Ohrenkrankheit

Mittelohrentzündung

Otitis media

Ohrenschmerzen, Druckgefühl und Fieber sind typische Anzeichen für eine Mittelohrentzündung. In der Erkältungszeit leiden besonders Kinder häufig an einer Entzündung des Mittelohrs. Die Dauer einer Mittelohrentzündung beträgt in der Regel weniger als zwei Wochen, wenn die Infektion rechtzeitig und sachgemäß behandelt wird. Andernfalls kann sich die Entzündung jedoch ausbreiten und beispielsweise zu einer Hirnhautentzündung oder einer Entzündung des Innenohrs führen.

Kind beim Ohrenarzt
Mithilfe eines Ohrenspiegels oder Otoskops kann der Arzt eine Mittelohrentzündung feststellen. Besonders kleine Kinder und Babys fangen sich in der Erkältungszeit leicht eine solche Infektion ein.
Getty Images/Monkey Business

Meist tritt die Mittelohrentzündung in Folge einer Infektion der oberen Luftwege auf. Sie kann durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden. Diese dringen entweder über die Ohrtrompete oder ein Loch im Trommelfell in die Paukenhöhle ein und führen so zur Entzündung des Mittelohrs.

Die Mittelohrentzündung verursacht eine Schwellung und Entzündung der Tubenschleimhaut. Dadurch wird die Ohrtrompete verschlossen, das Mittelohr und damit die Paukenhöhle können nicht mehr ausreichend belüftet werden. Das Sekret des Mittelohrs sammelt sich in der Paukenhöhle (Paukenerguss) und wird schließlich von Viren oder Bakterien besiedelt.

Nun entsteht zähflüssiger Eiter. Das geht mit heftigen Ohrenschmerzen und Fieber einher. Mitunter ist das Hörvermögen eingeschränkt sein: Flüstern oder leise Töne können nicht mehr wahrgenommen werden. Auch eine vorübergehenden Schwerhörigkeit kann auftreten.

Kleinkinder und Babys fangen sich leichter eine Mittelohrentzündung ein

Säuglinge und Kleinkinder sind besonders anfällig für eine Mittelohrentzündung. Denn bei ihnen ist die Ohrtrompete relativ weit, kurz und gerade, so dass Bakterien und Viren leichter eindringen können. Deshalb sollten Eltern entsprechende Tipps zur Vorbeugung besonders beachten.

Wird eine Mittelohrentzündung rechtzeitig behandelt, heilt sie normalerweise innerhalb von zwei Wochen ab. Ohne Therapie kann sich die Mittelohrentzündung ausbreiten und beispielsweise zu einer Hirnhautentzündung oder einer Entzündung des Innenohrs führen.

Mittelohrentzündung: Diese Symptome sind typisch

Ohrenschmerzen

Hinter Ohrenschmerzen kann eine harmlose Verstopfung des Ohrs stecken oder auch eine Infektion des Mittelohres oder der angrenzenden Knochen.

HNORatgeber

Heftige Ohrenschmerzen, bei Kindern meist mit hohem Fieber verbunden, sind das typische Symptom einer akuten Mittelohrentzündung. Die Symptome einer Mittelohrentzündung können ein- und beidseitig auftreten.

Weitere Symptome der Mittelohrentzündung sind:

  • plötzlicher Beginn
  • deutlicher Beeinträchtigung des Befindens
  • Abgeschlagenheit
  • Schwächegefühl
  • stark ausgeprägte, ständige Ohrenschmerzen
  • Druckgefühl im Ohr

Bei Kindern gehört meist hohes Fieber mit Temperaturen über 39°C zu den Krankheitszeichen, während Mittelohrentzündungen bei Erwachsenen oftmals ganz ohne Fieber ablaufen.

Gelegentlich wird über ein pulsierendes Ohrgeräusch berichtet, der Warzenfortsatz hinter dem Ohr kann klopfempfindlich sein. Das Hörvermögen kann eingeschränkt sein.

Wird der Druck in der Paukenhöhle zu hoch, gibt das Trommelfell diesem nach und reißt.  Das eitrige oder blutige Sekret kann aus dem Gehörgang abfließen, die Schmerzen und das Fieber gehen daraufhin meist schnell zurück. Diese Perforation des Trommelfells klingt dramatischer als sie ist. Meist wachsen diese kleinen Verletzungen innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder zu.

Hinweis auf Mittelohrentzündung: Das Baby greift sich ans Ohr

Während ältere Kinder die Krankheitszeichen meist schon recht genau beschreiben können, ist das bei Babys und Kleinkindern natürlich nicht ganz so leicht. Sie machen sich durch meist ununterbrochenes Weinen und Schreien, schlechten Schlaf und Nahrungsverweigerung bemerkbar. Typisch: Die Kinder greifen sich oft ans Ohr. Weil gerade Säuglinge udn Kleinkinder oft an einer Mittelohrentzündung erkranken, gehört die Untersuchung des Trommelfells zu den Standard-Untersuchungen beim Kinderarzt.

Mittelohrentzündung: Ursachen

Der Mittelohrentzündung geht in der Regel eine Virusinfektionen und/oder bakterielle Erkrankungen der oberen Luftwege (Nase, Nasenrachenraums und Nasennebenhöhlen) voraus. Die Krankheitserreger gelangen meist über die Ohrtrompete in das Mittelohr, seltener durch ein ein perforiertes Trommelfell.

Säuglinge und Kleinkindern sind in der Erkältungszeit besonders häufig von der Mittelohrentzündung betroffen, denn bei ihnen ist die Ohrtrompete relativ kurz und weit, so dass Keime aus den oberen Luftwegen leicht ins Mittelohr gelangen können.

Bei Kindern sind auch vergrößerten Rachenmandeln häufig Ursache von Mittelohrentzündungen. Man nennt dies Rachenmandelhyperplasie, Adenoide oder im Volksmund Polypen. Diese Gewebswucherung verengt oder verschließt besonders bei Entzündungen die Ohrtrompetenöffnung und behindert damit die Belüftung des Mittelohrs, nicht jedoch das Einwandern von Bakterien oder Viren.

In der abgeschlossenen und schlecht belüfteten Paukenhöhle sammelt sich zunächst eine schleimige Flüssigkeit an (Paukenerguss), die von Viren oder Bakterien besiedelt wird. Es kommt zu einer Entzündung der Schleimhaut mit Eiterbildung. Dieser kann jedoch nicht in den Nasenrachenraum abfließen, so dass der Druck in der Paukenhöhle ansteigt und starke Schmerzen verursacht.

Mittelohrentzündung: Diagnose

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Eine akute Mittelohrentzündung wird standardmäßig durch eine Spiegeluntersuchung des Trommelfells festgestellt. Diese liefert dem Arzt recht eindeutige Hinweise.

Mit Symptomen einer Mittelohrentzündung geht man in der Regel zum Hausarzt, dem Kinderarzt oder den HNO-Arzt.  Der wird zunächst nach den jetzigen Beschwerden, vorausgegangenen Erkrankungen, Operationen und eingenommenen Medikamenten fragen. Da die Mittelohrentzündung oft in Verbindung mit einer auftritt, werden neben den Ohren auch Nase, Mundhöhle und der Hals untersucht.

So untersucht der Arzt den Gehörgang, Hals und Nase

Mit einer Lampe und vergrößernden Linsen (Mikroskop, Ohrenspiegel) wird der Gehörgang und das Trommelfell genau "unter die Lupe genommen". So kann der Arzt recht  schnell und genau feststellen, ob es sich um eine akute Mittelohrentzündung handelt: Das Trommelfell ist dabei stark gerötet und vorgewölbt, gelegentlich tritt aus einer Öffnung bereits eitriges Sekret aus. Diese Anzeichen weisen in aller Regel auf eine akute Mittelohrentzündung hin.

Der Arzt kann noch weitere Hör- und Gleichgewichtstests durchführen. Unter anderem wird dabei mit einer Stimmgabel, die vor die Ohren und auf die Schädeldecke gehalten wird, die Schallleitung über das Mittel- und Innenohr untersucht.

Eine Röntgendiagnostik ist bei einer unkomplizierten Mittelohrentzündung nicht erforderlich. Bei dem Verdacht auf ein Übergreifen der Entzündung auf den Warzenfortsatz wird eine Röntgenaufnahme oder gegebenenfalls ein Computertomogramm der Felsenbeine angefertigt. Bei einer gleichzeitigen Entzündung der Nasennebenhöhlen kann auch eine Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen notwendig sein.

Möglicherweise ist auch eine genaue Feststellung des Krankheitserregers sowie seiner Empfindlichkeit auf verschiedene Antibiotika erforderlich. Falls es zu einem Einriss des Trommelfells gekommen ist, kann eine Probe des abfließenden Sekrets für eine mikrobiologische Untersuchung entnommen werden. Bei intaktem Trommelfell ist für diese Untersuchung ein kleiner Schnitt (Parazentese) zur Probenentnahme notwendig.

Im Einzelfall erfolgt zusätzlich eine Blutabnahme zur Bestimmung verschiedener Blutwerte, die auf eine Entzündung hindeuten.

Mittelohrentzündung: So sieht die Behandlung aus

Fiebersenkende und abschwellende Medikamente sowie Bettruhe sind die beste Therapie bei einer Mittelohrentzündung. Auch Hausmittel können die Beschwerden lindern.

Krankes Kind schläft im Bett

 

Ziel der Behandlung ist das schnelle Abklingen der Mittelohrentzündung, die Linderung der Beschwerden und das Verhindern von Komplikationen. Dazu gehören eine Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis), Hirnhautentzündung (Meningitis) und bleibende Schwerhörigkeit durch das Übergreifen der Entzündung auf das Innenohr.

Der Arzt verordnet in der Regel:

  • Bettruhe
  • schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente
  • Fiebersenker
  • abschwellende Nasentropfen oder -sprays.

Letztere sollten jedoch nicht länger als eine Woche angewandt werden, damit die Nasenschleimhaut keinen Schaden nimmt. Ohrentropfen sind dagegen nur wirksam, wenn das Trommelfell bereits defekt ist und das Medikament bis in das Mittelohr eindringen kann. Ohrentropfen sollten deshalb nur vom Arzt verordnet werden.

Ob eine Gabe von Antibiotika nötig ist, entscheidet der Arzt. Bei einem normalen Verlauf der Mittelohrentzündung und einem guten Allgemeinzustand des Patienten empfehlen HNO-Ärzte, nur Säuglinge unter sechs Monaten mit Antibiotika zu behandeln. Ältere Kinder sollten zunächst beobachtet werden und nur bei anhaltenden Symptomen Antibiotika verschrieben werden.

Hausmittel bei Mittelohrentzündung

Zur Linderung der Beschwerden empfehlen Ärzte daheim zusätzlich verschiedene Maßnahmen. So können eine Bestrahlung mit Rotlicht des betroffenen Ohrs, ein warmes Körnerkissen oder ein Säckchen mit abgekochten Zwiebeln die heftigsten Ohrenschmerzen lindern. Wadenwickel helfen, das Fieber sanft zu senken. Der kleine (oder größere) Patient sollte zudem viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Wer an einer Mittelohrentzündung leidet, sollte beim Duschen, Baden und Waschen besonders vorsichtig sein: Es sollte kein Wasser in die Ohren und in den Gehörgang kommen. Schwimmbad-Besuche sind während der Krankheit tabu.

Operative Eingriffe bei chronischer Mittelohrentzündung

Falls die Mittelohrentzündung mit diesen Maßnahmen nicht abklingt, weiter starke Schmerzen und anhaltendes Fieber oder auch Hör- und Gleichgewichtsstörungen auftreten, kann der Arzt zur Belüftung des Mittelohrs einen Trommelfellschnitt (Parazentese) durchführen. Das geschieht unter örtlicher Betäubung. So kann das Sekret ablaufen oder abgesaugt werden. Dieser Schnitt heilt in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab.

Bei chronisch auftretenden Mittelohrentzündungen kann auch ein Röhrchen in den Schnitt eingesetzt werden. Durch dieses "Paukenröhrchen" wird das Mittelohr belüftet und kann vollständig ausheilen. Das Röhrchen wird innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgestoßen, der Schnitt im Trommelfell heilt von allein aus.

Wenn die Entzündung auf den Warzenfortsatz übergegriffen hat, muss der dort befindliche Entzündungsherd per Operation entfernt werden. Dazu wird der Knochen hinter dem Ohr geöffnet und die entzündete Schleimhaut entfernt. Eine alleinige Behandlung mit Medikamenten reicht hier häufig nicht mehr aus.

Mittelohrentzündung: Wie man vorbeugen kann

Ein intaktes Immunsystem ist der beste Schutz vor einer Mittelohrentzündung. Denn so werden Infekte der oberen Luftwege vermindert, die der Erkrankung oft vorausgehen.

Eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, regelmäßige Bewegung und frische Luft, der Verzicht auf Nikotin - wer diese Tipps für eine gesunde Lebensweise beherzigt, stärkt seine Abwehrkräfte. haben bei einem intakten Immunsystem weniger Chancen. Husten und Schnupfen treten seltener auf oder verlaufen nicht so schwer. Das ist auch eine Voraussetzung dafür, dass man vor einer Mittelohrentzündung verschont bleibt, denn Infekte der oberen Luftwege sind dafür oft Auslöser.

Ohren vor Erkältung und Verletzung schützen

Weiter helfen bei der Vorbeugung folgende "ohrfreundliche" Tipps:

  • Bei heftigem Schnupfen machen Nasentropfen oder -spray nicht nur die Nase frei. Das Medikament sorgt mit seiner abschwellenden Wirkung auch dafür, dass das Mittelohr gut belüftet wird. Nasentropfen sollten jedoch nur einige Tage angewendet werden.
  • Die Ohren schützen: Zugluft und Kälte können Gift für empfindliche Kinderohren sein. Deshalb gehört eine Mütze in der nass-kalten Jahreszeit immer auf den Kopf. Besonders aufpassen sollten Eltern und Betreuer nach Schwimmbad-Besuchen, wenn zusätzlich die Haare nass sind.
  • Wattestäbchen tabu: Die Gehörgänge reinigen sich von selbst. Nur der äußere Ohrbereich sollte vorsichtig säubert werden - Wattestäbchen sind dafür nicht notwendig. Ist der Gehörgang durch einen Pfropfen verklebt, so sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden.
  • Flasche und Schnuller: Beim Flaschegeben sollten Babys immer im Arm gehalten werden. Lässt man sie die Flasche im Liegen trinken, so ist das Schlucken beeinträchtigt, was sich auf die Funktion der Ohrtrompete auswirkt. Auch der ständige Gebrauch von Schnullern im Liegen (z.B. beim Schlafen) erhöht das Risiko für eine Mittelohrentzündung.
  • Impfungen: Für Kinder wird eine Pneumokokken-Impfung  empfohlen. Durch die Verbreitung dieser Impfung ist auch eine Senkung der Erkrankungsrate von Otitis media im Kindesalter festgestellt worden. Ein ähnlicher Nebeneffekt wurde bei der Impfung gegen Hämophilus influenzae festgestellt, mit der schwere Erkrankungen wie die Hämophilus-Hirnhautentzündung ( Meningitis) oder lebensbedrohlichen Kehldeckel-Entzündungen (Epiglottitis) bei Kindern vorgebeugt werden. 30 bis 50 Prozent der Mittelohrentzündungen werden durch den Hämophilus influenzae-Erreger hervorgerufen. Nach der Impfung sind die Kinder zumindest vor diesem Keim geschützt.
  • Operation: Im Kindesalter führt in 85 Prozent der Fälle eine Rachenmandelentfernung (Adenotomie) und ein kleiner Schnitt ins Trommelfell (Parazentese) zu keiner erneuten akuten Mittelohrentzündung mehr, da nach diesem Eingriff sowohl die Belüftung als auch der Sekretabfluss aus der Paukenhöhle gewährleistet ist.

Wenn das Trommelfell vorübergehend durch ein Paukenröhrchen offen gehalten wird, sollte bedacht werden, dass in Wasser enthaltene Keime über das Paukenröhrchen ins Mittelohr gelangen können. Das Tauchen muss vermieden werden, da in diesem Fall das Wasser unter Druck durch das Röhrchen in die Paukenhöhle fließt. Baden oder vorsichtiges Haarewaschen sind insofern unbedenklich, als hierbei Wasserspritzer meist nur in den äußeren Gehörgang gelangen.

Autor: Lifeline / es
Letzte Aktualisierung: 23. Februar 2015
Durch: sw
Quellen: Online-Informationen HNO-Ärzte im Netz http://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/mittelohrentzuendung-akut/, zuletzt abgerufen am 5.11. 2013 Renz-Polster, Dr. H. et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2007; Online-Informationen der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (=Otitis media) bei Kindern: http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html (Stand: Januar 2006) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Akute Otitis media. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/005 (Stand: Juni 2001);

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