Antibiotika nicht immer notwendig

Rezeptfreie Mittel gegen Blasenentzündung im Test

Bei Blasenentzündung sind Antibiotika zwar effektiv, aber nicht immer die beste Lösung. Eine wirkungsvolle Alternative bieten pflanzliche Präparate für die Harnwege, die von Öko-Test bewertet wurden. Welche wirkungsvollen Alternativen zu Antibiotika gibt es?

Goldrutenkraut
Goldrute hilft dabei, die Harnwege besser zu durchspülen und fördert damit das Ausscheiden von Bakterien.
© iStock.com/Wylius

An einer Blasenentzündung erkrankt jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben. Meist werden Antibiotika verschrieben, die allerdings oft nur temporär zu Beschwerdefreiheit führen. Bei einem Drittel der Betroffenen kommt es immer wieder zu neuen Harnwegsinfekten. Gegen die Symptome wie brennende Schmerzen und Harndrang gibt es pflanzliche Alternativen – von Heilpflanzentees bis hin zu rezeptfreien Arzneimitteln aus der Apotheke.

"Öko-Test" untersuchte 36 frei verkäufliche Präparate, die von den Herstellern als wirksam gegen Harnwegsinfekte ausgewiesen wurden – darunter 13 rezeptfreie Arzneimittel, 21 Blasen- und Nierentees sowie zwei Präparate mit dem Zuckerstoff D-Mannose als Wirksubstanz. Welche Präparate sind empfehlenswert?

Im Überblick:

Neun natürliche Hilfen für eine starke Blase

Blasentees: wenig wirksam, aber stark belastet

Das Ergebnis der Tester war vernichtend: Ein Großteil der Blasentees fiel mit der Note "ungenügend" durch. Nicht nur waren einige Produkte bei Blasenentzündung unwirksam, sondern viele Tees zudem mit Pflanzengiften belastet. Die gefundenen Pyrrolizidinalkaloide schädigen die Leber und erwiesen sich in Tierversuchen als krebserregend. Nur vier Tees erreichten die Wertungen "befriedigend" beziehungsweise "ausreichend".

Darüber hinaus kritisierten die Prüfer künstliche Farbstoffe sowie den Zusatz von Alkohol in manchen rezeptfreien Produkten. Für Präparate mit dem Zucker D-Mannose und der Aminosäure Methionin fehle der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit, so die "Öko-Test"-Redaktion.

Pflanzliche Arzneien bei Blasenentzündung

Als Testsieger und empfehlenswert gingen aus der Untersuchung unter den pflanzlichen Arzneimitteln lediglich zwei OTC-Präparate hervor:

  • Aqualibra (Medice; Wirkstoffe: Trockenextrakte aus Hauhechelwurzel, Goldrutenkraut und Orthosiphonblättern)

  • Ardeynephron (Ardeypharm; Wirkstoff: Orthosiphonblätter-Trockenextrakt)

Beiden Präparaten bescheinigte "Öko-Test", frei von schädlichen Rückständen zu sein und die Durchspülungstherapie bei Blasenentzündung sinnvoll zu ergänzen. Begleitend sollte bei dieser Ausspülungstherapie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden. Nicht geeignet sind diese Präparate allerdings für Schwangere und Personen mit Ödemen infolge von eingeschränkter Herz- und/oder Nierentätigkeit.

Wie wirken Hauhechelwurzel, Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter?

Die im Testsieger enthaltenen Wirkstoffe aus Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Orthosiphon haben sich bei der Behandlung von unkompliziert verlaufenden Harnwegsinfekten etabliert. Die drei pflanzlichen Wirkstoffe ergänzen sich gegenseitig und können bei praktisch allen Symptomen einer Blasenentzündung Linderung verschaffen:

  • Goldrutenkraut: Bei gleichzeitig hoher Flüssigkeitszufuhr wirkt Goldrutenkraut vor allem diuretisch und hilft dabei, die Harnwege besser zu durchspülen. Indem die Ausscheidung von Urin über die Nieren angeregt wird, werden auch Erreger schneller ausgeschieden. Zudem wirkt Goldrutenkraut antientzündlich und lindert so das Brennen beim Urinieren, das eines der Hauptbeschwerden bei Harnwegsinfekten ist. Goldrute hat außerdem einen krampflösenden Effekt, was eine vollständige Entleerung der Blase begünstigt.

  • Orthosiphonblätter: Orthosiphon hindert Bakterien daran, sich überhaupt erst in der Harnblase einzunisten, indem es die Ausbildung der Andockstellen – den sogenannte Fimbrien – unterbindet. So wird auch das Risiko, dass eine Blasenentzündung nach dem Abklingen wiederkommt, gesenkt.

  • Hauhechelwurzel: Der Extrakt aus der Hauhechelwurzel hilft vor allem dabei, Schmerzen zu lindern, die mit einer Blasenentzündung einhergehen, indem sie ebenfalls unterstützt, Keime auszuschwemmen.

Was tun bei Blasenentzündung?

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Antibiotika bei Blasenentzündung

Die gängigste Therapie einer Blasenentzündung besteht allerdings in der Einnahme eines Antibiotikums, das die auslösenden Keime abtötet. Eine Therapie mit Antibiotika ist in einigen Fällen unumgänglich, allerdings gibt es auch Nachteile.

Die großflächige Verschreibung dieser potenten Arzneimittel fördert die Resistenzbildung und lässt Antibiotika auf lange Sicht unwirksam werden. Zudem kann eine Therapie mit Antibiotika in bestimmten Fällen das Risiko erhöhen, dass die Blasenentzündung bald wiederkehrt, da mit einer solchen Therapie auch Bakterien abgetötet werden, die vor Harnwegsinfekten schützen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) empfiehlt, den Einsatz von Antibiotika bei Harnwegsinfekten kritisch zu betrachten, um "unnötige Therapien zu vermeiden und Resistenzentwicklungen zu reduzieren". Die Empfehlung lautet bei Harnwegsinfekten mit leichten bis mittelgradigen Beschwerden, als Alternative zur Therapie mit Antibiotika gemeinsam mit dem Patienten eine rein symptomatische Behandlung in Erwägung zu ziehen.

Deshalb gehen mehr und mehr Ärzte zu einem symptomatischen Therapieversuch über: Dabei nehmen Betroffene Schmerzmittel gegen die Beschwerden ein und ergreifen gleichzeitig harntreibende Maßnahmen – beispielsweise durch die Einnahme von oben genannten Präparaten mit den Wirkstoffen Hauhechelwurzel, Goldrutenkraut und Orthosiphonblättern – zur Durchspülung.

Tipps zur Vorbeugung von Blasenentzündungen

Laut Experten immer wichtig bei Harnwegsinfekten: sich warm halten, viel Tee oder Wasser trinken und bei Symptomen wie Fieber und Blut im Urin einen Arzt aufsuchen. Schwangere sollten den Verdacht auf einen Harnwegsinfekt grundsätzlich ärztlich abklären lassen.

Zur Vorbeugung einer Blasenentzündung wird Frauen empfohlen, möglichst bald nach dem Sex Wasser zu lassen, um Erreger aus dem Körper zu spülen. Eine Flüssigkeitszufuhr von täglich mindestens eineinhalb Litern erschwert es Bakterien ebenfalls, sich in der Blase zu vermehren.

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