Behandlung und Vorbeugung

Fersenschmerzen – so verhindern Sie das Stechen im Fuß

Ob Druckschmerz oder das Gefühl, in einen Nagel getreten zu sein – Fersenschmerzen beim Auftreten sind unangenehm und können schon den Gang vom Schlaf- ins Badezimmer zur Qual werden lassen. Mit den richtigen Maßnahmen werden Sie die Schmerzen aber wieder los. Welche Behandlungen sinnvoll sind und was Sie selbst tun können.

Frau mit Fersenschmerzen
Fersenschmerzen können selbst kurze Spaziergänge zur Qual machen. Meist helfen konservative Therapien wie Einlagen und fußgymnastische Übungen gut gegen die Beschwerden.
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Bei jedem Schritt schießt ein scharfer Schmerz durch den Fuß. Es fühlt sich an wie ein Messer, das sich in die Ferse bohrt. Oder als ob man barfuß über Glasscherben läuft. "Fersenschmerzen sind ein sehr häufiges Krankheitsbild", weiß Dr. Martin Rinio von der Orthopädischen Gelenk-Klinik in Freiburg. So leiden rund zehn Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben daran.

Die drei häufigsten Arten des Fersenschmerzes

Besonders drei Arten von Fersenschmerzen sind häufig: die Plantarfasziitis, knöcherne Auswüchse und die Achillodynie.

Plantarfasziitis: Fersenschmerzen nach dem Aufstehen

Ist die Plantarsehne, die große Sehne der Fußsohle, entzündet, sprechen Experten von einer Plantarfasziitis. Oftmals leiden die Betroffenen unter starken Fersenschmerzen nach dem Aufstehen. "Wenn sie morgens aus dem Bett aufstehen oder nachts auf die Toilette müssen, ist jeder Schritt eine Qual", erklärt Rinio. Es handelt sich dabei um messerstichartige Schmerzen in der Ferse und dem Fußgewölbe. Sie treten überwiegend bei Druck oder Belastung auf.

Der häufigste Auslöser einer Entzündung der Plantarsehne ist eine Fußfehlstellung. "Die Plantarfasziitis kommt bei Menschen mit einem Knick-Senkfuß oder der Extremvariante Plattfuß öfter vor", erklärt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die permanente Fehlhaltung überdehnt und reizt die Plantarsehne. Es entstehen Mikrorisse im Bindegewebe, die schließlich die Entzündung auslösen.

Daraus lässt sich auch die zweite große Ursache für eine Entzündung der Sehnenplatte unterhalb des Fußes ableiten: Überbelastung. "Wegen der jahrelangen ständigen Beanspruchung der Plantarfaszie kommt es ab 50 oder 60 Jahren häufiger zur Plantarfasziits", erläutert Rinio. Schuld ist also altersbedingter Verschleiß. Allerdings sind nicht nur ältere Menschen betroffen – auch jüngere klagen über Schmerzen: Denn besonders Sportarten wie Laufen reizen die Sehne.

Haglundferse: Fersenschmerzen hinten durch Auswuchs

Als Folge einer chronischen Entzündung kommt es oftmals zur Ausbildung knöcherner Höcker oder Dorne am Fersenbein. Bildet sich unterhalb der Ferse ein Sporn aus, der Richtung Fußspitze wächst, handelt es sich um einen Fersensporn.

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Die Haglundferse bezeichnet dagegen eine Knochennase, die an der Hinterseite der Ferse entsteht. Die Schmerzen kommen dabei jeweils von einer zugrunde liegenden Entzündung.

Die Haglundferse tritt häufiger bei Menschen mit Hohlfuß – sozusagen dem Gegenstück zum Plattfuß – auf. Die auf der Hinterseite der Fersen befindliche Achillessehne ist dabei ständigem Druck ausgesetzt: Einerseits mechanischem Druck von außen, zum Beispiel durch enges oder hartes Schuhwerk. Andererseits durch die Fußfehlstellung von innen. Der permanente Reiz begünstigt eine Entzündung der Achillessehne. Auch die naheliegenden Schleimbeutel, die die Reibung beim Gehen reduzieren, können davon betroffen sein.

Achillodynie: Gereizte Achillessehne

Fersenschmerzen lassen sich oft auch auf die Achillessehne zurückführen. Wie bei der Haglundferse sitzt der Schmerz dabei hinten an der Ferse. Als Achillodynie bezeichnen Mediziner ein Schmerzsyndrom der Achillessehne. Besonders deren Sehnentaille ist häufig betroffen und durch die Entzündung knotig verdickt.

Das Risiko dafür ist bei Sportlern am höchsten: Über- oder Fehlbelastung, insbesondere bei Lauf- und Sprungsportarten, begünstigen die Achillodynie. Außerdem beeinträchtigen schlecht gedämpfte Sportschuhe und ungünstiger Untergrund (zum Beispiel harter Boden, starkes Gefälle) die Achillessehne. "Jahrelanges Tragen von hohen Schuhen kann die Sehne verkürzen", erklärt Rinio. Auch dadurch können Schmerzen hinten an der Ferse entstehen.

Die sieben häufigsten Fußbeschwerden

Ursachen für Fersenschmerzen im Überblick

  • Fußfehlstellungen
  • Überbelastungen
  • schlechte Schuhe (zum Beispiel zu harte Sohlen, harte Fersenkappen, hohe Schuhe)
  • Unfälle (zum Beispiel Fersenbeinbruch)
  • mechanischer Druck (zum Beispiel durch Schuhe)
  • Tarsaltunnelsyndrom (durch einen Tunnel an der Ferse verlaufende Nerven sind ständigem Druck ausgesetzt; oft Auslöser für Fersenschmerzen auf der Innenseite)

Diagnose bei Fersenschmerzen: Erste Anlaufstelle ist der Orthopäde

Halten die Schmerzen an der Ferse länger als drei Tage an oder nehmen sie unter Belastung zu, sollten sich Betroffene vom Orthopäden untersuchen lassen. Dieser schließt nach einem ersten Gespräch mit dem Patienten (Anamnese) bereits einige Krankheiten aus und stellt eine vorläufige Diagnose.

Bei einer körperlichen Untersuchung betrachtet der Arzt die Körperhaltung und den Gang des Betroffenen. Außerdem muss dieser bestimmte Bewegungen – beobachtet vom Mediziner – ausführen. Weitere Untersuchungen können je nach vermuteter Ursache zum Beispiel Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder MRT sein. Dazu überweist der Orthopäde den Patienten an einen entsprechenden Facharzt.

Fersensporn gar nicht erst entstehen lassen!

Lifeline/Wochit

Behandlung: So werden Sie Fersenschmerzen los

Patienten können bereits selbst einiges tun, um Schmerzen in der Ferse gegenzusteuern und diesen vorzubeugen. "Das Wichtigste aber zuerst: Betroffene sollten nicht versuchen, den Schmerz durch Sport wegzutrainieren", warnt Rinio. Stattdessen empfiehlt er, zunächst die Belastung zu reduzieren und auf gutes Schuhwerk zu achten. So wird der Fuß möglichst weich gebettet. Bei Plantarfasziitis und Schmerzen der Achillessehnen helfen außerdem Dehnübungen. Da Übergewicht Fersenschmerzen begünstigt, kann es in diesen Fällen ratsam sein, abzunehmen.

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Ein Termin beim Experten ist dennoch oft unumgänglich. "Der Orthopäde kann genau feststellen, welche Fußstrukturen für die Schmerzen verantwortlich sind", erläutert der Facharzt. Behandlungen können zum Beispiel sein:

  • Schuheinlagen: Orthopädische Einlagen sind gut gepolstert und enthalten eine Fersenweichbettung. Im Normalfall übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bis auf eine Zuzahlung die Kosten.    

  • Massagen: Triggerpunkte sind kleine Knötchen in den Muskeln, die Schmerzen verursachen. Physiotherapeuten massieren die entsprechenden Stellen und lockern sie auf diese Weise auf. Die Krankenkassen zahlen für die Leistung, wenn beim Patienten ein körperliches Leiden vorliegt.

  • Stoßwellenbehandlung: Dabei werden hochenergetische Schallwellen auf den schmerzenden Punkt gerichtet, wodurch unter anderem Entzündungen abklingen sollen. Es gibt kaum Nebenwirkungen, daher wenden Orthopäden sie gerne an. Allerdings handelt es sich dabei um eine IGeL, eine individuelle Gesundheitsleistung, deren Kosten gesetzliche Krankenkassen nicht übernehmen.

  • Eigenblutbehandlung (PRP): Thrombozyten werden in die betroffenen Bereiche gespritzt; das wirkt entzündungshemmend und heilungsfördernd. Nicht alle gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Leistung und wenn, dann möglicherweise nicht den ganzen Beitrag.

  • Botox: Der Wirkstoff entkrampft den überspannten Muskel. Bereits kurz nach der Injektion lässt der Zug auf die Sehne nach. Auch diese Leistung bezahlen gesetzliche Krankenkassen nicht.

  • fußgymnastische Übungen: Werden sie regelmäßig ausgeführt helfen die Übungen, die betroffenen Strukturen zu entlasten.

  • exzentrisches Training der Achillessehne, bei dem diese gedehnt wird

  • Hekla lava, ein homöopathischer Wirkstoff, der gegen Fersensporn eingesetzt werden kann

  • entzündungshemmende Medikamente

Nur, wenn alle anderen Maßnahmen scheitern, ziehen Orthopäden eine Operation in Betracht. Fersenschmerzen neigen dazu, chronisch zu werden. Deshalb sollte möglichst früh mit einer Behandlung begonnen werden.

Fußgymnastik bei Hallux valgus: Die besten Übungen

Liebscher & Bracht / YouTube

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. August 2017
Durch:
Quellen: Dr. med. Martin Rinio, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie von der Gelenk-Klinik in Gundelfingen, www.gelenk-klinik.de; Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie der Uniklinik RWTH Aachen, www.muskel-und-gelenkschmerzen.de; www.gelenk-doktor.de; Klinikum der Universität München, www.klinikum.uni-muenchen.de; Techniker Krankenkasse, www.tk-online.de; Gemeinschaftspraxis für Orthopädie, www.orthopaede-bogenhausen.de

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