Akute myeloische Leukämie (AML)

Leukämie wörtlich übersetzt heißt "Weißblütigkeit" und beschreibt die Tatsache, dass im Knochenmark die Zahl der weißen Blutkörperchen, die aus dem Knochenmark freigesetzt werden, gegenüber den roten Zellen deutlich erhöht ist. Das ist das Kennzeichen der akuten myeloischen Leukämie (AML).

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Das übermäßige Vorhandensein weißer Blutkörperchen (Leukozyten) kennzeichnet eine Leukämie.
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Man geht davon aus, dass eine Stammzelle in ihrer Erbinformation verändert ist und einen Klon (Zelle identischer Erbsubstanz) bildet, der sich bösartig vermehrt. Mit dem Begriff "bösartig" werden folgende Zelleigenschaften charakterisiert:

  • Die Zellvermehrung der bösartigen Zellen geschieht unkontrolliert, das heißt, sie wird nicht durch einen echten Bedarf des Körpers gesteuert.

  • Die veränderten Zellen wachsen verdrängend, sie breiten sich auf Kosten der gesunden, unveränderten Zellen im Knochenmark aus.

  • Die veränderten Zellen überschreiten ihre natürlichen Grenzen. Sie erreichen auf dem Blut- oder Lymphweg die Lymphknoten und alle anderen Organe und bilden dort Absiedlungen (Infiltrate), in denen sie sich weiter vermehren.

Die veränderten Zellen bleiben unreif und kommen ihren regulären Aufgaben, also der Abwehr von Infektionen und Entzündungen, nicht nach. Das Vorhandensein solcher unreifer – man sagt auch undifferenzierter – Zellen unterscheidet die akute von der chronischen Leukämie.

Symptome der akuten myeloischen Leukämie

Die Vorgeschichte einer AML ist oft sehr kurz und zunächst unspezifisch. Meist berichten die Patienten von Krankheitszeichen, die denen einer Grippe ähneln, die jedoch nicht nach der üblichen Zeit ausheilt.

Die anfänglich vom Patienten bemerkten Krankheitszeichen einer akuten myeloischen Leukämie (AML) sind eher unspezifisch, meist handelt es sich um Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Müdigkeit und vermehrtes Schwitzen in der Nacht.

Die spezifischen Krankheitszeichen, die eine akute Leukämie verursacht, beruhen auf dem verdrängenden Wachstum funktionsuntüchtiger, unreifer Blutkörperchen (Leukämiezellen) im Knochenmark. Verdrängung bedeutet, dass die reifen, gesunden Blutkörperchen nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet werden. Dies gilt für Blutkörperchen aller drei Gruppen, die aus der Stammzelle entstehen: der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Ein Mangel dieser Blutkörperchen verursacht typische Krankheitszeichen, diese können, müssen jedoch nicht gleichzeitig auftreten:

  • Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) wird Blutarmut oder Anämie genannt. Patienten, die blutarm sind, sind auffällig blass, klagen über Müdigkeit und Schwäche. Da die roten Blutkörperchen für den Transport von Sauerstoff im Blut zuständig sind, wird bei einer Blutarmut der Organismus nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Dieser Zustand führt zu einer Beschleunigung des Herzschlags und einem Gefühl der Kurzatmigkeit. Bei etwa 80 Prozent der Leukämiepatienten liegt eine solche Blutarmut vor.

  • Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) haben eine zentrale Funktion bei der Abwehr von Krankheitserregern. Werden sie nicht mehr in ausreichendem Maße gebildet, so kommt es zu vermehrten Infektionen, vor allem im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Die Schleimhaut des Mundes kann von Pilzen besiedelt sein, erkennbar an weißlichen Belägen. Etwa 40 Prozent der Leukämiepatienten bemerken eine erhöhte Fieberneigung sowie gehäufte Erkältungskrankheiten, Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Solche Erkrankungen können für abwehrgeschwächte Patienten lebensbedrohlich werden. Nicht selten führen Infektionen im Mund oder Rachen über den HNO-Arzt oder Zahnarzt zu weiteren Untersuchungen mit dem Ergebnis einer akuten Leukämie.

  • Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) führt zu Störungen der Blutgerinnung und kommt bei über 80 Prozent der Leukämiepatienten vor. Zeichen einer Gerinnungsstörung sind Blutungen aus scheinbar banalen Anlässen. Normalerweise unerhebliche Verletzungen heilen schlecht oder bluten lange. Dies kann sich in erheblichem Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, verlängerten Regelblutungen bei Frauen oder einem vermehrten Auftreten von blauen Flecken auf der Haut nach leichten Stoßverletzungen äußern. Aber auch ohne erkennbaren Anlass treten Blutungen wie plötzliches Nasenbluten oder kleine, punktförmige Hautblutungen (Petechien) auf. Zusätzlich leiden die Patienten an Geschwüren (schlecht heilenden Hautdefekten) der Schleimhäute, vor allem im Mund, aber auch im Genitalbereich. Blutungen im Bereich der Knochenhaut können zu starken Knochenschmerzen führen.

Darüber hinaus kann es zu weiteren Krankheitszeichen kommen. Diese haben ihre Ursache in einer massenhaften Absiedlung der Leukämiezellen, die in fast allen Organen des Körpers stattfinden kann:

  • Lymphknoten schwellen an und werden tastbar oder sichtbar. Dies betrifft vor allem Kinder. Große Pakete von geschwollenen Lymphknoten können andere Organe bedrängen und in ihrer Funktion beeinträchtigen. Ein Lymphknotenbefall im Bereich des Mittelfells (zwischen den Lungenflügeln) kann beispielsweise Heiserkeit, Luftnot oder Schluckstörungen auslösen. Die Leber und die Milz können stark anschwellen und Bauchschmerzen verursachen.

  • Ein Befall der Gehirnhäute kann verschiedene neurologische oder psychische Krankheitszeichen auslösen. Diese können sich unter anderem in Form von Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Sinnesstörungen äußern.

  • Das Zahnfleisch schwillt an und auch in der Haut können Absiedlungen von Leukämiezellen als kleine Verdickungen bemerkt werden.

AML-Ursachen: Warum erkranken Menschen an Leukämie?

Eindeutige Ursachen für das Auftreten einer AML können nicht festgestellt werden, jedoch kann man eine Reihe von Faktoren nennen, die offensichtlich das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Erbliche Faktoren

Das Vorliegen bestimmter Erkrankungen der Erbanlagen. Patienten mit einer Trisomie 21 (Down-Syndrom, Mongolismus) haben ein erhöhtes Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken. Ebenfalls ist dieses Risiko erhöht bei Menschen mit der Fanconi-Anämie, einer erblichen Blutzellarmut, die mit Skelettveränderungen einhergeht sowie beim Bloom-Syndrom, einer ebenfalls angeborenen Erkrankung mit verschiedenen Fehlbildungen an Skelett und Haut.

Strahlung

Radioaktive Strahlung kann das Leukämierisiko erhöhen. In großem Umfang wurde dies bei den Überlebenden der Atomexplosionen von Nagasaki und Hiroshima festgestellt. Während es sich in diesen Situationen um eine extrem hohe Strahlenbelastung handelte, fällt die Abschätzung des Leukämierisikos durch niedrige Strahlenbelastung deutlich schwerer. So konnten bisher keine sicheren Zusammenhänge zwischen einer erhöhten Leukämierate bei Arbeitern in Atomkraftwerken oder Anwohnern in der näheren Umgebung solcher Reaktoren nachgewiesen werden. Auch für die Anwendung von Röntgenstrahlen zu Untersuchungszwecken konnte trotz sorgfältiger Untersuchungen kein solcher Zusammenhang bewiesen werden.

Chemische Auslöser

Eine hohe Arbeitsplatz- oder Umweltbelastung mit bekannten Krebs auslösenden Substanzen wie Benzol kann das Leukämierisiko erhöhen. Leider gilt dasselbe auch für eine Behandlung einer Krebserkrankung mit bestimmten Chemotherapeutika aus der Gruppe der Alkylanzien. Der Preis für die Chance, eine Krebsart zu besiegen, ist hier möglicherweise das erhöhte Risiko, an einer anderen Krebsart, der Leukämie, zu erkranken.

Zigarettenrauchen

Das "British Journal of Cancer" veröffentlichte im Dezember 1999 eine Untersuchung, in der eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass Menschen, die irgendwann in ihrem Leben einmal eine längere Zeit (etwa zehn Jahre lang) regelmäßig geraucht hatten, ein erhöhtes Leukämierisiko aufweisen. Durch Rauchverzicht kann dieses Risiko auch wieder gemindert werden. Nach einer Nikotinabstinenz von ebenfalls zehn Jahren liegt das Risiko, an einer akuten Leukämie zu erkranken, gleich hoch wie bei Menschen, die niemals in ihrem Leben geraucht haben.

Diagnose der akuten myeloischen Leukämie

Die Untersuchungen, die beim Verdacht auf das Vorliegen einer akuten myeloischen Leukämie (AML) durchgeführt werden, haben zwei Ziele. Zum einen soll die Art der Erkrankung sicher bestimmt oder eine Erkrankung ausgeschlossen werden. Gleichzeitig muss auch ermittelt werden, ob und wie die Behandlung im Falle einer Leukämie bei dem Patienten durchgeführt werden kann.

Die Untersuchung beginnt bei einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) mit der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), bei der der Arzt sich den bisherigen Krankheitsverlauf vom Patienten oder seinen Angehörigen schildern lässt. Insbesondere werden hierbei auch Begleiterkrankungen, das Vorliegen von bösartigen Erkrankungen in der Familie und eine mögliche berufliche Belastung mit krebserregenden Substanzen erfragt.

Die körperliche Untersuchung

In der anschließenden körperlichen Untersuchung verschafft sich der Arzt zunächst einen Überblick über allgemeine Krankheitszeichen, wobei speziell folgende Untersuchungen und Befunde auf eine Leukämie hindeuten können:

Die Betrachtung der Haut auf ihre Farbe, Blässe oder Zeichen von Hautblutungen gibt Hinweise auf eine mögliche Bluterkrankung.

Die Untersuchung der Schleimhäute von Mund oder Genitalbereich kann Geschwüre, Blutungen oder eine Pilzbesiedlung aufdecken.

Bei der Tastuntersuchung der Bauchorgane durch die Bauchdecke können eine Leber- oder Milzvergrößerung auffallen.

Bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes können Blutungen oder Absiedlungen größerer Krebszellmengen gesehen werden.

Eine Untersuchung des Nervensystems kann Hinweise auf einen Gehirnbefall durch Leukämiezellen oder auf Blutungen im Bereich der Hirnhäute ergeben.

Auch nach vergrößerten Lymphknoten wird an typischen Stellen (Halsregion, Leistenbeuge) getastet, solche sind jedoch bei der akuten myeloischen Leukämie nur selten vorhanden.

Laboruntersuchungen

Verschiedene Laboruntersuchungen dienen dem Nachweis von Leukämiezellen und der Bestimmung ihres Typs. Andere Untersuchungen sollen zeigen, welche Begleiterkrankungen an anderen Organen durch die Leukämie verursacht wurden.

  • In jedem Fall wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei lassen sich sowohl die Anzahl als auch die Zusammensetzung der Blutkörperchen feststellen. Eine mikroskopische Betrachtung der Blutkörperchen gibt weiteren Aufschluss beispielsweise über das Vorhandensein von unreifen, veränderten weißen Blutkörperchen im zirkulierenden Blut. Solch eine Untersuchung wird immer durch einen erfahrenen Untersucher vorgenommen, der sich die Zellen unter dem Mikroskop genau ansieht und ihre Veränderungen erfasst.

  • Immer unerlässlich zur sicheren Feststellung einer Leukämie ist die Entnahme von Knochenmark (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark). Dies ist deshalb notwendig, weil das Knochenmark der Ausgangsort der bösartig veränderten Blutkörperchen ist. Hierzu wird mit einer Hohlnadel eine kleine Menge Knochenmark aus der Spitze des Beckenkamms entnommen, das ist der Knochenrand, der an der Hüfte oberhalb der Gesäßmuskeln getastet werden kann. Die Entnahmestelle, erkennbar auch an dem Grübchen in der Haut, wird zuvor betäubt, so dass der Einstich selbst nicht schmerzhaft ist. Lediglich das Ansaugen der Knochenmarksprobe kann einen kurzen, ziehenden Schmerz verursachen. Auch aus dem Brustbein, welches an der mittleren Vorderwand des Brustkorbes direkt unter der Haut zu tasten ist, kann eine Knochenmarksprobe entnommen werden. Die Leukämiezellen aus dem Knochenmark werden heutzutage sehr aufwändig untersucht: Veränderungen, die die Erbinformation dieser Zellen oder ihre speziellen immunologischen Eigenschaften betreffen, sind für die Planung der Behandlung sehr wichtig und müssen auf jeden Fall in spezialisierten Laboren abgeklärt werden.

  • Eine Entnahme von Liquor (Gehirnwasser) wird bei bestimmten Untergruppen der akuten myeloischen Leukämie zum Nachweis einer Absiedlung von Leukämiezellen im zentralen Nervensystem durchgeführt. Dieser Liquor wird durch Punktion der Rückenmarkshüllen gewonnen. Der Einstich wird mit einer dünnen Nadel nach örtlicher Betäubung zwischen zwei Lendenwirbelkörpern durchgeführt und ist nahezu schmerzlos.

  • Weitere Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf zahlreiche Organbeteiligungen der Leukämie, zum Beispiel bei einem Leberbefall geben. Auch Entzündungszeichen, die durch Infektionen aufgrund der Abwehrschwäche in zahlreichen Organen entstehen, können hierbei gefunden werden.

  • Um Begleiterkrankungen, vor allem Infektionen gezielt behandeln zu können, werden Abstriche von Haut und Schleimhäuten sowie Stuhlproben, Urinproben und Proben von Sputum (Auswurf bei Husten) zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen.

Apparative Untersuchungen

Apparative Untersuchungen dienen der Feststellung der Ausbreitung der Erkrankung und der Abklärung eines möglichen Organbefalls durch Absiedlungen von Leukämiezellen:

  • Mit einer Ultraschall-Untersuchung des Oberbauches können Leber- oder Milzvergrößerungen festgestellt oder große Lymphknotenpakete im Bauchraum aufgefunden werden.

  • Ein Computertomogramm des Schädels kann einen Gehirnbefall nachweisen.

  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbes zeigen Lymphknotenschwellungen oder auch eine Lungenentzündung, die durch die Abwehrschwäche entstanden ist.

  • Ein EKG ermöglicht eine Beurteilung der Herzfunktion. Einige Medikamente der Chemotherapie haben eine herzschädigende Wirkung. Man sollte also vor Beginn der Behandlung feststellen, ob bereits eine Einschränkung der Herzleistung besteht, kann einen möglichen Schaden der Chemotherapie absehen und diesem gegebenenfalls vorbeugen oder ihn entsprechend behandeln.

Weitere Untersuchungen bei Verdacht auf AML

Nicht zuletzt müssen verschiedene Untersuchungen deshalb durchgeführt werden, weil die Behandlung einer Leukämie mit zahlreichen Risiken verbunden ist:

  • Bei älteren Menschen wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiogramm) durchgeführt, da einige Chemotherapeutika herzschädigende Wirkung haben.

  • Eine Blutgruppenbestimmung muss erfolgen, um durch die Erkrankung oder ihre Behandlung verminderten Blutkörperchen ersetzen zu können.

  • Bei Patienten bis zum Alter von etwa 60 Jahren müssen auch die Gewebeverträglichkeitsmerkmale auf gesunden weißen Blutkörperchen untersucht werden, um gegebenenfalls einen passenden Stammzellspender für eine Transplantation von Blutstammzellen finden zu können.

  • Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft vor Beginn der Leukämiebehandlung durch einen Schwangerschaftstest sicher ausgeschlossen werden, da die Behandlung mit einem Missbildungsrisiko für das ungeborene Kind einhergeht. Allerdings gibt es zahlreiche Berichte, dass im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Chemotherapie ohne Schäden für das ungeborene Kind durchführbar ist.

Therapieoptionen: Die Behandlung bei akuter myeloischer Leukämie

Die wesentliche Maßnahme in der AML-Behandlung ist die Chemotherapie mit verschiedenen Substanzen, die in mehreren Phasen (Zyklen) verabreicht werden.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Wird sie festgestellt, sollte umgehend mit der Behandlung begonnen werden.

Da die Behandlung mit einer (weiteren) Schwächung des Immunsystems und der noch verbliebenen normalen Knochenmarkfunktion einhergehen wird, müssen zuvor mögliche Entzündungsherde aufgespürt und behandelt werden. Dies gilt insbesondere für die Schleimhautbereiche der Mundhöhle und der Nasennebenhöhlen, die Zähne, die Lunge sowie die Genitalorgane und den Darmausgang.

Chemotherapie

Die Chemotherapie in der Behandlung von Leukämie- und Krebserkrankungen zielt darauf ab, Zellen mit unkontrollierter Teilungstendenz, wie dies Leukämiezellen sind, abzutöten, sie in ihrer Vermehrung zu bremsen oder zu stoppen. Die Chemotherapie zerstört niemals nur die bösartigen Zellen, immer wird auch dosisabhängig die Erneuerung gesunder Zellen behindert. Dies betrifft vor allem die Körperzellen, die sich besonders schnell erneuern, besonders im Bereich der Haarwurzeln, der Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts sowie des Knochenmarks. Das Knochenmark ist Bildungsort der Blutkörperchen und Abwehrzellen des Immunsystems. Die Aufrechterhaltung dieser lebenswichtigen Zellneubildung begrenzt damit das Ausmaß des Einsatzes von Chemotherapie-Medikamenten in der Standarddosierung. Mit der Stammzelltransplantation können wesentlich höhere Dosierungen verwendet werden, weil die gestörte Produktion von Blutkörperchen im Knochenmark wieder ausgeglichen werden kann.

Meistens kommt eine Kombination aus mehreren Medikamenten zur Anwendung, man spricht dann von einer Polychemotherapie.

Ziel der Chemotherapiebehandlung ist die sogenannte Vollremission. Eine Vollremission liegt dann vor, wenn der Anteil der Blasten (der unreifen weißen Blutkörperchen) an der Gesamtzellzahl im Knochenmark unter fünf Prozent beträgt und somit nicht mehr von der normalen Blastenanzahl unterschieden werden kann. Solch eine Remission ist jedoch nicht mit einer Heilung gleichzusetzen, da Leukämiezellen überleben können, die sich weiter vermehren und nach einiger Zeit zu einem erneuten Krankheitsschub führen, man nennt diesen Rezidiv. Aus diesem Grund muss die Chemotherapie auch nach Erreichen der Remission fortgesetzt oder wiederholt werden. Meist werden die Medikamente in bestimmten Phasen (Zyklen) in großen Dosen verabreicht, zwischen den Zyklen werden immer wieder Erholungsphasen eingelegt. Obwohl von manchen Kliniken noch empfohlen, ist eine Erhaltungstherapie, in der nur eine geringe Medikamentendosis zum Einsatz kommt, nicht effektiv. Viele Leukämiespezialisten haben diese Behandlung daher verlassen und wenden vier bis sechs Behandlungszyklen über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten an.

Die Verabreichung der chemotherapeutischen Medikamente erfolgt hauptsächlich auf folgendem Weg: Die Patienten erhalten zu Beginn der Behandlung einen zentralen Venenkatheter. Dies ist ein feiner Schlauch, der in Narkose oder örtlicher Betäubung in eine große Halsvene eingeführt wird und von dort aus bis in den rechten Vorhof des Herzens reicht (deshalb "zentral"). Solch ein Katheter hat den Vorteil, dass über ihn auch große Mengen von Medikamenten, Infusionslösungen oder Bluttransfusionen zugeführt werden können, ohne dass dafür jedes Mal in eine Vene gestochen werden muss. Außerdem ermöglicht er Blutentnahmen für Laboruntersuchungen ebenfalls ohne Einstiche.

Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation wird seit etwa 30 Jahren zunehmend in der Leukämie- und Krebsbehandlung eingesetzt und hat vor allem bei der Leukämiebehandlung die Heilungschancen deutlich verbessert. Zur Abtötung der bösartigen Zellen wird der Patient einer Ganzkörperbestrahlung und/oder einer sehr hoch dosierten Chemotherapie unterzogen. Anschließend erhält er gespendete, gesunde Stammzellen und kann so von der Leukämie geheilt werden. Ein zusätzlicher gewünschter Behandlungseffekt besteht darin, dass sich die übertragenen Abwehrzellen aus den Spenderstammzellen gezielt gegen noch verbliebene Leukämiezellen des Empfängers richten und diese vernichten können. Dieser Immuneffektist eine sogenannte zelluläre Immuntherapie, die Fachleute sprechen von einem "Graft versus Leukemia Effect (GvL)", der zur Behandlung ausgenützt wird.

Bestrahlung

Grundsätzlich sind die unreifen Blutzellen, die bei der Leukämie gebildet werden, durchaus strahlenempfindlich. Die Schwierigkeit einer Bestrahlungsbehandlung liegt jedoch darin, dass diese Zellen sich ja nicht, wie bei einer einzelnen Krebsgeschwulst, an einer Körperstelle, sondern an jedem Ort des Körpers befinden können. Eine Bestrahlung kommt deshalb nur unter folgenden Voraussetzungen zum Einsatz:

  • Zur Behandlung größerer Leukämiezellabsiedlungen an den Hirnhäuten kann der Schädel bestrahlt werden. Dies ist erforderlich, weil die intravenös verabreichten Zytostatika dort nicht ausreichend wirken.
     
  • Der gesamte Körper wird mit Strahlendosen behandelt, die das Knochenmark, Immunsystem und bösartige Zellen unterdrücken. Die Dosis ist wegen der Nebenwirkungen auf Lunge und Magen-Darm-Trakt auf zwölf Gray (Maßeinheit für Strahlendosen) limitiert. Dies führt unweigerlich zu einer völligen Zerstörung sämtlicher Knochenmarkzellen (Stammzellen) und ist nur dann möglich, wenn sofort nach der Bestrahlung gesunde Stammzellen zur Transplantation zur Verfügung stehen.

Begleitende Behandlungsmaßnahmen

Sowohl die Leukämie selbst als auch die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie machen eine Reihe von begleitenden Behandlungsmaßnahmen erforderlich:

  • Infektionen, die durch den Mangel an reifen Abwehrzellen (Granulozyten) häufig auftreten, müssen gezielt mit Antibiotika behandelt werden, wenn es gelingt, den Erreger zu identifizieren. Gezielt bedeutet, dass die jeweiligen Krankheitserreger durch Abstriche von Entzündungssekreten oder Blutkulturen mikrobiologisch ermittelt und ihre jeweilige Empfindlichkeit auf verschiedene Antibiotika festgestellt werden muss. Auch Fieber allein ohne weitere Entzündungszeichen in der Phase ohne Granulozyten spricht für eine bakterielle Infektion, sodass auch dann eine sofortige antibiotische Behandlung nötig ist.

  • Es ist heute Standard, mit Wachstumsfaktoren der Blutbildung (G-CSF oder GM-CSF) die Neubildung der weißen Blutkörperchen nach der Chemotherapie zu beschleunigen, um so die Dauer des Krankenhausaufenthaltes zu verkürzen. Die frühere Vermutung, dass dadurch die Zellen der akuten myeloischen Leukämie im Körper zu neuer Vermehrung angeregt werden, hat sich nicht bestätigt.

  • Die Übelkeit, die teilweise durch die Medikamente, aber auch durch leukämiebedingte Schleimhautgeschwüre verursacht wird, kann durch wirksame Medikamente in erträglichen Grenzen gehalten werden.

  • Geschwüre, also schlecht heilende Hautdefekte der Mundschleimhaut oder auch im Genitalbereich, werden durch Spülen oder Bestreichen mit entzündungshemmenden Lösungen behandelt.

  • Gegen die Schmerzen, die durch Absiedlungen großer Mengen von Leukämiezellen oder aber auch durch Blutungen im Bereich der Knochenhaut entstehen, können wirksame Schmerzmittel verabreicht werden.

  • Durch Bluttransfusionen (Gabe von Spenderblut) kann ein Mangel an roten Blutkörperchen oder auch Blutplättchen ausgeglichen werden.

AML vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil?

Nur wenige Ursachen gelten als gesichert für das Auftreten einer akuten myeloischen Leukämie (AML). Entsprechend schwierig ist es, echte Maßnahmen zum Vorbeugen abzuleiten.

Krebs: Die größten Risikofaktoren

 

Als gesichert gilt der Zusammenhang zwischen einer hohen Strahlenbelastung und dem Auftreten von Leukämien, auch einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL). Dabei sind hohe Strahlenbelastungen solche, wie sie durch die Atombombenexplosionen in Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs verursacht wurden. In jedem Fall wurden daraus umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen für Menschen abgeleitet, die beruflich mit ionisierender Strahlung in Kontakt kommen können wie beispielsweise Arbeiter in Kernkraftwerken.

Für Anwohner in der Nähe von Atomkraftwerken können bislang keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen formuliert werden, da ein Zusammenhang mit einer erhöhten Leukämierate im Umkreis solcher Kraftwerke bislang nicht gesichert werden konnte.

Der Einsatz von Röntgenstrahlen zur Untersuchung gilt nicht als Leukämie auslösend. Trotzdem gilt aus verschiedensten Gründen, dass Röntgenuntersuchungen nur dann durchgeführt werden sollen, wenn sie wirklich notwendig sind. Durch Dokumentation von Röntgenuntersuchungen in besonderen "Röntgenpässen" und Aufbewahren von Röntgenbildern können auch Patienten dazu beitragen, dass unnötige Aufnahmen vermieden werden.

Eine gesunde Lebensweise wird allgemein als Schutz auch vor Krebserkrankungen empfohlen. Dies beinhaltet vor allem

  • eine gesunde Ernährung, die viele pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse und Vitamine enthält. Seit 1984 werden von der Amerikanischen Krebsgesellschaft (American Cancer Society) regelmäßig Leitlinien für solch eine gesunde Ernährung herausgegeben. Der häufige Verzehr von Obst und Gemüse, bevorzugt roh, kann das Risiko senken, an Krebs zu erkranken. Dabei sollten täglich etwa fünf Portionen Obst und Gemüse, am besten roh, verzehrt werden. Zusätzlich gilt, dass vegetarische Lebensmittel zu bevorzugen sind Getreideprodukte (möglichst vollwertig) sollten mehrmals täglich gegessen werden. Als eigentliche Wirkstoffe des krebshemmenden Effekts von Obst und Gemüse wurden mittlerweile die sogenannten Antioxidantien identifiziert. Solche Stoffe schützen den Stoffwechsel vor dem Entstehen freier Radikale, die eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Antioxydanzien sind vor allem die Vitamine C und E, Selen und Carotin. Sie entfalten ihre krebshemmende Wirkung im Zusammenspiel mit anderen Pflanzenstoffen, den Flavonoiden.

  • Vermeiden von Übergewicht

  • den Verzicht auf das Zigarettenrauchen. Auch für das Passivrauchen sind mittlerweile Zusammenhänge zum Auftreten bestimmter Krebserkrankungen gesichert. Dies gilt besonders für den Lungenkrebs, der bei Angehörigen von Rauchern häufiger auftritt als bei Menschen, die mit Nichtrauchern zusammenleben oder -arbeiten. Auch wenn noch keine Zusammenhänge zwischen Passivrauchen und Leukämie-Risikoerhöhung durch Studien dokumentiert sind, so sollten doch Nichtraucher durch ihre Angehörigen oder den Arbeitgeber vor der Belastung durch Zigarettenrauch in ihrer Umgebung geschützt werden

Ein besonderes Problem stellen die Sekundärleukämien (Zweit- oder Folge-Leukämien) dar. Dies sind solche Leukämien, die manchmal im Gefolge einer anderen Erkrankung oder aber auch durch die Behandlung einer Krebserkrankung mit hohen Strahlendosen oder Chemotherapeutika entstehen. Da jedoch die Ersterkrankungen lebensbedrohlichen Charakter haben, wird man kaum auf ihre Behandlung verzichten, um das Risiko des Auftretens einer Leukämie Jahre oder Jahrzehnte später zu verkleinern. Hier helfen nur das Wissen um das mögliche spätere Auftreten einer solchen Leukämie und regelmäßige gezielte Untersuchungen, um gegebenenfalls rechtzeitig und erfolgversprechend eine Behandlung einleiten zu können.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2017
Durch: sba

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