Risikofaktoren lassen sich meiden

Altersbedingte Makuladegeneration: AMD kann zu Erblindung führen

Die altersbedingte Makuladegeneration beschreibt einen Funktionsverlust einer bestimmten Stelle auf der Netzhaut im Auge. Sie tritt mit fortschreitendem Alter auf und zählt zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung ab dem 45. Lebensjahr. Rechtzeitig erkannt ist der Prozess zwar nicht heilbar, lässt sich durch die richtige Behandlung aber deutlich hinausgezögern.

Mann mit skeptischem Blick
Mit einer gesunden Lebensweise kann man auch der altersbedingten Makula-Degeneration vorbeugen
Getty Images/Polka Dot RF

Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) handelt es sich um eine degenerative (Verfalls-) Erkrankung, die das funktionelle Netzhautzentrum, die sogenannte Makula lutea (gelber Fleck), und damit den Bereich des schärfsten Sehens betrifft.

Ausgangspunkt ist eine Überlastung des retinalen Pigmentepithels, der Trennschicht zwischen Netzhaut und Aderhaut im Auge, in deren Folge es zur Ansammlung von Stoffwechselprodukten (Drusen), Entzündungsreaktionen, Störungen der Durchlässigkeit der sogenannten Bruch-Membran (Grenzschicht zwischen dem Pigmentepithel der Netzhaut und der Gefäßschicht der Aderhaut), dem Einwachsen von Blutgefäßen aus der Aderhaut unter die Netzhaut sowie dem Austritt von Flüssigkeit und Blut aus diesen Gefäßen kommen kann.

Diese Veränderungen gehen mit einem Funktionsverlust des erkrankten Gewebes und einer Abnahme der Sehkraft auf einen Visus-Wert von unter 0,6 einher. Die AMD ist die zweithäufigste Ursache für eine Erblindung bei 45- bis 64-Jährigen und die häufigste Erblindungsursache ab dem 65. Lebensjahr.

Verschiedene Formen der AMD

Unterschieden werden die trockene und die feuchte Form der altersbedingten Makula-Degeneration. Die trockene ist mit Abstand die häufigste Form und ist verbunden mit der Rückbildung der Netzhaut. Die Erkrankung schreitet meist nur langsam voran, sodass sich die Sehschärfe allmählich verschlechtert.

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Bei der feuchten (exsudativen), gefäßneubildenden AMD geht die Sehkraft hingegen sehr schnell zurück. Diese Form der AMD ist durch das Einwachsen von Blutgefäßen aus der Aderhaut unter die Netzhaut und den Austritt von Flüssigkeit und Blut aus den Gefäßen gekennzeichnet.

Symptome: So äußert sich AMD

Viele Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration bemerken im Blickzentrum einen grauen Schatten. Die Sehschärfe ist stark herabgesetzt, nicht selten gerät sie unter die Grenze der Lesefähigkeit. Kommt es zur Flüssigkeitsansammlung im Bereich der zentralen Netzhaut, sehen die Betroffenen Objekte verzerrt.

Diese Verzerrung wird besonders deutlich wahrgenommen, wenn ein Netz von Gitterlinien fixiert werden soll. Bei Blutungen in diesem Bereich geht das Sehvermögen oft ganz plötzlich zurück – mitunter so stark, dass die Betroffenen nur noch grobe Umrisse wahrnehmen können.

Ursachen der altersbedingten Makuladegeneration

Der Einfluss des Lebensalters auf die Entwicklung einer AMD ist weniger groß, als zunächst angenommen wurde. Knapp die Hälfte der Ablagerungen in der Netzhaut hängen mit dem Alter zusammen. Untersuchungen ergaben unter anderem eine erblich bedingte Neigung für die Erkrankung. Allerdings wird vermutet, dass nicht ein einzelnes Gen für die Entstehung einer altersbedingten Makuladegeneration verantwortlich ist, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Gene. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Als Risikofaktoren für AMD gelten zudem fettreiche Ernährung  und Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (insbesondere Bluthochdruck) sowie hormonelle Einflüsse (vor allem durch Östrogene). Darüber hinaus können Rauchen, anhaltende Lichtbelastung und ein Mangel an Antioxidanzien die Entstehung der Erkrankung begünstigen.

Entstehung der AMD

Das Krankheitsgeschehen bei AMD ist komplex. Ausgangspunkt ist eine oft altersbedingte Überlastung des Pigmentepithels der Netzhaut. Anfallende Stoffwechselprodukte können nicht mehr vollständig abgebaut werden und sammeln sich in Form sogenannter Drusen an. In die Umgebung dieser Drusen wandern entzündungsvermittelnde Botenstoffe und Zellen der Immunabwehr ein, die Entzündungsreaktionen auslösen. In der Folge gehen Zellen des Pigmentepithels zugrunde.

Bei der feuchten Form der AMD wird die Bruch-Membran, die Grenzschicht zwischen dem Pigmentepithel der Netzhaut und der Gefäßschicht der Aderhaut, zunehmend durchlässig. Dadurch ist die Abdichtung kleiner Blutgefäße der Aderhaut nicht mehr gewährleistet, sodass Flüssigkeit in den Raum unter die Netzhaut eindringen kann. Gleichzeitig wachsen kleine Blutgefäße von der Aderhaut aus unter die Netzhaut. Ihre Wand ist oft nicht besonders dicht, sodass sie leicht bluten.

Sehstörungen und was sie bedeuten

Wie der Arzt die altersbedingte Makuladegeneration diagnostiziert

Oft suchen Patienten mit einer altersbedingten Makuladegeneration den Augenarzt auf, weil sie sogar mit Brille plötzlich oder allmählich zunehmend schlechter sehen. Zur Diagnose führen dann die Erfragung der Krankengeschichte und aktuellen Beschwerden (Anamnese) und eine Spiegelung des Augenhintergrundes mithilfe eines Vergrößerungsglases (Ophtalmoskopie).

Bei dieser Untersuchung sieht der Augenarzt Pigmentverdichtungen im Zentrum der Netzhaut sowie kleine gelblichweiße, dichte Herde, die sogenannten Drusen, die zahlreich über das Zentrum der Netzhaut verteilt sind. Die Veränderungen sind bereits zu erkennen, bevor der Patient überhaupt eine Sehstörungen bemerkt. In fortgeschritteneren Stadien kann der Augenarzt graue Vorwölbungen des Pigmentepithels der Netzhaut erkennen, ebenso kleine Netzhautblutungen und weißliche Narben.

Mithilfe der Fluoreszenz-Angiographie, einer Röntgenuntersuchung, bei der die Blutgefäße mithilfe eines leuchtenden Farbstoffs dargestellt werden, lassen sich Einwachsungen von Blutgefäßen unter der Netzhaut nachweisen und verschiedene Untertypen der feuchten AMD diagnostizieren.

Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration

Eine Therapie zur Beseitigung der Ursache einer altersbedingten Makuladegeneration gibt es derzeit nicht. Das Augenmerk liegt deshalb auf der Behandlung von Symptomen und den Veränderungen, die die AMD an der Netzhaut verursacht.

Vergrößernde Sehhilfen: Der Verlust an Sehkraft kann zumindest teilweise mithilfe vergrößernder Sehhilfen ausgeglichen werden. Empfohlen werden zum Beispiel beleuchtete Leselupen und Bildschirmlesegeräte. Sie benötigen allerdings anfänglich einen gewissen Trainingsaufwand.

Therapie mit Antioxidanzien und Zink: Durch eine Behandlung mit Antioxidanzien (Vitamin C und E, Karotinoide) und das Zink kann das Voranschreiten der trockenen Form von AMD verzögert werden. Eine Untersuchung ergab zudem, dass sich durch diese Therapie der Entwicklung der feuchten, gefäßneubildenden Form der AMD vorbeugen lässt. Da allerdings für Raucher oder ehemalige Raucher bei einer Therapie mit Antioxidanzien das Risiko für Lungenkrebs steigt, darf diese Therapie bei ihnen nicht angewendet werden.

Laserkoagulation: Unter die Netzhaut einwachsende Blutgefäße bei der feuchten AMD können mithilfe einer Lasertherapie verödet werden. Allerdings kommt es nach dieser Behandlung häufig zu Rückfällen.

Wirksamkeit von Operationen nicht belegt

Operative Verfahren: Bei der feuchten AMD sind eine Reihe operativer Verfahren möglich, bei denen unter die Netzhaut eingewachsene Blutgefäße entfernt werden und die Makula in ein nicht erkranktes Areal der Netzhaut verlegt wird. Allerdings ist die Wirksamkeit dieser Verfahren ebenso wie die der Strahlentherapie und Wärmebehandlung teilweise nur unzureichend belegt, sodass sie nicht allgemein empfohlen werden können.

Antiangiogenese: Die Behandlung der feuchten AMD ist darauf ausgerichtet, die Neubildung und das Einwachsen von Blutgefäßen aus der Aderhaut unter die Netzhaut zu verhindern. Für die Therapie zugelassen sind die Antikörper Pegaptanib und Ranibizumab, die den gefäßbildungsfördernden Wachstumfaktor VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) hemmen. Ein weiterer vielversprechender VEGF-Antikörper, Bevacizumab, ist bislang zur Behandlung der feuchten AMD noch nicht zugelassen. Seine Anwendung sollte daher allenfalls im Rahmen von klinischen Studien erfolgen.

Tipps, um der AMD vorzubeugen

Bestimmte Risikofaktoren für die altersbedingte Makuladegeneration wie Rauchen, fettreiche Ernährung und Übergewicht lassen sich vermeiden. Zudem kann eine Kombinationsbehandlung mit Antioxidanzien und Zink das Voranschreiten der trockenen Form von AMD verzögern und der Entwicklung der feuchten, gefäßneubildenden AMD vorbeugen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Oktober 2016
Durch: sist
Quellen: Albert J. Augustin: „Augenheilkunde“, 3. Auflage, Springer: Berlin, Heidelberg, 2007; Grehn, F.: Augenheilkunde. 29. Auflage, Springer: Berlin, Heidelberg, 2006; Meyer, C.H.: Anti-VEGF-Therapie bei der Behandlung der AMD. Ophthalmologe 2008, 105(2):123-124; Höhn, F. et al.: Kombinierte intravitreale Injektion von Bevacizumab und SF6-Gas bei AMD-assoziierter, submakulärer Hämorrhagie. Ophthalmologe 2009, DOI:10.1007/s00347-009-2004-3

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