Verschreibungspflichtige Schlafmittel

Benzodiazepine: Wirkung, Nebenwirkungen und Abhängigkeit

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Mindestens jeder Zehnte hat bereits ein Beruhigungs- und Schlafmittel eingenommen. Benzodiazepine sind hochwirksame Medikamente, haben aber ein hohes Suchtpotential. Wirkung, sichere Anwendung, Nebenwirkungen und wann das Beruhigungs- und Schlafmittel nicht angewendet werden darf.

Benzodiazepine
© iStock.com/RichLegg

Benzodiazepine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Beruhigungs- (Tranquilizer) und Schlafmitteln (Hypnotika). Bis zu 1,6 Millionen Deutsche sind abhängig von diesen verschreibungspflichtigen Medikamenten. Bereits in den 1950er-Jahren kam der bekannteste Vertreter auf den Markt: Der Wirkstoff Diazepam unter dem Handelsnamen Valium. Um die Nebenwirkungen der hochwirksamen Substanz zu reduzieren und das Suchtrisiko zu verringern, wurden bis heute zahlreiche weitere Benzodiazepine entwickelt.

Im Überblick:

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Liste der wichtigsten Benzodiazepine

Zu den gängigsten Wirkstoffen unter den Benzodiazepinen gehören:

  • Alprazolam
  • Bromazepam
  • Brotizolam
  • Chlordiazepoxid
  • Clobazam
  • Clonazepam
  • Diazepam
  • Dikaliumclorazepat
  • Flunitrazepam
  • Flurazepam
  • Lorazepam
  • Lormetazepam
  • Medazepam
  • Midazolam
  • Nitrazepam
  • Oxazepam
  • Prazepam
  • Temazepam
  • Triazolam

Benzodiazepine: Wirkung auf Körper und Geist

Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Psychopharmaka, wirken also über das Gehirn auf die Psyche. Benzodiazepine beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn und die Botenstoffe (Neurotransmitter). Andockstellen (Rezeptoren) für Benzodiazepine gibt es jedoch nicht nur im Gehirn, sondern auch im Rückenmark und vielen Organen. Benzodiazepine wirken also im gesamten Zentralnervensystem.

Sie verändern die Aktivität des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Amino-Buttersäure (Gaba). Das beeinflusst wiederum die Hormone Noradrenalin, Acetylcholin und Serotonin. Dadurch wirken Benzodiazepine sowohl körperlich als auch psychisch. Die körperlichen Wirkungen von Benzodiazepinen sind krampflösend und muskelentspannend.

Psychische Wirkungen der Benzodiazepine:

  • angstlösend
  • beruhigend
  • schlaffördernd
  • stimmungsaufhellend bis euphorisierend
  • aggressionsdämpfend

Je nach Substanz steht dabei die eine oder andere Wirkung im Vordergrund. Dementsprechend werden Benzodiazepine bei folgenden Erkrankungen verordnet:

Außerdem werden Benzodiazepine häufig vor einer Operation gegeben, um die Aufregung zu reduzieren.

Nebenwirkungen und Abbau-Dauer von Benzodiazepinen

Wie jedes hochwirksame Medikament verfügen Benzodiazepine über eine Reihe von Nebenwirkungen. Die häufigsten sind:

  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Verlust der Libido
  • Benommenheit
  • Müdigkeit
  • Muskelschwäche
  • Beeinträchtigung der Reaktionszeit: Vor allem zu Beginn der Behandlung sollte man nicht Auto fahren sowie anderen Umgang mit Maschinen und schwerem Gerät unterlassen, um Unfälle zu vermeiden.

Bei älteren Menschen können sich als Nebenwirkung auch Verwirrtheit und Aufregung einstellen. Zusätzlich steigt in dieser Altersgruppe das Sturzrisiko unter der Einnahme von Benzodiazepinen.

Wichtig zu wissen ist zudem, dass Benzodiazepine eine sehr lange Halbwertszeit haben. Das heißt, die Medikamente werden im Körper nur sehr langsam abgebaut. Je nach Wirkstoff kann die Substanz erst nach mehreren Tagen vollständig aus dem Organismus verschwunden sein. Wenn regelmäßig Benzodiazepine eingenommen werden, kann es also zu einer Anreicherung kommen.


Benzodiazepine und Alkohol: Gefährliche Mischung

Grundsätzlich dürfen die Psychopharmaka nur nach ärztlicher Absprache angewendet werden. Benzodiazepine sollten außerdem niemals zusammen mit Alkohol, Heroin oder Methadon eingenommen werden. Alkohol und die genannten Suchtmittel verstärken die Wirkung der Tabletten. Lebensgefährliche Nebenwirkungen wie etwa eine Atemlähmung können sich entwickeln.

Kontraindikationen: Wer Benzodiazepine nicht einnehmen sollte

Grundsätzlich sollten Benzodiazepine nicht in der Schwangerschaft, bei Engwinkelglaukom (einer speziellen Art des grünen Stars) und bei zurückliegendem Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch eingenommen werden.

Benzodiazepine und Sucht: Abhängigkeit ist häufig

Eine besonders dramatische Nebenwirkung bei der Langzeitbehandlung mit Benzodiazepinen ist die Sucht. Medikamentenabhängigkeit ist kein Problem einer Randgruppe, sondern betrifft mehr als eine Million Menschen in Deutschland, vor allem Frauen. Diese Zahl stützt sich auf Daten der auf Kassenrezept verordneten Benzodiazepine. Die Dunkelziffer der Privatrezepte ist nicht bekannt.

Studien haben gezeigt, dass bei Benzodiazepinen bereits nach ein bis vier Wochen körperliche oder psychische Abhängigkeit droht. Kurzfristige Anwendung ist zwar bei vielen Erkrankungen sinnvoll, etwa bei einem Epilepsieanfall oder einer Angststörung, der Dauerkonsum ist jedoch gefährlich. Die Wirkung der Tabletten schwächt sich nach und nach ab, manche Menschen nehmen dann immer mehr davon ein. Weitere Anzeichen der Benzodiazepin-Sucht sind:

  • Veränderung der Persönlichkeit
  • massive Stimmungsschwankungen
  • Alltagsaufgaben können kaum noch bewältigt werden
  • Muskelschwäche

Entzugserscheinungen beim Absetzen von Benzodiazepinen

Doch wie sollten Benzodiazepine abgesetzt werden? Wird die Einnahme vom einen auf den anderen Tag beendet, treten Entzugserscheinungen auf. Dies ist sogar dann möglich, wenn das Medikament nur in geringer Dosierung angewendet wurde, jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Entzugssymptome reichen von Schlafstörungen und Zittern bis hin zu Übelkeit und Panikattacken.

Benzodiazepine sollten deshalb immer nur unter ärztlicher Aufsicht und streng nach seiner Anweisung ausgeschlichen werden. Das bedeutet, die Dosis wird nach und nach reduziert, damit sich Körper und Psyche wieder daran gewöhnen, ohne die Substanz auszukommen.

"Benzos", "Dias", "Flunies": Benzodiazepine als Drogen

Wegen ihrer angstlösenden und entspannenden Wirkung werden Benzodiazepine auch als Droge missbraucht. Im Szenejargon heißen sie je nach Wirksubstanz "Benzos", "Dias" oder "Flunies". Sie werden als hochdosierte Tabletten eingenommen, ihr Pulver geschnupft oder aufgelöst und intravenös gespritzt. Wegen der hohen Dosis tritt leicht eine Abhängigkeit ein. Zusätzlich werden Benzodiazepine wegen ihrer entspannenden Wirkung auch als K.o.-Tropfen missbraucht.

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