Bakterielle Infektionen

Milzbrand (Anthrax)

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Übertragen wird Milzbrand (Anthrax) meist durch Hautkontakt mit infizierten Tieren
Getty Images/Hemera

Milzbrand (Anthrax) ist eine weltweit verbreitete, bakterielle Infektionskrankheit. Sie ist vor allem in warm-feuchten Regionen der Welt verbreitet.

Milzbrand (Anthrax) befällt vor allem pflanzenfressende Nutztiere, insbesondere Paarhufer. Eine Übertragung auf Menschen ist möglich, aber sehr selten. In Deutschland wurde 1994 der letzte Fall von Hautmilzbrand beim Menschen gemeldet.

Vieh in Sumpf- und Überschwemmungsgebieten gefährdet

Milzbrand kommt in Südeuropa, im Nahen Osten, in Asien, Nordafrika und Südamerika vor. Betroffen sind dort oft Nutztiere, die auf sumpfigen Böden und in Überschwemmungsgebieten weiden.

Seinen Namen verdankt der Milzbrand dem Umstand, dass sich bei erkrankten Tieren die Milz schwarz färbt und wie verbrannt aussieht.

Symptome

Je nach Eintrittspforte des Erregers entwickeln sich unterschiedliche Formen des Milzbrands (Anthrax).

Der Hautmilzbrand macht sich ein bis drei Tage nach der Infektion zunächst durch eine Schwellung an der Eintrittsstelle des Erregers bemerkbar, die innerhalb kurzer Zeit eine Pustel bildet. Nach zwei bis sechs Tagen entwickelt sich daraus ein meist schmerzloses Geschwür, das von einem schwarzen Schorf bedeckt ist (Milzkarbunkel). Ohne Behandlung setzt der Erreger bald Giftstoffe frei, die meist hohes Fieber, Benommenheit und Herz-Kreislaufprobleme hervorrufen. Breitet sich die Entzündung aus, droht eine Blutvergiftung, die tödlich enden kann.

Beim Lungenmilzbrand treten die Symptome ein bis sechs Tage nach dem Einatmen einer großen Menge von Erregersporen auf. Erste Anzeichen sind oft Müdigkeit, ein trockener Husten und Brustschmerzen. Innerhalb weniger Stunden, manchmal erst nach zwei bis vier Tagen, kommt es plötzlich zu hohem Fieber, Schüttelfrost, blutigem Husten und Atemproblemen. Unbehandelt droht eine schwere Blutvergiftung.

Der Darmmilzbrand verursacht zunächst Bauchschmerzen und Blähungen. Rasch folgen blutige Durchfälle, eine Bauchfellentzündung sowie allgemeine Schocksymptome bis hin zum Herz-Kreislaufversagen.

In allen drei Fällen ist schnelle Behandlung außerordentlich wichtig.

Ursachen

Milzbrand (Anthrax) wird verursacht durch das Bakterium Bacillus anthracis. Es kommt vor allem im Blut infizierter Tiere vor sowie in bluthaltigen Körperflüssigkeiten, Organen, Knochen und Häuten. Der Milzbranderreger findet sich auch in Böden wieder, allerdings meist in Konzentrationen, die für Menschen ungefährlich sind. An der Luft kann der Erreger höchst widerstandsfähige Sporen (Dauerformen) bilden und über Jahrzehnte unbeschadet überleben.

Ein gewisses Infektionsrisiko haben Menschen, die berufsmäßig mit Tierprodukten wie Fellen und Knochen zu tun haben, oder in der Tiermedizin beziehungsweise in der Viehwirtschaft arbeiten. Eine Übertragung von Menschen zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich. Zur Infektion ist eine sehr hohe Dosis an Erregern notwendig.

Übertragen wird Milzbrand (Anthrax) meist durch direkten Hautkontakt mit infizierten Tieren oder erregertragenden Tiermaterialien. Aus diesem Grund ist der sogenannte Hautmilzbrand mit einem Anteil von etwa 90 Prozent die häufigste Form. Deutlich seltener findet der Erreger über die Lunge Eingang in den menschlichen Körper, wenn große Mengen Sporen eingeatmet werden. In der Folge kann der Lungenmilzbrand auftreten. Noch seltener ist der Darmmilzbrand, der durch den Verzehr von unzureichend gekochtem Fleisch infizierter Tiere verursacht wird.

Diagnose

Bei Milzbrand (Anthrax) kann der Erreger nur von Speziallabors nachgewiesen werden, die besondere Sicherheitskriterien erfüllen. Dies geschieht meist durch die Anzüchtung des Erregers, der mittels eines Abstrichs oder einer Blut- beziehungsweise Gewebeprobe gewonnen wird.

Therapie

Da es sich beim Milzbrand (Anthrax) um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Am effektivsten wirkt meist Penicillin, das eine Woche lang eingenommen wird. Beim Lungen- und Darmmilzbrand wird das Antibiotikum (meist Ciprofloxacin oder Doxycyclin) häufig zunächst intravenös verabreicht.

Verlauf

Unbehandelt führt der Hautmilzbrand in fünf bis zwanzig Prozent der Fälle zum Tod. Wegen des raschen Fortschreitens der Infektion beim Lungenmilzbrand ist hier eine frühzeitige Gabe von Antibiotika besonders wichtig. Milzbrand (Anthrax) lässt sich bei einer rechtzeitigen Behandlung mit einem Antibiotikum im Allgemeinen gut behandeln und vollständig heilen. Das betrifft alle drei Formen.

Vorbeugen

Eine Impfung gegen Milzbrand (Anthrax) ist nicht möglich, da es noch keinen wirksamen Impfstoff gibt. Ist jemand nachweislich mit infizierten Tieren oder infektiösem Tiermaterial in Kontakt gekommen, kann eine vorbeugende Antibiotika-Therapie erwogen werden. Sie erstreckt sich im gegebenen Fall über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten.

Milzbrand als Biowaffe

Aufgrund der Fähigkeit des Erregers, widerstandsfähige Sporen zu bilden, eignen sich Milzbrandbakterien als Waffe eines terroristischen Bioangriffs. Fachleute halten eine flächendeckende Infektion größerer Gebiete allerdings für schwer durchführbar. Die Milzbrandsporen müssen eine ganz bestimmte Größe haben, um infektiös zu sein. Sind sie zu klein, werden sie wieder ausgeatmet, sind sie zu groß, gelangen sie nicht bis in die Lunge.

Dagegen ist die Infektion Einzelner oder auch kleiner Gruppen durch das Verschicken von Milzbrandsporen etwa in Briefumschlägen vergleichsweise einfach möglich. Bei Verdacht auf einen Kontakt mit dem Erreger ist es ratsam, möglichst umgehend das jeweils zuständige Gesundheitsamt anzurufen. Von hier aus kann die Behandlung durch einen Arzt, der mit Milzbrand (Anthrax) Erfahrung hat, rasch eingeleitet werden.

Autor: Peter Gelhard / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 21. September 2011
Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Milzbrand (Anthrax). Robert Koch-Institut, Berlin

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