Künstliche Süße gerät in Verruf

Diabetes droht: Süßstoffe stören den Zuckerstoffwechsel

Synthetische Süßstoffe geraten zunehmend in Verruf. Lautete der Verdacht bisher, dass bestimmte Süßungsmittel den Appetit auf Kalorienbomben nur noch vergrößern, haben Forscher nun einen weiteren Nachteil der Süße aus dem Chemielabor entdeckt: Demnach bringen künstliche Süßstoffe den Zuckerstoffwechsel durcheinander und fördern somit Diabetes.

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Süßstoffe galten lang als gesündere Alternative zum Zucker – nicht nur in Tee und Kaffee. Nun geraten die synthetischen Süßungsmittel aber selbst zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik.
© iStock.com/humonia

Sie schmecken süß, liefern aber kaum Kalorien: Die Rede ist von Aspartam, Saccharin und Co. Besonders Übergewichtige und Diabetiker hofften, mit der synthetischen Süße ihr Gewicht in den Griff zu bekommen und der Gesundheit zu dienen. Jedoch waren Süßstoffe, besonders Aspartam, von Anfang an umstritten: Gegner führen ein erhöhtes Krebsrisiko ins Feld, aber auch, dass die Stoffe in der Tiermast zur Förderung des Appetits eingesetzt werden.

Nun liefert die Wissenschaft den Süßstoff-Hassern neue Munition: Israelische Forscher fanden heraus, dass Süßstoffe dem Diabetes Vorschub leisten, statt ihn zu bremsen. In ihren Versuchen an Mäusen und Menschen verwendete das Team um Jotham Suez, Eran Segal und Eran Elinav vom Weizman Wissenschaftsinstitut in Rehovot die Süßungsmittel Aspartam, Sucralose sowie Saccharin.

Süßstoffe greifen in die menschliche Darmflora ein

Die Forscher interessierten sich dafür, wie sich diese häufig verwendeten Süßstoffe auf die Darmflora und den Blutzucker-Stoffwechsel auswirken. Wie sich herausstellte, veränderten die den Versuchstieren und Probanden verabreichten, synthetischen Süßungsmittel die Zusammensetzung der Mikroben im Darmtrakt. Bakterien der Gattung Bacteroides etwa waren deutlich überrepräsentiert. Diese Bakterien, die Ballaststoffe in Zucker umwandeln, sind dafür bekannt, .

Schlimmer noch: Bei den Versuchsmäusen wie auch bei den gesunden menschlichen Probanden, denen Süßstoffe ins Essen gemischt wurden, führte diese Veränderung der Darmflora zu einer Glukose-Intoleranz. Diese Störung im Zuckerstoffwechsel gilt als Vorstufe von Diabetes.

Diabetes gefördert statt gebremst

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von Süßstoffen sowohl in Menschen als auch in Mäusen die Gefahr von Glukose-Intoleranz erhöht und dass diese negativen Stoffwechseleffekte auf Veränderungen der Darmflora zurückgehen", schlussfolgern die Forscher. Damit könnten Süßstoffe das Risiko für Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten erhöhen, statt es einzudämmen.

"Möglicherweise haben die Süßstoffe damit direkt zu der Epidemie beigetragen, die sie bekämpfen sollten", schreiben Suez und seine Kollegen im angesehenen Wissenschaftsmagazin "Nature". In der Konsequenz fordern sie eine Neubewertung der Risiken, die von Süßstoffen ausgehen. Aspartam etwa hatte nach Sichtung der Studienlage zum Thema noch im Dezember 2013 von der EU-Lebensmittelbehörde seine Unbedenklichkeit bescheinigt bekommen.

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