Bösartiger Tumor der Prostata

Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Prostatakrebs ist ein bösartiger Tumor der Prostata, der männlichen Vorsteherdrüse. Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart. Frühzeitig erkannt sprechen sowohl der Tumor als auch bereits entstandene Metastasen meist sehr gut auf eine Behandlung an - in vielen Fällen kann Prostatakrebs sogar geheilt werden.

Mann mit Prostatakrebs beim Arzt
Frühzeitig erkannt ist Prostatakrebs gut behandelbar.
© iStock.com/AJ_Watt

Noch immer ist Prostatakrebs (medizinisch: Prostatakarzinom) die häufigste Krebserkrankung des Mannes: Nach einer Prognose des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten 2018 in Deutschland etwa 60.700 Männer neu an einem Prostatakarzinom, rund 13.900 starben an dem bösartigen Tumor. Allerdings geht die Erkrankungsrate über alle Altersgruppen hinweg betrachtet, seit 2011 deutlich zurück. Mit dem Alter steigt das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, stetig an. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren, vor dem 50. Lebensjahr tritt Prostatakrebs dagegen sehr selten auf.

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Was ist Prostatakrebs?

Prostatatakrebs entsteht durch eine unkontrollierte Teilung von Zellen der Prostata. Am häufigsten ist der hintere Teil des Organs betroffen: Rund 90 Prozent der Tumoren werden auf der dem Enddarm zugewandten Seite diagnostiziert.

Ursachen und Risikofaktoren für Prostatakrebs

Prostatakarzinome wachsen normalerweise langsam und verursachen kaum Beschwerden, solange sie noch klein sind. Ist der Tumor so groß, dass er Druck auf die Harnröhre ausübt, kommt es zu Symptomen wie Störungen bei der Blasenentleerung. Außerdem neigt Prostatakrebs dazu, bereits früh zu streuen und Metastasen (Tochtergeschwüre) vor allem in Knochen der Lendenwirbelsäule und des Beckens zu bilden.

  • Alter: Das Alter ist zwar ein nicht beeinflussbar, gilt jedoch als wichtigster Risikofaktor für Prostatakrebs. Mit steigendem Alter nimmt das Risiko zu, an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

  • Genetische Faktoren: Schätzungsweise geht jedes zehnte Prostatakarzinom auf eine erbliche Veranlagung zurück. Männer mit erkranktem Bruder und/oder Vater haben ein zweifach erhöhtes Risiko ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken. Mittlerweile haben Forscher bestimmte Gene identifiziert, die bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen könnten.

  • Umwelteinflüsse und Ernährung: In erster Linie werden eine fett- und kalorienreiche sowie ballaststoffarme Ernährung für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko verantwortlich gemacht. Insbesondere der Verzehr tierischer Fette und Übergewicht wirken sich negativ aus. Studien zeigten, dass Obst und Gemüse mit pflanzlichen Hormonen (Phytoöstrogen) wie zum Beispiel Soja und lycopenreiche Sorten wie Tomaten Schutz gegenüber Prostatakrebs bieten können.

  • Arbeitsplatz: Ein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom scheint für Männer zu bestehen, die am Arbeitsplatz Schwermetallen ausgesetzt sind. Vor allem Kadmium, das zum Beispiel in der Gummiindustrie verwendet wird, könnte zu den möglichen Ursachen für Prostatakrebs zählen.

  • Männliche Geschlechtshormone: Sie werden vorrangig in den Hoden und in geringerem Ausmaß in der Nebennierenrinde gebildet. Da die Hormone das Wachstum von Prostatakarzinomen fördern, können sie eine mögliche Ursache für Prostatakrebs sein.

  • Sexuell übertragbare Krankheiten: Häufige Erreger von Geschlechtskrankheiten sind Trichomonaden. Die einzelligen Parasiten sondern Proteine ab, die wiederum Entzündungen, ein Wachstum der Prostata oder die Invastion von gutartigen oder bösartigen Zellen auslösen. Dadurch steigt das Risiko für Prostatakrebs nach der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Infektion.

Symptome bei Prostatakrebs

Im frühen Stadium verursacht Prostatakrebs sehr selten Symptome. Erst bei fortgeschrittenen Erkrankungen können bestimmte Beschwerden auf Prostatakrebs hinweisen. Charakteristische Symptome, die auf ein Prostatakarzinom hindeuten, gibt es nicht. Allerdings sind einige Anzeichen bekannt:

  • Störungen und Beschwerden beim Urinieren
  • Schwierigkeiten zu urinieren (Harnverhalt)
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Schwacher Harnstrahl
  • Häufiges und nächtliches Wasserlassen
  • Blutbeimengungen im Urin
  • Beeinträchtigung der Darmentleerung
  • Starke Schmerzen im unteren Rücken, in der Hüfte oder im Becken
  • Schmerzhafter Samenerguss (Ejakulation)
  • Weniger starke Erektion bis hin zur Impotenz

Die meisten dieser Symptome werden zwar häufig von einer gutartigen Prostatavergrößerung verursacht. Trotzdem sollte bei solchen und ähnlichen Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden. Doch noch immer hält eine falsche Scham Männer davon ab, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen: Laut einer Umfrage wartet in der EU mindestens jeder vierte Patient zunächst ab, bevor er mit seinem Arzt über vorliegende Beschwerden spricht. Das Problem: Schweigen Patienten über Symptome, kann das ihre Prognose verschlechtern, sollten sie tatsächlich an Prostatakrebs erkrankt sein.

Prostatakrebs: Zu welchem Arzt?

Nach Anzeichen für Prostatakrebs kann der Hausarzt zumindest die Früherkennungsuntersuchung durchführen. Die dafür notwendige Tastuntersuchung und PSA-Messung kann auch der Urologe vornehmen, der auf diesem Gebiet viel Erfahrung besitzt. Spätestens wenn bei diesen Untersuchungen etwas Verdächtiges festgestellt wurde, übernimmt ein Facharzt die weitere Betreuung.

Ob die Behandlung nach Anzeichen auf Prostatakrebs der Urologe oder ein Onkologe vornimmt, hängt von den Umständen ab: Hat der Urologe große Erfahrung mit Prostatakarzinomen, weil er oft damit in Berührung kommt und sich auf dem Gebiet weiterbildet, kann er die weitere Behandlung übernehmen. Andernfalls ist ein urologisch tätiger Onkologie die Alternative. Ist eine Operation möglich und erforderlich, übernimmt der chirurgisch tätige Urologe den Eingriff, da er hier mehr Erfahrung hat als ein Allgemeinchirurg.

Diagnose bei Prostatakrebs

Im ersten Schritt zur Diagnose von Prostatakrebs erfolgt die Anamnese: Der Arzt fragt dabei die vorhandenen Beschwerden, mögliche relevante Vorerkrankungen oder eine familiäre Vorbelastung ab. Um abzuklären, was die Symptome verursacht, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen.

  • Tastuntersuchung: Die digital-rektale Tastuntersuchung ist ein einfaches Verfahren, bei dem der Arzt über den Enddarm mit einem Finger die Prostata betastet. Da Prostatakrebs häufig im Teil der Prostata entsteht, der dem Enddarm zugekehrt ist, kann der Arzt beim Tasten bereits kleine Veränderungen erkennen. Als alleinige Diagnosemethode ist die Tastuntersuchung dagegen nicht geeignet.

  • Blutuntersuchung: Bei einer Blutuntersuchung bestimmt der Arzt die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA), das als Tumormarker dient. Ein erhöhter Wert im Blut kann auf Prostatakrebs hinweisen, doch auch ein normaler PSA-Wert schließt Prostatakrebs nicht sicher aus. Bei unklaren Befunden kann zusätzlich der Quotient des sogenannten freien (ungebundenen) PSA zum Gesamt-PSA hilfreich sein.

  • Ultraschall: Die transrektale Ultraschalluntersuchung wird die Ultraschallsonde über den Enddarm eingeführt. Dadurch kann der Arzt Auffälligkeiten in der Gewebestruktur der Prostata entdecken oder eine Gewebeprobe entnehmen (Biopsie), die anschließend unter dem Mikroskop untersucht wird.

  • MRT und CT: Zusätzliche Informationen liefern die Magnetresonanztomografie (MRT) und seltener die Computertomographie (CT). Mit den bildgebenden Verfahren können das Prostatavolumen, die Lokalisation von verdächtigen Strukturen und die Lymphknoten beurteilt werden. Gerade vergrößerte Lymphknoten können Hinweise auf Metastasen sein.

  • Skelettszintigraphie: Mögliche abgesiedelte Metastasen des Tumors in den Knochen können mit einer Knochenszintigraphie nachgewiesen werden.

Prostatakrebs: Therapie und Heilungschancen

Die Heilungschancen für Prostatakrebs sind insgesamt so gut wie noch nie. Das liegt vor allem daran, dass der Krebs meist schon früh entdeckt wird. Je nach Stadium, Aggressivität und Vorliegen von Metastasen können die Ärzte eine Prognose und Risikoabschätzung geben. Besonders groß ist die Chance auf Heilung bei einem kleinen Tumor, der noch nicht gestreut hat. Operation und anschließende Chemotherapie führen dazu, dass der Krebs für den Rest des Lebens verschwindet. Doch auch wenn es sich um einen aggressiveren Tumor handelt und bereits Metastasen vorhanden sind, liegt die Überlebensdauer häufig bei über zehn Jahren oder mehr.

Ausführliche Information zu Therapiemöglichkeiten bei Prostatakrebs finden Sie hier.

Prostatakrebs vorbeugen durch Vorsorge

Da die Symptome von Prostatakrebs gerade im frühen Stadium recht unspezifisch sind, ist die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung beim Arzt wichtig. Auch Probleme beim Wasserlassen, Blutbeimengungen in Urin oder Samenflüssigkeit oder eine gestörte Blasenentleerung sollte ein Arzt abklären. In den meisten Fällen verursachen jedoch gutartige Veränderungen des Prostatagewebes wie eine Prostatavergrößerung solche Beschwerden. Prostatakrebs: Vorsorge

Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen

Männer in Deutschland können ab einem Alter von 45 Jahren jährlich die Prostata von ihrem Hausarzt oder einem Internisten untersuchen zu lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, ihren Versicherten die empfohlene Untersuchung zur Krebsfrüherkennung beim Arzt zu bezahlen. Diese sind daher für den Patienten kostenlos. Die Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs besteht aus einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden des Mannes sowie der Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm.

Gesunde Lebensweise hilft beim Vorbeugen

Wer sich gesund ernährt – viel frisches Obst und Gemüse, wenig tierische Fette – und sich regelmäßig sportlich betätigt und auf sein Gewicht achtet, tut viel für die Prävention von Prostatakrebs. Zu einer gesunden Lebensweise gehört auch ein reduzierter Alkoholkonsum.

  • Ernährung: Im Rahmen einer gesunden Ernährung sollte der Fokus auf pflanzlichen Lebensmitteln liegen. Zu einer vollwertigen Ernährung zählen außerdem Vollkornprodukte und der begrenzte Verzehr von Wurst und rotem Fleisch.

  • Alkohol: Männer sollten täglich nicht mehr als zwei alkoholische Getränke (12g Alkohol)  trinken. Diese Menge an reinem Alkohol entsprechen 0,33 Liter 5 prozentiges Bier, 4 cl 40 prozentiger Schnaps, 14 cl 12 prozentiger Wein oder Sekt oder 7 cl 20 prozentiger Likör.

  • Bewegung: Zusätzlich zur normalen täglichen Bewegung sollten mindestens 30 Minuten mäßige bis starke körperliche Aktivität an mindestens fünf Tagen in der Woche erfolgen. Für eine mäßige Bewegung eignen sich lockeres Fahrrad fahren, Golfen oder Gartenarbeit. Eine stärkere körperliche Aktivität erfolgt beim Joggen, Schwimmen oder Fußball spielen. Einzelne Sporteinheiten können durch eine erhöhte Alltagsaktivität ausgeglichen werden – zum Beispiel Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren, gehen oder Fahrrad fahren statt Autofahren.

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