Otitis media

Mittelohrentzündung (Otitis media) ist ein typisches Kinderleiden

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Mittelohrentzündung ist besonders bei Kindern weit verbreitet
Getty Images/iStockphoto

Mittelohrentzündung – dies dürfte eine der am häufigsten gestellten Diagnosen in Kinderarztpraxen sein: 60 Prozent aller Kinder bis zum sechsten Lebensjahr haben mindestens einmal eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media). Wegen keiner anderen Erkrankung werden Kinder so häufig mit Medikamenten behandelt oder operiert. Die Mittelohrentzündung ist also ein echtes Kinderleiden.

Doch warum trifft es ausgerechnet immer die Kleinen? Bei Kindern ist die Ohrtrompete (Tuba auditiva), die den Nasenrachenraum mit der Paukenhöhle im Mittelohr verbindet, sehr klein.So können bei einer Erkältung Keime aus Nase und Hals leicht in das Mittelohr eindringen – schon ist die Mittelohrentzündung, fachlich Otitis media genannt, da. Zugleich kann Schleim aus der Paukenhöhle nur schwer in den Rachenraum abfließen, da die Öffnung der schmalen Ohrtrompete schon bei kleinen Reizungen zuschwillt. Besonders vergrößerte Rachenmandeln versperren oft den Ausgang der Ohrtrompete. So können sich Bakterien leicht vermehren, zum Mittelohr hochsteigen und dort möglicherweise eine eitrige Otitis media hervorrufen.

Schnuller fördert möglicherweise die Mittelohrentzündung

Hinzu kommt bei Kindern: Wenn sie Kindergarten oder Hort besuchen, bekommen sie wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr in großen Gruppen leichter eine Erkältung oder einen grippalen Infekt. Somit steigt auch das Risiko einer Mittelohrentzündung, denn meist geht ihr ja eine bakterielle – gelegentlich auch eine durch Viren hervorgerufene – Infektion der Luftwege voraus. Auf direktem Wege wird die Otitis media hingegen selten übertragen.

Kinderärzte haben zudem beobachtet: Die akute Mittelohrentzündung tritt öfter bei Kindern auf, die mit einem Schnuller beruhigt werden. Bekannt ist auch, dass gestillte Babys etwas seltener von der Otitis media betroffen sind als Säuglinge, die die Flasche bekommen. Dies ist durch den Antikörpergehalt der Muttermilch zu erklären, aber auch durch die bessere Ausbildung der Ohrtrompete durch den natürlichen Saugakt.

Kinder von Rauchern sind fast doppelt so oft von der Otitis media betroffen

Eine kanadische Studie aus dem Jahre 1998 hat zudem gezeigt: Kleinkinder, die in einem Haushalt mit Rauchern aufwachsen, leiden fast doppelt so oft unter Mittelohrentzündung wie andere, in deren Gegenwart selten oder nie geraucht wird. Vermutlich führt die fortgesetzte Reizung durch den Zigarettenrauch zu einem verminderten Infektionsschutz der Atemwege und somit zur Otitis media.

Mittelohrentzündung geht fast immer mit Schwerhörigkeit einher

Für Eltern ist es nicht sehr schwer, eine Mittelohrentzündung zu erkennen: Ältere Kinder klagen über Schmerzen im Ohr. Säuglinge und Kleinkinder äußern die Beschwerden, indem sie sich oft zum Ohr greifen. Meist weinen sie außerdem ununterbrochen, schlafen schlecht und wollen nicht essen.

Typisch für die Otitis media sind bei Kindern auch Abgeschlagenheit und hohes Fieber mit Temperaturen über 39 Grad Celsius. Fast immer geht die Mittelohrentzündung mit Schwerhörigkeit einher. Schließlich liegen in der infizierten Paukenhöhle auch die Gehörknöchelchen, die den vom Trommelfell empfangenen Schall jetzt nicht mehr vollständig ins Innenohr weiterleiten können. Solange die Mittelohrentzündung aber nicht chronisch wird, stellt sich das Hörvermögen nach Abklingen der Infektion wieder ein.

Wenn plötzlich eitriges oder blutiges Sekret aus dem Ohr austritt, sollten Eltern nicht allzu sehr erschrecken: In diesem Fall war der Druck in der Paukenhöhle auf das Trommelfell so groß, dass ein kleiner Riss (Trommelfellperforation) entstanden ist. Dies bringt letztlich Linderung, denn die Schmerzen und das Fieber gehen nach der Trommelfellperforation meist schnell zurück. Der Riss heilt von selbst. Eltern dürfen die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind unter einer Mittelohrentzündung leidet, müssen sie mit dem Kleinen sofort zum Kinderarzt gehen – auch wenn es schon zu einem Riss im Trommelfellperforation gekommen ist. Die Otitis media darf wegen der Gefahr einer andauernden Schwerhörigkeit unter keinen Umständen verschleppt werden.

Mit einem Ohrenspiegel kann der Arzt die Mittelohrentzündung schnell diagnostizieren: Das Trommelfell ist stark gerötet und vorgewölbt, gelegentlich zeigt es auch eine Öffnung, aus der eitriges Sekret austritt.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2007

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