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Essen bei Krankheit

Anti-Pilz-Diät - Mehr Mode als Heilmethode

Immer wieder hört man von schädlichen Pilzinfektionen im Darm. Nicht selten unterziehen sich die Patienten dann einer Anti-Pilz-Diät. Pilze im Darm sind in den meisten Fällen keineswegs krankhaft. Lediglich bei bestimmten Risikogruppen sind Pilzinfektionen eine Gefahr, die mit Medikamenten behandelt werden muss. Die Anti-Pilz-Diät gilt unter Experten dagegen als fragwürdig.

Pilze sind bei bis zu 60 Prozent aller Gesunden im Verdauungstrakt zu finden. Viele unschädliche Hefepilz-Arten wie Back-, Bier- oder Weinhefen gelangen über Lebensmittel in den Darm. Selbst Pilze der Gattung Candida albicans, die oft für Beschwerden verantwortlich gemacht werden, finden sich in der gesunden Darmflora. Ernsthafte Beschwerden treten nur auf, wenn die Darmflora nicht intakt oder das Immunsystem geschwächt ist.

Pilze im Darm - Selten ein Grund zur Sorge

Bei Abwehrschwächen und Immundefekten, zum Beispiel bei einer HIV-Infektion oder nach einer Antibiotika- oder Chemotherapie, kann die Besiedlung des Darms mit Hefepilzen überhand nehmen. Dabei kann die ausgeglichene Schleimhautbesiedelung des Darms in eine manifeste Pilzinfektion übergehen (Mykose).

Symptome sind ein Wechsel von Durchfällen, normalem Stuhl und Verstopfung und ein Blähbauch, besonders nach dem Essen. In diesen Fällen ist eine ärztliche Behandlung mit Medikamenten nötig. Dass Diäten bei Mykose helfen, ist bisher nicht bewiesen.

Fragwürdige Empfehlung: Den Pilz aushungern

Anti-Pilz-Diäten beruhen auf der Annahme, den Pilz aushungern zu können, indem auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird. Wer sich der Diät unterzieht, soll demnach möglichst zucker- und kohlenhydratarm essen. Gemüse und Vollkornprodukte sind erlaubt, ebenso Milchprodukte, da der Milchzucker (Laktose) von Hefe nicht verwertet werden kann. Auch Fisch, Fleisch, Fett und Öl sind in Maßen gestattet.

Was gegen die Anti-Pilz-Diät spricht

Die Anti-Pilz-Diät beruht zum Teil auf medizinisch fragwürdigen Argumenten und ist langfristig schädlich:

  • Im Dickdarm, wo sich die Pilze meist befinden, dürfte der Zucker sowieso nicht mehr ankommen, da er bereits im Dünndarm aufgenommen wird.
  • Da die Diät relativ einseitig und vitaminarm ist, sollte sie auf keinen Fall über längere Zeiträume eingehalten werden.

Was gegen die Pilze hilft

Über eine Behandlung mit Medikamenten hinaus können einige ungefährliche Empfehlungen gegen einen möglichen Pilzbefall helfen:

  • Wer Sauermilchprodukte, etwa Joghurt und Sauerkraut isst, nimmt zusätzlich Lactobazillen auf, die Pilzen die Vermehrung erschweren.
  • Die gesunde Darmflora kann mit Präparaten gestärkt werden, die der Arzt verordnet.
  • Wenn keine besonderen Krankheiten vorliegen, hilft auch eine vollwertige, fettarme, ballaststoffreiche, vorwiegend pflanzliche Ernährung gegen eine krankhafte Ausbreitung von Pilzen.


Quelle: Caspary, W. F.; Kist, M.; Stein, J.; (Hrsg.): Infektiologie des Gastrointestinaltraktes. Heidelberg: Springer Medizin, 2006
Autor: Springer Medizin Stand 15.05.2002 -zuletzt aktualisiert von der Redaktion „SpringerGesundheit“
Stand: Jan 14, 2011


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