Seltene Komplikation

Gasbrand: Gefährliche Wundinfektion erfordert schnelles Handeln

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Eine seltene, aber gefährliche Komplikation von Wunden ist Gasbrand. Die durch Clostridien hervorgerufene Wundinfektion breitet sich rasch aus und muss umgehend behandelt werden. Welche Symptome deuten auf Gasbrand hin und wie kann man sich schützen?

Wanderer versorgt Wunde
© Getty Images/Przemyslaw Klos / EyeEm

Gasbrand ist eine bakterielle Infektionskrankheit, in der Regel ist Muskelgewebe betroffen. Sie führt zur Gasbildung und dem Absterben von betroffenem Gewebe (Nekrose). Unbehandelt breitet sich die Infektion schnell aus, führt zu einem Multiorganversagen und verläuft dann tödlich. Andere Namen für die Wundinfektion sind Clostridiale Myonekrose oder Myositis, Gasödem, Gasgangrän oder malignes Ödem.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen: Wie entsteht Gasbrand?

Hauptauslöser für Gasbrand ist eine Infektion mit dem stäbchenförmigen Bakterium Clostridium perfringens. Seltener können andere Clostridien-Stämme wie Clostridium septicum die Erkrankung hervorrufen. Auch eine Mischinfektion mit anderen Bakterien ist möglich, die den geschwächten Zustand des Immunsystems ausnutzen.

Nach einer Verletzung oder umfangreichen Operation dringen die Erreger in Weichteilgewebe wie die Muskulatur ein. Da die Bakterien anaerob sind, also unter Sauerstoffmangel wachsen, vermehren sie sich in schlecht durchblutetem Gewebe besonders schnell. Außerdem bilden die Bakterien Toxine, die im menschlichen Körper nekrotisierend wirken, also zum Absterben von Gewebe führen.

Außerdem sind Clostridien Bestandteil der natürlichen Darmflora (Mikrobiom) des Menschen. Da das Bakterium Sporen bildet, kann es auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts überleben. Bei einem geschwächten Immunsystem, Verletzungen oder Operationen des Darms können die Bakterien über die Blutbahn ins Weichteilgewebe gelangen. Diese endogene Form ist jedoch deutlich seltener als das Einwandern der Krankheitserreger von außen.

Risikofaktoren für eine Wundinfektion

Deshalb besteht ein besonderes Risiko für Gasbrand bei Wunden, die

  • großflächig sind,
  • tief ins Gewebe gehen und schwerwiegend sind,
  • verunreinigt sind (zum Beispiel durch Schmutz, Erde oder Exkremente) oder
  • die bereits nektrotisches Gewebe enthalten.

Symptome bei Gasbrand

Die Inkubationszeit ist sehr kurz, nur wenige Stunden bis etwa vier Tage nach dem Eindringen der Erreger beginnt die Entzündung. Sie breitet sich rasch aus, sodass sich zügig eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickelt. Infolge des septischen Schocks droht ein akutes Nierenversagen bis hin zum Multiorganversagen.

Charakteristisch für Gasbrand ist ein Knistern der Haut (Krepitation) bei Ausübung von leichtem Druck. Die Ursache: Clostridien bilden gasförmiges Kohlendioxid, das im Gewebe freigesetzt wird.

Weitere Anzeichen für Gasbrand:

  • geschwollene Haut
  • rot-braun bis violett oder schwarz verfärbtes Hautareal
  • dunkle, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen unterhalb der Haut
  • starke Wundschmerzen
  • süßlich-faulig riechendes Wundsekret
  • Fieber
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • schnelle Atmung

Der Darmbrand (Clostridien-nekrotisierende Enteritis) ist eine lebensgefährliche Sonderform der Infektion mit Clostridium perfringens. Es kommt zu schmerzhaftem Stuhldrang (Tenesmen), blutigem Durchfall und Fieber. Schnell können Komplikationen wie Darmverschluss (Ileus), Darmdurchbruch und Blutungen im Magen-Darm-Trakt entstehen. Trotz Behandlung ist ein tödlicher Verlauf bei dieser Form des Gasbrands sehr hoch.

Diagnose bei Verdacht auf eine Infektion

Liegt der Verdacht nahe, dass sich ein*e Patient*in mit Clostridien infiziert hat, ist schnelles Handeln erforderlich. Erste Anhaltspunkte liefern die charakteristischen Symptome: Schwillt eine Wunde an, verfärbt sich und schmerzt stark oder haben sich Blasen gebildet, spricht dies für die Wundinfektion.

Anschließend wird in der Regel das Wundsekret unter dem Mikroskop auf grampositive Stäbchenbakterien getestet. Für einen genauen mikrobiologischen Erregernachweis fehlt angesichts der Schwere der Erkrankung die Zeit. Bei Bedarf kann ein Röntgenbild oder eine Ultraschalluntersuchung Ansammlungen von Gas im Gewebe nachweisen.


Schnelle Therapie bei Gasbrand erforderlich

Zunächst wird die Wunde sorgfältig gereinigt und desinfiziert. Ist bereits Gewebe abgestorben, wird dieses chirurgisch entfernt. Sind Arme oder Beine betroffen, erfolgt bei einem fortgeschrittenen Gasbrand unter Umständen eine Amputation der Extremität. Damit verhindern die Ärzt*innen eine weitere Ausbreitung der Wundinfektion.

Begleitend erhalten Patient*innen Antibiotika, um die Bakterien abzutöten. Häufig wird Penicillin mit Clindamycin kombiniert, Alternativen sind Carbapenem und Linezolid. Bei einem Schock bekommen Betroffene kreislaufstabilisierende Medikamente. Um ein Organversagen zu behandeln, wird versucht, die Organfunktion zu ersetzen – bei akutem Nierenversagen beispielsweise durch eine Dialyse.

Da Sauerstoff das Wachstum der Clostridien hemmt, kann eine hyperbare Oxygenierung durchgeführt werden. Dazu werden Betroffene in einer Überdruckkammer mit reinem Sauerstoff beatmet. In der Folge wird viel Sauerstoff im Blut gelöst, wodurch sich die Menge im Gewebe erhöht.

Kann man Gasbrand vorbeugen?

Während Gasbrand früher eine häufige Komplikation bei Wunden war, kommt es dank der heutigen Hygienestandards in Deutschland nur noch selten vor. Auch die Entwicklung von Antibiotika hat die Zahl an Fällen stark gesenkt.

Um einer Clostridien-Infektion vorzubeugen, sollten Wunden immer gründlich gesäubert werden. Vor allem Fremdkörper und Schmutz sollte man vorsichtig entfernen. Bei großflächigen und tiefen Wunden sollten Betroffene zeitnah ärztliche Hilfe aufsuchen, damit die Verletzung fachkundig versorgt wird. Das gilt auch für Menschen mit Diabetes mellitus: Durch die Stoffwechselkrankheit ist die Durchblutung des Gewebes meist vermindert, sodass Wunden vorsorglich ärztlich untersucht werden sollten. Um Infektionen zu vermeiden, erhalten Patient*innen normalerweise im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs im Bauchraum prophylaktisch Antibiotika.

Ein Impfstoff gegen Clostridien steht bislang nicht zur Verfügung.

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