Zärtlichkeit kennt kein Verfallsdatum

Sex in den Wechseljahren: Lust oder Frust?

Hormonumbau im weiblichen Körper kann zu sexueller Lustlosigkeit führen

Mehr Lust, weniger Lust - in den Wechseljahren ist beides möglich: Der Hormonumbau kann Lustlosigkeit bewirken. Viele Frauen genießen aber auch eine neue Freiheit, Streicheleinheiten und erfahrene Liebhaber.

Älteres Paar kuschelt im Bett
In den Wechseljahren muss die Lust auf Erotik und Sex nicht zwangsläufig vergehen.
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Früher galt es als ausgemacht, dass die Wechseljahre für eine Frau das Ende ihrer Sexualität bedeuten. Moderne Zeitgenossinnen zweifeln an der Zwangsläufigkeit dieses Zusammenhangs. So hören Gynäkologinnen und Gynäkologen von Frauen in den Fünfzigern inzwischen häufiger die Frage, ob es in ihrem Alter normal sei, dass sie keine Lust auf Sex haben. Diesen Frauen fehlt etwas, sie leiden unter ihrer Lustlosigkeit und wollen gerne etwas ändern.

Wie viele Frauen der Lustverlust betrifft, ist schwer zu sagen. Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass sich bei jeder Zweiten in und nach den Wechseljahren der Wunsch nach Sex verflüchtigt. Die Gründe variieren, sie sind jedoch oft hormoneller oder psychologischer Natur - abnehmende Östrogene und Androgene funken ebenso dazwischen wie die Angst, nicht mehr attraktiv zu sein.

Hinzu kommt: Etliche Frauen haben Lust auf Sex, aber nicht auf den, den sie kennen.

Die Medizinpsychologin Dr. Beate Schultz-Zehden hat festgestellt: "Frauen haben lange sexuelle Gedanken und Gefühle, aber die Sexualität, die sie erleben, befriedigt sie nicht." Eine Studie des Kondomherstellers Durex untermauert diese Einschätzung. Demnach kommen 43 Prozent der Frauen in Deutschland vor allem durch Selbstbefriedigung zum Höhepunkt und nur 23 Prozent durch Sex mit einem Partner. Wichtigster Störfaktor beim gemeinsamen Liebespiel ist für 83 Prozent der Frauen Stress. Auch Schmerzen beim Akt (68 Prozent), zu wenig Zärtlichkeit (65 Prozent) und zu viel Routine im Bett empfinden Frauen als störend, ergab eine Befragung des Forsa-Instituts von 500 Frauen zwischen 30 und 60 Jahren im Auftrag der Zeitschrift "Vital".

Erfahrung bereichert Sexleben: Ab 50 sind Frauen besonders zufrieden mit dem Sex

Dass das sexuelle Verlangen mit den Wechseljahren nicht zwangsläufig vergeht, zeigt ein weiteres Ergebnis der Forsa-Umfrage: Von den 45- bis 60-jährigen Frauen sagen 53 Prozent, dass ihre Lust auf Sex unverändert geblieben sei. Eine aktuelle Studie aus 2013 ergab: Rund drei Viertel aller Frauen ab 50 Jahren sind mit ihrem Sexleben zufrieden. Und je älter Frauen werden, desto erfüllter und zufriedener scheint ihr Liebesleben zu sein (zum Artikel "Ab 50 Jahren zufriedener mit dem Sex"

über die Studie).

Das Liebesleben älterer Paare ist sogar oft erfüllter und aufregender als das von jüngeren, fanden Wissenschaftler des Psychologischen Instituts der Universität Göttingen heraus, die via Internet über 60.000 Menschen zwischen 20 und 59 Jahren nach ihrer sexuellen Zufriedenheit befragten. Alter sei kein Lustkiller, resümieren die Forscher. Wohl aber die Dauer einer Partnerschaft. Unabhängig vom Lebensalter lasse die Lust auf Sex in den ersten zehn Jahren einer Partnerschaft nach. Doch bei Pärchen zwischen 20 und 29 Jahren versiegt das sexuelle Verlangen offenbar sehr viel schneller als bei Paaren, die zwischen 50 und 59 Jahre sind.

Die wichtigste Ursache dafür sehen die Psychologen in der größeren sexuellen Erfahrung: Ältere Menschen seien meist bessere Liebhaber als junge. Lebenskenntnis führe weiter dazu, dass ältere Männer und Frauen überzogene Erwartungen an das Sexualleben relativierten. Außerdem erlebten es viele Frauen und Männer als befreiend, sich nicht mehr um Kinder kümmern zu müssen.

Die Lust kommt beim Machen

Mit den Jahren wird Zärtlichkeit vielen Frauen, aber auch Männern, wichtiger als sexueller Verkehr. "Im Alter ersetzt die Sexualität der Zugehörigkeit die Sexualität der Lust", sagt die Sexualtherapeutin Eleonore Pfundstein. Das Bedürfnis nach menschlicher Nähe sei dann wichtiger als sexuelle Befriedigung. Sexualität dürfe daher nicht mit Penetration und Orgasmus gleichgesetzt werden, sondern sei schon bei direktem Hautkontakt zu erleben.

Im Übrigen gibt es keine allgemein gültigen Regeln für ein erfülltes Sexualleben. Letztendlich müsse jeder Mensch seine Wünsche und Bedürfnisse erkennen und versuchen, sich diese zu erfüllen, sagt die Sexualmedizinerin Dr. Ulrike Brandenberg. "Wichtig ist dabei, die bestehenden Tabus hinsichtlich der Liebe im Alter zu überwinden und einen individuellen Weg zu gehen. Der Abbau der Schamgefühle dem eigenen Körper gegenüber spielt dabei eine wichtige Rolle." Jeder müsse aber auch lernen, den Körper des Partners, der sich eventuell durch Krankheit oder Alter verändert hat, zu akzeptieren.

Ein verbreitetes Problem ist das Abwarten: Wer auf die perfekte Gelegenheit für ein Stelldichein lauert, wartet womöglich umsonst. Fachfrau Brandenburg plädiert dafür, auch mal über den Schatten der Unlust zu springen. Sie rät: "Pfeifen Sie auf das Gefühl: Ich habe keine Lust."

Der Spaß an etwas kann beim Machen kommen - andere Situationen zeigen das deutlich.

Sechs Liebestipps für die Wechseljahre

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