conn-Syndroms sind:

  • Bluthochdruck, der sich trotz blutdrucksenkender Medikamente schlecht oder gar nicht einstellen lässt

  • Ein niedriger Kaliumgehalt im Blut

Des Weiteren können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschwäche oder -krämpfe, Herzrhythmusstörungen, Verstopfungen, starker Durst und vermehrtes Wasserlassen auftreten. Häufig bleibt Bluthochdruck aber das einzige Symptom für das Conn-Syndrom.

Eine Gewichtszunahme ist hingegen kein Symptom eines Conn-Syndroms. Gewichtszunahme kann aber auf eine andere Erkrankung der Nebennierenrinde, dem Cushing-Syndrom, hinweisen.

Diagnose und Untersuchungsmethoden

Personen können auf das Conn-Syndrom untersucht werden, wenn


  • ein nicht einstellbarer Bluthochdruck vorliegt,
  • Familienangehörige wissentlich an einem primären Hyperaldosteronismus oder bereits in jungen Jahren (unter 40) an Bluthochdruck leiden,
  • ein Nebennierentumor zufällig entdeckt wurde und ein erhöhter Blutdruck vorliegt.

Bei Verdacht auf ein Conn-Syndrom wird die Konzentration von Aldosteron und Renin im Blutserum bestimmt. Bei einem Conn-Syndrom ist der Aldosteronspiegel in der Regel zu hoch und der Reninspiegel zu niedrig. Zusätzlich kann auch der Kalium- und Natriumgehalt im Blut gemessen werden, um zu überprüfen, ob der Kaliumspiegel zu niedrig ist.

Ist der Laborbefund auffällig, finden weitere Untersuchungen statt, um die genaue Ursache für das Conn-Syndrom abzuklären. Dafür kommen unter anderem bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) infrage. Wichtig sind die weiterführenden Untersuchungen vor allem für die Unterscheidung zwischen einem Nebennierenadenom und einer bilateralen Nebennierenhyperplasie. Denn deren Therapien sind grundsätzlich verschieden.

Behandlung des Conn-Syndroms

Je nach Ursache wird Morbus Conn unterschiedlich behandelt. Ist ein gutartiger Tumor der Auslöser, dann wird die betroffene Nebenniere operativ entfernt. In der Regel lässt sich dadurch die Erkrankung heilen und der Blutdruck normalisiert sich wieder.

Eine bilaterale Nebennierenhyperplasie wird hingegen zeitlebens mit Medikamenten (Aldosteron-Antagonisten wie Spironolakton) behandelt, welche die Wirkung des überschüssigen Aldosterons aufheben. Kann damit der Blutdruck nicht ausreichend reguliert werden, werden zusätzlich noch blutdrucksenkende Medikamente notwendig.

Prognose und Komplikationen

Nach Entfernung einer Nebenniere aufgrund eines Adenoms liegt die Heilungsrate also die Senkung des Blutdrucks bei circa 70 Prozent. Bei etwa 30 Prozent der Erkrankten bleibt jedoch ein behandlungsfähiger Bluthochdruck bestehen. Häufiger betroffen sind Männer im Alter zwischen 40 bis 50 Jahren, die bereits vor Diagnosestellung mehrere Jahre Bluthochdruck hatten. Für Betroffene mit einer beidseitigen Vergrößerung der Nebennieren gibt es hingegen keine bekannten Heilungsaussichten. Sie sind ein Leben lang auf Medikamente angewiesen.

Ein Conn-Syndrom kann auch zu Komplikationen führen. Am häufigsten treten Herzrhythmusstörungen auf. Zudem können, häufiger als bei anderen Bluthochdruckformen, Folgeschäden am Herzen, den Nieren, Augen, Blutgefäßen und dem Zentralennervensystem entstehen. Morbus Conn-Erkrankte haben deshalb ein erhöhtes Risiko unter anderem für eine eingeschränkte Nierenfunktion, Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Netzhauterkrankungen.

Conn-Syndrom: Austausch mit anderen Betroffenen

Die Behandlung und der Verlauf der Erkrankung sind individuell sehr verschieden. Betroffene, die nach Informationen, Austausch oder Erfahrungsberichten zum Conn-Syndrom anderer Erkrankter suchen, finden in einer Selbsthilfegruppe Unterstützung. Die aktuell einzige Selbsthilfegruppe für Patienten mit Conn-Syndrom ist dem Netzwerk Hypophysen- und Nebennieren-Erkrankungen e. V. angegliedert.

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