Experten-Interview

Ernährungstipps bei Psoriasis

Nina Ludwig, Ernährungswissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Psoriasis am Psoriasis-Studienzentrum der Universitätshautklinik der Charité/ Berlin, im Gespräch mit dem Service Center Psoriasiswelt über die "richtige" Ernährung bei Schuppenflechte.

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Eine gesunde, ausgewogene Ernährung bei Psoriasis sorgt für reichlich Vitamine und kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
Getty Images/iStockphoto

Frau Ludwig, gibt es eine spezielle Schuppenflechte-Diät, die Sie Ihren Patienten empfehlen?

Nein, eine spezielle Anti-Schuppenflechte-Diät gibt es nicht. Eine auf die Erkrankung ausgerichtete Ernährungs- und Lebensweise kann den Verlauf der Psoriasis positiv beeinflussen, heilen kann man die Schuppenflechte damit aber nicht.

Gesunde, ausgewogene Ernährung

Welche grundsätzlichen Empfehlungen sollte man als Psoriasis-Patient bei seiner Ernährung berücksichtigen?

Grundsätzlich ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung empfehlenswert. Auf dem Speiseplan sollten vor allem Vollkornprodukte, Kartoffeln, frisches Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukte, Fisch, Fleisch und pflanzliche Öle stehen. Diese Lebensmittel sind reich an langkettigen, ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien. Antioxidantien sind unter anderem pflanzliche Farb- und Aromastoffe und einige Vitamine. Der weitgehende Verzicht auf zuckerhaltige Nahrungsmittel und Speisen mit viel Omega6-Fettsäuren (Arachidonsäure, Linolensäure) zahlt sich ebenso aus wie ein geringer Alkoholkonsum und Nichtrauchen.

Welchen Stellenwert haben so genannte Omega3-Fettsäuren in der Ernährung bzw. Behandlung der Schuppenflechte?

Bei Omega3-Fettsäuren handelt es sich um jene langkettigen, ungesättigten Fettsäuren, von denen man inzwischen weiß, dass sie die Erkrankung bei einigen Menschen positiv beeinflussen. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Immunantwort und wirken entzündungshemmend. Eine vermehrte Aufnahme bzw. zusätzliche Zufuhr von Omega3-Fettsäuren ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die tierischen Fette aus dem Verzehr von Wurst, Käse und fettem Fleisch eingeschränkt werden, denn die darin enthaltene Arachidonsäure dämmt den positiven Effekt der Omega3-Fettsäuren ein. Daher sollte auf die genannten Lebensmittel weitestgehend verzichtet werden. Psoriasis-Patienten sollten stattdessen Kaltwasserfische wie Hering, Lachs und Makrele, aber auch Pflanzenöle wie Distel- und Rapsöl.

Radikalenfänger wichtig für Schuppenflechte-Patienten

Weshalb ist ein hoher Antioxidantiengehalt der Nahrung so wichtig für Psoriatiker?

Von Antioxidantien weiß man, dass sie freie Radikale im Körper binden und unschädlich machen können. Bei den für die Schuppenflechte typischen Hautentzündungen werden vermehrt Radikale gebildet, die zellschädigend wirken können. Psoriasis-Patienten sollten daher besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien achten.

Als Antioxidantien sind vorwiegend die Farb- und Aromastoffe aus Obst und Gemüse wichtig. Auch einige Vitamine dienen als Radikalfänger. Ernährungswissenschaftler und Mediziner empfehlen, mindestens fünfmal täglich eine Portion Obst oder Gemüse zu essen. Ich denke, das ist eine gute Grundregel für eine optimale Ernährung, fünfmal am Tag eine faustgroße Portion Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen. Dabei ist es egal, ob die Portion frisch oder tiefgekühlt ist.

Alkohol und Nikotin meiden

Gibt es Nahrungs- oder Genussmittel, die Psoriasispatienten grundsätzlich meiden sollten?

Es gibt einige Nahrungsmittel, auf die manche Menschen mit Unverträglichkeit reagieren. Ist eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln bekannt, so sollten diese natürlich gemieden werden. Es gibt aber keine für alle Betroffenen gültige Aussage darüber, welche Nahrungsmittel generell nicht gegessen werden sollten. Ich denke, jeder Patient wird mit der Zeit herausfinden, worauf seine Haut besonders stark reagiert und das entsprechende Nahrungsmittel weglassen.

Anders verhält es sich mit Alkohol und Nikotin. Sie wirken sich bei den meisten Menschen ungünstig auf den Verlauf einer Schuppenflechteerkrankung aus. Deshalb möchte ich Psoriasis-Patienten empfehlen, Alkohol zu meiden und das Rauchen aufzugeben oder wenigstens einzuschränken - auch wenn es schwer fällt.

Ausreichend Obst und Gemüse, Fisch und Omega3

Frau Ludwig, halten Sie die zusätzliche Zufuhr bestimmter Stoffe wie beispielsweise Omega3-Fettsäuren für notwendig?

Am besten ist es, sich ausgewogen zu ernähren und darauf zu achten, dass die Grundregeln einer gesunden Ernährung eingehalten werden. Dann ist eine zusätzliche Zufuhr von Vitaminen oder Spurenelementen nicht notwendig. Wenn eine chronisch-entzündliche Erkrankung wie die Schuppenflechte vorliegt, ist das jedoch mit einem erhöhten Verbrauch von bestimmten Antioxidantien wie etwa Vitamin C verbunden.

Eine zusätzliche Zufuhr ist möglich, aber nicht notwendig, denn wer ausreichend Obst und Gemüse isst, braucht keine Vitaminpräparate. Etwas anders sieht es bei den Omega3-Fettsäuren aus. Nicht jeder isst gern Fisch und um eine ausreichende Menge der Omega3-Fettsäuren aufzunehmen, muss man etwa 200 Gramm fetten Fisch pro Tag essen. Gerade für Menschen, die keinen Fisch mögen, macht es Sinn, die Omega3-Zufuhr über Nahrungsergänzung voranzutreiben. Allerdings dauert es Wochen bis Monate, bis dadurch ein entsprechend hoher Spiegel im Blut erreicht ist.

Es gibt Omega3-Fettsäurepräparate, die relativ hoch konzentriert sind und von denen man täglich nur eine Kapsel einnimmt. Von einigen niedrigkonzentrierten Präparaten aus der Drogerie muss man dagegen sechs bis zwölf Kapseln täglich nehmen, was in dieser Menge zu Verdauungsproblemen führen kann. Die zusätzliche Zufuhr von Omega3-Fettsäuren ist ansonsten relativ nebenwirkungsarm. Die Aufnahme in natürlicher Form ist selbstverständlich immer der Nahrungsergänzung vorzuziehen.

Übergewicht reduzieren

Viele Psoriasis-Patienten sind übergewichtig und möchten oder sollten abnehmen. Wie gestaltet sich eine vernünftige Gewichtsreduktion bei Schuppenflechte?

Eine Gewichtsreduktion ist bei Übergewicht in jedem Falle erstrebenswert und am besten mit Hilfe einer gesunden Ernährung, Bewegung und Sport zu erreichen. Eine Nulldiät ist nicht zu empfehlen, da es nach dem Fasten häufig zu einer erneuten Gewichtszunahme kommt (Jojo-Effekt). Außerdem wird bei einer schnellen Gewichtsreduktion viel Arachidonsäure freigesetzt, die entzündungsfördernd wirken kann.

Auf längere Sicht sind durch eine sorgfältig geplante und kontinuierliche Gewichtsreduktion Vorteile für das Allgemeinbefinden und die Haut zu erwarten. Ganz wichtig ist es, bei Figurproblemen auch die Schilddrüse untersuchen zulassen. Es sollte abgeklärt werden, ob eine Unterfunktion vorliegt, die das Übergewicht verursacht.

Was man bei allen Ernährungstipps auf keinen Fall vergessen darf: die Basis der Schuppenflechtebehandlung besteht in einer kontinuierlichen Hautpflege. Sie bildet die Grundlage, auf der alle anderen Behandlungsmöglichkeiten aufbauen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2009

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