Schmerzsyndrom

Morbus Sudeck (CRPS): Anhaltende Schmerzen nach Verletzungen

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Morbus Sudeck ist ein Schmerzsyndrom, das nach einem Unfall oder einer Operation häufig an Hand oder Fuß auftritt. Der neuere Name ist komplexes regionales Schmerzsyndrom (Complex Regional Pain Syndrome, kurz CRPS). Alles zu Symptomen, Heilungschancen und der Behandlung, lesen Sie hier.

Frau leidet an Morbus Sudeck am Handgelenk.
© Getty Images/Anupong Thongchan / EyeEm

Der deutsche Chirurg Paul Sudeck beschrieb die Erkrankung als Erster zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Begriff Morbus Sudeck gilt heute als veraltet, die neuere Bezeichnung ist Complex Regional Pain Syndrome (CRPS). Übersetzt bedeutet dies "komplexes regionales Schmerzsyndrom". Andere Synonyme sind Sudecksche Krankheit, Sudeck-Dystrophie, Sudeck-Syndrom, Algodysthrophie, Neurodystrophie oder Sympathische Reflexdystrophie.

Schätzungsweise zwei bis fünf Prozent der Betroffenen von Verletzungen von Verletzungen der Extremitäten entwickeln danach komplexe regionale Schmerzsyndrome. Fachleute gehen davon aus, dass sie sich bei mehr als 50 Prozent weitgehend zurückentwickeln. Doch vor allem bei zu später und falscher Therapie kann das CRPS chronisch werden und schwere Behinderungen nach sich ziehen. Frauen sind öfter betroffen als Männer. Auch Kinder können an Morbus Sudeck erkranken. Am häufigsten tritt das CRPS zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auf.

Im Überblick:

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Was ist Morbus Sudeck?

Morbus Sudeck ist ein posttraumatisches Schmerzsyndrom. Kennzeichnend ist, dass die Schmerzen nach der Heilung der Wunde, eines Knochenbruchs oder eines anderen Traumas, nicht wieder verschwinden, sondern dauerhaft anhalten oder sich gar verstärken.

Menschen mit Morbus Sudeck verspüren starke, dauerhafte Schmerzen, meist in der Hand oder dem Fuß. Es können auch mehrere Gliedmaßen betroffen sein. Gemessen an dem Heilungsverlauf sind die Schmerzen aber unangemessen stark und auch nicht durch die ursprüngliche Verletzung erklärbar. Sie betreffen nicht die verletzte Stelle selbst, sondern sind rund um die betroffene Region zu spüren. Zudem ist die Beweglichkeit der betroffenen Hand oder des Fußes eingeschränkt.

Fachleute unterscheiden zwei Formen des Morbus Sudeck:

  • Das CRPS I ist mit rund 90 Prozent die weitaus häufigste Form. Hier hat der Unfall oder die Operation keine Nerven verletzt.

  • Anders beim CRPS II: Diese Patient*innen leiden unter einer Nervenschädigung. Diese Form kommt viel seltener vor.

Morbus Sudeck: Symptome

Charakteristisch für Morbus Sudeck sind Schmerzen in den Extremitäten, meistens in einer Hand oder einem Fuß. Auch mehrere Gliedmaßen können betroffen sein. Die Schmerzen treten in Ruhe und bei Belastung auf. Betroffene beschreiben den Schmerz als brennend oder stechend, wie Messerstiche. Die Schmerzen entwickeln sich einige Zeit nach einer Verletzung, sind im Verhältnis zur ursprünglichen Verletzung zu stark und nicht durch diese erklärbar. Sie betreffen nicht nur die verletzte Stelle selbst, sondern die Betroffenen lokalisieren sie außerhalb dieses Bereichs.

Dazu kommen folgende Morbus Sudeck-Symptome:

  • Schwellung

  • Verstärktes Wachstum der Haare und Nägel – im chronischen Stadium kehrt sich dieses ins Gegenteil um

  • Veränderung der Hautdurchblutung, Temperatur und Hautfarbe

  • Sensibilitätsstörungen, wie ein Kribbeln, Ameisenlaufen

  • Überempfindlichkeit der Haut auf mechanische Reize, Wärme und Kälte – schon leichte Berührung wird oft als schmerzhaft empfunden

  • Gestörte Feinmotorik, zum Beispiel beim Greifen

  • Weniger Kraft in den Händen oder Füßen

  • Seltener kommen Muskelzittern (Tremor), Muskelzuckungen (Myoklonie) oder Verkrampfungen vor

  • Vermehrtes Schwitzen im betroffenen Bereich

  • Wassereinlagerungen in der Haut (Ödeme)

Auch sind Veränderungen im Bindegewebe, an Muskeln (Muskelabbau) und Knochen möglich. Ohne Behandlung entwickeln sich schnell Einschränkungen der Beweglichkeit und der Gelenkfunktion. Im schlimmsten Fall verlieren die Gliedmaße ihre Funktion komplett, weil die Gelenke versteifen und die Haut, Sehnen und Muskeln schrumpfen.

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Diagnose von Morbus Sudeck

Entscheidend für die Diagnose sind neben der Anamnese die orthopädische und neurologische Untersuchung.

Durch zusätzliche Untersuchungen schließen Ärzt*innen Krankheiten aus, die ein CRPS vortäuschen können. Dazu gehören unter anderem rheumatische Erkrankungen, eine Thrombose oder Arthrose.

Um die Diagnose zu stützen, kommen folgende Untersuchungsmethoden infrage:

Steht die CRPS-Diagnose, sollten sich Betroffene immer von erfahrenen Spezialist*innen behandeln lassen.


Morbus-Sudeck: Behandlung mit vielen Strategien

Die Therapie bei Morbus Sudeck ist umso erfolgreicher, je früher sie beginnt. Dabei handelt es sich um eine multimodale Schmerztherapie, bei der verschiedene Methoden aus unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Die Behandlung setzt an den Schmerzen und anderen Begleiterscheinungen wie dem Ödem, der psychischen Belastung und dem drohenden Funktionsverlust der betroffenen Gliedmaße an.

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Wenn der Erfolg stagniert oder die Beschwerden sogar zunehmen, ist es ratsam, in der Klinik eine multimodale Schmerztherapie zu beginnen, die mehrere Behandlungsansätze kombiniert. Betroffene mit Morbus Sudeck, die zunehmend bewegungsunfähig werden, sollten ebenfalls stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Medikamente gegen Entzündungen und Schmerzen

Eingesetzt werden Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen, welche die Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und den Knochenabbau verhindern sollen. Dazu gehören:

  • Schmerzmittel (Analgetika) und Medikamente gegen Nervenschmerzen (Antineuropathika): Sie werden nach dem weltweit anerkannten Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabreicht. Je nach Schmerzstärke kommen Paracetamol, Ibuprofen, aber auch schwache und starke Opioide zum Einsatz. Ketamin und Gabapentin wirken gegen brennende Nervenschmerzen.

  • Bisphosphonate: Sie hemmen die Aktivität von knochenabbauenden Zellen, den Osteoklasten. Beispiele sind Alendronat, Pamidronat und Clodronat

  • Steroide: Sie wirken Entzündungen und Ödemen entgegen. Ein Beispiel ist Prednisolon.

  • Dimethylsulfoxid (DMSO) wird lokal gegen Hautreizungen angewendet.

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Physiotherapie zur besseren Beweglichkeit

Bei der Physiotherapie wird versucht, krankhafte Bewegungsmuster aufzudecken und diese zu korrigieren. So hilft sie Betroffenen wieder beweglicher zu werden und die Funktion der Gliedmaße zu verbessern. Wichtig ist es, die erkrankte Extremität trotz Schmerzen zu bewegen. Physiotherapeutische Maßnahmen sind unter anderem:

  • Ruhigstellung der Gliedmaße
  • Lymphdrainage gegen Ödeme
  • Kältebehandlung (milde Kühlung mit Umschlägen)
  • Elektrotherapie (TENS)
  • Massagen
  • Krankengymnastik, Belastungsübungen
  • Gangschulung

Ergotherapie trainiert die Feinmotorik

Ergotherapie soll bei Morbus Sudeck die Sensibilität wiederherstellen und die Alltagsfunktion der Extremität gewährleisten. Am Anfang gewöhnen Ergotherapeut*innen die erkrankten Gliedmaßen wieder vorsichtig an Berührung. Außerdem üben Betroffene schmerzfreie Bewegungen ein und trainieren ihre Feinmotorik.

Psychotherapie löst Blockaden

Viele Patient*innen mit Morbus Sudeck haben mit Ängsten, Depressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl zu kämpfen. Die Psychotherapie ist deshalb ein wesentlicher Therapiebestandteil. Eingesetzt werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen, zum Beispiel Spiegeltherapie, Bewegungslernen oder abgestufte Schmerzexposition, mit der die Angst vor dem Schmerz und damit vor der Bewegung abgebaut wird. Auch Entspannungstechniken und das Erlernen einer angemessenen Belastung und Entlastung zählen dazu.

Interventionelle Therapie gegen Schmerzen

Die interventionelle Therapie umfasst spezielle Eingriffe, die Schmerzen und Muskelverspannungen lindern sollen. Nur ausgebildetes Personal soll diese durchführen, weil es in Einzelfällen zu bedrohlichen Komplikationen kommen kann.

Mögliche Therapien sind:

  • Blockade des Symphatikus mit ​lokalen Betäubungsmitteln
  • Elektrische Stimulation des Rückenmarks
  • Einbringen von Baclofen zur Muskelentspannung in den Kanal des Rückenmarks

Verlauf bei Morbus Sudeck: Wie lange dauert die Heilung?

Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Vor allem bei Kindern hat das CRPS eine gute Prognose. Der Krankheitsverlauf bei Menschen mit Morbus Sudeck ist individuell sehr unterschiedlich. Schätzungen zufolge heilen die Beschwerden bei mehr als 50 Prozent weitgehend innerhalb eines Jahres aus.

Bei einigen Betroffenen bleiben aber Schmerzen bestehen oder der Morbus Sudeck flammt in unregelmäßigen Abständen wieder auf. Vielen Patient*innen gelingt es aber mit den richtigen Therapien, ihre Symptome zu kontrollieren und ihren Alltag bei guter Lebensqualität zu bestreiten – auch wenn das CRPS nicht mehr vollständig ausheilt.

Beginnt die Therapie zu spät oder wird eine falsche Behandlung ausgewählt, kann das CRPS chronisch werden. Die Krankheit schreitet immer weiter fort und kann Behinderungen zur Folge haben, welche die Lebensqualität erheblich einschränken.

Ursachen von Morbus Sudeck noch unbekannt

Morbus Sudeck entsteht als Folge von Verletzungen, zum Beispiel durch Unfälle mit Prellungen, Quetschungen, Verrenkungen, Verstauchungen oder Knochenbrüchen. Häufig tritt die Erkrankung nach einer distalen Radiusfraktur auf, also einer gebrochenen Speiche nahe dem Handgelenk. Aber auch nach einer Operation kann sich ein CRPS entwickeln. Die Stärke der Verletzung beeinflusst nicht, ob sich ein Morbus Sudeck entwickelt. Manchmal reichen schon kleinere Traumata als Auslöser aus, während größere Verletzungen problemlos abheilen. Auch die Schwere des Morbus Sudeck hängt nicht zwangsläufig mit der Schwere des Traumas zusammen. So können minimale Verletzungen schwere Beschwerden verursachen – und umgekehrt.

Fehlreguliertes vegetatives Nervensystem

Die wesentliche Ursache des Morbus Sudeck vermuten Mediziner in einer Fehlregulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems aufgrund der Verletzung. Die Blutversorgung und Schmerzverarbeitung in den betroffenen Händen oder Füßen ist gestört. Das vegetative Nervensystem ist nicht willentlich beeinflussbar und steuert lebenswichtige Funktionen im Körper, etwa die Atmung, Verdauung, den Herzschlag, Blutdruck oder Stoffwechsel.

Die Rolle der Psyche bei CRPS

Anders als früher angenommen, sind psychische Faktoren nicht die Ursache des Morbus Sudeck. Dennoch finden sich bei manchen Patienten eine erhöhte Ängstlichkeit und Stimmungsschwankungen, verbunden mit einem verminderten Selbstwertgefühl. Die psychischen Schwierigkeiten sind vermutlich eher die Folgen der Belastungen und Schmerzen aufgrund der Krankheit. Wohl aber können kritische Lebensereignisse wie ein Todesfall in der Familie, eine Scheidung oder extremer Stress im Beruf die Therapie und den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Bei Kindern gelten schwierige Familienverhältnisse oder Probleme in der Schule als belastende Faktoren.

Kann man Morbus Sudeck vorbeugen?

Einem CRPS-Syndrom kann man nicht vorbeugen, denn es entsteht in der Folge von Unfällen und Operationen. Die einzige Möglichkeit ist, auf operative Eingriffe zu verzichten, die nicht zwingend nötig sind. Die meisten Operationen sind aber notwendig und medizinisch gerechtfertigt. Nach einer Operation sollten Betroffene versuchen, möglichst schnell wieder mobil im betroffenen Gelenk zu werden. Bei psychischen Erkrankungen und großer Ängstlichkeit besteht ein höheres Risiko, dass sich ein Morbus Sudeck entwickelt.

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