Virusinfektionen

FSME

Frühsommer-Meningoenzephalitis

Bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) handelt es sich um eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Sie wird durch ein Virus ausgelöst, das in erster Linie durch Zeckenstiche übertragen wird.

Zecken
Der Erreger der FSME wird durch Zecken übertragen.
iStock

Die FSME oder auch Frühsommer-Meningoenzephalitis, besser bekannt unter der Abkürzung FSME, wird durch ein Virus ausgelöst, das zur Familie der sogenannten Flaviviren gehört. Dieses Virus wird hauptsächlich durch Zecken übertragen. Es befindet sich im Speichel infizierter Zecken. Stechen diese zu, können die Viren über die kleine Wunde, die dabei entsteht, in die Blutbahn des Opfers gelangen. Je länger die Zecke an ihrem Opfer saugt, desto mehr Viren können in dessen Blut gelangen, und um so größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Diese ist meldepflichtig und äußert sich in einer lebensgefährlichen Entzündung der der Hirnhäute (Meningen) und des Gehirns (Encephalus), auch das Rückenmark kann mit betroffen sein.

Ab April bis Juni ist Zecken-Hochsaison

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Zecken sind nicht das ganze Jahr über gleichmäßig aktiv. Sie bevorzugen Temperaturen zwischen zehn und 25 Grad. Im Frühjahr, ab April/ Mai bis Juni, ist Zeckenhochsaison, was der Frühsommer-Meningoenzephalitis ihren Namen eingetragen hat. Das bedeutet allerdings nicht, dass für den Rest des Jahres Entwarnung gegeben werden kann. Zecken sind äußerst widerstandsfähig; selbst an milden Spätherbsttagen sind Zeckenstiche nicht ausgeschlossen.

Zecken richtig entfernen

Nicht jede Zecke ist mit dem FSME-Virus infiziert, und die Infizierungsrate der Zeckenpopulationen ist nicht überall gleich hoch. So liegen FSME-Risikogebiete vor allem im Süden Deutschlands, wie auch die aktuellen Erkrankungsstatistiken des Robert-Koch-Instituts (RKI) belegen. Demnach lag der Ort der Infizierung bei den bundesweit 195 FSME-Erkrankungen im Jahr 2012 in 87 Fällen (49,2 Prozent) in Bayern und in 71 (40,1 Prozent) in Baden-Württemberg. Ausgewiesene Risikogebiete gibt es zudem noch in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

FSME-Impfung in Risikogebieten empfohlen

Selbst in ausgewiesenen Risikogebieten ist jedoch nur ein vergleichsweise geringer Teil der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Experten gehen von etwa zwei Prozent aus. Auch führt nicht jeder Stich einer infizierten Zecke zwangsläufig zu einer FSME-Erkrankung. Panik ist bei einem Zeckenstich also nicht angebracht. Aufgrund der Schwere der Erkrankung rät das RKI jedoch Personen, die in Risikogebieten leben und in Kontakt mit Zecken kommen könnten, zu einer FSME-Impfung. Wo aktuell in Deutschland FSME-Risikogebiete liegen, ist auf einer Karte des RKI eingetragen.

 

FSME: Symptome

Die Inkubationszeit bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, beträgt ein bis zwei Wochen. Damit ist die Zeitspanne gemeint, die zwischen dem Kontakt mit dem Krankheitserreger - in der Regel durch einen Zeckenstich - bis zum Ausbruch der Krankheit mit ersten Symptomen verstreicht. Im Extremfall kann sich die Virusinfektion auch erst bis zu vier Wochen nach dem Zeckenbiss bemerkbar machen.

FSME-Symptome - nur ein Drittel der Infizierten

Allerdings kommt es nur bei etwa einem Drittel der Personen, die mit dem FSME-Virus infiziert wurden, überhaupt zum Krankheitsausbruch mit Symptomen. Ob es zur Erkrankung kommt, hängt vom Immunsystem der Betroffenen, aber auch von Zustand und Menge der Viren, die in den Organismus gelangt sind.

Kommt es zum Krankheitsausbruch, verläuft dieser typischerweise in zwei Phasen. In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome auf wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeines Krankheitsgefühl. Nach etwa einer Woche bessern sich die Beschwerden. Wer Glück hat, für den ist die FSME-Infektion damit überstanden. Bei typischem Verlauf aber läutet nach dem Intervall der Besserung, das zwischen einem und bis zu 20 Tagen andauern kann, ein erneuter Fieberanstieg die zweite Phase der Erkrankung ein.

Symptome abhängig von Ausprägung der FSME

Die FSME kann ausschließlich als Hirnhautentzündung (Meningitis), als Hirnentzündung (Meningoenzephalitis) oder als Kombination aus beidem in Erscheinung treten. Zusätzlich kann eine Rückenmarkentzündung (Meningoenzephalomyelitis) hinzukommen. Abhängig von der Ausprägung der FSME kommt es zu unterschiedlichen weiteren Symptomen. Bei einer Hirnhautentzündung bleibt es im Wesentlichen bei den Symptomen Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Krankheitsgefühl. Dies ist bei etwa der Hälfte aller Patienten, die eine FSME-Erkrankung durchmachen, der Fall.

Die Gehirnentzündung geht mit Bewusstseins- und Koordinationsstörungen sowie Lähmungen an Armen und Beinen einher. In zehn Prozent der Fälle ist auch das Rückenmark von dem Entzündungsprozess betroffen. Dann können neben Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen auch Schluck- und Sprechstörungen auftreten sowie Lähmungen der Gesichts- und Halsmuskulatur. Atemlähmungen sind ebenfalls möglich.

FSME: Ursachen

Auslöser einer FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist das FSME-Virus aus der Familie der Flaviviren. Andere bekannte Krankheiten, die durch Viren dieser Virenfamilie hervorgerufen werden, die beispielsweise Gelbfieber oder Denguefieber. FSME-Viren kommen nur in Europa und einigen Teile Asiens vor. Sie werden hier hauptsächlich durch infizierte Zecken auf den Menschen übertragen.

Unbehandelte Rohmilch als Infektionsquelle

Ein weiterer Infektionsweg, der aber in den westlichen Industrienationen so gut wie keine Rolle mehr spielt, ist die Ansteckung über den Genuss von Rohmilch eines infizierten Tieres. Die Infektion verläuft bei Milchvieh meist unbemerkt. Während des akuten Infekts, der einige Tage dauert, können Viren über die Milch ausgeschieden werden. Menschen, die diese unbehandelt trinken, können sich so anstecken. Zuletzt wurde ein solcher Fall 2008 in Österreich bekannt. Damals hatten vier Menschen FSME-Symptome entwickelt, nachdem sie Ziegenkäse gegessen hatten, der aus unbehandelter Rohmilch hergestellt worden war. Da aber kaum noch unbehandelte Rohmilch oder Produkte daraus in den Handel gelangen, ist das Risiko, sich auf diesem Wege eine FSME einzuhandeln, nahe Null.

Zeckenspeichel kann FSME-Viren enthalten

Infizierte Zecken haben den FSME-Erreger in ihrem Speichel. Menschen können an FSME erkranken, indem eine infizierte Zecke sie sticht. Über die Einstichstelle kann  der Erreger in den Körper gelangen. Sie vermehren sich zunächst in den Lympfknoten und Organen wie Milz, Leber und Knochenmark und können später ins Zentrale Nervensystem vordringen, wo sie die FSME-typischen Symptome auslösen.

Eine Übertragung der FSME von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

FSME: Diagnose

Bei Verdacht auf FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird sich Ihr Arzt zur Diagnose als Erstes in einem ausführlichen Gespräch ein Bild zu Ihrer Krankengeschichte und den bisherigen Verlauf der Beschwerden machen. Dies wird als Anamnese bezeichnet. Wenn Sie sich in einem FSME-Risikogebiet aufgehalten haben, sollten Sie dieses auf jeden Fall erwähnen. Oft können Betroffene sich nicht an den Zeckenstich erinnern.

Blutuntersuchung liefert Hinweise auf FSME

Dann müssen Sie sich auf eine Blutentnahme einstellen. Durch eine Blutanalyse im Labor können Entzündungsreaktionen und Antikörper gegen das FSME-Virus im Blut nachgewiesen werden. In der ersten Krankheitsphase sind die Antikörper oftmals noch nicht nachweisbar, steigen jedoch zu Beginn der zweiten Phase rasch an.

Auch in der Nervenflüssigkeit (Liquor), die aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule entnommen werden kann, ist der Nachweis von FSME-Antikörpern möglich.

Kernspintomografie zur weiterführenden Diagnostik

Zur weiterführenden Diagnose kommt eine Kernspintomografie in Frage. Dieses bildgebenden Verfahren ist vor allem dann sinnvoll, wenn festgestellt werden soll, ob die Symptome auf eine FSME zurückgehen oder eine Herpes-simplex-Enzephalitis Auslöser der Beschwerden ist.

FSME: Therapie

Es gibt keine Therapie bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die gezielt gegen den Erreger gerichtet ist. Daher ist das Ziel der Behandlung, die auftretenden Symptome zu lindern. Gegen die Kopfschmerzen werden in der aktuellen medizinischen Behandlungsleitlinie die Wirkstoffe Paracetamol oder Metamizol empfohlen. Sind die Kopfschmerzen besonders hartnäckig, verweisen die Autoren der Leitlinie auf entzündungshemmende  Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen verwiesen.

Von Fiebersenkung wird abgeraten

Von fiebersenkenden Medikamenten raten die Experten ab, da die erhöhte Körpertemperatur die Abwehrmechanismen des Körpers unterstützt. Allerdings haben einige der empfohlenen Scghmerzmittel wie Paracetamol oder Metamizol auch eine fiebersenkende Wirkung.

Bei schwerem Krankheitsverlauf mit Atemlähmung oder schweren Bewusstseinsstörungen wird eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich. Je nachdem, welche neurologischen Funktionsstörungen in Folge der FSME-Infektion auftreten, sind zudem krankengymnastische, ergotherapeutische oder auch logopädische Behandlungsmaßnahmen notwendig.

FSME: Verlauf

Der Verlauf der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) hängt stark davon ab, ob von der Virusinfektion nur die Hirnhaut (Meningitis) oder auch das Hirn (Meningoenzephalitis) und Rückenmark (Meningoenzephalomyelitis)  betroffen sind. Auch ist nach überstandener Akutinfektion eine längere Erholungsphase notwendig: Zwischen 30 und 40 Prozent der FSME-Patienten brauchen längerfristige Reha-Maßnahmen.

Günstigste Prognose bei Meningitis

Am günstigsten sind Krankheitsverlauf und Prognose der FSME, wenn es ausschließlich zu einer Hirnhautentzündung kommt. Nach der ersten Krankheitsphase, die immer mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht und etwa eine Woche andauert, und dem anschließenden Intervall mit dem Rückgang der Symptome, das zwischen einem und 20 Tagen andauert, erstreckt sich die zweite Krankheitsphase bei einer isolierten Meningitis auf ein bis zwei Wochen, bevor die Erkrankung meist folgenlos  ausheilt.

Eine Meningoenzephalitis dagegen nimmt einen deutlich schwerwiegenderen und längeren Verlauf. Betroffene leiden in der zweiten Krankheitsphase oft über mehrere Wochen hinweg unter Kopfschmerzen, vermehrter Müdigkeit und auch emotionalen Problemen. Bei einem Teil der Patienten kommen vorübergehende Störungen der Konzentrations- und Gedächtnisleistungen, Koordinationsstörungen, Sprach- und Sprechstörungen, Hörstörungen und Lähmungen hinzu. Zum Teil kommt es zu bleibenden Schäden.

Meningoenzephalomyelitis am gefährlichsten

Am ungünstigsten sind Krankheitsverlauf und Prognose bei einer Meningoenzephalomyelitis, mit etwa zehn Prozent der Fälle die seltenste FSME-Form. Bei einer Verlaufsanalyse über zehn Jahre hinweg, in die 57 Patienten eingeschlossen waren, trug die Hälfte der Patienten bleibende Schäden davon. 30 Prozent starben an den Krankheitsfolgen, und nur 20 Prozent wurden wieder vollständig gesund.

Bei Kindern ist allgemein mit einem günstigeren Krankheitsverlauf zu rechnen. In 65 Prozent der Fälle kommt es bei Kindern mit FSME zu einer isolierten Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), bei Erwachsenen dagegen nur in 48 Prozent der Fälle. Entsprechend werden bei Erwachsenen deutlich häufiger ein schwerwiegender Krankheitsverlauf (50 Prozent) und bleibende Schäden beobachtet als bei Kindern, die nur in Einzelfälle Folgeschäden einer FSME davontragen.

FSME: Vorbeugen

Einer Erkrankung an FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) können Sie vorbeugen, indem Sie die zur Verfügung stehende Schutzimpfung in Anspruch nehmen. Die Grundimpfung besteht aus drei Impfungen und ist für Kinder und Erwachsene erhältlich.

In Risikogebieten übernimmt die Kasse die Impfkosten

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind, sowie Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (zum Beispiel Forstarbeiter). Erfolgt ein Aufenthalt innerhalb eines FSME-Risikogebiets in Deutschland, werden die Kosten der Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Zum Teil können Sie Zeckenstiche durch gewisse Schutzmaßnahmen verhindern. Tragen Sie zum Beispiel helle, geschlossene Kleidung und meiden Sie Unterholz und hohe Gräser. Verbleiben Sie lieber auf festen Wegen. Denken Sie daran, dass Zeckensprays nur über einige Stunden schützen. Nach dem möglichen Kontakt mit Zecken sollten Sie Ihren Körper gründlich absuchen. Die Zecke sollte so kurze Zeit wie möglich nach dem Stich vollständig und schonend mit einer spitzen Pinzette entfernt werden.

Zecken: Die wichtigsten Fakten!

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 30. April 2015
Quellen: Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts Nr. 18/2013: FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Mai 2013); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/035 (Stand: September 2012); Ärzte Zeitung online vom 12.05.2010: FSME-Risiko auch durch unbehandelte Rohmilch

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