Bestrahlungsverfahren als erfolgreichste Therapieform

Prostatakrebs (Prostatakarzinom): Therapie

Bestrahlung mit Radium-223-dichlorid setzt sich durch und verlängert Überleben

Prostatakrebs muss immer individuell behandelt werden. Je nach Risikograd und Stadium stehen drei Therapieoptionen zur Verfügung: Chirurgische Entfernung des Tumors mit und ohne Erhalt der Prostata, die chemische oder operative Kastration und die Bestrahlung mit Radionukliden. Gemäß einer aktuellen Metaanalyse zeigt sich die Strahlentherapie als die derzeit effektivste Behandlungsform.

radioinjektion_iStock_000035943142_Small.jpg
Galt bis vor wenigen Jahren die radikale Entfernung der Prostata als Goldstandard bei der Therapie, so setzt sich jetzt die Bestrahlung als ergänzende oder sogar alleinige Behandlungsform des Prostatakrebses durch.
iStock

Die Therapie des Prostatakrebses (Prostatakarzinoms) richtet sich nach dem Stadium des Tumors und seiner Größe. Mehrere Behandlungsmethoden stehen dabei zur Verfügung:

Operation bei Prostatakrebs

Wird ein Tumor in der Prostata frühzeitig erkannt, also wenn dieser noch klein gewachsen ist und scharf vom umgebenden gesunden Gewebe der Prostata abgegrenzt werden kann, ist bei Patienten mit allgemein gutem Gesundheitszustand die Entfernung von Prostata, Samenbläschen und den umgebenden Lymphknoten eine gängige Behandlungmethode. Der Operateur entscheidet je nach Lage, welche der vier dafür empfohlenen Operationstechniken zum Einsatz kommt (Für Details zur OP-Methode "+" zum Ausklappen anklicken):

Ziel jeder dieser vier Techniken ist die komplette Entfernung der Prostata mit dem gesamten Krebsgewebe darin. Gelingt dies, sind die Heilungschancen überaus groß – die  Langzeitüberlebensrate liegt bei 80 bis 90 Prozent. Die Operation selbst gilt als äußerst sicher.

Weitere mögliche Komplikationen der operativen Prostataentfernung sind Nervenverletzungen mit daraus folgender Erektionsstörung, Lymphozele oder selten eine Verengung der Harnröhre in ihrem ehemaligen Verlauf durch die entfernte Prostata (Anastomosenstriktur).

Da die Nervenschädigung mit Einfluss auf die Erektionsfähigkeit von den betroffenen Patienten als besonderer Verlust an Lebensqualität beschrieben wird, ist die "nerverhaltende" Operationsmethode nach Patrick Craig Walsh eine vom jeweiligen Erfahrungsschatz und Geschick des Operateurs abhängige Leistung. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass zu wenig verkrebstes Gewebe abgetragen wird und der Tumor weiter wachsen kann.

Radium-223-dichlorid eröffnet neue Optionen in der Prostatakrebsbehandlung

Im Jahr 2012 wurde in der sogenannten "Grimme-Studie" anhand der Daten von über 52.000 Patienten, die eine Strahlentherapie zur Behandlung eines abgegrenzten und nicht mit dem Organ unscharf verwachsenen Prostatakarzinoms erhalten hatten, nachgewiesen, dass die Strahlentherapie zu einer OP gleichwertig wirksam und zugleich ärmer an Nebenwirkung ist.

Die Bestrahlung ist nicht nur als Alternative zu den radikalen Operationsmethoden anzusehen, sondern kann sogar bei Patienten mit inoperablem Befund angewendet werden, also wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat und in andere Organe eingewachsen ist.

So funktioniert die Radium-223-dichlorid-Therapie

Seit November 2013 ist unter dem Handelsnamen Xofigo ein Radium-223-dichlorid-Präparat zugelassen, das zur Strahlentherapie des fortgeschrittenen Prostatakrebses eingesetzt werden kann, also wenn der Krebs bereits gestreut und mehr als eine Metastase gebildet hat. Dieses Radionuklid ergänzt die Reihe der strahlenden Therapeutika mit Strontium-89 und Samarium-153 aus den 1990ern. Im Gegensatz zu Strontium und Samarium konnte für Radium-223-dichlorid jedoch ein echter Überlebensvorteil für die damit behandelten Patienten nachgewiesen werden.

Radium-223-dichlorid ist zugelassen für Prostatakrebspatienten mit Knochenmetastasen, die bereits zu Beschwerden wie Schmerzen führen. Das radioaktive Radium-223-dichlorid wird dabei nach Körpergewicht (50kBq/kg KG) dosiert und innerhalb eines Behandlungszyklus über einem Zeitraum von vier Wochen in sechs Einzeldosen in eine Vene gespritzt. Das Radium-223-dichlorid verteilt sich dadurch im Kreislauf und somit im gesamten Körper, bevor es sich als Kalziumanalogon (es verhält sich wie Kalzium) dann fast ausschließlich im Knochengewebe anreichert. Als Alpha-Strahler wirkt das Radium-223-dichlorid nur in seiner direkten Umgebung, also durchdringt maximal ein bis zwei weitere angrenzende Zellen. Somit ist es nach außen völlig ungefährlich, wirkt aber genau bis in die Krebszellen der Knochenmetastasen. Nach gut elf Tagen ist das Radium-223-dichlorid zur Hälfte zerfallen. Die Abbauprodukte werden über den Darm ausgeschieden und sind ungefährlich.

Weitere Therapieformen gegen Prostatakrebs:

  • Protonentherapie

  • Prostata-Rektum-Hydrogel-Abstandshalter

  • Hochintensiver fokussierter Ultraschall

  • Hormontherapie

  • Chemotherapie

  • Palliativtherapie

Aktive Beobachtung bei Prostatakrebs

Unter bestimmten Umständen wird mit der Behandlung des Prostatakrebses zunächst abgewartet und der Verlauf sorgfältig beobachtet. Unnötige Diagnostik und Therapien, die dem Betroffenen keinen Vorteil bringen, sollen so vermieden werden. Ein solches Vorgehen kann zum Beispiel bei älteren Betroffenen über 70 Jahren mit einer Lebenserwartung von unter zehn Jahren erwogen werden.

Zum Seitenanfang

Aktuelle Artikel zum Thema
Bakteriengift soll Prostatakrebs heilen
Wissenschaftler entwickeln Immuntherapie

Antikörper schleusen Toxin in die Tumorzelle und zerstören diese mehr...

Prostatakrebs: Immuntherapie in Sicht
Ipilimumab gegen Tumore der Vorsteherdrüse

Studie gibt Patienten mit fortgeschrittenem Krebs neue Hoffnung mehr...

Prostatakrebs-Stadien und ihre Behandlungsoptionen
Stadium bestimmt Behandlung

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Dementsprechend gibt es verschiedene Behandlungsoptionen, die sich nach dem jeweiligen Stadium des Prostatakrebses richten. Hier erhalten Sie eine umfangreiche... mehr...

Hören Sie zu - reden Sie mit

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. September 2015
Quellen: Bruland OS, et al. Clin Cancer Res. 2006;12(20):6250s–57s • McDevitt MR, et al. Eur J Nucl Med. 1998;25(9):1341-51 • Oral Abstract Session, O. Sartor, ASCO 2013 • Journalisten-Workshop am Klinikum rechts der Isar, München: Scheidhauer et al., Gschwendt et al., Bayer HealthCare 2015 • Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de (Stand: November 2013) • Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 11/2013) Blauer Ratgeber "Prostatakrebs" herausgegeben von der Deutschen Krebshilfe, Stand 7/2011 • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Krebshilfe: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/022OL Version 2.0 (Stand: 2011) • Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends. Gemeinsame Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 7. Ausgabe, 2010 •

Prostatakrebs
  • Therapie
Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang