Hörverlust

Mittelohrentzündung vorbeugen

Bei manchen Kindern sind die Ohren ein wunder Punkt: Kaum ist eine Mittelohrentzündung abgeklungen, bekommen sie die nächste. Das ist gefährlich, denn häufige oder schwere Mittelohrentzündungen können zu einem dauerhaften Hörverlust und in der Folge auch zu Sprachentwicklungsstörungen führen. Deshalb sollten Eltern einer weiteren Mittelohrentzündung vorbeugen.

Einer Mittelohrentzündung vorbeugen kann eine Entfernung der Polypen. Schließlich sind diese Gewebewucherungen der Rachenmandeln eine häufige Ursache für Mittelohrentzündungen: Die Polypen verengen oder verschließen besonders bei Entzündungen der Atemwege die Ohrtrompetenöffnung und verhindern, dass schleimige Flüssigkeit (Paukenerguss) aus der Paukenhöhle abfließen kann. So können sich leicht Bakterien und Viren ansiedeln und eine Mittelohrentzündung (Otitis media) hervorrufen.

Operation kann erneuter Mittelohrentzündung vorbeugen

Aber selbst wenn es am Ende nicht zu einer Mittelohrentzündung kommt, ist ein Vorbeugen durch eine Entfernung der Polypen meist sinnvoll. Schließlich mindert der Paukenerguss als solcher bereits das Hörvermögen: Die Gehörknöchelchen schwingen nämlich nicht mehr richtig, da sie in Flüssigkeit liegen. So können sie den Schall vom Trommelfell zum Innenohr nicht vollständig weiterleiten.

Die Ärzte nehmen die Polypen-Operation meist zusammen mit einem kleinen Schnitt ins Trommelfell (Parazentese) vor, um die kleinen Patienten schnell zu entlasten. In das Loch wird in vielen Fällen ein schmales Röhrchen (Paukenröhrchen) eingesetzt, so dass die Flüssigkeit abfließen kann und das Mittelohr ausreichend belüftet wird. Im Kindesalter verhindert bei 85 Prozent der Patienten eine Entfernung der Polypen (Adenotomie) und die Parazentese eine erneute akute Mittelohrentzündung.

Vorsicht auf Flugreisen

Eltern können durch umsichtiges Verhalten ebenfalls einer Mittelohrentzündung vorbeugen: So empfiehlt es sich, auf Flugreisen immer auf genügenden Druckausgleich zwischen Mittelohr und Nasenrachen zu achten. Dies lässt sich zum Beispiel dadurch erreichen, dass die Mutter ihr Baby bei Start und Landung anlegt und trinken lässt. Größere Kinder regt Bonbon-Lutschen zum Schlucken an. Abschwellende Nasentropfen, eine halbe Stunde vor Flugantritt gegeben, lassen zudem die Schleimhäute der Ohrtrompetenöffnung abschwellen. Zum Einträufeln der Nasentropfen neigt das Kind den Kopf am besten nach hinten und dreht ihn dann zur Seite, damit die Tropfen auch wirklich in die Umgebung der Ohrtrompete gelangen.

Wie Eltern der Mittelohrentzündung vorbeugen können

Experten raten Eltern mit Kindern, die zu Mittelohrentzündungen neigen, außerdem:

  •     das Kind nicht in kalter Zugluft sitzen zu lassen.
  •     das Baby beim Füttern mit der Flasche immer im Arm zu halten und nicht flach hinzulegen. Durch das Anheben des Kopfes wird nämlich die Ohrtrompete besser durchlüftet.
  •     dem Kind nicht ständig den Schnuller anzubieten. Schließlich leiden Kinder, die keinen Schnuller brauchen oder denen nach dem Einschlafen der Schnuller weggenommen wird, nicht so häufig an Mittelohrentzündungen wie Kinder, die permanent am Schnuller saugen.
  •     nicht in Gegenwart des Kinder zu rauchen. Eine nikotinfreie Umgebung senkt grundsätzlich die Infektionsanfälligkeit.
  •     darauf zu achten, dass sich das Kind keine Gegenstände ins Ohr steckt.
  •     das Ohr des Kindes nur im äußeren Bereich zu reinigen und nicht mit einem Wattestäbchen in den Gehörgang einzudringen. Ohrenschmalzpfropfen sollte nur der Arzt entfernen.
  •     das Kind regelmäßig von einem HNO-Arzt oder dem Kinderarzt untersuchen zu lassen.
  • Schwerhörigkeit kann Sprachentwicklung beeinträchtigen

Das Vorbeugen einer Mittelohrentzündung kann auch vor Schwerhörigkeit schützen: Wenn ein Kind ständig unter Mittelohrentzündung leidet, kann sich sein Hörvermögen dauerhaft verschlechtern. Infolge der ständigen Entzündungen wird nämlich mit der Zeit die gelenkige Verbindung zwischen den Gehörknöchelchen beeinträchtigt. Es verschlechtert sich ihre Fähigkeit zu schwingen und damit die Schallleitung ins Innenohr. Auch das Trommelfell vernarbt allmählich und wird weniger elastisch.

Durch die Schwerhörigkeit kann sich auch die sprachliche Entwicklung verlangsamen. Schließlich lernen Kinder Sprache nur, indem sie andere Menschen sprechen hören. Ist jedoch ihr Hörvermögen geschädigt, können sie nicht alle Feinheiten der Sprache aufnehmen – ein weiterer Grund, der Mittelohrentzündung vorzubeugen. Es ist somit auch immer an eine Schwerhörigkeit zu denken, wenn Kinder zwischen zweieinhalb und vier Jahren verwaschen reden und nuscheln, sagt Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Bei undeutlicher Artikulation empfehle sich deshalb immer ein Arztbesuch.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 03. Juli 2007

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