Schmerzen im Schienbein

Schienbeinschmerzen: Woher kommen sie und was hilft?

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Es gibt viele Faktoren, die den Knochen und Muskeln des Unterschenkels Probleme bereiten. Schienbeinschmerzen sind dann eine mögliche Folge, die vor allem bei sportlich aktiven Menschen auftreten können. Lesen Sie hier, wie Schienbeinschmerzen entstehen und was dagegen hilft.

schienbeinschmerzen
© Getty Images/Jomkwan

Der Unterschenkel besteht aus zwei Knochen: dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula). Das Schienbein ist der kräftigere der beiden Knochen und an der Vorderseite des Unterschenkels gut tastbar. Unter Schienbeinschmerzen versteht man ziehende oder stechende Schmerzen in diesem Bereich. Die Schmerzen treten vor allem unter Belastung auf. Häufig betroffen sind sportlich aktive Menschen, die intensive Sportarten wie Laufen oder Fußball spielen ausüben. Aber auch Menschen mit Fußfehlstellungen können mitunter an Schienbeinschmerzen leiden.

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Ursachen: Woher kommen Schienbeinschmerzen?

Die Ursachen für Schienbeinschmerzen sind vielfältig. Ein Sturz, eine Muskelzerrung oder die Entzündung einer Sehne im Fuß oder Bein können mögliche Auslöser sein.

Treten die Schmerzen zum Beispiel nur an einem bestimmten Punkt am vorderen oder inneren Schienbein auf, ist möglicherweise der vordere Schienbeinmuskel gereizt. Auch ein mikroskopisch feiner Haarriss im Knochen oder ein Ermüdungsbruch können zu Schmerzen im Bein führen. Bei Letzterem können sich die Schienbeinschmerzen auch in Ruhe, also zum Beispiel nachts, bemerkbar machen. Ebenso können ausstrahlende Beschwerden zum Beispiel aus dem Kniegelenk als Schmerzen am Schienbein wahrgenommen werden. Sogar zwischen Schienbeinschmerzen und Bandscheibe können Zusammenhänge bestehen, wenn bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich Gefühlsstörungen bis ins Schienbein oder den Fuß ausstrahlen.

Eine weitere mögliche Ursache für Schienbeinschmerzen sind Fußfehlstellungen wie Knick- oder Senkfüße. Auch Frauen, die häufig hohe Schuhe tragen, können aufgrund von Fehlbelastungen gelegentlich Schmerzen an der Vorderseite des Unterschenkels verspüren.

Häufige Ursache: das Schienbeinkantensyndrom

Eine häufige Ursache für Schienbeinschmerzen ist das sogenannte Schienbeinkantensyndrom, auch als Shin-Splint-Syndrom oder Tibiakantensyndrom bezeichnet. Es ist eine Verletzung, die vor allem bei Sportler*innen aufgrund von Überbelastung, Fehlbelastung oder häufig wiederholter Überlastung entsteht. Dies passiert besonders dann, wenn nach einer längeren Trainingspause plötzlich intensiv trainiert wird und Muskeln, Sehnen sowie Bänder diese Belastung noch nicht abfangen können. Als Folge wird die Knochenhaut stärker beansprucht als üblich, denn in ihr sind die Schienbeinmuskeln, Sehnen und Bänder verwachsen. Eine übermäßige Belastung der Schienbeinmuskulatur kann zu Reizungen der Knochenhaut bis zur Knochenhautentzündung führen. Das äußert sich in Schmerzen an der Vorderkante des Schienbeins.

Weitere Risikofaktoren, die diese Reizung begünstigen, sind

  • Übergewicht,
  • abgenutzte Sport- oder Laufschuhe,
  • harte Trainingsuntergründe oder
  • ein falscher Laufstil. Besonders Läufer*innen sind davon betroffen. Aber auch andere Sportarten, die mit intensivem Laufen oder Gehen verbunden sind, können zu so einer Verletzung führen. Dazu zählen Fußball, Leichtathletik, Nordic Walking oder Bergwandern.

Symptome: So machen sich Schienbeinschmerzen bemerkbar

Schienbeinschmerzen treten vor allem an der Vorderseite des Schienbeins auf. Je nach Auslöser kann der Schmerz dabei variieren. Die Schmerzen können sich schleichend entwickeln oder plötzlich auftreten.

Eine Zerrung der Muskulatur äußert sich mit ziehenden, krampfartigen Schmerzen, die allmählich immer stärker werden. Auch eine Sehnenentzündung ist mit ziehenden sowie stechenden Schmerzen verbunden. Zusätzlich ist die betroffene Stelle extrem druckempfindlich und häufig auch überwärmt.

Im Fall des Schienbeinkantensyndroms treten die Schmerzen vor allem im unteren Teil des Schienbeins auf. Die Schmerzen sind oft ziehend oder stechend und so stark, dass das Laufen unmöglich wird. Häufig ist die Schienbeinkante auch druckempfindlich. Zu Beginn treten die Schmerzen nur während des Trainings und unter Belastung auf, vor allem beim schnellen Auftritt, schnellem Laufen oder bei Sprüngen. Später können sich Schienbeinschmerzen auch beim Gehen im Alltag oder anderen alltäglichen Belastungen wie Treppenlaufen bemerkbar machen.

Treten die Schmerzen am Schienbein nur an einer Stelle auf und sind diese mit einer Schwellung verbunden, dann kann es sich auch um eine Knochenhautentzündung handeln. Der betreffende Bereich des Schienbeins ist dann sehr druckempfindlich und schmerzt bei Berührungen. Ein stechender Schmerz im Fuß im Ruhezustand ist hingegen keine Begleiterscheinung von Schienbeinschmerzen und tritt eher im Zusammenhang mit einer Entzündung der Nerven im Fuß auf.

Grundsätzlich gilt für alle Schmerzen am Schienbein: Halten sie an, sind mit starken Beschwerden verbunden und klingen von allein nicht ab, dann sollten sie unbedingt von einem*einer Arzt*Ärztin abgeklärt werden.

Was tun bei Schienbeinschmerzen?

Prellungen, Zerrungen oder anderen Verletzungen können im Sport immer wieder passieren. Erste Hilfe bietet dann die sogenannte PECH-Regel. PECH steht dabei als Abkürzung für folgende Maßnahmen:

  • Pause einlegen: Wer verletzt ist, sollte eine Pause einlegen, um weitere Schäden zu vermeiden
  • Eis auflegen: Kälte lindert den Schmerz und verhindert, dass die betroffene Stelle übermäßig stark anschwillt
  • Compression (deutsch: Kompression) anlegen: Mit einem Druckverband wird verhindert, dass sich Blutergüsse oder Schwellungen ausbreiten
  • Hochlagern: Den betroffenen Körperteil hochlagern, am besten über Herzhöhe. Das verbessert den Rückfluss von Blut und Gewebeflüssigkeit, was wiederum Schwellungen reduziert

Die PECH-Regel kann auch bei Schienbeinschmerzen eine sinnvolle Sofortmaßnahme sein, vor allem wenn die Ursache der Schmerzen zunächst unklar ist. Im Anschluss sollte immer ärztlich abgeklärt werden, wie schlimm die Sportverletzung tatsächlich ist und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie verordnen.


Behandlung: Was hilft gegen Schienbeinschmerzen?

Wie Schienbeinschmerzen behandelt werden, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Sind Fußfehlstellungen Auslöser für die Beschwerden, können diese häufig schon durch entsprechende orthopädische Einlagen in Schuhen beseitigt werden. Bei Entzündungen, Reizungen oder anderen Verletzungen geht es hingegen darum, zunächst die Symptome zu lindern. Dafür kommen vor allem konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz:

  • Entzündungshemmende Tabletten oder Cremes, zum Beispiel als Salbenverband in der Nacht
  • Physiotherapeutische Maßnahmen wie Ultraschall- oder Stoßwellentherapie, Massagen, Triggerpunkt-Therapie oder Kälteanwendungen

Für Sportler*innen gilt zudem zusätzlich eine Trainingspause bis zur vollständigen Schmerzfreiheit. Klingen die Schmerzen ab, dann kann die Behandlung mit Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Beinmuskulatur unterstützt werden. Zudem sollte nach den Ursachen für die Schienbeinschmerzen gesucht und diese beseitigt werden, damit die Beschwerden nicht wieder erneut auftreten.

Schienbeinschmerzen vorbeugen

Beschwerden und Schmerzen im Unterschenkel treten vor allem bei sportlich aktiven Menschen auf. Um Schienbeinschmerzen beim Laufen oder anderen laufintensiven Sportarten vorzubeugen, helfen oft schon kleine Maßnahmen. Sport- und Laufneulinge sollten grundsätzlich ohne Experimente ins Training einsteigen. Das heißt: Ein langsamer und systematischer Trainingsaufbau mit einem Umfang, der mit der Zeit leicht gesteigert wird. Beim Kauf von Laufschuhen ist zudem eine Beratung durch eine Fachperson sowie eine Laufanalyse empfehlenswert, damit der Schuh zum Fuß, der Beinstellung und den Trainingsbedingungen passt. Weitere Maßnahmen sind:

  • Vor jede Sporteinheit gehört eine Aufwärmphase, damit der Körper auf das Training vorbereitet wird. Besonders wichtig ist das vor intensiven Belastungen.

  • Die Trainingsbelastung (vor allem beim Laufen) sollte nur langsam gesteigert werden. Als Faustregel gilt: Nicht mehr als zehn Prozent Steigerung zur Vorwoche. Wer Umfang und Intensität abrupt verstärkt, riskiert Sportverletzungen. Auch nach längeren Trainingspausen sollte die Trainingsbelastung nur langsam gesteigert werden.

  • Häufiges Trainieren oder Laufen auf harten Untergründen ist zu vermeiden. Besser ist es, Trainingsuntergründe regelmäßig zu wechseln.

  • Lauf- oder Sportschuhe sollten regelmäßig erneuert werden. Wird ein Schuh zu lange getragen, lassen Dämpfung und Stützkomfort nach. Das steigert das Verletzungsrisiko.

  • Bein- und Fußmuskulatur zusätzlich mit gezielten Übungen kräftigen und dehnen. Diese Übungen sollten Teil der Trainingsroutine sein und regelmäßig durchgeführt werden.

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