Verschreibungspflichtige Schlafmittel

Benzodiazepine – Wirkung, Nebenwirkungen und Suchtrisiko

Mindestens jeder Zehnte hat bereits ein Beruhigungs- und Schlafmittel eingenommen. Benzodiazepine sind hochwirksame Medikamente, haben aber ein hohes Suchtpotenzial. Die rezeptpflichtigen Schlafmittel werden deshalb als Rauschdroge sowie für K.o.-Tropfen missbraucht.

Benzodiazepine
Benzodiazepine sind hochwirksame Medikamente, die beruhigen und den Schlaf fördern. Allerdings sollten sie nur kurzfristig angewendet werden, sonst droht Sucht.
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Benzodiazepine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Beruhigungs- (Tranquilizer) und Schlafmitteln (Hypnotika). Bis zu 1,6 Millionen Deutsche sind abhängig von diesen verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Benzodiazepine kamen bereits in den 50er Jahren als ihr bis heute bekanntester Vertreter auf den Markt: der Wirkstoff Diazepam unter dem Handelsnamen Valium. Um die Nebenwirkungen der hochwirksamen Substanz zu reduzieren und das Suchtrisiko zu verringern, wurden bis heute zahlreiche weitere Benzodiazepine entwickelt. Zusätzlich unterscheiden sie sich in ihrem Wirkungseintritt.

Liste der wichtigsten Benzodiazepine

Zu den gängigsten Wirkstoffen unter den Benzodiazepinen gehören:

  • Alprazolam
  • Bromazepam
  • Brotizolam
  • Chlordiazepoxid
  • Clobazam
  • Clonazepam
  • Diazepam
  • Dikaliumclorazepat
  • Flunitrazepam
  • Flurazepam
  • Lorazepam
  • Lormetazepam
  • Medazepam
  • Midazolam
  • Nitrazepam
  • Oxazepam
  • Prazepam
  • Temazepam
  • Triazolam

Benzodiazepine – ihre Wirkung auf Körper und Geist

Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Psychopharmaka, wirken also über das Gehirn auf die Psyche. Benzodiazepine beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn und die Botenstoffe (Neurotransmitter). Andockstellen (Rezeptoren) für Benzodiazepine gibt es jedoch nicht nur im Gehirn, sondern auch im Rückenmark und vielen Organen. Benzodiazepine wirken also im gesamten Zentralnervensystem.

Sie verändern die Aktivität des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Amino-Buttersäure (Gaba). Das beeinflusst wiederum die Hormone Noradrenalin, Acetylcholin und Serotonin. Dadurch wirken Benzodiazepine sowohl körperlich als auch psychisch.

Die körperlichen Wirkungen von Benzodiazepinen:

  • muskelentspannend

Die psychischen Wirkungen der Benzodiazepine:

  • angstlösend
  • beruhigend
  • schlaffördernd
  • stimmungsaufhellend bis euphorisierend
  • aggressionsdämpfend
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Lifeline/Wochit

Je nach Substanz steht dabei die eine oder andere Wirkung im Vordergrund. Dementsprechend werden Benzodiazepine bei folgenden Erkrankungen verordnet:

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Außerdem werden Benzodiazepine häufig Patienten vor einer Operation gegeben, damit sie nicht so aufgeregt sind.

Benzodiazepine – Nebenwirkungen und Abbau-Dauer

Wie jedes hochwirksame Medikament verfügen Benzodiazepine über eine Reihe von Nebenwirkungen. Die häufigsten sind:

  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Verlust der Libido
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Muskelschwäche
  • Beeinträchtigung der Reaktionszeit: Vor allem zu Beginn der Behandlung sollten Patienten nicht Auto fahren sowie anderen Umgang mit Maschinen und schwerem Gerät unterlassen, um Unfälle zu vermeiden.

Bei älteren Menschen können sich als Nebenwirkung auch Verwirrtheit und Aufregung einstellen. Zusätzlich steigt in dieser Altersgruppe das Sturzrisiko unter der Einnahme von Benzodiazepinen.

Wichtig zu wissen ist zudem, dass Benzodiazepine eine sehr lange Halbwertszeit haben. Das heißt, die Medikamente werden im Körper nur sehr langsam abgebaut. Je nach Wirkstoff kann die Substanz erst nach mehreren Tagen vollständig aus dem Organismus verschwunden sein. Wenn regelmäßig Benzodiazepine eingenommen werden, kann es also zu einer Anreicherung kommen.

Benzodiazepine und Alkohol: Gefährliche Mischung

Grundsätzlich dürfen die Psychopharmaka nur in Absprache mit dem Arzt oder Psychologen angewendet werden. Benzodiazepine sollten außerdem niemals zusammen mit

  • Alkohol,
  • Heroin oder
  • Methadon

eingenommen werden. Alkohol und die genannten Suchtmittel verstärken die Wirkung der Tabletten. Lebensgefährliche Nebenwirkungen wie etwa Atemlähmung können sich entwickeln.

Wer Benzodiazepine nicht einnehmen sollte (Kontraindikationen)

Grundsätzlich sollten Benzodiazepine nicht

  • in der Schwangerschaft,
  • bei Engwinkelglaukom (einer speziellen Art des grünen Stars) und
  • bei zurückliegendem Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch

eingenommen werden.

Benzodiazepine und Sucht: Benzo-Abhängigkeit ist häufig

Eine besonders dramatische Nebenwirkung bei der Langzeitbehandlung mit Benzodiazepinen ist die Sucht. Medikamentenabhängigkeit ist kein Problem einer Randgruppe, sondern betrifft mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland, vor allem Frauen. Diese Zahl stützt sich auf Daten der auf Kassenrezept verordneten Benzodiazepine. Die Dunkelziffer der Privatrezepte ist nicht bekannt.

Studien haben gezeigt, dass bei Benzodiazepinen bereits nach ein bis vier Wochen körperliche oder psychische Abhängigkeit droht. Kurzfristige Anwendung ist zwar bei vielen Erkrankungen sinnvoll, etwa bei einem Epilepsieanfall oder einer Angststörung.

Der Dauerkonsum ist jedoch gefährlich. Die Wirkung der Tabletten schwächt sich nach und nach ab, manche Patienten nehmen dann immer mehr davon ein.

Weitere Anzeichen der Benzodiazepin-Sucht sind:

  • Veränderung der Persönlichkeit
  • massive Stimmungsschwankungen
  • Alltagsaufgaben können kaum noch bewältigt werden
  • Muskelschwäche

Entzugserscheinungen beim Absetzen von Benzodiazepinen

Doch wie sollten Benzodiazepine abgesetzt werden? Wird die Einnahme vom einen auf den anderen Tag beendet, treten Entzugserscheinungen auf. Dies ist sogar dann möglich, wenn das Medikament nur in geringer Dosierung angewendet wurde, jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Entzugssymptome reichen von Schlafstörungen und Zittern bis hin zu Übelkeit und Panikattacken.

Benzodiazepine sollten deshalb immer nur unter Aufsicht eines Arztes und streng nach seiner Anweisung ausgeschlichen werden. Das bedeutet, die Dosis wird nach und nach reduziert, damit sich Körper und Psyche wieder daran gewöhnen, ohne die Substanz auszukommen.

"Benzos" und Co.: Benzodiazepine als Drogen

Wegen ihrer angstlösenden und entspannenden Wirkung werden Benzodiazepine jedoch auch als Droge missbraucht. Im Szenejargon heißen sie je nach Wirksubstanz "Benzos", "Dias" oder "Flunies". Sie werden als hochdosierte Tabletten eingenommen, ihr Pulver geschnupft oder aufgelöst und intravenös gespritzt. Wegen der hohen Dosis tritt leicht eine Abhängigkeit ein. Zusätzlich werden Benzodiazepine wegen ihrer entspannenden Wirkung auch als K.o.-Tropfen missbraucht.

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