Chronischer Blutkrebs, gut behandelbar

CML - chronisch myeloische Leukämie

Die CML ist ein Blutkrebs, der durch die unkontrollierte Vermehrung von bestimmten weißen Blutzellen entsteht. Die Behandlungsmöglichkeiten konnten in den letzten Jahren deutlich verbessert werden.

CML- Meist kann Auslöser nicht gefunden werden
In den meisten Fällen von CML kann kein Auslöser der Erkrankung identifiziert werden. Eine Behandlung mit Medikamenten ist heute die Standardtherapie.
(C) 2009 Jupiterimages

Die chronische myeloische Leukämie (CML) gehört zu den Leukämien. Bei dieser Gruppe von Erkrankungen wachsen die weißen Blutzellen (Leukozyten) unkontrolliert. Die weißen Blutzellen bilden unter normalen Bedingungen  einen wesentlichen Teil des Immunsystems des menschlichen Körpers.

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Vier Leukämien-Formen

Es gibt verschiedene Arten von Leukämien. Sie werden in vier Hauptformen eingeteilt. Unterschieden wird in lymphatische (Herkunft der Zellen aus dem Lymphgewebe) und myeloische (Herkunft der Zellen aus dem Knochenmark) Leukämien. Nach der Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs werden zusätzlich akute (rasch verlaufende) und chronische (zu Beginn der Erkrankung langsam verlaufende) Leukämien unterschieden.

Die vier Hauptformen der Leukämie sind:

Die Hauptformen weisen jeweils typische Merkmale auf. Sie sind untereinander nur bedingt vergleichbar. So wird zum Beispiel jeder Leukämietyp anders diagnostiziert und behandelt. Was für eine Leukämieform zutrifft, hat bei den anderen in der Regel keine Gültigkeit.

Pro Jahr gibt es in Deutschland rund 9.100 Leukämieerkrankungen - 4.800 bei Männern und 4.300 bei Frauen. Der Anteil der CML liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent. Die Häufigkeit der chronischen myeloischen Leukämie nimmt mit dem Lebensalter zu. So tritt sie im Kindes- und jungen Erwachsenenalter nur sehr selten auf. Ihr Häufigkeitsgipfel befindet sich im fünften und sechsten Lebensjahrzehnt.

Daneben gibt es noch die chronische myelomonozytären Leukämie (CMML). Bei dieser kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen, der Monozyten. Sie ist ungefähr so häufig wie die chronische myeloische Leukämie (CML). 

Die CMML gilt erst seit wenigen Jahren als eigenständige Leukämieform. Zuvor wurden Erkrankungsfälle oft zu den myelodysplastischen Syndromen (MDS) gerechnet.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht CML?

In den meisten Fällen von CML kann kein Auslöser der Erkrankung identifiziert werden. Auch über Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, ist verhältnismäßig wenig bekannt.

Ausgangspunkt einer CML ist eine Schädigung im Erbgut von blutbildenden Stammzellen, die im Laufe des Lebens entsteht. Die Aufgabe dieser Zellen besteht darin, sich bei Bedarf in die jeweils benötigte Art von Blutzellen fortzuentwickeln und dabei zu vermehren. Stammzellen stellen also eine Reserve des Körpers dar, aus der fehlende Blutzellen nachgebildet werden. Bei CML tritt in einer der Stammzellen aus zumeist nicht näher bestimmbaren Gründen eine typische Veränderung im Erbgut auf. Diese Veränderung bewirkt, dass die betroffene Stammzelle nicht länger den normalen Regulationsmechanismen unterliegt - sie vermehrt sich unkontrolliert.

Ionisierende Strahlung, Benzol und andere organische Lösungsmittel

Für die Risikofaktoren für CML bestehen noch viele Unsicherheiten, doch für einige gilt ein Zusammenhang mit der CML als relativ sicher.

Ein Risikofaktor für die chronische myeloische Leukämie stellt ionisierende Strahlung dar. Hierunter wird jede Art von Strahlung verstanden, die so intensiv ist, dass sie – ohne entsprechende chemische Reaktionspartner – zu chemischen Veränderungen an Stoffen führen kann. Zur ionisierenden Strahlung gehören zum Beispiel Röntgenstrahlen und energiereiche Teilchenstrahlung, die bei radioaktivem Zerfall entstehen kann.

Um eine chronische myeloische Leukämie auszulösen, sind allerdings sehr hohe Strahlenmengen erforderlich. Normale Röntgenuntersuchungen, wie sie der Arzt vornimmt, um eine Krankheit zu diagnostizieren, erhöhen das Risiko für chronische myeloische Leukämie hingegen nicht.

Benzol und andere organische Lösungsmittel, die von Malern, Lackierern und in der chemischen sowie Druckindustrie verwendet werden, erhöhen ebenfalls das CML-Risiko. Die wichtigste Quelle für Benzol in der Umwelt stellt der Straßenverkehr dar. Er ist für etwa drei Viertel der Emissionen verantwortlich.

Kann CML vererbt werden?

Obwohl bei CML Schäden am Erbgut zugrunde liegen, handelt es sich nicht um eine Erbkrankheit: Die Schäden werden nicht an Nachkommen weitergegeben, da nur die Körper-, nicht jedoch die Keimzellen von den Genveränderungen betroffen sind. Eltern, die an CML erkrankt sind, müssen sich deshalb keine Sorgen machen, dass sie die Krankheit an ihre Kinder weitergeben.

CML-Symptome: Kaum Beschwerden – trotzdem krank

Die chronische myeloische Leukämie (CML) beginnt in der Regel schleichend. Oft verläuft sie über lange Zeit ohne typische Symptome. Am häufigsten ist zunächst eine verminderte Leistungsfähigkeit zu beobachten.

Zu Beginn der Erkrankung fehlen oft kennzeichnende CML-Symptome. Die Krankheit wird oft zufällig bei einem Arztbesuch aus ganz anderem Anlass entdeckt. Bei vielen Patienten liefert erst eine Blutuntersuchung Hinweise auf die Erkrankung.

Anzeichen und Symptome bei CML

Es gibt keine Symptome, an denen eine CML eindeutig erkannt werden kann. In einigen Fällen bestehen zwar Krankheitszeichen, doch diese sind so uncharakteristisch, dass die Patienten sie nicht mit einer schweren Erkrankung in Verbindung bringen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Abgeschlagenheit
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • depressive Verstimmung (Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit)
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Nachtschweiß
  • Fieber, ohne dass eine Infektionserkrankung vorliegt
  • Blässe
  • Kurzatmigkeit
  • Oberbauchbeschwerden (Druckgefühl, Sodbrennen) oder Rückenschmerzen in Folge einer starken Vergrößerung der Milz

Je nach Verlaufsstadium der chronischen myeloischen Leukämie kommt es zu leichten Verschiebungen, welche CML-Symptome im Vordergrund stehen. So treten beispielsweise Blutarmut, die zu Blässe, Kurzatmigkeit und Leistungsminderung führt, und Oberbauchbeschwerden beziehungsweise Rückenschmerzen vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien auf.

Diagnose: Erst das Blutbild gibt Aufschluss

Die chronische myeloische Leukämie (CML) kann oft erst durch ein Blutbild bestimmt werden. Zu Beginn der Erkrankung liegen in der Regel keine Symptome vor. Daher machen häufig Zufallsbefunde auf die Krankheit aufmerksam.

Das kleine Blutbild: Zunahme an weißen Blutkörperchen

Bei jeder routinemäßig durchgeführten Blutuntersuchung wird das kleine Blutbild bestimmt. Die Bestimmung erfolgt anhand einer gewöhnlichen Blutprobe, beispielsweise aus der Ellenbeugen-Vene. Beim kleinen Blutbild wird die Zahl der roten und weißen Blutzellen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) bestimmt sowie einige Werte, die sich auf den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) beziehen.

Ist im kleinen Blutbild eine leichte bis sehr starke Zunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zu beobachten, kann dies ein Hinweis auf CML sein. Auch die Blutplättchen, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, können vermehrt sein. Die roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich sind, liegen hingegen bei einer CML oft in reduzierter Zahl vor.  

Die Zahl der weißen Blutzellen kann allerdings bei ganz verschiedenen Erkrankungen erhöht sein. Die häufigste Ursache sind Infektionen. Denn die weißen Blutzellen gehören zum Abwehrsystem des Körpers und sind während der Bekämpfung von Krankheitserregern natürlicherweise vermehrt im Blut zu finden. Auch andere Blutkrebserkrankungen können die Ursache sein. Genaueren Aufschluss gibt das sogenannte Differenzialblutbild, welches das kleine Blutbild ergänzt.

Das Differenzialblutbild

Das Differenzialblutbild ist eine Blutuntersuchung, bei der die weißen Blutkörperchen nach Art und Anzahl unterschieden werden. So lassen sich ausgereifte weiße Blutzellen drei Hauptgruppen zuordnen: den Monozyten, den Lymphozyten und den Granulozyten.

Bei einer CML finden sich im Differenzialblutbild typischerweise nicht nur ausgereifte Granulozyten, sondern auch zahlreiche unreife Vorstufen. Weil sich bei CML Vorläuferzellen von Granulozyten unkontrolliert vermehren, treten diese in großer Zahl aus dem Knochenmark ins Blut über.

Auch eine vermehrte Anzahl dieser Vorläuferzellen im Blut weist CML allein noch nicht nach. Eine Bestätigung liefern nur der Nachweis des sogenannten Philadelphia-Chromosoms bei einer Untersuchung des Knochenmarks sowie weitere Diagnosemethoden. Die Zahl und Art der weißen Blutkörperchen eignet sich allerdings dazu, den Verlauf einer CML und den Erfolg einer Behandlung auf einfache Weise zu überwachen.

Weitere Blutwerte

Die starke Zunahme von weißen Blutzellen führt dazu, dass sich zudem vermehrt Stoffwechselprodukte dieser Zellen im Blut nachweisen lassen. Dazu gehören Harnsäure und das Enzym Laktatdehydrogenase (LDH). Darüber hinaus kann bei starker Vermehrung der weißen Blutzellen das Absinken des Enzyms alkalische Leukozytenphosphatase beobachtet werden.

CML-Therapie: Medikamente und Knochenmarktransplantation

Ohne Therapie führt die Krankheit oft innerhalb von etwa drei bis fünf Jahren zum Tod. Dank wesentlicher Fortschritte in der CML-Therapie können heute jedoch die meisten Patienten viele Jahre oder sogar Jahrzehnte mit der CML leben, ohne in ihrem Alltagsleben eingeschränkt zu sein.

Die chronische Phase bietet dabei die besten Behandlungschancen für die CML. Die Erkrankung ist dann noch nicht weit fortgeschritten und spricht in der Regel rasch und gut auf die heutzutage zur Verfügung stehenden Medikamente an. Die Krankheit kann in den meisten Fällen stark zurückgedrängt werden.

Medikamentöse Therapie

Moderne Medikamente können die CML in den meisten Fällen praktisch zum Stillstand bringen und werden heute als Standardtherapie eingesetzt. Dazu gehören Interferone und Tyrosinkinasehemmer.

Therapie mit Interferon alpha

Interferon alpha ist ein Eiweißmolekül, das im menschlichen Körper als Botenstoff des Abwehrsystems dient. Natürlicherweise wird es von bestimmten Körperzellen als Antwort auf eine Infektion gebildet. Der Botenstoff löst in befallenen und noch nicht befallenen Zellen Schutzmechanismen aus, die eine weitere Verbreitung der Infektion verhindern. Interferon alpha aktiviert zudem natürliche Killer-Zellen, welche der Virus- und Tumorabwehr dienen. Aufgrund dieser Mechanismen unterdrückt Interferon alpha in der chronischen Phase einer CML die Vermehrung der Leukämiezellen.

Nebenwirkungen treten bei der Behandlung mit Interferon alpha recht häufig auf und zwingen in vielen Fällen dazu, die Dosis zu verringern oder die Behandlung ganz abzubrechen.

Therapie mit Tyrosinkinasehemmer

Tyrosinkinasehemmer wirken direkt in der Leukämiezelle auf das Eiweiß Bcr-Abl, welches für das unkontrollierte Wachstum der Zellen verantwortlich ist. Der Wirkstoff blockiert das Bcr-Abl Eiweiß, wodurch sich nur noch die normalen Blutzellen teilen können. Die unkontrollierte Vermehrung kranker Blutkörperchen wird gestoppt. Auch der natürliche Schutzmechanismus, der die Zellen zur kontrollierten Selbsttötung veranlasst, wenn sie entarten, funktioniert wieder.

Zur Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, so dass bei Unverträglichkeiten oder bei einem Nachlassen der Wirkung auf ein alternatives Präparat  gewechselt werden kann.

Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie bei CML

Die medikamentöse Therapie bei CML ist nicht frei von Nebenwirkungen. Häufig ist es nötig, die Dosis anzupassen, die Wirkstoffe zu wechseln oder die Behandlung ganz abzubrechen.

Bei der Behandlung mit Interferon alpha kommt es oft zu grippeähnlichen Symptomen (Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenkschmerzen), Übelkeit, Gewichtsverlust oder Depression. Zusätzlich zu den Auswirkungen der CML kann ein Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen auftreten. Beim Einsatz von Tyrosinkinasehemmer wurden unter anderem Hautausschläge und Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verstopfung und Durchfall beobachtet. Zudem beeinträchtigen auch sie die normale Blutbildung.

Nebenwirkungen lassen sich durch Begleitmedikamente, etwa Schmerzmittel bei Kopfschmerz oder Antihistaminika bei Hautausschlägen, bessern.

Heilung durch Knochenmarktransplantaion

Geheilt werden kann die CML nur mit einer Knochenmarktransplantation(Stammzelltransplantation). Diese kommt jedoch nicht für jeden Patienten in Frage und ist zudem mit nicht unerheblichen Risiken verbunden. Daher wird die dauerhafte medikamentöse Behandlung meistens als die bessere Lösung angesehen. Die Entscheidung über die Art der Therapie wird der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der Gesamtsituation des Patienten treffen.

Chemotherapie bei CML

Die klassische Chemotherapie ist eine wenig gezielte Form der Behandlung und sollte deshalb nur in Ausnahmefällen zur Therapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) eingesetzt werden.

Bei der Chemotherapie werden Substanzen (Zytostatika) eingesetzt, die Tellen daran hindern, sich zu teilen. Weil sich die Zellen der meisten Krebsarten häufiger teilen als gesunde Körperzellen, werden bei einer Chemotherapie häufiger Krebszellen als gesunde Zellen getroffen und geschädigt. Dennoch schädigt eine Chemotherapie auch gesundes Gewebe erheblich. Besonders betroffen sind dabei Gewebearten, die selbst eine hohe Teilungsrate aufweisen. Dazu gehören die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt, die Haarwurzeln und das blutbildende System.

In der Therapie der chronischen myeloischen Leukämie hat die Chemotherapie trotzdem einen wichtigen Stellenwert. Im Vorfeld der Knochenmarktransplantation ist es erforderlich, sämtliche Leukämie- und Abwehrzellen im Körper des Patienten zu beseitigen. Zu diesem Zweck wird eine hoch dosierte Bestrahlung, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem eingesetzt. Diese vorbereitende Behandlung wird als Konditionierung bezeichnet. Dabei werden nicht nur die Leukämie-Zellen, sondern das gesamte Knochenmark abgetötet. Anschließend wird durch die Gabe von Stammzellen eines geeigneten Spenders ein neues Knochenmark aufgebaut.

Begleitende Therapiemaßnahmen bei CML

Die CML wird sehr aggressiv behandelt. Durch eine unterstützende Therapie lassen sich mögliche Komplikationen oder Nebenwirkungen häufig bessern.

Um einen optimalen Erfolg bei der Therapie zu erzielen, sollte die Erkrankung möglichst konsequent und frühzeitig behandelt werden. Komplikationen und Nebenwirkungen werden dabei zum Teil in Kauf genommen und dann gesondert durch eine unterstützende Therapie behandelt. Darüber hinaus kann die CML mit Begleitbeschwerden einhergehen, die in der Therapie ergänzend zu berücksichtigen sind.

Gegen Gicht vorbeugen

So geht der Blutkrebs oft mit einer Erhöhung der Harnsäure im Blut einher. Steigt deren Konzentration auf etwa das Doppelte des Normalwerts an, besteht die Gefahr, dass sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern und dort sehr schmerzhafte Entzündungen auslösen. Diese Prozesse werden als Gicht bezeichnet. bestimmte Medikamente können den Harnsäurespiegel zuverlässig verringern und der Gicht vorbeugen.

Fließfähigkeit des Bluts erhalten

Durch die unkontrollierte Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Verlauf einer CML kann zudem die Zahl der Zellen so stark ansteigen, dass die Fließfähigkeit des Bluts darunter leidet. Das gefährdet die Blutversorgung in einzelnen Organen und erhöht das Risiko von Gefäßverschlüssen (Thrombosen).

Gerade zu Beginn der CML-Behandlung kann es deshalb erforderlich sein, die Zahl der weißen Blutkörperchen mithilfe der Leukozytapherese (Leukapherese, Leukopherese) rasch zu verringern. Bei diesem Behandlungsverfahren wird Blut aus einer Vene über einen Filter und anschließend wieder in den Körper zurückgeleitet. Der Filter ist so konstruiert, dass er ausschließlich die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zurückhält, alle anderen Blutbestandteile aber passieren lässt.

Schwächung des Immunsystems

Die CML selbst, aber auch einige zu ihrer Behandlung eingesetzten Therapieverfahren, können das Abwehrsystem des Körpers schwächen. So nimmt in der Akzelerationsphase und im Stadium der Blastenkrise die Anzahl von Leukämie-Zellen im Knochenmark so stark zu, dass nicht mehr genügend gesunde weiße Blutkörperchen gebildet werden. Die Folge ist eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen. Zu den behandlungsbedingten Ursachen der Immunschwächung gehören darüber hinaus die Gabe von Chemotherapeutika, eine allogene Stammzelltransplantation und die Medikamente, die nach der Transplantation die Abstoßungsgefahr verringern.

CML-Patienten, die an einer ausgeprägten Schwächung der Abwehrkräfte leiden, werden vorbeugend behandelt, um eine Infektion möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Antibiotika richten sich gegen Bakterien, antivirale Mittel wirken gegen Viren. Allerdings stehen noch nicht für alle Virustypen geeignete Wirkstoffe zur Verfügung. Doch auch spezielle Impfungen können vorbeugend eingesetzt werden. Antimykotika schützen vor Pilz- und Hefeinfektionen.

Nebenwirkungen der CML-Behandlung

Um eine optimale Wirkung der CML-Behandlung zu erzielen und die Leukämie möglichst stark zurückzudrängen, wird die Therapie so aggressiv geführt, dass Nebenwirkungen nicht immer ausbleiben. Nach Möglichkeit sollte die Behandlung trotz solcher Begleiterscheinungen mit der notwendigen Intensität weitergeführt werden. Denn Unterbrechungen und Dosisverringerungen gefährden unter Umständen den Erfolg der Krebstherapie. Daher kommt häufig eine unterstützende Therapie hinzu.

Die möglichen Nebenwirkungen unterscheiden sich nach dem jeweils angewendeten Behandlungsverfahren. Übergreifend bestehen aber Empfehlungen, wie die Therapie für die Patienten verträglicher gestaltet werden kann.

Übelkeit und Erbrechen: Zum Teil können die Beschwerden durch eine veränderte Einnahme der Medikamente behoben werden, etwa durch die Anwendung mit einem Glas Wasser zu einer Mahlzeit. Darüber hinaus stehen Medikamente als unterstützende Therapie zur Verfügung, die Brechreiz und Übelkeit beheben.

Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme): Ödeme in den Beinen können durch vermehrte Bewegung oder Stützstrümpfe gebessert werden. Außerdem gibt es Medikamente, die die Wasserausscheidung fördern, sogenannte Diuretika. Ödeme in der Lunge, im Lungenfell oder im Herzbeutel können sehr gefährlich sein und müssen unbedingt konsequent behandelt werden.

Muskelkrämpfe: Hinter Muskelkrämpfen verbirgt sich oft ein Mangel an Kalzium oder Magnesium. Der Mangel lässt sich meist durch entsprechende Brausetabletten beheben oder lindern. Zusätzlich können als unterstützende Therapie magnesium- und kalziumreiche Lebensmittel (zum Beispiel Vollkornprodukte, Milchprodukte) zur Besserung beitragen.

Der Arzt weiß Rat

Wann immer neue oder ungewöhnliche Reaktionen auf eine Therapie auftreten, sollte der behandelnde Arzt umgehend informiert werden. Er kann einschätzen, ob ein Problem besteht und wie in der jeweiligen Situation am besten zu verfahren ist.

Verlauf und Prognose: Drei Phasen der CML

Die chronische myeloische Leukämie (verläuft in drei Abschnitten: der langen chronischen Phase sowie den kürzeren Abschnitten der akzelerierten Phase und der Blastenkrise. Die verschiedenen Phasen lassen sich unterschiedlich gut behandeln.

Die chronische Phase

Die chronische Phase der CML erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre. Zu Beginn verspüren die Betroffenen oft keine oder nur geringe Symptome. Die CML bleibt gewissermaßen auf Störungen der Blutbildung beschränkt, ohne andere Organe oder den Körper als Ganzes wesentlich zu beeinträchtigen. Der Anteil der Leukämie-Zellen im Knochenmark, dem Ort der Blutbildung, ist noch gering.

Bei Blutuntersuchungen sind zwar sehr viele, jedoch normal ausgereifte und funktionstüchtige weiße Blutzellen zu finden. Die meisten CML-Fälle werden in der chronischen Phase entdeckt. Aufgrund der wenig ausgeprägten Symptome handelt es sich dabei vielfach um Zufallsbefunde, wenn die Betroffenen aus einem anderen Grund zum Arzt gehen und eine Blutuntersuchung vorgenommen wird.  Die chronische Phase bietet die besten Behandlungschancen für die CML.

Die akzelerierte Phase

In der akzelerierten Phase (Akzelerationsphase) verschlechtert sich das Befinden der CML-Patienten oft deutlich. Bei Blutuntersuchungen zeigt sich eine starke Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Darüber hinaus reifen die weißen Blutzellen nur noch zum Teil aus und werden bereits in unfertigen Entwicklungsstadien vom Knochenmark an das Blut abgegeben. Die starke Vermehrung der Leukämie-Zellen im Knochenmark stört die Produktion der roten Blutzellen, die den Sauerstoff transportieren, und der Blutplättchen, die eine wichtige Rolle für die Blutgerinnung spielen.

CML-Patienten leiden in dieser Phase deshalb oft an Blutarmut und eventuell Gerinnungsstörungen. Die Patienten benötigen in der akzelerierten Phase eine höhere Dosis des Medikaments oder eine Umstellung der Therapie, um die Erkrankung unter Kontrolle zu halten. In einigen Fällen können Resistenzen gegen einzelne Wirkstoffe zu Tage treten. Die CML kann zwar oft aus der akzelerierten in die chronische Phase zurückgedrängt werden, doch der Behandlungserfolg hält häufig nur für eine begrenzte Zeit an. Die Therapie zielt deshalb darauf ab, von vorn herein den Übergang einer CML in die akzelerierte Phase oder die Blastenkrise nach Möglichkeit zu verhindern.

Die Blastenkrise

In der Blastenkrise ist der Patient am stärksten beeinträchtigt. Die Leukämie-Zellen im Knochenmark vermehren sich völlig unkontrolliert und treten in großer Anzahl in unreifen Entwicklungsstadien ins Blut über. Die normale Blutbildung ist daher nur noch sehr eingeschränkt möglich. Die Patienten leiden an Blutarmut, Blutungen und Infektionen. Es besteht ein ausgeprägter Mangel sowohl an Blutplättchen als auch an roten Blutzellen. Weiße Blutzellen sind zwar im Übermaß vorhanden, doch meist nicht funktionsfähig, sodass die Abwehr von Infektionen nicht mehr gewährleistet ist. Ohne Behandlung besteht in dieser Erkrankungsphase Lebensgefahr. Selbst in der Blastenkrise sprechen jedoch noch viele Patienten auf eine Therapie mit Medikamenten an. Wie in der akzelerierten Phase sind allerdings auch in der Blastenkrise die erzielten Behandlungserfolge oft nicht dauerhaft und eine Umstellung der Therapie nötig.

Leben mit CML

Die Diagnose CML stellt einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen dar. Ängste, Verunsicherung, Sorgen und nicht zuletzt die Behandlung verlangen eine neue Orientierung im Leben.

Die Mitteilung, an Leukämie erkrankt zu sein, stellt für die meisten Patienten einen Schock und tiefen Lebenseinschnitt dar. Oft stehen am Anfang konkrete gesundheitliche Probleme und die Angst vor Leid und Tod im Vordergrund. Doch die Diagnose geht in ihrer Bedeutung weit über die Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit hinaus. Lebensentwürfe und Lebensziele werden durch die Erkrankung in Frage gestellt, erscheinen eventuell plötzlich unerreichbar und werden von Sorgen um den Lebenspartner, Kinder und Angehörige überlagert.

Die Diagnose "Leukämie" trifft in dieser Form jedoch nicht allein den Patienten selbst. Denn nicht nur das Leben der Betroffenen wird durch die Erkrankung in neue Bahnen gezwungen. Angehörige reagieren auf die Sorgen und das Leiden der Betroffenen, auch wenn sie die physischen Beeinträchtigungen durch die Krankheit nicht am eigenen Leib erfahren. Nicht zuletzt kann sich die Pflegebedürftigkeit des Patienten als schwere seelische, körperliche, soziale und finanzielle Prüfung herausstellen.

Den behandelnden Ärzten ist bewusst, dass die Krankheit nicht allein den Patienten trifft. Sie verstehen sich daher auch für die Angehörigen als Ansprechpartner. Sie vermitteln Informationen zu der Erkrankung, Hilfsangeboten des Sozialsystems aus und behalten nicht zuletzt auch die Gesundheit der Angehörigen im Blick, etwa wenn der Einsatz für den Patienten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu führen droht. Informationen und konkrete Hilfsangebote vermitteln auch die Krankenkassen und die Sozialdienste von Krankenhäusern. Selbsthilfegruppen von und für Angehörige von Krebspatienten stellen eine weitere Möglichkeit dar, die Gefahr der gesellschaftlichen Isolation zu überwinden, Rückhalt zu erfahren und mit Menschen in vergleichbarer Situation Erfahrungen auszutauschen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2017
Durch: es
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Chronische myeloische Leukämie (Stand: Januar 2013). https://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/cml , abgerufen: 24.01.2017

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