Ursachen und Behandlung

Fersenschmerzen: Wenn jeder Schritt wehtut

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Fersenschmerzen beim Auftreten sind unangenehm und können schon kurze Wege zur Qual werden lassen. So vielfältig wie die Ursachen sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Erfahren Sie hier, welche Maßnahmen infrage kommen und was Sie selbst tun können.

Person mit Fersenschmerzen massiert Fuß
© Getty Images/Dima Berlin

Artikelinhalte im Überblick:

Die sieben häufigsten Fußprobleme

Was sind Fersenschmerzen?

Viele Menschen leiden gelegentlich an Fersenschmerzen, medizinisch auch Tarsalgie genannt. Der Begriff umfasst alle krankhaften Veränderungen der Ferse (Hacke). Da der Mensch beim Gehen zuerst den hinteren Fußbereich aufsetzt, ist der Bereich einer extremen mechanischen Belastung ausgesetzt. Der größte Fußknochen ist das Fersenbein, der auch Teil des Sprunggelenkes ist. Am hinteren Fersenhöcker ist zudem die Achillessehne befestigt.

Typisch für Fersenschmerzen ist der sogenannte Anlaufschmerz. Die Beschwerden sind insbesondere nach längerem Sitzen oder Liegen stark ausgeprägt und bessern sich meist mit Bewegung wieder. Andere Patient*innen berichten zudem von dumpf oder drückenden Fersenschmerzen im Ruhezustand. Besonders belastend sind diese, wenn sie nachts den Schlaf stören.

Je nach Ursache unterscheidet sich auch die Lokalisation der Schmerzen. Diese können beispielsweise unten an der Fußsohle (plantare Fersenschmerzen) oder entlang der Achillessehne (dorsale Schmerzen) auftreten – und bis in die Wade oder sogar noch höher ins Bein ziehen.

Was kann Fersenschmerzen verursachen?

Die Gründe für Schmerzen in der Ferse sind sehr vielfältig. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Fußfehlstellungen: Knick-, Senk- und Plattfuß
  • Entzündungen der Sehnen, etwa der Achillessehne (Achillodynie) oder Plantarsehne (Plantarfasziitis)
  • Fersensporn (knöchernen Fortsatz am Fersenbein)
  • Tarsaltunnelsyndrom (durch einen Tunnel an der Ferse verlaufende Nerven sind ständigem Druck ausgesetzt; oft Auslöser für Fersenschmerzen auf der Innenseite)
  • Rheumatische Erkrankungen (morgendliche Fersenschmerzen sind beispielsweise das Leitsymptom bei Morbus Bechterew)
  • Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Gicht und Diabetes mellitus)
  • Durchblutungsstörungen (die periphere arterielle Verschlusskrankheit pAVK, auch Schaufensterkrankheit, zeichnet sich durch Schmerzen in Waden und Füßen beim Gehen aus)
  • Unfälle (zum Beispiel Fersenbeinbruch)
  • Einklemmung von Nerven

Als Risikofaktoren gelten neben einer Überbelastung (zum Beispiel durch Wandern oder Joggen) des Fußes auch Übergewicht, ein hohes Lebensalter und das Tragen von schlechtem Schuhwerk (zum Beispiel sehr harte Sohlen, harte Fersenkappen, hohe Schuhe).

Die drei häufigsten Arten des Fersenschmerzes

Besonders drei Arten von Fersenschmerzen sind häufig: die Plantarfasziitis, Haglundferse und die Achillodynie.

Plantarfasziitis: Schmerzen unter dem Fuß nach dem Aufstehen

Ist die Plantarsehne (Plantaraponeurose), die große Sehne der Fußsohle, entzündet, sprechen Expert*innen von einer Plantarfasziitis.

Typische Symptome sind:

  • Messerstichartige Schmerzen in der Ferse und dem Fußgewölbe. Sie treten überwiegend bei Druck oder Belastung auf
  • Starke Fersenschmerzen nach dem Aufstehen; insbesondere die ersten Schritte morgens sind oft eine Qual.

Der häufigste Auslöser einer Entzündung der Plantarsehne ist eine Fußfehlstellung, weshalb vor allem Menschen mit einem Knick-Senkfuß oder Plattfuß anfällig sind. Die permanente Fehlhaltung überdehnt und reizt die Plantarfaszie, die unter dem Fersenbein beginnt und bis zu den Zehen reicht. Es entstehen Mikrorisse im Bindegewebe, die schließlich die Entzündung auslösen.

Daraus lässt sich auch die zweite große Ursache für eine Entzündung der Sehnenplatte unterhalb des Fußes ableiten: Überbelastung. Wegen der jahrelangen ständigen Beanspruchung der Plantarfaszie kommt es bei 45-bis 65-Jährigen vermehrt zur Plantarfasziits. Schuld ist altersbedingter Verschleiß. Allerdings sind nicht nur ältere Menschen betroffen – auch Jüngere klagen über Schmerzen: Denn besonders Sportarten wie Laufen reizen die Sehne.

Haglundferse: Fersenschmerzen hinten durch Auswuchs

Bei der Haglundferse handelt es sich um einen Knochenfortsatz (Überbein) im Bereich des Achillessehnenansatzes an der oberen Ferse, der häufig mit einer Schleimbeutelentzündung einhergeht. Die Erkrankung ähnelt einem Fersensporn. Anders als bei einem Fersensporn, bei der meist nur der Ansatz der Achillessehne im oberen Fersenbein entzündet ist, ist bei der Haglundferse jedoch der gesamte Bereich des Fersenbeines entzündet.

Die Haglundferse tritt häufiger bei Menschen mit Hohlfuß – sozusagen dem Gegenstück zum Plattfuß – auf. Die auf der Hinterseite der Fersen befindliche Achillessehne ist dabei ständigem Druck ausgesetzt: einerseits dem mechanischem Druck von außen, zum Beispiel durch enges oder hartes Schuhwerk, andererseits durch die Fußfehlstellung von innen. Der permanente Reiz begünstigt eine Entzündung der Achillessehne. Auch die nahe liegenden Schleimbeutel, die die Reibung beim Gehen reduzieren, können davon betroffen sein.

Achillodynie: Gereizte Achillessehne

Fersenschmerzen lassen sich oft auch auf die Achillessehne zurückführen. Wie bei der Haglundferse sitzt der Schmerz dabei hinten an der Ferse. Als Achillodynie bezeichnen Mediziner*innen ein Schmerzsyndrom der Achillessehne. Besonders deren Sehnentaille ist häufig betroffen und durch die Entzündung knotig verdickt.

Das Risiko dafür ist bei Sportler*innen am höchsten: Über- oder Fehlbelastung, insbesondere bei Lauf- und Sprungsportarten, begünstigen die Achillodynie. Außerdem beeinträchtigen schlecht gedämpfte Sportschuhe und ungünstiger Untergrund (zum Beispiel harter Boden, starkes Gefälle) die Achillessehne. Ebenso kann das jahrelange Tragen von hohen Schuhen die Sehne verkürzen. Auch dadurch können Schmerzen hinten an der Ferse entstehen.


Diagnose bei Fersenschmerzen

Halten die Schmerzen an der Ferse länger als drei Tage an oder nehmen sie unter Belastung zu, sollten sich Betroffene orthopädisch untersuchen lassen. Der*die Mediziner*in schließt nach einem Erstgespräch (Anamnese) bereits einige Krankheiten aus und stellt eine vorläufige Diagnose.

Bei einer körperlichen Untersuchung betrachtet der*die Arzt*Ärztin die Körperhaltung und den Gang des*der Betroffenen. Außerdem muss diese*r unter Beobachtung bestimmte Bewegungen ausführen. Als weitere Untersuchungsmethoden können je nach vermuteter Ursache zum Beispiel Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder MRT zum Einsatz kommen.

Besteht der Verdacht auf eine zugrunde liegende systemische Erkrankung, etwa Diabetes mellitus oder Morbus Bechterew, wird der Betroffene an weitere Fachmediziner*innen aus der Neurologie oder Rheumatologie überwiesen.

Behandlung: Was hilft bei Fersenschmerzen?

Betroffene können selbst einiges tun, um Schmerzen in der Ferse gegenzusteuern und diesen vorzubeugen. Allerdings sollte nicht versucht werden, den Schmerz durch Sport wegzutrainieren. Stattdessen empfiehlt es sich, zunächst die Belastung zu reduzieren und auf gutes Schuhwerk zu achten. So wird der Fuß möglichst weich gebettet. Bei einer Plantarfasziitis und Schmerzen der Achillessehnen helfen außerdem Dehnübungen.

Wann sollten Fersenschmerzen ärztlich abgeklärt werden?

Bei längeren Beschwerden ist ein Besuch in der ärztlichen Praxis unumgänglich. Das gilt insbesondere bei Schwellungen im Fersenbereich, die sich auch nach ein paar Tagen nicht bessern. Offene Wunden, starke Schmerzen oder weitere Beschwerden (wie Fieber) sind ebenfalls Gründe, die Fersenschmerzen ärztlich abklären zu lassen. Auch wenn sich Form des Fußes verändert oder die Beschwerden immer wiederkommen, ist der Gang zur Ärztin*zum Arzt empfehlenswert.

Konservative Behandlung von Fersenschmerzen

In etwa 90 Prozent der Fälle heilen Fersenschmerzen mithilfe konservativer Maßnahmen innerhalb von bis zu neun Monaten aus oder schwächen zumindes deutlich ab.

Die ärztliche Therapie richtet sich nach der Erkrankung. Infrage kommen beispielsweise folgende Behandlungsmethoden:

  • spezielle Einlagen: Sind Fußfehlstellungen der Grund für die Beschwerden, können Einlagen, Fersenkissen, -polster oder -manschetten für Entlastung sorgen. Im Normalfall übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bis auf eine Zuzahlung die Kosten.    

  • Massagen und Physiotherapie: Triggerpunkte sind kleine Knötchen in den Muskeln, die Schmerzen verursachen. Physiotherapeut*innen massieren die entsprechenden Stellen und lockern sie auf diese Weise auf. Außerdem können sie Übungen zeigen, um schwächere Bereiche im Fuß zu kräftigen und so Überbelastung zu vermeiden. Die Krankenkassen zahlen für die Leistung, wenn sie verschrieben wurden.

  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Bei einem Fersensporn kommt auch eine Stoßwellentherapie infrage. Dabei werden hochenergetische Schallwellen auf den schmerzenden Punkt gerichtet, wodurch unter anderem Entzündungen abklingen sollen.

  • Botox: Eine vielversprechende Behandlungsform beim Fersensporn ist zudem die Injektion von Botulinumtoxin. Der Wirkstoff entkrampft den überspannten Muskel. Bereits kurz nach der Injektion lässt der Zug auf die Sehne nach. Auch diese Leistung bezahlen gesetzliche Krankenkassen nicht.

  • Bewegungs- und Dehnübungen: Insbesondere bei chronischen Beschwerden können auch physiotherapeutische Behandlungsverfahren sinnvoll sein.

  • entzündungshemmende Medikamente wie Kortison: Sie werden beispielsweise bei einer Plantarfasziitis oder Schleimbeutelentzündung verschrieben. Die Medikamente hemmen die Ausschüttung entzündungsfördernder Stoffe und unterstützen die Heilung.

Wann ist eine Operation bei Fersenschmerzen notwendig?

Nur, wenn alle anderen Maßnahmen scheitern, ziehen Orthopäd*innen eine Operation in Betracht. Beispielsweise kann über einen minimalinvasiven Zugang eine Einkerbung der Plantarfaszie, sowie eine Entfernung der störenden Verkalkung erfolgen. Durch die Einkerbung lässt sich die Durchblutung des Fußes verbessern.

Welche Hausmittel helfen bei Fersenschmerzen?

Länger anhaltende Fersenschmerzen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Im Akutfall können jedoch oftmals auch Hausmittel zur Linderung der Schmerzen beitragen. Bewährt haben sich beispielsweise folgende Tipps:

  • Ein Fußbad mit verdünntem Apfelessig wirkt entzündungshemmend.

  • Kühlende Wickel oder Kompressen können unter Umständen die Schmerzen verringern.

  • Cremes und Salben mit pflanzlichen Auszügen oder Ölen entspannen die Muskeln und mindern Schwellungen.

  • Fußmassagen regen die Durchblutung an und fördern die Aufnahme von Wirkstoffen über die Haut.

Allgemein sollten starke Belastungen, zum Beispiel lange Wanderungen, vermieden und die Füße einige Zeit geschont werden, eine Ruhigstellung ist meist nicht notwendig.

Übungen bei Fersenschmerzen

Bei Schmerzen im Fuß können Betroffene auch Übungen ausprobieren. Am besten lassen sich Patient*innen von phystiotherapeutischen Fachleuten beraten.

Beispielübung zur Dehnung der Plantarfaszie:

  1. Betroffene setzen sich auf einen Stuhl und legen den schmerzenden Fuß mit dem Außenknöchel auf den Oberschenkel des anderen Beins.
  2. Nun werden die Zehen des schmerzenden Fußes mit der Hand in Richtung Schienbein gezogen und für etwa 10 Sekunden in dieser Position gehalten.
  3. Währendessen kann mit der anderen Hand die Fußsohle entlang massiert werden. Die Sehnenplatte fühlt sich gespannt an.

Diese Vorgehensweise kann 10-mal hintereinander und 2-mal täglich durchgeführt werden.

Wie lassen sich Fersenschmerzen vorbeugen?

Um Fersenschmerzen vorzubeugen, empfiehlt es sich:

  • den Füßen bei übermäßig stehenden Tätigkeiten hin und wieder Pausen zu gönnen und zu entspannen
  • geeignetes Schuhwerk zu tragen
  • sich vor dem Training gut aufzuwärmen
  • Übergewicht zu vermeiden

Zudem eignen sich auch orthopädische Einlagen dazu, das Gangbild zu verbessern und die Fersen zu entlasten. So lassen sich Fersenschmerzen in der Regel gut verhindern.

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