Ursachen

Trauer und Depressionen

Der Tod eines geliebten Menschen ist ein Schicksalsschlag, der uns wie kaum ein anderes Ereignis im Leben aus der Bahn wirft und entsprechend verarbeitet werden muss. Eine bewusste Phase der Trauer ist natürlich und notwendig. Allerdings kann Trauer auch in eine Depression umschlagen, die dann einer speziellen Behandlung bedarf.

Abschiednehmen braucht Zeit und keine Behandlung
Trauer kann in eine Depression umschlagen, die einer speziellen Behandlung bedarf.
(c) Getty Images/iStockphoto

„Unter allen Leidenschaften der Seele bringt die Trauer am meisten Schaden für den Leib." Was Thomas von Aquin, bedeutender Theologe und Philosoph des Mittelalters, über diesen leidvollen Zustand zu berichten wusste, traf damals und trifft heute zu: Die Trauer zählt zu den schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann.

Trauer ist die normale Reaktion auf einen schweren Verlust oder ein Unglück. Nur eine bewusste Trauerarbeit und das Zulassen von Trauer helfen letztendlich, den Schicksalsschlag zu verarbeiten.

Phasen der Trauer

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Phasen der Trauer:

In Phase 1 will der Betroffene den Verlust oder Schicksalsschlag nicht wahrhaben und fühlt sich wie erstarrt.

Phase 2 ist gekennzeichnet von heftigen Gefühlsausbrüchen, zum Beispiel Zorn, Schmerz, Schuldgefühlen, der Suche nach einem Schuldigen oder Angst. Alkoholismus, Nikotin oder Tabletten sollen dann der Heftigkeit dieser schmerzhaften emotionalen Achterbahn oft Einhalt gewähren. Es können Schlafstörungen auftreten, die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten steigt, ebenso die Unfallgefahr.

In Phase 3 drehen sich die Gedanken des Trauernden hartnäckig um den erlittenen Schicksalsschlag. Die Person sucht den Rückzug aus dem Alltag, um sich ganz dem eigenen Leid widmen zu können. Dabei kommt es häufig zu Verklärung der Vergangenheit. Doch die Realität holt den Trauernden ein und wird langsam akzeptiert.

In Phase 4 öffnet sich der Trauernde wieder der Welt, und geht mit ungewohnter Offenheit auf neue Menschen und Situationen zu. Trotzdem ist diese Phase von Widersprüchen geprägt. Auf der einen Seite soll das Leben nun intensiver und offener gestaltet werden. Andererseits plagen den Trauernden Ängste vor erneuten Enttäuschungen und den damit verbundenen Trauerzuständen.

Die Dauer der Trauerphase ist so individuell wie der trauernde Mensch selbst. Niemand kann vorhersagen, wie lange die Trauerbewältigung dauert. Der Schmerz stellt sich häufig erst Monate später nach dem dramatischen Erlebnis ein. Ebenso können die einzelnen Trauerphasen immer wieder aufbrechen, wenn sie dann auch kürzer andauern. Bei plötzlichem oder gewaltsamem Tod beispielsweise dauert die Schockphase der Hinterbliebenen meist länger als üblich.

Unterstützung des Trauernden 

Auf jeden Fall ist es wichtig,  den Trauernden zu unterstützen aber dennoch einen emotionalen Sicherheitsabstand zum Trauernden zu wahren. Das bedeutet: Mitgefühl zeigen, sich aber nicht von dem Trauerzustand einnehmen lassen.

Ratschläge wie „Gönnen Sie sich doch mal wieder was Gutes!" oder „Das wird schon wieder", sollten unterlassen werden. Dem Trauernden die Trauer ausreden zu wollen, hemmt den Genesungsprozess und dient meist nur der eigenen Entlastung. Trauernde sollten nicht unter dem Druck stehen, möglichst schnell wieder „auf die Beine kommen" zu müssen.

Und wie in vielen anderen Lebensbereichen gilt auch in der Unterstützung der Trauernden: Taten sagen mehr als große Worte. Durch kleine Aufmerksamkeiten wie regelmäßige Anrufe oder Besuche signalisieren sie Verbundenheit. Stellen Sie klar, dass es nicht Ihre Absicht ist, den Trauerprozess durch irgendeine Art von Einflussnahme beschleunigen zu wollen. Ebenso sind Trauernde für die stumme Zuwendung oder bloße Anwesenheit einer Vertrauensperson dankbar. Auch Ratgeberbücher zu diesem Thema oder der Kontakt zu Menschen mit Trauererfahrung wirken unterstützend im Trauerprozess.

Grundsätzlich können pflanzliche Arzneimittel zum Beispiel auf Basis von Johanniskraut, Baldrian oder Hopfen in der Phase der Trauer wertvolle Unterstützung leisten.

Wenn Trauer in eine Depression umschlägt

Wenn über längere Zeit keine nennenswerten Veränderungen im emotionalen Zustand des Trauernden erkennbar sind, kann die Trauer in eine Depression umgeschlagen sein. Weitere Kennzeichen einer Depression sind starke Minderwertigkeitsgefühle oder zunehmend Suizidgedanken. In diesem Fall ist es wichtig, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Eine Depression kann sich übrigens auch gerade dann entwickeln, wenn die Trauer kontinuierlich unterdrückt und nicht ausgelebt wird. Auch dann drohen seelische und psychosomatische Folgen.

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Letzte Aktualisierung: 23. Januar 2012
Quellen: DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung GmbH Stand: 20.12.2011

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