Verdauungsprobleme in der Ferne

Reisedurchfall

Reisedurchfall ist vor allem lästig, kann ohne Behandlung aber gefährlich werden. Alles zu den Ursachen, Symptomen und der Therapie von Diarrhö auf Reisen – und wieso besonders Ältere und Kinder Vorsicht walten lassen sollten.

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Ein weiser Rat von Montezuma, um Durchfall im Urlaub zu vermeiden: Peel it, cook it or forget it! (Schäl es, koch es – oder vergiss es!)
© iStock.com/RapidEye

Ein hohes Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, besteht vor allem bei Reisen nach Afrika, Asien und Südamerika. Die Erkrankungshäufigkeit ist auch abhängig von der Jahreszeit – zur Regenzeit (Monsunzeit) kommt es beispielsweise häufiger zu Reisedurchfällen.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist Reisedurchfall?

Unter Reisedurchfall, medizinisch Reisediarrhö, versteht man Durchfall, der im Zusammenhang mit einer Fernreise auftritt. Vom unkomplizierten Reisedurchfall sind etwa 20 bis 50 Prozent aller Fernreisenden betroffen. Reisende, die aus Industrienationen stammen, erkranken deutlich häufiger daran als Menschen aus Entwicklungsländern. Menschen mit schon bestehenden Magenerkrankungen oder einer herabgesetzten Immunabwehr sind ebenfalls häufiger von "Montezumas Rache" betroffen. Der Ausdruck geht auf den ehemaligen Herrscher über das Reich der Azteken zurück. Montezuma soll einst einen Fluch ausgesprochen haben. Heute wird der Begriff "Montezumas Rache" umgangssprachlich für Reisedurchfall verwendet, der in Zentralamerika, zum Beispiel Mexiko, auftritt. Analog existieren die Begriffe "Delhi Belly" für Reisedurchfall in Delhi und "Fluch des Pharao" bei Durchfall, der Reisende in Ägypten heimsucht.

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Ursachen für Reisedurchfall

Der unkomplizierte Reisedurchfall wird in etwa 65 Prozent der Fälle durch Bakterien ausgelöst, vor allem durch Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (enterotoxinbildende E. coli = ETEC). Etwa 30 Prozent der Fälle entstehen durch Viren (beispielsweise Hepatitis A-Virus) und fünf Prozent durch Erreger wie Amöben oder Giardia lamblia.

Die Übertragung erfolgt in der Regel fäkal-oral über eine Schmierinfektion: Die Erreger werden von infizierten Menschen oder auch Tieren ausgeschieden, gelangen direkt oder über die Hände an Lebensmittel oder Getränke und werden über den Mund aufgenommen. Entscheidend für die Häufigkeit der Erkrankungen sind die hygienischen Standards bei der Lebensmittelzubereitung in den jeweiligen Reiseländern.

Durchfall kann auch ein Symptom einer systemischen Tropenkrankheit wie beispielsweise Malaria sein. Vor allem bei andauerndem Durchfall nach Rückkehr aus dem Reiseland sollte auch hieran gedacht werden.

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An diesen Symptomen erkennt man Reisedurchfall

Der Reisedurchfall ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzenden flüssigen bis wässrigen Stuhlgang. In vielen Fällen kommen Bauchkrämpfe, Übelkeit und Blähungen hinzu. Die Symptome beginnen meist wenige Tage nach der Einreise in das Reiseland und halten durchschnittlich etwa drei bis vier Tage an.

Beim komplizierten Reisedurchfall leidet der Betroffene typischerweise zusätzlich unter Fieber, das häufig länger als drei Tage anhält. Auch Blut und Schleim im Stuhl treten in manchen Fällen auf.

Diagnose von Reisediarrhö

Der entscheidende Schritt zur Diagnosestellung von Reisedurchfall ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Zur genauen Bestimmung des Erregers kann eine Stuhlprobe entnommen und im Labor untersucht werden.

Vor allem zum Nachweis der Durchfall-Erreger bei kompliziertem Reisedurchfall ist diese Untersuchung von Bedeutung. In einigen Fällen kann eine Blutprobe insbesondere zur Bestimmung der Entzündungswerte sinnvoll sein.

Behandlung des Durchfalls auf Reisen

Der unkomplizierte Reisedurchfall hört in der Regel nach einigen Tagen von selbst auf.

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung des Reisedurchfalls ist der Flüssigkeitsersatz: Die Flüssigkeit, die durch den Durchfall ausgeschieden wird, muss dem Körper wieder zugeführt werden. Da mit der Flüssigkeit auch Salze (Elektrolyte) verloren gehen, sollten auch diese ersetzt werden.

Elektrolyt-Lösungen für Kinder und Ältere

Insbesondere bei Kindern kann das natürliche Gleichgewicht der Elektrolyte im Organismus schnell gestört werden und in schweren Fällen zu ernsthaften Erkrankungen wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen führen. Spezielle Elektrolytlösungen sind in Apotheken erhältlich, alternativ können zucker- und salzhaltige Lebensmittel zu sich genommen werden. Bei kompliziertem Reisedurchfall mit Fieber wird meist ein Antibiotikum über einige Tage gegeben.

Die Anzahl der Stuhlgänge kann durch Medikamente gemindert werden, beispielsweise durch das Opioid Loperamid, das die vermehrten Darmbewegungen herabsetzt. Durch Kohle kann der Stuhl fester werden. Wenn möglich, sollte aber auf diese Medikamente verzichtet werden, da mit dem dünnflüssigen Stuhl auch die Keime aus dem Darm ausgeschieden werden und der Infekt so insgesamt schneller ausheilt.

Verlauf von Reisedurchfall

Im größten Teil der Fälle heilt der Reisedurchfall ohne Komplikationen von selbst aus. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer beträgt etwa drei bis vier Tage. Halten Verdauungsprobleme und Fieber länger an, ist ein Arztbesuch dringend erforderlich. Halten Sie zu diesem Zweck am besten ein Wörterbuch in der jeweiligen Landessprache bereit.

Was tun bei anhaltendem Durchfall nach einer Reise?

Bestehen Durchfallsymptome auch noch nach dem Auflandsaufenthalt und ist keine Besserung in Sicht, müssen die Beschwerden von einem Arzt abgeklärt werden. Besonders, wenn Begleitsymptome wie Fieber oder Blut im Stuhl auftreten, wird der Arzt in jedem Fall eine Stuhlprobe unter anderem auf Parasiten und Salmonellen untersuchen. Nach Reisen in Malariarisikogebiete sollte bei Durchfall und gleichzeitig auftretendem Fieber außerdem in Betracht gezogen werden, dass der Betroffene möglicherweise an Malaria tropica erkrankt ist. Liegt chronischer Durchfall vor, könnte es sich zudem um eine tropische Sprue handeln. Diese seltene Erkrankung kann gefährlich werden und wird mit Antibiotika behandelt.

So beugen Sie Reisedurchfall vor

Durch die Einhaltung einiger Regeln beim Essen kann in vielen Fällen einer Erkrankung an Reisedurchfall vorgebeugt werden. Speisen sollten grundsätzlich durchgebraten oder gekocht, Obst sollte selbst geschält sein. Getränke sollten abgekocht oder in Flaschen gekauft werden. Trinkwasser sollte desinfiziert werden. Schalentiere sollten nicht roh beziehungsweise unvollständig gekocht verzehrt werden.

Eine vorbeugende Einnahme von Antibiotika wird in Ausnahmefällen empfohlen, beispielsweise bei Schwerkranken mit Krebs oder einer Schwäche der Immunabwehr.

Bei Reisen in bestimmte Länder wird eine Impfung gegen Cholera empfohlen, die sehr gut verträglich ist und in einem großen Teil der Fälle gleichzeitig gegen Enterotoxin-bildende E. coli (ETEC) schützt. Auch eine Impfung gegen Hepatitis A und B ist möglich, um das Risiko für Reisedurchfall zu reduzieren.

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