Antibiotikaresistente Bakterien

MRSA: Gefährliche multiresistente Keime

Viele bakterielle Infektionen sind gut mit Antibiotika behandelbar. Doch einige Erreger sind inzwischen gegen bestimmte Antibiotika mehrfach resistent. Der bekannteste dieser multiresistenten Erreger ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Der Keim kommt vor allem in Krankenhäusern vor – dort, wo besonders oft Antibiotika eingesetzt werden.

MRSA: Verbreitung stoppen
Einfache und wichtigste Maßnahme, um die Verbreitung von multiresistenten Keimen wie MRSA zu stoppen: gründlich Hände waschen!
© iStock.com/robertprzybysz

Bakterien der Gattung Staphylococcus aureus besiedeln natürlicherweise unsere Haut und die Schleimhäute: Infektiologen schätzen, dass rund 20 bis 60 Prozent aller Menschen Staphylococcus aureus vor allem in der Nase und im Rachen mit sich tragen. Einem gesunden Immunsystem kann er nichts anhaben. Gefährlich wird der Keim erst, wenn der Träger körperlich geschwächt ist. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem kann er sogar zu lebensgefährlichen Infektionen wie einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung führen.

In einem solchen Fall helfen in der Regel Antibiotika. Doch die Bakterien sind in der Lage, eine Unempfindlichkeit (Resistenz) gegenüber dem Antibiotikum Methicillin und weiteren Antibiotika zu entwickeln. MRSA ist die Abkürzung von Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – dieser zählt zu den mulitiresistenten Erregern (abgekürzt MRE).

Von Kosmetik bis Smartphone: Die übelsten Keimfallen im Alltag

Bakterien im Körper als Dauergast

Keime sind an sich nichts Schlechtes für unseren Organismus. Im Gegenteil: Unser Körper ist übersät mit Keimen. Auf der Haut sorgen Bakterien für einen gesunden pH-Wert und wehren so krankmachende Bakterien ab. Im Magen-Darm-Trakt unterstützen sie die Verdauung und sind deshalb ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Diese „guten Bakterien“ werden auch als kommensale Keime bezeichnet. Staphylococcus aureus zählt nicht dazu. Vor allem eine Besiedelung in der Methicillin-resistenten Variante kann für unseren Körper gefährlich werden.

Unterschied zwischen Besiedelung und Infektion? 

  • Besiedelung (Kolonisation): Bei einer Besiedelung mit MRSA- Bakterien siedeln und vermehren sich die Bakterien auf der Haut und Schleimhaut, ohne dass sie eine Erkrankung verursachen. Diese Personen sind sogenannte MRSA-Träger. Sie benötigen eine Sanierung durch Waschungen und Nasensalbe, um den multiresistenten Keim von der Haut zu entfernen. 

  • Infektion: Bei einer Infektion dringen MRSA über die Haut oder Schleimhaut in den Körper des Patienten ein und machen diesen krank. Der MRSA-Erreger ist zwar gegen viele Antibiotika resistent. Es gibt jedoch ein paar Reserve-Antibiotika, mit denen eine MRSA-Erkrankung in der Regel wirksam behandelt werden kann.

Was passiert bei einer Sanierung? 

Eine Sanierung soll den multiresistenten Keim beseitigen. Ob der Keim danach tatsächlich nicht mehr nachgewiesen werden kann oder ob er sich nach einiger Zeit wieder niederlässt, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Für wen eine Sanierung in Frage kommt, entscheidet der Arzt.  

Das Standardverfahren zur Sanierung

  • Reinigung mit desinfizierenden Seifen und Salben. 
  • Ist der Nasen-Rachen-Raum betroffen, wird zusätzlich eine keimtötende Nasensalbe (Mupirocin-Nasensalbe) über fünf Tage angewendet. 
  • Zur Sanierung des Mund- und Rachenraums nutzt der Arzt desinfizierende Mundspülungen. 
  • Die Gehörgänge werden mit antiseptischen Präparaten behandelt. 
  • Zur Ganzkörperreinigung der intakten Haut inklusive Haare duschen oder baden Patienten an mindestens 3 Tagen hintereinander für jeweils 15 Minuten. Die keimabtötende Waschlotionen oder Badezusätze in Dusche und Badewanne sollen den MRSA entfernen. 

Zur Erfolgskontrolle veranlasst der Arzt frühestens 3 Tage nach Abschluss der Maßnahmen Kontrollabstriche am Körper des Betroffenen.

Wo kommen MRSA vor? 

Viele Menschen tragen MRSA unwissentlich auf Haut oder Schleimhäuten, ohne davon krank zu werden. MRSA kommen weltweit vor. Am häufigsten besiedeln die Keime Patienten in Krankenhäusern, insbesondere auf Intensivstationen. Sie sind Hauptverursacher der sogenannten nosokomialen Krankenhausinfektionen. Auch Bewohner von Alten- und Pflegeheimen stecken sich in geringem Umfang mit diesem Krankenhauskeim an.  

Nach einer Anfang November 2018 veröffentlichten Untersuchung gab es allein im Jahr 2015 in der Europäischen Union rund 670.000 Erkrankungen durch multiresistente Erreger. 33.000 Patienten starben. 

MRSA: Warum wirken Antibiotika nicht mehr? 

Zu den Hauptgründen für mehr resistente Bakterien zählt der unkritische Einsatz von Antibiotika – nicht nur beim Menschen, sondern auch in der Tierhaltung. Wissenschaftler forschen deshalb an neuen Antibiotika-Gruppen und Wirkstoffen. Doch effektive Ersatzantibiotika oder ein protektiver Impfstoff gegen MRSA sind bislang nicht in Sicht. Womöglich kann erst ein genaueres Verständnis der Abwehrmechanismen neue Therapien gegen diese Bakterien ermöglichen. 

Lesen Sie mehr zum Thema resistente Keime und der problematischen Antibiotikaresistenz.

Wer gehört zur MRSA-Risikogruppe?

Für gesunde Menschen ist MRSA normalerweise ungefährlich. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann eine Infektion mit MRSA zu einer ernsten Erkrankung führen. Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Aufenthalt in Krankenhaus innerhalb der letzten sechs Monate
  • Chronisch Pflegebedürftige in Seniorenheimen 
  • Antibiotikatherapie in den letzten sechs Monaten 
  • Dialysepatienten 
  • Diabetiker 
  • Ältere Menschen und Säuglinge 
  • Patienten mit Kathetern, einer Öffnung der Luftröhre nach außen oder Gelenkersatz 
  • Menschen mit schlecht heilenden, chronischen Wunden oder Hautverletzungen beziehungsweise entzündlichen Hauterkrankungen 
  • Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Immunsuppressiva bei Krebskranken) 
  • Kontakt zu einem MRSA-Träger 
  • Beruflicher Kontakt mit Tieren in der Landwirtschaft

Symptome einer MRSA-Infektion 

Anzeichen für eine Infektion sind Hautentzündungen wie Geschwüre und Eiteransammlungen. Der Keim kann Wundinfektionen, Harnwegsinfekte, Lungenentzündungen oder sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen. Der Nachweis der multiresistenten Keime erfolgt durch einen Nasen-, Rachen- oder Wundabstrich. Solange der Erreger nachgewiesen werden kann, sind die Erkrankten ansteckend.

Ansteckung: Wie werden multiresistente Erreger übertragen?

Am häufigsten gelangen die Erreger von Mensch zu Mensch über direkten Körperkontakt, zum Beispiel einen Handschlag. MRSA können aber auch an Türklinken, Handläufen oder anderen Griffen haften. Trägt man die Keime am eigenen Körper, kann man sich theoretisch selbst infizieren. Zum Beispiel, wenn MRSA aus der Nase über die Hände in eine Wunde und somit in die Blutbahn gelangt. Auch eine Ansteckung über ein besiedeltes Haustier ist möglich. 

Vor allem in Kliniken oder Heimen gilt es, den Erreger so gut es geht, an der Verbreitung zu hindern. Sorgfältige Händehygiene ist deshalb äußerst wichtig. Am besten sollten sich Krankenhausbesucherinnen und -besucher vor und nach dem Aufenthalt in der Klinik die Hände desinfizieren.

Maßnahmen bei (Verdacht auf) Infektion mit MRSA

Um MRSA nachzuweisen, macht der Arzt einen Abstrich mit einem Tupfer. MRSA kann auf der Haut, im Rachen, den Schleimhäuten der Nasenvorhöfe, unter den Achseln, am Haaransatz, in der Leiste, im Stuhl oder Rektum, bei Infektionen in der Wunde, im Blut und im Urin nachgewiesen werden. Am häufigsten nimmt der Arzt eine Probe im Nasenvorhof oder im Rachen. Durchschnittlich kostet ein Abstrich 10 bis 15 Euro.

Steht die Diagnose MRSA fest, müssen unterschiedliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden:

  • Unterbringung: Bei (Verdacht auf) MRSA werden Patienten im Krankenhaus in einem Einzelzimmer untergebracht. Die Isolation ist deshalb notwendig, damit sich die Keime nicht weiter ausbreiten. Optimalerweise verfügt das Zimmer über eine Schleuse. Tragen mehrere Patienten denselben Erreger, können sie in einem Mehrbettzimmer untergebracht werden.  
  • Verlassen Infizierte das Zimmer, sollten sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen und ihre Hände gründlich reinigen.  
  • Personalschutz: Das Personal schützt sich mit Einmalkittel, Einmalhandschuhen und Mund-Nasen-Schutz. Beim Eintritt und Verlassen des Zimmers werden die Hände desinfiziert.  
  • Besucherschutz: Auch Besucher tragen einen Schutzkittel sowie einen Mund- und Nasenschutz und desinfizieren sich die Hände. 
  • Behandlung: Wenn nötig, wird eine Sanierung (siehe unten) durchgeführt.

Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion

Wenn Sie gesund sind, können Sie normalen Kontakt zu MRSA-Trägern pflegen. Sogar Umarmungen sind erlaubt, da die Ansteckungsgefahr sehr niedrig ist. Waschen Sie sich hinterher gut die Hände. Ansonsten gilt:

  • Halten Sie sich an die Hinweise des Personals im Krankenhaus. 

  • Wenn Sie offene Wunden oder ein stark geschwächtes Immunsystem haben, sollten Sie den Kontakt zu MRSA-Trägern oder MRSA-Erkrankten besser meiden. 

  • Nehmen Sie Antibiotika unbedingt so, wie es Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verordnet hat. 

  • Selbst wenn Sie Kontakt mit MRSA-Patienten hatten, müssen Sie sich nicht auf den Keim testen lassen.  

  • Wenn eine Operation ansteht und bei Ihnen ein Risikofaktor für MRSA spricht, dann sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen, ob vorher ein Test sinnvoll ist. 

  • Decken Sie Wunden und Verletzungen immer mit einem sauberen Verband ab und waschen Sie sich vor und nach dem Verbandswechsel gründlich die Hände. 

  • Meiden Sie Kontakt mit offenen Wunden anderer. 

  • Waschen Sie sich generell nach dem Toilettengang, dem Windelwechseln oder dem Kontakt mit Tieren gründlich die Hände. 

  • Lüften Sie regelmäßig, denn in geschlossenen Räumen steigt die Anzahl der Krankheitserreger. 

  • Verwenden Sie niemals benutzte fremde Handtücher, Waschlappen oder Zahnbürsten. 

  • Säubern Sie rohes Gemüse und Obst vor dem Verzehr sorgfältig.  

  • Achten Sie nach der Verarbeitung von rohem Fleisch darauf, Schneidebretter und Messer gründlich zu reinigen, damit andere Lebensmittel nicht mit etwaigen Bakterien in Kontakt kommen. Die Keime sterben ab, wenn Fleisch bei 70°C für zwei Minuten erhitzt wird. 

  • Waschen Sie Ihre Wäsche regelmäßig bei 60°C, das überleben die meisten Erreger nicht. 

  • Sorgen Sie bei sich und Ihrer Familie für einen vollständigen Impfschutz. Vergessen Sie nicht, bestimmte Impfungen regelmäßig aufzufrischen.

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