Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle (95 Prozent) sogenannte Karzinome, also bösartige Tumoren. Sie wachsen in dem Gewebe der Bauchspeicheldrüse, das die Verdauungsenzyme bildet. In der Fachsprache werden sie als Pankreaskarzinome bezeichnet.

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Bauchspeicheldrüsenkrebs wird meist erst spät entdeckt und streut vergleichsweise schnell (Metastasierung). Das macht das Pankreaskarzinom zu einem der tückischsten Tumoren.
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Wie alle bösartigen Tumoren zeichnet sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs durch eine unkontrollierte Vermehrung von Tumorzellen aus. Sie haben die Tendenz, in angrenzendes gesundes Gewebe hineinzuwachsen und dieses zu zerstören. Einzelne Tumorzellen können mit dem Blut- oder Lymphstrom fortgetragen werden und in entfernten Organen, zum Beispiel in Lunge, Leber oder Skelett, Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Pankreaskarzinom ist nur sehr schwer heilbar

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine eher seltene Tumorart, in Deutschland erkranken jährlich rund 16.000 Menschen, Männer und Frauen sind hiervon etwa gleich häufig betroffen. In seinem Verlauf ist das Pankreaskarzinom jedoch sehr tückisch: Bösartige Neubildungen der Bauchspeicheldrüse werden oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, in welchem der Tumor nur in den seltensten Fällen heilbar ist.

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Die Lebenserwartung ist in solchen Fällen gering: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs beträgt gerade einmal acht Prozent. Damit weist das Pankreaskarzinom die niedrigste Überlebensrate von allen Krebsarten auf.

Zahlen und Fakten zum Bauchspeicheldrüsenkrebs

Meist wird  der Bauchspeicheldrüsenkrebs im höheren Alter diagnostiziert, das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Männern 69 Jahre, bei Frauen 76. Der Tumor tritt allerdings auch bei Menschen unter 50 Jahren auf.

Ein Pankreaskarzinom entsteht vor allem (60 Prozent) im sogenannten Kopfteil der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskopfkarzinom) oder in dem Bereich, an dem der Ausführungsgang der Drüse in den Zwölffingerdarm mündet (Papillenkarzinom).  In 30 Prozent der Fälle entwickelt sich der Tumor im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers oder -schwanzes. In zehn Prozent der Fälle ist die gesamte Drüse betroffen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Die eigentliche Ursache von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bisher unbekannt. Man kennt lediglich Risikofaktoren, die das Entstehen der Krankheit begünstigen können. Rauchen, der Lebensstil und genetische Vorbelastung können bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Rolle spielen.

Rauchen und Umweltgifte erhöhen Risiko

Der bislang wichtigste bekannte Risikofaktor für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Rauchen. Verschiedene Studien sprechen dafür, dass etwa 30 Prozent der Erkrankungsfälle auf Zigarettenkonsum zurückzuführen sind. Das Risiko, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu bekommen, ist bei Rauchern, die täglich eine Schachtel Zigaretten rauchen, etwa viermal größer als bei Nichtrauchern. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Dauer des Rauchens sowie der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Zahl von Neuerkrankungen an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Auch andere Schadstoffe aus der Umwelt erhöhen das Erkrankungsrisiko. Dazu gehören zum Beispiel polychlorierte Biphenyle (PCB), die von der Industrie unter anderem als Weichmacher für Lacke und Klebstoffe verwendet werden. Auch Pestizide wie das in Deutschland inzwischen verbotene DDT und Verbindungen von Benzol, einem wichtigen Rohstoff in der chemischen Industrie, scheinen die Erkrankung zu fördern.

Cholesterin und Alkohol schaden der Bauchspeicheldrüse

Neben Rauchen und Umweltschadstoffen spielt für die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs auch die Ernährung eine Rolle. So scheint ein hoher Anteil von Cholesterin und Kohlenhydraten in der Nahrung das Risiko für die Krankheit zu erhöhen. Welche Rolle ein übermäßiger Kaffee- und/oder Alkoholkonsum für die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs spielen, ist nicht eindeutig geklärt, es gibt hierzu widersprüchliche Untersuchungsergebnisse.

Selten spielen die Gene eine Rolle

In seltenen Fällen (rund drei Prozent) tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zusammenhang mit erblichen Erkrankungen auf. Hierzu gehört die Ataxia teleangiectatica, eine Krankheit, die unter anderem mit Bewegungsstörungen, Abwehrschwäche und einer Häufung von bösartigen Erkrankungen einhergeht.

Diese Symptome können auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hindeuten

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht erst im fortgeschrittenen Stadium Krankheitszeichen. Typisch sind gürtelförmige Schmerzen, Schwäche und Gewichtsverlust. Tumoren im Kopfbereich der Bauchspeicheldrüse können zu Gelbsucht (Ikterus) führen.

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Bauchspeicheldrüsenkrebs führt erst spät zu Krankheitserscheinungen. Daher befindet sich die Krankheit bei 90 Prozent der betroffenen Patienten schon in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn sie festgestellt wird. Die Geschwulst hat dann meistens schon die Grenzen der Bauchspeicheldrüse durchbrochen und ist in das umgebende Gewebe eingewachsen. So können bereits Zwölffingerdarm, Magen, Gallengang, Milz, Dickdarm oder große Blutgefäße in der Umgebung befallen sein, bevor Beschwerden auftreten.

Schmerzen im oberen und mittleren Bauchbereich

Neben Gewichtsverlust und allgemeiner Schwäche treten als typische Krankheitszeichen gürtelförmige Schmerzen im oberen und mittleren Bauchbereich auf, die in den Rücken ausstrahlen können. Tumore im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkopfes können den Gallengang verschließen, der in diesem Areal zusammen mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm mündet.

Galle kann nicht mehr abfließen

Die Gallenflüssigkeit, die in der Leber gebildet wird, kann dann nicht mehr in den Dünndarm abfließen. Dies hat zur Folge, dass sich Inhaltsstoffe der Gallenflüssigkeit im Blut anhäufen, darunter das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, das sogenannte Bilirubin. Dadurch verfärben sich die Haut und der weiße Bereich des Auges gelblich. Diese Verfärbung nennt man Ikterus. Der Patient bemerkt außerdem eine Entfärbung des Stuhls und eine Dunkelfärbung des Urins. Häufig verspüren die Patienten auch einen quälenden Juckreiz.

Ein Ikterus kann das erste und zunächst einzige Krankheitszeichen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sein. Deshalb müssen bei diesem Krankheitszeichen sofortige Untersuchungen zur Klärung der Ursache durchgeführt werden.

Pankreaskarzinom und Metastasen

Charakteristisch für Bauchspeicheldrüsenkrebs ist es, dass der Tumor frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) bildet, zum Beispiel in Lymphknoten des Bauchraums, in der Leber oder in der Lunge. Auch hierdurch können erste Krankheitszeichen hervorgerufen werden, zum Beispiel eine Bauchwassersucht (Aszites). Hierunter versteht man eine Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle, die durch einen Befall der Leber mit Tochtergeschwülsten verursacht werden kann. Die Metastasen behindern die Blutdurchströmung der Leber, und durch den Blutstau wird vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Bauchraum abgepresst. Auch bei einem Befall des Bauchfells mit Tochtergeschwülsten (Peritonealkarzinose) kommt es häufig zu einer Bauchwassersucht, da das befallene Bauchfell vermehrt Flüssigkeit bildet und in die freie Bauchhöhle abgibt.

Neigung zu Thrombosen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs haben häufig Entzündungen und Blutgerinnsel in den Venen (Thrombophlebitis, Thrombosen), zum Beispiel in den tiefen Beinvenen. Durch eine Einengung von Blutgefäßen im Bauchraum und durch eine tumorbedingte Aktivierung des Gerinnungssystems wird die Entstehung von Blutgerinnseln und Thrombosen begünstigt. Wenn solche Krankheiten ohne erkennbare Ursache wiederholt auftreten, muss deshalb auch an eine Untersuchung der Bauchspeicheldrüse gedacht werden.

Untersuchungen und Tests bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs werden verschiedene Untersuchungsmethoden stufenweise eingesetzt, bis die Erkrankung sicher festgestellt wird.

Wenn aufgrund der Krankheitszeichen der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht, werden zur Klärung verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Damit kann bei über 90 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs die Diagnose gestellt werden.

Körperliche Untersuchung bei Verdacht auf Pankreaskarzinom

Bei der körperlichen Untersuchung können folgende Befunde wegweisend sein:

  • Gelbsucht Wenn der Bauchspeicheldrüsentumor den Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm behindert, staut sich die Gallenflüssigkeit in Gallenwegen und Gallenblase. Eine gestaute Gallenblase kann bei der körperlichen Untersuchung bei bis zu einem Drittel der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs getastet werden. Eine Abflussstörung der Gallenflüssigkeit führt zu einer Gelbsucht (Ikterus). Der Patient bemerkt eine Entfärbung des Stuhls, eine Dunkelfärbung des Urins und eine Gelbfärbung von Haut und Bindehaut der Augen. Bei der Erstuntersuchung hat die Hälfte der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Gelbsucht.

  • Leber- und Milzvergrößerung Durch Tumoren im Bereich des Bauchspeicheldrüsenschwanzes, der bis zur Milz hin verläuft, kann der Blutabfluss aus der Milz behindert werden. Dies führt zu einer Vergrößerung der Milz, die bei der Untersuchung im Bereich des linken Oberbauchs getastet werden kann. Die Leber kann durch Tochtergeschwülste verhärtet und deutlich tastbar vergrößert sein.

  • gesunde bauchspeicheldrüse
    Lage der Bauchspeicheldrüse im Körper. Bei der Diagnose des Pankreaskarzinoms spielen unter anderem Tastbefund und Bluttests eine Rolle.
    © iStock.com/sankalpmaya

    Auffälliger Tastbefund des Bauchraums Zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung hat sich der Tumor bei 90 Prozent der Patienten bereits in die Umgebung der Bauchspeicheldrüse oder in die örtlichen Lymphknoten ausgebreitet. Bei der Bauchuntersuchung können diese großen Tumore durch die Bauchdecke direkt tastbar sein.

  • Lymphknotenschwellungen Wenn sich Tumorzellen über das Lymphsystem ausbreiten und in den Lymphknoten absiedeln, kann dies zu tastbaren Lymphknotenvergrößerungen führen. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs können auch die Lymphknoten oberhalb des linken Schlüsselbeins vergrößert sein.

  • Aszites (Bauchwassersucht) Bei bis zu einem Viertel der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht bereits bei der Erstuntersuchung eine Ansammlung von freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Bauchwassersucht, Aszites). Sie ist Ausdruck einer weit fortgeschrittenen Erkrankung, bei der der Tumor die Leber oder das Bauchfell befallen hat.

Laboruntersuchungen zur Diagnose

Es gibt keine Laborbefunde, mit denen Bauchspeicheldrüsenkrebs sicher festgestellt oder ausgeschlossen werden kann. Neben den üblichen Messungen von Blutwerten, wie Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG), Blutbild und Leberfunktionswerten, wird das Blut auf sogenannte Tumormarker untersucht. Dies sind spezielle Substanzen, die von einigen Tumoren gebildet und ins Blut abgegeben werden.

Die Tumormarker im Blut werden bestimmt, um bei bestimmten Erkrankungen, den Verlauf, das Ansprechen auf die Therapie und nach erfolgreicher Behandlung einen möglichen Rückfall erkennen zun können. In keinem Fall können Sie dazu verwendet werden, einen Tumor zu erkennen oder auszuschließen, weil es immer Tumoren ohne Marker gibt. Sie sind daher ungeeignet, eine generelle Tumorsuche durchzuführen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Pankreaskarzinom

Da sich die Behandlung des Pankreaskarzinoms nach dem Tumorstadium richtet, ist es wichtig, das Stadium der Krebserkrankung genau zu bestimmen. Dazu gehören folgende Kriterien:

  • Die Größe des Tumors und seine Ausdehnung innerhalb der Bauchspeicheldrüse beziehungsweise in das angrenzende Gewebe
  • Der Befall der örtlichen Lymphknoten mit Tumorzellen
  • Das Vorhandensein von Tochtergeschwülsten in anderen Organen

Stadien des Bauchspeicheldrüsenkrebs

  • Stadium I: Von einem Stadium I spricht man, wenn die Geschwulst auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt ist, die Lymphknoten in der Umgebung nicht befallen sind und keine Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Organen vorhanden sind.

  • Stadium II : Im Stadium II hat die Geschwulst die Grenzen der Bauchspeicheldrüse durchbrochen und sich auf die Umgebung ausgedehnt.

  • Stadium III: Stadium III liegt vor, wenn Zellen der Geschwulst die örtlichen Lymphknoten befallen haben.

  • Stadium IV: Im Stadium IV sind Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden.

Zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs werden chirurgische Maßnahmen, Chemotherapie und Strahlentherapie eingesetzt. Bauchspeicheldrüsenkrebs kann nur mit einer Operation geheilt werden, häufig in Kombination mit einer Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie).

Die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs richtet sich nach dem Stadium der Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Es ist deshalb sehr wichtig, zu Beginn durch Untersuchungen zu klären, wie ausgedehnt der Tumor ist, ob Lymphknoten befallen sind und ob es Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Organen gibt. Je nach Ausgangsbefund ergeben sich unterschiedliche Behandlungsziele: wenn die Möglichkeit besteht, dass der Patient vollständig geheilt werden kann, spricht man von einem kurativen Behandlungsziel (curare = heilen).

Bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien, bei denen erfahrungsgemäß in den meisten Fällen nicht mehr mit einer Heilung gerechnet werden kann, wird die Behandlung mit dem Ziel durchgeführt, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern, indem Auswirkungen der Krankheit wie Schmerzen gelindert werden. Man spricht dann von einer palliativen Behandlung.

Kurative Behandlungen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

  • OP: Nur Geschwülste, die auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt sind und noch nicht zu Lymphknoten- oder Fernmetastasen geführt haben, können mit dem Ziel einer Heilung operiert werden. Häufig handelt es sich dabei um Zufallsbefunde bei Untersuchungen, die aus anderen Gründen durchgeführt werden. Bei der Operation wird die Geschwulst mit einem Sicherheitsabstand von zwei Zentimetern in gesundem Gewebe herausgeschnitten. Je nach Lage der Geschwulst werden Teile der Bauchspeicheldrüse oder die gesamte Drüse, eventuell einschließlich eines Teils vom Magen und Zwölffingerdarm, entfernt. Ein Standardverfahren ist die sogenannte Whipple-Operation, bei der die vom Tumor befallenen Anteile der Bauchspeicheldrüse, des Zwölffingerdarms und des Magens entfernt werden und durch neue Verbindungen zwischen Magen, Bauchspeicheldrüse, Gallengang und Dünndarm die Passagestrecke für die Nahrung wiederherstellt wird.

  • Radiochemotherapie: Die operative Behandlung kann durch eine Radiochemotherapie, also eine Kombination aus Strahlenbehandlung und Chemotherapie, ergänzt werden. Die sogenannte adjuvante Radiochemotherapie wird im Anschluss an die Operation durchgeführt, um Tumorreste und Tochtergeschwülste, die unter Umständen noch nicht nachweisbar sind, zu bekämpfen. Die neoadjuvante Radiochemotherapie erfolgt im Gegensatz dazu vor der Operation, um die Geschwulst zu verkleinern und so eine bessere Ausgangsposition für die Operation zu erreichen.

Palliative Behandlung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

  • OP: Bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien kann der Tumor chirurgisch nicht vollständig entfernt werden. Es stehen dann aber operative Maßnahmen zur Verfügung, die die Lebensqualität des Patienten verbessern können. Dazu gehört beispielsweise die operative Überbrückung von Engstellen im Bereich der Gallenwege oder des Zwölffingerdarms. Die Gallenflüssigkeit kann auch mit weniger eingreifenden Maßnahmen (endoskopisch oder perkutan, siehe unten) über einen tumorbedingten Engpass abgeleitet werden.

  • Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie wird allein oder in Kombination mit einer Operation oder Chemotherapie durchgeführt. Sie erfolgt von außen über die Haut, während einer Operation oder durch den operativen Einsatz einer radioaktiven Substanz in das betroffene Gewebe. Diese einzelnen Verfahren werden auch miteinander kombiniert. Die Strahlentherapie kann zwar die Überlebenszeit des Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs kaum verlängern, aber sie kann bei 50 bis 70 Prozent der Patienten deutlich die Schmerzen reduzieren. Auch bei Tochtergeschwülsten in den Knochen (Skelettmetastasen) wird eine Strahlentherapie durchgeführt.

  • Chemotherapie: Bauchspeicheldrüsenkrebs ist mit Medikamenten schwer zu beeinflussen. Verschiedene Substanzen, die bei der Behandlung anderer Tumorarten wirksam sind, wurden bei Bauchspeicheldrüsenkrebs einzeln oder in Kombinationen eingesetzt, ohne jedoch die Lebenserwartung und Lebensqualität der Patienten eindeutig zu verbessern. Seit Anfang 1996 wird als Medikament Gemcitabin zur Behandlung verwendet. Diese Substanz verbessert bei einem Teil der Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs die Lebenserwartung zwar nur gering, die Lebensqualität aber deutlich. Neuerdings wird Gemcitabin mit anderen Substanzen erfolgreich kombiniert, wodurch die Überlebenszeit um einige Monate verlängert werden kann.

  • Radiochemotherapie: Bei fortgeschrittenem, nicht operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs werden Strahlenbehandlung und Chemotherapie häufig miteinander kombiniert (Radiochemotherapie). Im Vergleich zu einer alleinigen Strahlenbehandlung kann hierdurch die Überlebenszeit verlängert werden.

Behandlung von Gallenwegsverschlüssen

Wenn die Gallenwege durch den Tumor verschlossen sind, kann der Engpass durch den Einsatz von Stents (netzartigen Metall- oder Kunststoffröhrchen) überbrückt werden. Diese werden im Rahmen einer ERCP oder einer weiteren Spiegelung des Zwölffingerdarms über ein optisches Instrument in die Engstelle eingeführt, damit die Galle wieder in den Dünndarm abfließen kann. Falls ein solches Vorgehen nicht möglich ist, kann die aufgestaute Gallenflüssigkeit auch durch die Haut nach außen abgeleitet werden (Perkutane transhepatische Cholangiographie oder Perkutane biliäre Drainage).

Schmerzbehandlung

Bauchspeicheldrüsenkrebs führt besonders in fortgeschrittenen Stadien zu heftigen Schmerzen, die die Lebensqualität des Patienten schwer beeinträchtigen. Die Schmerztherapie hat deshalb bei dieser Krankheit eine große Bedeutung. Sie erfolgt zunächst mit schmerzstillenden Medikamenten (Analgetika). Ist die Wirkung auch bei Gabe von stark wirksamen Opiaten (Abkömmlingen des Opiums) nicht ausreichend, kann eine Periduralanästhesie (PDA) durchgeführt werden. Dabei wird – meistens im Bereich der Lendenwirbelsäule – in örtlicher Betäubung ein dünner Schlauch (Katheter) über eine Nadel in den Wirbelkanal vorgeschoben.

Über den Katheter, der außen an der Rückenhaut des Patienten festgeklebt wird, kann dann ein Betäubungsmittel oder ein schmerzstillendes Opiat in die äußere Gewebeschicht des Wirbelkanals gespritzt werden. Hierdurch werden die Nervenwurzeln der Rückenmarksnerven blockiert, so dass sie den Schmerzreiz nicht mehr an das Gehirn weiterleiten. Die Medikamente können über Pumpsysteme gleichmäßig in den Katheter abgegeben werden. Bei niedriger Dosierung wird nur die Schmerzleitung ausgeschaltet, die Bewegungsfähigkeit bleibt erhalten. Diese Behandlung kann auch ambulant, also ohne Klinikaufenthalt, durchgeführt werden.

Nervenblockade gegen stärkste Schmerzen

Zur Beherrschung starker Schmerzen kann auch das Nervengeflecht im Oberbauchbereich durch einen operativen Eingriff mit einer hochprozentigen Alkohollösung oder durch den Einsatz einer radioaktiven Substanz blockiert werden (Plexus-coeliacus-Blockade). Diese Blockade kann auch unter computertomografischer Steuerung von außen durch die Haut erfolgen. Bei 85 Prozent der so behandelten Patienten wird Schmerzfreiheit oder zumindest eine ganz wesentliche Besserung der Schmerzen erreicht, die bis zu zwei Jahre lang anhalten kann.

Behandlung bei Funktionsausfall der Bauchspeicheldrüse

Wenn die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt werden musste, müssen ihre Funktionen für die Verdauung und die Steuerung des Kohlenhydratstoffwechsels ersetzt werden. Dazu erhält der Patient zu jeder Mahlzeit ein Granulat von Bauchspeicheldrüsenenzymen, das sich im Dünndarm auflöst und dort die Nährstoffe aufspaltet, so dass sie in das Blut aufgenommen werden können. Das wichtigste Hormon, das die Bauchspeicheldrüse bildet, ist das Insulin. Es steuert den Kohlenhydratstoffwechsel und damit den Blutzuckerspiegel. Bei einem Ausfall der Bauchspeicheldrüse kann, wie auch bei der Zuckerkrankheit (Diabetes), Insulin ersetzt werden, indem es zum Beispiel zweimal täglich unter die Haut gespritzt wird.

Kann man Bauchspeicheldrüsenkrebs vorbeugen?

Die Vorbeugung von Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht bisher nur in der Vermeidung der gesicherten Risikofaktoren bei einer allgemein möglichst gesunden Lebensweise. Sichere Früherkennungsmaßnahmen stehen nicht zur Verfügung.

Da etwa 30 Prozent der Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs auf Zigarettenrauchen zurückzuführen sind, ist der Verzicht auf das Rauchen die wichtigste vorbeugende Maßnahme.

Rauchstopp würde fast 200.000 Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs verhindern

Bei anhaltenden Rauchgewohnheiten werden bis zum Jahr 2020 etwa 627.000 Männer und 588.000 Frauen in der Europäischen Union Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen. Wenn alle Raucher sofort aufhören würden, würden in demselben Zeitraum 133.000 Männer und 43.000 Frauen weniger an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken.

Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht möglich

Eine Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs, zum Beispiel durch Screeningtests (Suchtests), ist bisher nicht möglich, da es keine Untersuchungsmaßnahmen gibt, mit denen die Krankheit im Frühstadium eindeutig und sicher erkannt werden kann.

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