Akut ist sie lebensgefährlich!

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Diese Symptome lassen auf Pankreatitis schließen

Die akute Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung kann lebensgefährlich sein. Größtes Risiko dabei ist die Selbstverdauung des Organs, weil Verdauungsenzyme ungehemmt freigesetzt werden. Die Symptome der Pankreatitis sind vielfältig. Schmerzen im Oberbauch sind sowohl für die akute als auch für die chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse typisch.

Nackter Männeroberkörper
Eine Pankreatitis ist mit heftigen Schmerzen im Oberbauch verbunden. Je nach Form (akut oder chronisch) kommen weitere Symptome dazu.
Getty Images/Digital Vision

Die Bauchspeicheldrüse ist für die Produktion und Abgabe von Verdauungsenzymen in den Darm verantwortlich (exokrine Drüsenfunktion). Außerdem bildet sie in den Zellen der sogenannten Langerhans-Inseln Hormone (etwa Insulin), die den Zuckerstoffwechsel regulieren, und gibt diese in das Blut ab. Die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann in einer akuten und einer chronischen Form vorkommen.

Akute Pankreatitis ist lebensgefährlich

Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um eine kurzfristig auftretende, potenziell lebensbedrohliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die mit starken Schmerzen einhergeht. Die größte Gefahr stellt dabei die Selbstverdauung des Organs und angrenzender Gewebe durch eine unkontrollierte Freisetzung von Verdauungsenzymen infolge des Entzündungsgeschehens dar.

Die Krankheit führt in zwei bis fünf Prozent der Fälle zum Tod der Patienten. Dabei liegt die Sterblichkeitsrate bei einem relativ gutartigen Verlauf bei unter einem Prozent, steigt allerdings bei (weitaus selteneren) schweren Verlaufsformen drastisch an. Bei leichteren Verläufen bleibt nach Ausheilung der Erkrankung in der Regel keine Schädigung der Bauchspeicheldrüse zurück.

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist relativ verbreitet. Pro 100.000 Menschen kommt es in westlichen Ländern zu etwa 30 Neuerkrankungen pro Jahr.

Chronische Pankreatitis schädigt Bauchspeicheldrüse

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist von einem dauerhaften Entzündungsprozess innerhalb des Organs und anhaltenden bzw. zunehmenden Verdauungsbeschwerden gekennzeichnet, die im weiteren Verlauf der Erkrankung von wiederkehrenden Schmerzen und behandlungsbedürftigen Störungen des Zuckerstoffwechsels begleitet sein können. Im Gegensatz zur akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung kann die chronische Form der Erkrankung langfristig zu einer fortschreitenden Schädigung des Organs (Funktionsverlust, Stein- und Zystenbildung, etc.) führen. Im Endstadium leiden die Patienten neben den Verdauungsstörungen an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und müssen sich dauerhaft Insulin spritzen. Die Krankheit ist seltener als die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie tritt pro Jahr bei etwa drei bis neun von jeweils 100.000 Menschen neu auf.

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Daran erkennt man eine Bauchspeicheldrüsenentzündung

Je nach Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheiden sich ihre Anzeichen. Es gibt typische für die chronische und wieder andere für die akute Form:

Symptome der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung

Die Symptomatik der Erkrankung kann sehr vielfältig sein. Häufig führen starke Schmerzen im Oberbauch, oft auch Koliken, die bis in den Rücken ausstrahlen können, die Patienten zum Arzt.

Die Patienten meiden die Rückenlage und krümmen sich oft zusammen, um sich von den Schmerzen zu entlasten. Meist besteht trotz massiver Schmerzen keine Abwehrspannung im Bauch („Gummibauch“). Weiterhin können

Symptome der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung äußert sich in wiederkehrenden oder dauerhaften, in der Intensität variablen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken. Sie sind in der Regel weniger heftig sind als bei der akuten Erkrankung.

In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ("ausgebrannte Pankreatitis") empfinden die Patienten kaum noch Schmerz. Typisch sind Verdauungsstörungen, die insbesondere im Zusammenhang mit dem Verzehr fettreicher Speisen auftreten. Mit zunehmendem Funktionsverlust des Organs neigen die Betroffenen zu Fettstühlen (übermäßig erhöhter Fettgehalt im Stuhl) und Blähungen. Frühzeitig ist ein Gewichtsverlust zu beobachten. Schließlich geht die Funktionseinschränkung in ein vollständiges Organversagen über. Im Spätstadium entwickelt sich daher aufgrund des Insulinmangels eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Gallensteine und Alkoholmissbrauch sind häufige Ursachen einer Pankreatitis

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Hauptursachen von akuten und chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind Gallensteine, die den gemeinsamen Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse und des Gallengangsystems verlegen, sowie Alkoholmissbrauch.

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung geht in bis zu 45 Prozent der Fälle auf Gallensteine und in bis zu 35 Prozent der Fälle auf einmaligen (!) oder wiederholten übermäßigen Alkoholkonsum zurück. Auf welche Weise Alkohol eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslöst, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Diskutiert werden u.a. Alkohol-bedingte Funktionsstörungen des Austritts der Bauchspeicheldrüsenenzyme in den Darm bzw. durch den Alkohol hervorgerufene Eiweißablagerungen im Gangsystem des Organs sowie toxische Effekte durch Stoffwechselprodukte wie Acetaldehyd und Radikalbildung.

Weitere Ursachen der akuten Pankreatitis können Bauchverletzungen, Fehlbildungen des Organs, Infektionen (zum Beispiel Mumps), Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen sowie selten auch ärztliche Eingriffe, insbesondere an den Gallengängen, sein.

Die überwiegende Anzahl chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündungen geht auf langjährigen und wiederholten Alkoholmissbrauch zurück. Wesentlich seltener erweist sich die Krankheit sich als Folge von Tumoren, erblichen Anlagen, Stoffwechselstörungen, Autoimmunkrankheiten und anderem. Kann keine genaue Ursache entdeckt werden, spricht man von einer sogenannten idiopathischen Form.

Die wichtigsten Diagnoseverfahren bei Bauchspeicheldrüsenentzündung

Für die Diagnose von Bauchspeicheldrüsenentzündungen werden die Beschwerden der Patienten, typische Veränderungen von Blutwerten, Ultraschalluntersuchungen, die Computertomografie (CT) ­ sowie eine besondere Form der Darm und Gallengangsspiegelung, die endoskopische retrograde Choledocho-Pankreatikoskopie (ERCP), herangezogen.

  • In der Blutuntersuchung lassen sich erhöhte Werte für verschiedene Enzyme wie beispielsweise die sogenannte Lipase und die alpha-Amylase nachweisen. Sind Gallensteine die Ursache der Entzündung, finden sich darüber hinaus oft auch erhöhte Leber- bzw. Gallengangswerte (gamma-GT, alkalische Phosphatase, LAP). Im Fall einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind u.a. deutlich erhöhte Blutzucker-Werte, erhöhte Harnstoffwerte und ein erhöhter Hämatokrit-Wert Warnsignale für einen schweren Verlauf mit möglicherweise drohendem Organversagen.

  • Die Ultraschalluntersuchung (sowohl konventionell über die Bauchdecke, als auch mittels Endoskop) erlaubt es, Schwellungen, Verkalkungen oder Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchspeicheldrüse nachzuweisen. Mittels Computertomografie lässt sich das Ausmaß der Gewebszerstörung beurteilen.

  • Eine Kombination aus Diagnose- und Therapieverfahren stellt die ERCP dar. Für die Untersuchung wird ein flexibles Instrument (Endoskop) durch Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm des Patienten bis an die Mündungsstelle des gemeinsamen Ausführungsgangs von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse vorgeschoben. Das Verfahren erlaubt es, Gallensteine im Ausführungsgang zu erkennen und ihnen gegebenenfalls durch Erweiterung der Einmündungsstelle den Austritt in den Darm zu gestatten. In einigen Fällen kann so die Ursache der Bauchspeicheldrüsenentzündung gleichzeitig erkannt und behoben werden.

Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausschließen

Um die Diagnose zu sichern, müssen Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, ausgeschlossen werden. Dazu gehören

  • Darmlähmung,
  • Blinddarmentzündung,
  • Bauchhöhlenschwangerschaft,
  • Nierenkolik,
  • Gallenkolik,
  • Durchbruch von Magen, Darm oder Gallenblase,
  • Herzinfarkt,
  • Lungeninfarkt,
  • Tumoren der Eierstöcke und andere

Behandlung: Was gegen Pankreatitis hilft

Die Behandlung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt in der Klinik. Erste Maßnahmen dienen auf der einen Seite der Stabilisierung des Patienten (Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten) und dem Verhindern eines Organversagens und zum anderen einer möglichst wirksamen Behandlung der begleitenden Schmerzen.

Eventuell vorliegende Gallensteine werden entfernt (ERCP), Organveränderungen, wie sie etwa in Gestalt von Flüssigkeitsansammlungen in vernarbten Bereichen des Organs (Pseudozysten) als Folge einer chronischen Pankreatitis auftreten können, werden nach Möglichkeit durch Einlage von Drainageschläuchen behoben. Gelingt dies nicht, bestehen Einengungen von Gallenwegen bzw. des Pankreasgangs oder müssen Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt werden, ist eine Operation erforderlich.

Begleitend wird eine Ernährungstherapie vorgenommen. Dabei kommt meist entweder eine Mischung aus parenteraler (künstliche Ernährung ohne Einbezug des Darms) und enteraler Ernährung (Magensonde), eine rein enterale Ernährung oder aber eine orale Ernährung mit langsamem Kostaufbau zum Einsatz. Auf Nahrungsmittel, die die Verdauung stark anregen, ist zu verzichten. Das gilt insbesondere für

  • Alkohol,
  • Kaffee und
  • Fett.

Patienten mit fortgeschrittener chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung müssen unter Umständen dauerhaft Verdauungsenzyme einnehmen, um ihre Verdauung zu normalisieren. Das Erreichen der gewünschten und ausreichenden Wirksamkeit kann dabei einige Zeit in Anspruch nehmen. Bei leichteren Formen kann die Einnahme mittels einer Pille erfolgen, bei fortgeschritteneren Formen hingegen müssen die Verdauungsenzyme eventuell intramuskulär verabreicht werden.

Alkoholverzicht und fettarme Ernährung: Einer Bauchspeicheldrüsenentzündung vorbeugen

Der Entstehung von alkoholbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündungen kann vorgebeugt werden, indem auf den regelmäßigen Genuss größerer Alkoholmengen verzichtet wird.

Die Bildung von Gallensteinen, der zweiten wichtigen Ursache von Bauchspeicheldrüsenentzündungen, lässt sich durch eine ausgewogene, fettarme Ernährung verringern, jedoch nicht völlig verhindern. Denn Gallensteine können auch genetisch bedingt sein.

Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2017
Durch: Monika Preuk

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