Operation und Bestrahlung sind die gängigsten Methoden

Behandlung bei Prostatakrebs

Prostatakrebs muss immer individuell behandelt werden. Je nach Risikograd und Stadium stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

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Galt bis vor wenigen Jahren die radikale Entfernung der Prostata als Goldstandard bei der Therapie, so setzt sich jetzt die Bestrahlung als ergänzende oder sogar alleinige Behandlungsform des Prostatakrebses durch.
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Grundsätzlich richtet sich die Therapie des Prostatakrebses nach der Größe des Tumors und dem Stadium, in dem er sich befindet. Als geläufigste Behandlungsoptionen stehen Operation und Strahlentherapie zur Verfügung. Weitere neue Therapiemethoden sind in der Erprobung oder werden bei speziellen Indikationen angewendet.

Überblick: Behandlung bei Prostatakrebs

Abwarten als Therapiemöglichkeit

Unter bestimmten Umständen wird mit der Behandlung des Prostatakrebses zunächst abgewartet und der Verlauf sorgfältig beobachtet. Unnötige Diagnostik und Therapien, die dem Betroffenen keinen Vorteil bringen, sollen so vermieden werden. Ein solches Vorgehen kann zum Beispiel bei älteren Betroffenen über 70 Jahren mit einer Lebenserwartung von unter zehn Jahren erwogen werden.

Operation bei Prostatakrebs

Wird ein Tumor in der Prostata frühzeitig erkannt, ist er noch klein und scharf vom umgebenden gesunden Gewebe der Prostata abgegrenzt, entscheidet sich der Arzt für die Entfernung von Prostata, Samenbläschen und den benachbarten Lymphknoten. Das setzt jedoch einen guten allgemeinen Gesundheitszustand beim Patienten voraus. Für die Prostata-Entfernung kommen im Wesentlichen vier Operationstechniken infrage:

Retropubische radikale Prostatektomie (RRP)

Sie gilt als die häufigste Operationstechnik weltweit zur Prostataentfernung. Dabei wird ein Hautschnitt zwischen der Symphyse des Beckens und dem Bauchnabel (Medianschnitt) als Zugang gewählt und der Arzt präpariert sich von vorne nach hinten zur Prostata durch, um diese dann gemeinsam mit den Lymphknoten zu entfernen. Als besonderes Risiko dieser Methode gilt die erhöhte Blutungsgefahr, da große Gefäße zur Prostata durchtrennt und mit einer Durchstechungsnaht verschlossen werden müssen.

Radikale perineale Prostatektomie (RPP)

Anders als bei der RRP verläuft der Schnitt bei dieser Operationstechnik zwischen Hodensack und Anus. Während der Patient bei der RRP in Rückenlage operiert wird, erfolgt die RPP in der Steinschnittlage, auf dem Rücken liegend mit gewinkelt hochgelagerten Beinen.

Diese Lagerung setzt die dafür notwendige Beweglichkeit des Patienten voraus, die jedoch bei einer Patientengruppe in fortgeschrittenem Alter mit orthopädischen Vorgeschichte, also etwa Hüftgelenksarthrose oder nach Oberschenkelhalsbruch, oftmals nicht gegeben ist.

Minimal-invasive, laparoskopische Prostatektomie (LRPE)

Dabei werden durch mehrere kleine Schnitte endoskopische Operationsgeräte in die Bauchhöhle eingeführt und der Arzt entfernt die Prostata darüber.

Roboter-assistierte radikale Prostataentfernung (RARP)

Diese Methode wird derzeit noch in wenigen urologischen Kliniken in Deutschland angeboten, gilt aber als die schonendste Operationsform. Dabei werden fünf bis sechs kleine Schnitte am Unterbauch gesetzt, die im Anschluss schneller und stabiler vernarben und heilen als die langen Schnitte bei RRP und RPP.

Mehrere endoskopische Kameras in der Bauchhöhle erschaffen ein vergrößertes dreidimensionales Bild, das der Arzt dann virtuell operiert. Der OP-Roboter überträgt die Handgriffe im exakten Maßstab auf die reale, viel kleinere Prostata und ist somit um ein Vielfaches präziser, als es ein Mensch mit bloßer Hand auch mit viel Erfahrung und Übung sein kann.

Mögliche Komplikationen einer Prostataentfernung

Ziel jeder dieser vier Techniken ist die komplette Entfernung der Prostata mit dem gesamten Krebsgewebe darin. Gelingt dies, sind die Heilungschancen überaus groß – die Langzeitüberlebensrate liegt bei 80 bis 90 Prozent. Die Operation selbst ist recht schwierig, gilt jedoch als äußerst sicher.

Durch kontinuierliche Verbesserung der Operationsmethoden sind in den vergangenen Jahren die unmittelbaren Operationsfolgen wie hohe Blutverluste seltener geworden. Durch die enge Nachbarschaft der Prostata zu wichtigen Nerven und Gefäßen lassen sich Nebenwirkungen bei der Radikaloperation jedoch nicht immer vermeiden.

Am häufigsten sind dabei ungewolltes Wasserlassen (Blasenschwäche) und der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz). Eine vorübergehende Harninkontinenz ist relativ häufig. Es dauert in der Regel ein paar Wochen oder Monate, bis die Haltefunktion des Harnröhrenschließmuskels wiederhergestellt ist. Durch gezieltes Beckenbodentraining können Patienten einer langfristigen Blasenschwäche erfolgreich entgegenwirken.

Die Einschränkung oder der Verlust der Erektionsfähigkeit ist dadurch bedingt, dass es bei der Entfernung der Prostata zu einer Verletzung der für eine Erektion verantwortlichen Nervenstränge kommen kann. Sie laufen rechts und links an der Prostata entlang.

Je nachdem, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat, können ein oder beide Nervenbündel bei der Operation geschont werden. Abhängig vom Alter lässt sich damit die Potenz bei der Hälfte bis zwei Drittel der Patienten nach Entfernung der Prostata erhalten.

Weitere mögliche Komplikationen der operativen Prostataentfernung sind Lymphozele oder selten eine Verengung der Harnröhre in ihrem ehemaligen Verlauf durch die entfernte Prostata (Anastomosenstriktur).

Strahlentherapie bei Prostatakarzinom

Lokal fortgeschrittene Tumoren, die die Begrenzung der Prostata bereits überschritten haben und bei denen eine Operation mit Aussicht auf Heilung nicht mehr möglich ist, werden heute mehr und mehr mit einer Strahlentherapie behandelt. Auch bei Patienten, bei denen eine Operation wegen Begleiterkrankungen oder wegen des fortgeschrittenen Alters zu riskant wäre sowie bei Patienten, die einen operativen Eingriff ablehnen, stellt die Bestrahlung eine Alternative dar.

Strebt man mit der Bestrahlung eine Heilung an, so muss gesichert sein, dass der Tumor auf die unmittelbare Umgebung der Prostata beschränkt ist und dass insbesondere noch keine Knochenmetastasen vorliegen.

Bei einer Strahlenbehandlung (Radiotherapie) bei Krebs kommen hochenergetische Strahlen zum Einsatz, die genau auf den Tumor gerichtet werden und diesen unter größtmöglicher Schonung des umliegenden Gewebes zerstören sollen. Dabei nutzt man den Umstand aus, dass das Erbgut der Tumorzellen sehr viel empfindlicher auf die Strahlen reagiert als gesundes Gewebe – und in der Folge abstirbt.

Bestrahlung von außen

Bei der konventionellen Radiotherapie werden die Tumorregion und unter Umständen auch die Lymphknoten im Beckenraum von außen bestrahlt (externe Bestrahlung). Moderne Verfahren erlauben es heute, die Strahlenwirkung so scharf auf den Tumor zu begrenzen, dass benachbartes Gewebe nicht oder nur sehr wenig geschädigt wird.

Strahlentherapie von innen – Brachytherapie

Alternativ kann man radioaktive Strahlenquellen auch direkt in den Tumor einbringen. Bei dieser Brachytherapie unterscheidet man zwei Techniken: Beim Nachladeverfahren (Afterloading) werden Hohlnadeln durch den Damm in die Prostata eingelegt. Über diese Hohlnadeln bringt man wiederholt und für kurze Zeit ferngesteuert sehr hohe Strahlendosen an den Tumor.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Kapseln mit radioaktiven Substanzen direkt in den Tumor einzupflanzen. Diese "Seeds" bleiben im Gewebe und geben ihre Strahlenenergie dort langsam ab. Die exakte Positionierung der Seeds ist für den Erfolg der Brachytherapie mitentscheidend.

Bereits im Vorfeld der Implantation werden die Prostata und die umliegenden Organe wie Darm und Blase daher mithilfe von dreidimensionalen Aufnahmen per Ultraschall vermessen. Die dabei ermittelten Daten dienen dazu, Lage und erforderliche Anzahl der Seeds zu bestimmen, um eine maximale Wirkung auf den Tumor bei gleichzeitiger Schonung der gesunden Umgebung zu gewährleisten.

Bei lokal begrenzter Erkrankung wird die Brachytherapie heute als etwa gleichwertig zur radikalen Prostata-Entfernung angesehen.

Risiken der Strahlentherapie bei Prostatakrebs

Trotz moderner Verfahren gelingt während der Strahlentherapie bei Prostatakrebs die Begrenzung des Bestrahlungsbereichs auf den Tumor nicht vollständig. Vor allem die Schleimhäute von Blase und Darm sind empfindlich gegenüber Strahlung und reagieren häufig mit Entzündungen, die sich allerdings meist innerhalb von vier Wochen wieder zurückbilden. Chronische Strahlenschäden von Enddarm und Blase sind selten.

Operationen im Anschluss an eine Strahlentherapie bei Prostatakrebs sind häufig problematisch, unter anderem weil in bestrahltem Gewebe die Wundheilung beeinträchtigt ist. Harninkontinenz und erektile Dysfunktion sind nach einer Strahlentherapie selten.

Strahlentherapie oder Operation?

Die Frage, ob die Brachytherapie oder eine Operation das bessere Behandlungsergebnis verspricht, hängt von vielen Faktoren ab und kann nur vom behandelnden Arzt für jeden Patienten individuell beantwortet werden.

Gefürchtete Nebenwirkungen der operativen Therapie wie ein Verlust der Fähigkeit, Urin zurückhalten zu können (Blasenschwäche) oder Potenzprobleme sind leider auch bei der Brachytherapie nicht ganz auszuschließen.

Eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung von Brachytherapie, Operation oder anderen Behandlungsformen sollte Basis einer von Arzt und Patient gemeinsam getroffenen Entscheidung sein.

Palliativtherapie

Wenn der Prostatakrebs bereits sehr fortgeschritten ist und Metastasen in anderem Gewebe, vor allem in den Knochen gebildet hat, können bestimmte Behandlungsmöglichkeiten Schmerzen und weitere Beschwerden lindern und so die Lebensqualität verbessern. Dazu gehören verschiedene Formen der Radionuklidtherapie oder die Behandlung mit Bisphosphonaten.

Chemotherapie bei Prostatakarzinom

Eine Chemotherapie zielt darauf ab, Krebsgeschwulste zu verkleinern oder zu zerstören. Dazu werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, die Krebszellen auf ganz unterschiedliche Weise angreifen und vernichten können. Sie verhindern beispielsweise die Zellteilung oder hemmen bestimmte Wachstumsvorgänge in den entarteten Zellen.

Hierbei macht man sich die Eigenschaft von Tumorzellen zunutze, dass diese sich viel häufiger teilen als normales Gewebe und damit besonders empfindlich für therapeutische Interventionen sind. Bei Prostatakrebs handelt es sich meistens jedoch um langsam wachsende Tumoren, bei denen andere Behandlungsstrategien wie Operation und Bestrahlung bessere Aussichten auf eine Heilung bieten als eine Chemotherapie.

Hoffnung für Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs

Bei der Behandlung im fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Stadium – wenn es darum geht, Patienten ein möglichst langes Überleben bei guter Lebensqualität zu ermöglichen – gewinnt die Chemotherapie bei Prostatakrebs dank neuer Substanzen an Bedeutung.

Die Wirkstoffe kommen vor allem beim sogenannten hormonrefraktären oder hormonresistenten Prostatakrebs zum Einsatz. Die Behandlung wird in der Regel gut vertragen, sodass die Chemotherapie in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden kann.

Untersucht wird auch ein adjuvanter Einsatz der Chemotherapie. Die Zytostatika kommen dabei nicht erst zum Einsatz, wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind, sondern werden bereits zusammen mit einer Hormonentzugstherapie angewendet.

Chemotherapie bei Prostatakrebs – Chancen und Risiken gut abwägen

Die  Chancen und Risiken einer Chemotherapie bei Prostatakrebs sollten immer individuell mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden. Bei der Entscheidung dafür oder dagegen spielen auch der Allgemeinzustand und mögliche Begleiterkrankungen eine wichtige Rolle.

Ebenso sollte in jedem Fall eine Schmerztherapie begonnen werden, unabhängig davon, ob sich der Patient für eine Chemotherapie oder eine andere Behandlungsoption entscheidet.

Behandlung von Rezidiven bei Prostatakrebs

Viele Patienten mit einem auf die Prostata beschränkten Tumor sind nach der operativen Entfernung oder der Bestrahlung des Karzinoms geheilt. In manchen Fällen jedoch, in denen Krebszellen im Körper verblieben sind, kann es nach einiger Zeit zu erneutem Tumorwachstum kommen.

Das Tumorwachstum kann entweder in unmittelbarer Umgebung des ursprünglichen Karzinoms (lokal) oder in anderen Organen (Fernmetastasen) stattfinden, man spricht von einem Rezidiv. Wie man ein solches Rezidiv behandelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Knochenmetastasen nach Prostata-Tumor

Knochenmetastasen sind beim Prostatakrebs sehr häufig und können starke Schmerzen verursachen sowie Komplikationen wie Knochenbrüche oder eine Einengung des Rückenmarks nach sich ziehen. Bruchgefährdete Knochen sollten nach Möglichkeit operativ stabilisiert werden; das gilt insbesondere für die Wirbelsäule, weil hier eine Querschnittslähmung droht.

Zusätzliche Bestrahlung vermindert das Wachstum der Metastasen und die Knochenschmerzen ebenso wie die Gabe bestimmter Medikamente, die die Oberfläche des Knochens weniger angreifbar für die Tumorzellen machen.

Vorangegangene Therapie ist wichtig

Die Art der vorangegangenen Therapie spielt bei der Behandlung eine entscheidende Rolle: Wurde der Tumor durch eine radikale Prostatektomie operativ entfernt, so kann die Zweittherapie in einer Bestrahlung bestehen. Die Größe des bestrahlten Gebiets lässt sich heute sehr genau einstellen und hängt von der Ausdehnung des Rezidivtumors ab. Neben der unmittelbaren Umgebung der (entfernten) Prostata kann nach Bedarf auch die Beckenregion bestrahlt werden.

Auch befallene Lymphknoten können miteinbezogen werden; im Wesentlichen kommen die neben der Bauchschlagader sowie die in der Leistenregion gelegenen Knoten infrage. In manchen Kliniken wartet man mit der Bestrahlung nicht, bis sich das Rezidiv durch Symptome bemerkbar macht oder radiologisch sichtbar wird, sondern man bestrahlt, sobald nach der Operation die PSA-Werte wieder ansteigen.

Bestand die Ersttherapie aus einer Bestrahlung des Prostatatumors, so folgt darauf in aller Regel eine Hormontherapie. Damit lässt sich in sehr vielen Fällen ein lang andauernder Rückgang der PSA-Werte erreichen.

In den seltenen Fällen, in denen das Rezidiv lokal begrenzt ist, kann auch eine Operation in Frage kommen, sofern Alter und Zustand des Patienten dies gestatten. Allerdings ist das Gewebe nach Strahlentherapie meist bindegewebig vernarbt, und die Operation zieht häufig eine Harninkontinenz nach sich.

Rezidiviert ein Prostata-Tumor nach Hormontherapie, so ist die Therapie der Wahl in der Regel eine Chemotherapie.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

 

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Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2017
Durch: es
Quellen: Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de (Stand: November 2013) Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de Stand: 02/2015, abgerufen: 12/2016; Blauer Ratgeber "Prostatakrebs" herausgegeben von der Deutschen Krebshilfe, 5/2014 Journalisten-Workshop am Klinikum rechts der Isar, München: Scheidhauer et al., Gschwendt et al., Bayer HealthCare 2015 Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Krebshilfe: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/022OL Version 2.0 (Stand: 2011) Krebs in Deutschland 2011/2012. Gemeinsame Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 10. Ausgabe, 2015; Bruland OS, et al. Clin Cancer Res. 2006;12(20):6250s–57s; McDevitt MR, et al. Eur J Nucl Med. 1998;25(9):1341-51; Oral Abstract Session, O. Sartor, ASCO 2013;

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