Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr

Pille danach als Notfallverhütung

Einnahme der Pille
Die Antibabypille ist eine der sichersten Verhütungsmethoden. Doch bei der Einnahme können Pannen auftreten. Die Pille danach kommt als Notfallverhütung in Frage.
Foto: Jörg Lange/Archiv dpa

Die Pille danach ist ein Medikament, welches zur Notfallverhütung einer Schwangerschaft eingesetzt wird. Die hormonell wirksamen Präparate verhindern oder verzögern den Eisprung. Frauen sollten sie so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr nehmen.

Will eine Frau auf keinen Fall schwanger werden, kann sie verschiedene Verhütungsmethoden wählen. Diese können jedoch versagen. Verhütungspannen können zum Beispiel auftreten, wenn das Kondom reißt, zu spät zum Einsatz kommt oder das Paar nicht an Verhütung denkt.

Auch bei der Einnahme der Antibabypille können Fehler auftreten. Deren Wirkung ist zum Beispiel beeinträchtigt,

  • wenn die Pille vergessen oder zu spät eingenommen wurde,
  • wenn kurz nach der Pilleneinnahme Erbrechen und Durchfall auftreten,
  • wenn die Frau gleichzeitig andere Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika, Johanniskraut oder Präparate gegen Epilepsie nimmt.

Für all diese Fälle der Notfallverhütung gibt es die Pille danach. Frauen stehen dafür verschiedene Präparate zur Verfügung.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verzögert oder verhindert den Eisprung, der etwa in der Mitte zwischen zwei Menstruationsblutungen stattfindet. Ohne eine reife Eizelle kann keine Befruchtung durch die männlichen Spermien und keine Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut stattfinden. Die Medikamente verhindern eine Schwangerschaft, bevor sie entsteht. In Deutschland stehen zwei Wirkstoffe für die Pille danach zur Verfügung: Levonorgestrel und Ulipristalacetat.

Levonorgestrel ist ein künstlich hergestelltes Gelbkörperhormon (Gestagen), welches gezielt den Eisprung verhindert. Es ist Bestandteil vieler Antibabypillen. In der Pille danach ist es jedoch bis zu 50-fach höher dosiert. Levonorgestrel-Präparate (in Deutschland unter dem Namen Pidana) müssen in den ersten drei Tagen (72 Stunden) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirksamkeit ist umso höher, je eher die Einnahme erfolgt.

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (oder Ulipristal) gibt es seit Ende 2010 unter dem Namen Ellaone. Ulipristalacetat blockiert das weibliche Sexualhormon Progesteron. So wird der Eisprung hinausgezögert und die Gebärmutterschleimhaut kann sich nicht auf die Einnistung der Eizelle vorbereiten. Ulipristalacetat  kann bis zu fünf Tage oder 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Unter anderem wegen dieser relativ großen Zeitspanne für den Einsatz (im Vergleich zu Levonorgestrol) sprechen sich Frauenärzte in Deutschland für Ulipristalacetat als das Mittel der Wahl zur Notfallverhütung aus.

Nach der Einnahme der Pille danach muss das Paar bis zur nächsten Monatsblutung mit nichthormonellen Methoden, zum Beispiel mit Kondomen verhüten. Normalerweise setzt die Menstruation um den gewohnten Zeitpunkt oder leicht verspätet ein. Falls die Regel länger als drei Wochen nach Einnahme der Pille danach auf sich warten lässt, sollte die Frau einen Schwangerschaftstest machen.

Wie sicher ist die Pille danach?

Die Pille danach kann nicht zu hundert Prozent verhindern, dass eine Frau nach ungeschütztem Verkehr schwanger wird. Beide Wirkstoffe sind nur vor dem Eisprung einsetzbar. Deshalb ist es wichtig, die Pille danach so früh wie möglich nach der Verhütungspanne einzunehmen. So wird die Zeitspanne größer, in der sich der Eisprung verzögert – und das Zeitfenster kleiner, in dem Spermien in der Gebärmutter die Chance haben, ein E zu befruchten. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, ist die Pille danach wirkungslos, eine Befruchtung kann dann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Die Wirkung der Pille danach kann durch die gleichzeitige Einnahme anderer Medikamente (Antibiotika, Antidepressiva, Mittel gegen Epilepsie) herabgesetzt sein.

Bei Frauen mit Übergewicht sinkt die Wirksamkeit der Pille danach je nach Präparat deutlich. Ab einem Body-Mass-Index über 35 empfiehlt der Berufsverband der Frauenärzte eine Kupferspirale zur Notfallverhütung.

Welche Nebenwirkungen hat die Pille danach?

Mit beiden Wirkstoffen ist die Pille ein hochdosiertes Hormonpräparat, das zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Dazu zählen

  • Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
  • Unterleibsschmerzen
  • Brustspannen
  • verzögert einsetzende Menstruation
  • Zwischenblutungen

Bei entsprechend veranlagten Frauen steigt außerdem die Gefahr einer Thrombose.

Bei Präparaten mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat muss der Arzt vor der Einnahme eine bereits bestehende Schwangerschaft ausschließen. Frauen, welche die Pille danach mit  Ulipristalacetat einnehmen, dürfen für die nächsten 36 Stunden zudem nicht stillen.

Wo gibt es die Pille danach?

Die Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist europaweit verschreibungspflichtig. Präparate mit Levonorgestrel sind rezeptfrei - außer in Polen, Italien und Deutschland (Stand Februar 2014).

Deutsche Ärzte stellen jedes Jahr rund 400.000 mal ein Rezept für die Pille danach aus – etwa ein Drittel davon für Frauen und Mädchen unter 20 Jahren. Nicht nur Frauenärzte oder der Hausarzt können die Pille danach verschreiben. Beratungsstellen wie pro familia dürfen ebenfalls Rezepte ausstellen, wenn dort ein Arzt arbeitet. Am Wochenende oder nach Praxisschluss  können sich Frauen an jede Notfall-Ambulanz wenden. Bei Mädchen unter 14 Jahren ist für das Rezept die Einwilligung der Eltern nötig. Ist das Mädchen älter, liegt es im Ermessen des Arztes, die Pille danach zu verschreiben. Ab 16 Jahren haben Mädchen meist keine Probleme, ein Rezept zu bekommen. Die Pille danach gibt es in der Apotheke. Bis zum 20. Lebensjahr zahlt die Krankenkasse die Kosten. Diese liegen ja nach Präparat zwischen 17 und 35 Euro.

Die Pille danach ist ein Medikament, welches massiv in den Hormonhaushalt eingreift. Frauen sollten sie deshalb nur im wirklichen Notfall einsetzen. Sie eignet sich als Verhütungsmittel nicht für den Dauergebrauch. Die Pille danach kann nur in einem eng begrenzten Zeitfenster eine Schwangerschaft verhindern, ist teuer, mit vielen Nebenwirkungen behaftet und stressig in der Beschaffung. Sie sollte nicht zu einem leichtfertigen Umgang mit dem Thema Verhütung führen.

Alternativen zur Pille
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  • spirale03_86521872.jpg
    Moderne Langzeitverhütung – ohne täglichen Einnahmestress

    Einmal angewendet, setzten moderne Langzeitmethoden über Wochen (Hormonring), Monate (Dreimonatsspritze) oder Jahre (Hormonspirale, Kupferspirale und Hormonimplantat) kontinuierlich Hormone oder – im Falle der Kupferspirale – Kupferionen frei, die ihre verhütende Wirkung entfalten. Die Anwenderin genießt sicheren Schwangerschaftsschutz ohne täglichen Verhütungsstress. Ein Vorzug hormoneller Langzeitmethoden wie der Hormonspirale: Sie reduzieren in den meisten Fällen zusätzlich die Blutungsstärke. Bei vielen Frauen bleibt die Blutung während der Anwendung sogar ganz aus.

    Getty Images/Brand X

  • spirale01_stk61112cor.jpg
    Verhütung mit der Pille – nicht immer der Königsweg

    Antibabypillen sind (mit Ausnahme der Minipille) sogenannte hormonelle Kombinationspräparate. Sie enthalten jeweils ein Östrogen und ein Gestagen. Durch den Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau verhindert die Pille die Reifung der Eizellen und den Eisprung. „Die Pille“ gilt als sehr sicheres – und vor allem bei jungen Frauen – als beliebtes Verhütungsmittel. Anwenderinnen müssen jedoch auf die tägliche Einnahme achten, um zuverlässig vor einer Schwangerschaft geschützt zu sein. Für einige Pillenanwenderinnen sind auch Nebenwirkungen belastend. Hinzu kommt: Bei gewissen Risikofaktoren wie dem Rauchen oder bestimmten Grunderkrankungen ist die Pille eher nicht geeignet.

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    Hormonelle Verhütung ohne Östrogen

    Persönliche Risikofaktoren, darunter das Rauchen oder gesundheitliche Faktoren, können gegen die Anwendung der Pille mit Östrogenen sprechen. Manche Frauen und Mädchen leiden auch unter östrogenbedingten Nebenwirkungen. Möchten sie dennoch nicht auf die hohe Sicherheit der hormonellen Verhütung verzichten, stehen ihnen östrogenfreie hormonelle Alternativen wie z.B. die Minipille oder die Hormonspirale zur Verfügung. Beide enthalten lediglich ein niedrig dosiertes Gestagen.

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    Verhüten mit der Hormonspirale – langfristig gut geschützt

    Die Hormonspirale verbindet die hohe Sicherheit der hormonellen Methoden mit langfristigem Empfängnisschutz. Ihr Hormon wird direkt in die Gebärmutter abgegeben und wirkt vor Ort. Nur sehr geringe Hormonmengen gelangen ins Blut. Dadurch sinkt das Risiko für Nebenwirkungen. Da die Hormonspirale östrogenfrei ist, eignet sie sich z.B. auch sehr gut in der Stillzeit und in den Wechseljahren, also auch in Lebensphasen, in denen die Pille nicht oder nur beschränkt angewendet werden darf.

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  • spirale05_115885985.jpg
    Barrieremethoden: Kondom, Diaphragma & Co. zur Verhütung

    Barrieremethoden sorgen dafür, dass kein Sperma in die Gebärmutter gelangt. Neben dem Kondom für den Mann gibt es verschiedene Varianten für die Frau wie etwa das Frauenkondom (Femidom), Diaphragma oder die Portiokappe. Wichtiger Vorteil: Kondom und Femidom schützen auch vor sexuellen Krankheiten. Die Verhütungssicherheit ist jedoch stark abhängig von der Disziplin und Erfahrung der jeweiligen Anwenderin.

    (c) Stockbyte

  • spirale06_153005483.jpg
    Natürliche Verhütung – ohne Anwendung von Verhütungsmitteln

    Bei der natürlichen Familienplanung beobachtet die Frau zur Bestimmung der fruchtbaren „Tage“ bestimmte Körpersignale wie die Aufwachtemperatur und den Zervixschleim. In dieser Zeit muss das Paar enthaltsam bleiben oder z.B. Kondome verwenden. Die Methode kann bei stabilem Zyklus und fester Partnerschaft gut funktionieren, erfordert aber viel Körperkenntnis und Disziplin. Der Coitus interruptus, also das Herausziehen des Penis vor dem Samenerguss, ist hingegen keine (natürliche) Verhütungsmethode. Die Sache geht, über ein Jahr betrachtet, bei 18 von hundert Frauen schief!

    (c) Stockbyte

  • spirale07_86521872.jpg
    Irreversible Verhütung: Sterilisation als sichere Dauerlösung

    Die Sterilisation gilt als die sicherste Verhütungsmethode. Sie ist unter Umständen nach abgeschlossener Familienplanung geeignet und bei beiden Geschlechtern anwendbar. Je nach Geschlecht werden dabei entweder die Ei- oder Samenleiter abgeklemmt oder durchtrennt. Unbedingt vorher bedenken: Der Eingriff führt in der Regel dauerhaften Unfruchtbarkeit und kann meist nicht rückgängig gemacht werden.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Februar 2014
Quellen: Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zur Pille danach vom 17.4. 2013 Faltblatt „Die Pille danach“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 8/2013 Notfallkontrazeption - ein Update: Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) e.V. und des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF) e.V. - Update vom 4.2.2013

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