Brennen, Flecken und Belag

Zungendiagnose: Symptome und Warnzeichen im Mund

Furchen, unterschiedlicher Belag und Farbe der Zunge geben wichtige Hinweise auf verschiedenen Krankheiten, etwa Scharlach, Infekte und Leberentzündung.

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Alles gesund im Mund? Rosig und feucht sollte die Zunge sein, die Zungenränder aber nicht zu rot: Das sind Zeichen von guter Gesundheit. Manche Symptome, die auf der Zunge sichtbar werden, sprechen dagegen für bestimmte Krankheiten.
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Rosig, glatt und feucht sollte sie sein, keine Flecken und dicke Beläge aufweisen: die Zunge. Etwas Belag, wenn es sich um Nahrungsreste, Keime und abgestorbene Zellen handelt, ist jedoch normal. Jede Veränderung kann allerdings Anzeichen einer Krankheit sein. Die Zunge als wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose nutzten bereits die chinesischen, arabischen und griechischen Ärzte im Altertum.

Die Zungendiagnose ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie ordnet bestimmte Regionen der Zunge Körperteilen und Organen zu. Die Zungenspitze entspricht demnach Herz und Lunge, die Mitte Milz und Magen, die Ränder Leber und Galle.

Aussehen der Zunge hilft bei der Diagnose

Zwar richtet sich die westliche Schulmedizin nicht nach dieser Einteilung. Aussehen und Veränderungen der Zunge nutzt sie jedoch als wichtige Faktoren zur Diagnose. Wer mit Halsschmerzen, Infekt, Grippeverdacht und ähnlichem zum Arzt kommt, wird sicherlich "Ah" sagen müssen, damit der Arzt Zunge und Rachen inspizieren kann. Dabei kontrolliert er Farbe, Form und Belag:

  • Ist die Zunge rot oder rosig,

  • eher grau,

  • gibt es einen auffälligen Belag,

  • wie sehen die Papillen aus – das sind die kleinen, warzenförmigen Erhebungen auf der Zungen,

  • ist die Zunge geschwollen oder trocken?

Selbsttest der Zunge – vorher nicht Kaffee trinken

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Der Blick auf die Zunge eignet sich damit sogar zur Selbstuntersuchung. Allerdings sollten Sie vorher keine färbenden Lebensmittel und Getränke zu sich genommen haben. Sie verändern das ursprüngliche Aussehen der Zunge. Dazu gehören Kaffee, Tee, Oliven, Blaubeeren sowie künstlich gefärbte Lebensmittel und Süßwaren.

Die wichtigsten Zungen-Veränderungen und was sie bedeuten können

Zu Ihrem Zungen-Selbsttest brauchen Sie nur einen Spiegel – und Sie sollten wissen, was die Veränderungen bedeuten können. Hier sind die wichtigsten Symptome und Warnzeichen der Zunge und ihre Deutungen. Achten Sie jedoch bitte darauf: Sie geben nur Hinweise und ersetzen nicht die ärztliche Untersuchung.

  • Weißer Belag: meist bei einem Erkältungsinfekt. Daneben kann weißer Belag auf eine Magen-Darm-Erkrankung hinweisen, etwa Gastritis. Weißer Belag am Zungengrund, dem hinteren Teil der Zunge, gilt als typisches Anzeichen für Scharlach.

  • Weiße Flecken: Sie können auf der Zunge und dem gesamten Mundraum erscheinen, lassen sich einfach wegwischen. Darunter erscheint eine rote Stelle. Es handelt es vermutlich um eine Pilzerkrankung, den Soor, hervorgerufen durch den Hefepilz Candida albicans.

  • Himbeerzunge mit starker Rötung, die Papillen stehen etwas ab: ein typisches Zeichen für Scharlach. Es entsteht, nachdem sich der weiße Belag von der Zunge gelöst hat. Daneben kann beim Kawasaki-Syndrom diese Rötung entstehen.

  • Stark rote, glatte und glänzende Zunge: Die so genannte Lackzunge tritt bei schweren Lebererkrankungen auf, etwa einer Leberzirrhose.

  • Falten im vorderen Bereich der Zunge: Es handelt sich vermutlich um eine Faltenzunge. Das ist eine harmlose anatomische Variante. Wichtig ist hier jedoch sorgfältige Zungenreinigung, damit sich in den Falten nicht zu viele Bakterien ansiedeln.

  • Gelber Belag: Hinweis auf Leber- und Gallenerkrankung.

  • Brauner Belag: Anzeichen für Nierenschwäche.

  • Grau-weißer Belag in der Zungenmitte, am Rand rote Flecken: Es könnte sich um eine Begleiterscheinung des Typhus handeln.

  • Weißlich-grauer Belag, riecht süßlich bis faulig: typisches Anzeichen für Diphtherie.

  • Schwarzer Belag und lange Papillen: Dabei handelt es sich um die Schwarze Haarzunge (Lingua pilosa nigra). Ein harmloses Phänomen, das meist Männer betrifft.

  • Graue Zunge: Diese Färbung ist typisch für schweren Eisenmangel.

  • Kleine weiß-gelbliche und schmerzende Stellen mit rotem Rand: Vermutlich handelt es sich um Aphten, also harmlose Schleimhautverletzungen. Sie heilen meist nach ein bis zwei Wochen wieder ab, können jedoch wieder auftreten. Es gibt einer Veranlagung dazu. Allerdings kann es sich um einen Tumor handeln. Ein Arzt sollte das kontrollieren.

  • Rote oder blutende Stellen, kleine Geschwüre: Bitte ebenfalls vom Arzt abklären lassen, es könnte sich um Mundkrebs (Zungenkrebs) handeln.

  • Dunkelrote Knötchen und Blasen mit weißen Rändern: Es könnte sich um sogenannte Plaques muqueuses handeln, die bei Syphilis im zweiten Stadium auftreten.

  • Längsfurchen: ebenfalls typisch bei Syphilis.

  • Zungenränder sind stark gerötet: Hinweis auf Leberschaden

  • Flecken und Linien auf der Zunge, weißlich bis rot: vermutlich eine Landkartenzunge (Lingua geographica), eine harmlose Erscheinung, für die es wahrscheinlich eine genetische Veranlagung gibt. Die Flecken ähneln einer Landkarte und verändern sich immer wieder.

  • Furchen und Risse: Je nach Form und Ausprägung deuten diese Veränderungen auf verschiedene Darmprobleme hin, etwa im Zwölffingerdarm.

  • Zunge brennt: Hinweis auf Vitaminmangel, vor allem Vitamin B12. Außerdem typisch für Diabetes.

  • Zunge geschwollen: Ursache könnte eine Allergie sein.

Zunge: Was Belag und Farbe bedeuten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2014
Quellen: Informationen des Berliner Zahnzentrums, Stand 2014 Facharztwissen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Astrid Kruse Gujer, Christine Jacobsen, Klaus W. Grätz, Springer 2014

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