Unter die Lupe genommen

Mythen rund um die Homöopathie: Was stimmt wirklich?

In Bezug auf die homöopathische Medizin kursieren einige Missverständnisse. Oft hört man etwa, dass in homöopathischen Arzneimitteln kein Wirkstoff mehr nachweisbar sei. Oder dass es keine Studien gebe, die die Wirksamkeit der Heillehre belegen. Welche Wahrheit sich wirklich hinter diesen Irrtümern verbirgt.

homöopathie
Um die Homöopathie ranken sich viele Mythen, Irrtümer und Missverständnisse.
© iStock.com/STEEX

Homöopathische Mittel bestehen nur aus Zucker und ihre Wirksamkeit ist allenfalls auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen? Diesen und anderen Missverständnissen begegnen die Anwender der homöopathischen Medizin häufig. Grund genug, einige dieser Mythen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen:

"In homöopathischen Mitteln ist kein Wirkstoff nachweisbar."

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Es stimmt, dass der Wirkstoff in vielen homöopathischen Arzneien so stark verdünnt (genauer: potenziert) wird, dass er nicht mehr nachweisbar ist. Das ist jedoch meist nur bei sogenannten Hochpotenzen wie C30 oder höher der Fall. Solche Präparate gelten in der Homöopathie als besonders stark und sollten nur in Rücksprache mit erfahrenen Homöopathen – zum Beispiel homöopathisch geschulten Ärzten oder Heilpraktikern – eingenommen werden. Für die Selbstmedikation eignen sich dagegen Niedrigpotenzen (auch Tiefpotenzen genannt) wie C1 bis C11 oder D1 bis D23, die man rezeptfrei in der Apotheke erhält. Bei der Herstellung finden hier weniger Verdünnungsdurchgänge statt, sodass im fertigen Arzneimittel durchaus ein Wirkstoff nachgewiesen werden kann.

"Es existieren keine gültigen Studien zur Wirksamkeit."

Ein beliebtes Argument, das immer wieder auftaucht. Dabei entspricht es nicht der Wahrheit: Bis zum Jahr 2014 wurden nach Angaben des Homeopathy Research Institute (HRI) fast 200 randomisierte Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie veröffentlicht. Bei mehr als der Hälfte der Studien wurden die Ergebnisse zusätzlich mithilfe einer Gruppe, die ausschließlich Placebos einnahm, kontrolliert. Solche randomisierten und placebokontrollierten Studien gelten als Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

"Die Wirksamkeit der Homöopathie ist nicht bewiesen – im Gegenteil."

Unter den oben erwähnten randomisierten, placebokontrollierten Untersuchungen befanden sich lediglich fünf Prozent, die einen Nutzwert der Homöopathie widerlegen konnten. 41 Prozent dagegen bestätigten die Wirksamkeit. Diese Verteilung der Ergebnisse ist übrigens vergleichbar mit denen aus konventionell-medizinischen Studien.

Homöopathie: Irrtümer und Missverständnisse

"Die Wirkung der Homöopathie ist auf den Placebo-Effekt zurückzuführen."

Die Studienergebnisse zeigen, dass es sich bei Homöopathie nicht um eine Scheintherapie handelt. Der Placebo-Effekt konnte durch eine Kontrollgruppe, welcher Mittel ohne Wirkstoff verabreicht wurde, ausgeschlossen werden.

"In Globuli ist nichts drin außer Zucker."

Wie oben beschrieben liegt der Wirkstoff nur in hochpotenzierten homöopathischen Arzneien in so starker Verdünnung vor, dass kein stofflicher Anteil der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar ist. Doch bei der Herstellung von Homöopathika bleibt es ja nicht bei der Potenzierung, wie diese Verdünnung im Fachjargon genannt wird: Die Lösungen werden zusätzlich verschüttelt (dynamisiert). Es wird vermutet, dass die Information im Wirkstoff dadurch auf die Trägersubstanz (Alkohol oder Wasser) übertragen wird. Wie der Prozess genau funktioniert, ist bisher aber nicht geklärt.

"Homöopathie und konventionelle Medizin schließen sich aus."

Viele Schulmediziner, etwa Allgemeinärzte, sind auch homöopathisch tätig. Das zeigt bereits, dass die beiden Heilkunden friedlich koexistieren. Die Homöopathie sollte zudem nicht als Alternative zur konventionellen Medizin angesehen werden, sondern als Ergänzung. Kein qualifizierter Homöopath wird etwa dazu raten, schwere Krankheiten ausschließlich mit Homöopathie zu behandeln. Homöopathische Mittel können aber zusätzlich eingesetzt werden, zum Beispiel, um die Nebenwirkungen starker Medikamente zu mindern.

"Krankenkassen sollten Kosten für homöopathische Mittel nicht erstatten."

Viele Krankenkassen erstatten ihren Versicherten freiwillig die Kosten für rezeptfreie Arzneimittel oder Anwendungen wie Akupunktur, Heilfastenkuren oder Homöopathie. Das kritisiert manch einer, weil die Wirkung angeblich nicht bewiesen sei (siehe Mythos oben). Die Kassen aber möchten ihren Versicherten eine ganzheitliche Therapie ermöglichen: Aus ihrer Sicht können alternative Heilmethoden den Genesungsprozess unterstützen und die Schulmedizin somit sinnvoll ergänzen.

"Homöopathie kann schlimme Nebenwirkungen haben."

Vergiftungen bis hin zum Tod: Von Zeit zu Zeit verunsichern Skandale im Ausland auch die deutsche Bevölkerung. Panschereien und gefährliche Nebenwirkungen sind in Deutschland jedoch ausgeschlossen: Homöopathische Medikamente werden hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern streng geprüft. Es kommen nur Mittel auf den Markt, die durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen sind. Laut der Behörde besteht für Nutzer homöopathischer Arzneien "keinerlei Risiko".

"Homöopathie ist eine längst überholte Heilpraxis."

Die Homöopathie wird mitunter als verstaubt dargestellt. Dabei geht auch sie mit der Zeit: Die Analyse der Ausgangsstoffe wie auch die Produktionsverfahren von Globuli und Co. sind hochmodern. Das Verschütteln wiederum wird auch bei großen Herstellern nach wie vor von Hand erledigt.

"Homöopathie ist rein pflanzlich."

Homöopathische Arzneien haben zwar natürliche Ausgangsstoffe, nicht alle stammen jedoch von Pflanzen. Apis mellifica, Arsenicum album oder Hekla lava beispielsweise haben tierische beziehungsweise mineralische Ursprünge.

"Homöopathische Mittel sind gleichzusetzen mit Globuli."

Globuli sind die bekannteste Form von homöopathischen Arzneien. Diese können aber auch als Tropfen, Tabletten, Salben, Urtinktur oder Ampullen zum Einsatz kommen. Nicht jede Darreichungsform ist dabei zur Selbstmedikation geeignet, sondern erfordert mitunter die Expertise eines homöopathisch geschulten Arztes oder Heilpraktikers.

Darreichungsformen in der Homöopathie

"Homöopathische Mittel dürfen nur einen Wirkstoff enthalten."

Die klassische Homöopathie, wie Samuel Hahnemann sie gründete, sieht tatsächlich die Verordnung jeweils eines Wirkstoffs vor (Einzelmittel). Heutzutage können Homöopathika jedoch mehrere Wirkstoffe vereinen, um gegen verschiedene Beschwerden – etwa Schnupfen, Fieber und Kopfschmerzen bei einer Erkältung – gleichzeitig vorzugehen. Solche Arzneien werden als Komplexmittel bezeichnet.

"Das Ähnlichkeitsprinzip ist unlogisch."

Die Homöopathie basiert auf dem Grundsatz, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann. Eine Substanz, die in Reinform bestimmte Symptome (zum Beispiel Übelkeit) auslöst, verspricht als homöopathisch potenziertes (verdünntes) Mittel somit genau gegen diese Symptome Wirkung. Die konventionelle Medizin baut meist auf das gegenteilige Prinzip: Sie verordnet bei bestimmten Beschwerden deren Gegenmittel. Bei Impfungen oder der Sensibilisierung gegen Allergene wiederum setzt man ebenfalls auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, indem man ihm die Substanz, gegen die er immun werden soll, in kleinsten Mengen verabreicht.

Fünf homöopathische Sofort-Helfer bei akuten Beschwerden

Lifeline/Wochit

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