Hartnäckige Sportverletzung

Schambeinentzündung: Wenn es in der Leiste schmerzt

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Von einer Schambeinentzündung sind vor allem sporttreibende Menschen betroffen – häufig junge Männer, sowohl Profis als auch ambitionierte Amateure. Eine Reizung der Schambeinfuge kann sehr langwierig und schmerzhaft sein. Was Sie über Symptome, Therapie und Vorbeugung wissen sollten.

Fußballspieler schießt ein Tor
© Getty Images/Photo and Co

Artikelinhalte im Überblick:

Leistenzerrung: 15 Tipps für eine schnellere Heilung

Was ist eine Schambeinentzündung?

Eine Schambeinentzündung ist eine Entzündungsreaktion der Schambeinfuge, des Schambeinknochens und der angrenzenden Strukturen. In der medizinischen Fachsprache trägt sie verschiedene Namen: zum Beispiel Osteitis pubis, Symphysitis oder Pubalgia.

Vor allem bei Sportler*innen tritt eine Schambeinentzündung häufig auf – etwa beim Fußball, Handball, Basketball, Tennis, Football, Rugby, Eishockey oder bei Laufsportarten. Seltener können auch Ursachen wie Operationen oder Schwangerschaft und Geburt infrage kommen. Bei Sportler*innen liegt die Häufigkeit der Schambeinentzündung bei 0,5 bis sieben Prozent, im Fußballsport bei 18 Prozent. Die betroffenen Personen sind durchschnittlich 25 Jahre alt.

Was ist das Schambein?

Das Schambein (Os pubis) ist ein Knochen, der zusammen mit dem Darmbein und dem Sitzbein das Hüftbein bildet. Am Schambein entspringen wichtige Muskeln – zum Beispiel die Muskulatur des Beckenbodens. Das linke und das rechte Schambein sind über die Schambeinfuge (Symphysis pubica) miteinander verbunden. Dieser Faserknorpel wird meist nur kurz als Symphyse bezeichnet.

Es handelt sich dabei um ein unechtes Gelenk, das minimale Bewegungen des Beckenrings ermöglicht. Obwohl die Symphyse nur ein kleines Verbindungsstück ist, nimmt sie es mit großen Druck- und Zugkräften auf. Eine Überbelastung der Schambeinfuge kann eine Schambeinentzündung zur Folge haben.

Darstellung Schambein
© Getty Images/Shivendu Jauhari

Symptome einer Schambeinentzündung

Die Schambeinentzündung äußert sich durch chronische Leistenschmerzen, die in der Mitte der Leistengegend auftreten. Die Beschwerden können stark sein, sich bei bestimmten Bewegungen verstärken und in andere Regionen der Leistengegend, in die untere Bauchmuskulatur oder in die Muskulatur an der Innenseite der Oberschenkel (Adduktoren) ausstrahlen.

Mögliche Symptome auf einen Blick:

  • Leistenschmerzen
  • Druckschmerz der Symphyse und des Schambeins
  • Schmerz, der in die Leisten- oder Hüftregion, manchmal auch in den Unterbauch, ausstrahlt
  • Schmerzen bei Bewegungen wie Gehen, Treppensteigen, Stehen auf einem Bein, bei Übungen wie Sit-ups und bei Dehnungen
  • Anlaufschmerzen (Schmerzen beim Aufstehen nach längerer Ruhephase)

Ursachen einer Schambeinentzündung

Krankheitsentstehung und Ursachen der Schambeinentzündung sind bisher nicht eindeutig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass eine ständige Fehl- oder Überbelastung der Schambeinfuge durch atypische Krafteinwirkungen für die Schambeinentzündung verantwortlich ist. Dazu kommt es zum Beispiel häufig bei Sportarten mit:

  • vielen kurzen Sprints
  • häufigem Ballschießen
  • abruptem Richtungswechsel

Werden solche Bewegungen im Sport ausgeführt, zerren die Kräfte an den dünnen Ansatzstellen für Bänder und Muskeln – nach einiger Zeit entstehen Mikroverletzungen. Eine chronische Stressreaktion der Schambeinfuge führt letztendlich zu der belastungsinduzierten Schambeinentzündung. Viren oder Bakterien spielen keine Rolle.

Bestimmte Risikofaktoren könnten das Auftreten einer Schambeinentzündung möglicherweise zusätzlich begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Differenzen in den Beinlängen, eine Instabilität im Becken oder eine eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte.


Diagnose der Schambeinentzündung

Eine Schambeinentzündung ist nicht die einzige Erkrankung, die Schmerzen in der Leistenregion verursacht. Daher müssen bei den Patient*innen in einer Differenzialdiagnose andere Ursachen wie Leistenbruch, Sportlerleisten ("weiche Leiste"), Zerrungen wie eine Leistenzerrung, Sehnenreizungen, Muskelverhärtungen oder auch Rheuma ausgeschlossen werden.

Durch eine Kombination aus Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte), klinischer Untersuchung (etwa durch Tests zur Druckempfindlichkeit) und bildgebende Verfahren kann eine Schambeinentzündung festgestellt werden. Folgende bildgebende Verfahren können Ärzte und Ärztinnen zur Abklärung einsetzen:

  • Röntgen
  • Kernspintomografie (MRT)
  • Skelettszintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchungsmethode der Knochen)

Therapie bei Schambeinentzündung

Bisher gibt es noch keine wissenschaftlich medizinische Leitlinie zur Schambeinentzündung, in der Empfehlungen zur Behandlung ausgesprochen werden. Verschiedene therapeutische Ansätze sind denkbar. Welche Behandlungsmethode infrage kommt, richtet sich nach dem individuellen Fall und wird in ärztlicher Beratung festgelegt:

  • Der Verzicht auf Sport und körperliche Schonung, bis die Schambeinentzündung ausheilt.

  • Die Anwendung von Physiotherapie in Form von Dehn- und Kräftigungsübungen sowie Elektro- und Kältetherapien.

  • Gegebenenfalls die Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten.

  • Eine Behandlung mit Kortison und Betäubungsmitteln durch Injektionen an den betroffenen Stellen.

  • Operative Methoden nur als letztes geeignetes Mittel ("Ultima Ratio"), wenn die Entzündung chronisch ist und die konservativen Therapien versagen. Eine Möglichkeit wäre die Kürettage (Abschabung) der Symphyse.

Schambeinentzündung: Verlauf und Prognose

Das Tückische bei einer Schambeinentzündung: Sie entwickelt sich schleichend und bleibt länger unbemerkt, da die Mikroverletzungen anfangs nicht wahrgenommen werden. Wird das Schambein ständig weiter gereizt, setzen irgendwann starke Leistenschmerzen ein, die Betroffene zur Sportpause zwingen.

Die Krankheitsdauer wird oft als sehr langwierig beschrieben: Bis zur Heilung der Schambeinentzündung kann es etwa sechs bis zwölf Wochen dauern. Daher ist die Überlastungsreaktion gerade im Profisport aufgrund der längeren Ausfallzeiten gefürchtet.

Nur schrittweise wird die körperliche Belastung wieder gesteigert. Wann der sogenannte Return-to-Competition-Zeitpunkt (Rückkehr zur vollen Sportfähigkeit) erreicht ist, hängt von den individuellen Faktoren ab. In der Regel können Athlet*innen mit einer auskurierten Schambeinentzündung wieder zu ihrer gewohnten Sportart zurückkehren. Im schlimmsten Fall drohen langfristige Schäden und das Karriereende.

Vorbeugung einer Schambeinentzündung

Profi-Sportler*innen sind durch ihr besonders intensives Training extrem starken Belastungen ausgesetzt. Sie werden umfassend betreut und erhalten alle medizinischen und physiotherapeutischen Möglichkeiten, um Verletzungen vorzubeugen, sie schnell zu erkennen und adäquat zu behandeln. Wer in seiner Freizeit intensiv trainiert, sollte zur Vorbeugung einer Schambeinentzündung selbst einige Tipps beherzigen. Dies gilt auch für den Kinder- und Jugendfußball, da es hier bereits zu ersten Überlastungsschäden kommen kann, die sich später in einem fortgeschrittenen Alter zeigen.

Maßnahmen, um das Risiko einer Schambeinentzündung zu reduzieren:

  • konsequente Durchführung eines angemessenen Aufwärmtrainings

  • Dehnübungen, auch speziell für die Adduktoren

  • Verbesserung der sportlichen Technik zur Vermeidung von Fehlbelastungen

  • Kräftigung von Bauch- und Rumpfmuskulatur

  • Training von weiteren konditionellen Fähigkeiten: Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und nicht nur die reine Ausdauer

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