Schimmelpilzallergie ähnelt Heuschnupfen

Schimmelpilz ist eine Gefahr für die Gesundheit

Eine Schimmelpilzallergie ruft ähnliche Symptome wie Heuschnupfen hervor. Juckende und roten Augen bis zum Niesanfall sind die ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Pilzbefalls in der Wohnung. Was kann man tun, um befallene Wohnräume zu sanieren und wie kann man Schimmelpilzen vorbeugen?

Schimmelpilz in der Wohnung
Die Sanierung einer stark mit Schimmelpilz befallenen Wohnung ist ein Fall für den Fachmann.
Heiko Küverling

Die Symptome reichen von Husten und Schnupfen über Bindehautentzündung und Kopfschmerzen bis hin zur Müdigkeit.Eine Allergie gegen Schimmelpilze ähnelt von den Anzeichen her einer Allergie gegen Pollen, dem klassischen Heuschnupfen. Im Fall der Schimmelallergie lösen aber die Sporen des Pilzes lästige und anhaltende Beschwerden aus.

Wegen der Ähnlichkeit der Krankheitsanzeichen glauben dennoch viele Schimmelpilzallergiker, die Pollen seien an ihren roten Augen schuld. Eine Allergie gegen Schimmelsporen zieht kaum jemand in Betracht. V Deshalb ist es umso wichtiger, dass Betroffene prüfen, wann genau ihre Symptome auftreten. Gewissheit bringt aber nur ein Arztbesuch. Aber auch Menschen ohne eine allergische Sensibilisierung können auf die von Pilzen freigesetzten Toxine (Giftstoffe) mit einer Reizung von Haut und Schleimhäuten reagieren.

Besonders Kinder sind dafür anfällig: Laut einer englischen Studie steigt durch Schimmelpilzbefall ihr Erkrankungsrisiko um das Doppelte. Zudem steigt das Asthmarisiko.

Natur-Schimmel hat im Herbst Hochsaison

Läuft die Nase fast das ganze Jahr, kann das an einer Allergie gegen Schimmel oder Hausstaubmilben liegen. Auch wenn die Symptome im Herbst am stärksten sind, ist das ein wichtiger Hinweis: Dann hat der natürliche Schimmelpilz Saison. Eine Pollenallergie tritt hingegen vermehrt im Frühling und Sommer auf.

Ein Arzt kann die Schimmelpilzallergie diagnostizieren. Sitzt der Pilz in der Wohnung des Betroffenen, muss sie saniert werden. Den Schimmelpilz in der Natur zu umgehen, ist relativ schwierig. Ein Antihistaminikum kann zumindest gegen die akuten, symptomatischen Beschwerden helfen.

Wie erkennt man Schimmelpilz in der Wohnung?

Aspergillus, Penicillium und Cladosporium: Hinter diesen wohlklingenden Namen verstecken sich die häufigsten Pilzarten, die sich in Innenräumen breit machen können. Meistens machen sie sich durch Flecken in Blau, Grün, Schwarz oder Gelb vor allem an Wänden udn Einrichtungsgegenständen und einem unverkennbar modrigen Geruch bemerkbar.

Lässt sich der Pilz aber auf den ersten Blick trotz auffallender körperlicher Symptome nirgends aufspüren, können speziell ausgebildete Schimmelpilz-Spürhunden versteckte Pilzkolonien erschnüffeln."Wenn Patienten in den eigenen vier Wänden immer wieder über Schnupfen, Husten und juckende Augen klagen und eine Allergie auf Hausstaubmilben ausgeschlossen wurde, sollte auch an eine schimmelpilzbedingte Erkrankung gedacht werden", erklärt Frau Dr. Uta Rabe vom Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen, Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA).

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Wo die Schimmelpilze zu finden sind

Schimmelpilze gedeihen dort am besten, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht: im Bad, an Wänden, neben Fenstern, hinter Schränken oder Fußleisten. Häufig ist ein Feuchtigkeitsschaden an der äußeren Gebäudeschicht oder eine erhöhte Raumluftfeuchtigkeit bei mäßiger Durchlüftung die Ursache. So wird beispielsweise in einem Dreipersonenhaushalt täglich bis zu 14 Liter Wasser freigesetzt: Etwa ein Liter Wasser gelangt bei jeder Dusche in die Raumluft, ein weiterer beim Kochen. Zudem verdunstet jeder Mensch pro Tag 1 bis 1,5 Liter über Haut und Schleimhäute. Die Luftfeuchtigkeit kann dabei leicht auf 80 Prozent oder mehr steigen. Das sind ideale Bedingungen, die das Wachstum von Schimmelpilz begünstigen.

Sanierung von schimmelpilzbefallenen Räumen

Eine schnelle und effektive Beseitigung des Schimmelpilzbefalls ist wegen der möglichen Gesundheitsrisiken besonders wichtig. "Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der Wohnung oder gar ein Wohnungswechsel", so Rabe. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes besteht schon Handlungsbedarf bei einem Schimmelpilzbefall von mehr als 20 Quadratzentimeter. Bei mehr als 50 Quadratzentimeter besteht sogar ein dringender Handlungsbedarf.

Einfach die befallenen Flächen mit Fungiziden zu tränken, also mit Mitteln, die Pilze abtöten, sorge nicht für eine nachhaltige Wirkung, weiß Diplom-Ingenieur Gunter Hankammer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS).

Der Sanierung der Wohnräume sollte eine Untersuchung vorausgehen, damit die Ursache für den Pilzbefall genau festgestellt werden kann. Sind es vielleicht undichte Rohrleitungen oder falsche Isolierungen? Bestehen vielleicht Risse im Mauerwerk oder stecken mangelhafte Belüftungssysteme hinter der Feuchtigkeitsbildung? In jedem Fall sollte die Sanierung unter der fachkundigen Beratung und Anleitung eines Spezialisten stattfinden.

Sollte eine zügige Sanierung nicht möglich sein, empfiehlt das Unweltbundesamt, pilzbefallene Stellen vorerst mit 70- bis 80prozentigen Alkohol zu reinigen und zu desinfizieren. Das Tragen von Handschuhen, Mundschutz und Schutzbrille sind dabei unerlässlich.

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Wie beugt man Schimmelpilzen in der Wohnung vor?

Damit Schimmelpilz erst gar nicht entsteht, sollten gewisse Regeln berücksichtigt werden. Das A und O sind dabei richtiges Heizen und Lüften. Die Luftfeuchtigkeit in den Räumen sollte unter 60 Prozent liegen. Und mit richtigem Lüften ist nicht ein kurzer Durchzug gemeint: Um 13 Liter Wasser aus der Wohnung abzuführen, muss man 3.000 Kubikmeter Luft bewegen! Streng genommen sollte der Luftinhalt einer Wohnung etwa siebenmal komplett ausgetauscht werden. Dabei hat sich mehrmaliges so genanntes Stoßlüften von jeweils fünf bis zehn Minuten Dauer bewährt.

Weitere Tipps gegen Schimmel:

  • Im Badezimmer nach dem Duschen besonders gut lüften; das Wasser von Fußboden und Wänden wischen
  • Wenn Sie im Bad kein Fenster zum Lüften haben: Stellen Sie sicher, dass eingebaute Lüftungsanlagen richtig funktionieren. Die eingebauten Filter sollten alle 2 bis 3 Monate ausgewaschen und einmal jährlich ausgetauscht werden
  • Die Badezimmerheizung sollte im Winter nicht ausgeschaltet werden, sonst trocknet das Bad zu langsam
  • In der Küche sollte ein Dunstabzug installiert sein, der die Abluft nach draußen leitet
  • Verzichten Sie auf ständiges "Kipplüften", weil dadurch die Wandoberflächen oberhalb und seitlich des Fensters stark auskühlen und das Wasser an ihnen kondensiert
  • Lüften Sie das Schlafzimmer gleich morgens nach dem Aufstehen
  • Verwenden Sie keine Farben und Tapeten, die die Wände luftdicht verschließen
  • Verzichten Sie auf Luftbefeuchter in Ihrer Wohnung
  • Achten Sie auf eine häufige Leerung von Abfalleimer. Biomüll sollte idealerweise außerhalb der Wohnung gelagert werden, weil er ein beliebter Tummelplatz für Pilze ist.
  • Bei Verdacht auf Schimmelpilzbefall in der Wohnung sollten sie Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufnehmen Weitere Infos zur Schimmelpilzbeseitigung erhalten Sie beim BSS. Der Verband organisiert unter anderem die bundeseinheitliche Qualifikation und Zertifizierung von Sanierungsexperten.

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Letzte Aktualisierung: 20. November 2017

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