Weniger Trinkwasser-Kontrollen

Wachsende Gefahr durch Legionellen

Legionellen-Infektionen
Infektionsstation der Universitätsklinik Ulm: Hier werden Patienten mit Legionellen-Infektionen behandelt.
(dpa)

Weniger Legionellen-Kontrollen und dafür deutlich mehr Verantwortung der Vermieter - das besagt die neue Trinkwasserverordnung. Das birgt jedoch Gesundheitsgefahren, warnen Experten.

Trinkwasseranlagen in Mietshäusern müssen künftig deutlich weniger häufig auf Legionellenbefall kontrolliert werden als bislang üblich. Statt der jährlichen Prüfung sollen Vermieter nun nur noch alle drei Jahre die Anlage auf diese gefährlichen Bakterien hin testen lassen. Aber sie müssen sich - wie beim Auto-Tüv - selbst darum kümmern, dass Proben aus den Anlagen genommen werden.

Entlastung für Vermieter und Hausbesitzer

"Das ist ein wichtiges Zugeständnis an die Vermieter, und es entlastet sowohl die Hausbesitzer als auch die Hygieneinspektoren der Gesundheitsämter", sagte der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Bayerischen Hygieneinspektoren, Dirk Rieb. Seiner Meinung nach birgt es aber auch Gefahren, wenn allzu nachlässig gehandelt oder kontaminiertes Trinkwasser verschwiegen werde.

Keine Anzeigenpflicht mehr

Bis Ende 2012 mussten alle Trinkwasserspeicher von vermieteten Mehrfamilienhäusern mit mehr als 400 Litern oder Wasserrohren mit einem Volumen von mehr als drei Litern beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Außerdem wollten die Ämter alle Probenergebnisse sehen. Diese Anzeigepflicht fällt nun weg, und es müssen nur noch Fälle gemeldet werden, die einen bestimmten Messwert überschreiten. Das heißt: Die Behörden müssen sich auf die Vermieter verlassen. "Es gibt aber leider auch immer wieder schwarze Schafe, die sagen, 'mich erwischt sowieso keiner'", sagte Rieb weiter.

Hohe Dunkelziffer von Legionellose

Damit werde jedoch die Gesundheit der Mieter grob fahrlässig gefährdet. "Das ist keine kleine Ordnungswidrigkeit. Das geht klar vor Gericht", sagte Hygieneinspektor Rieb. Wer aufgrund des verseuchten Leitungswassers Legionellose bekommt, kann bei einem schwachen Immunsystem sogar sterben. Deutschlandweit registrierte das Robert Koch-Institut im vergangenen Jahr 649 Fälle mit Legionellose. Die bakterielle Infektion beginnt oft mit Schmerzen im Brustkorb, Fieber und Schüttelfrost und kann zu einer Lungenentzündung führen. Die Dunkelziffer liegt Rieb zufolge aber deutlich höher.

Nur Wasser über 65 Grad ist sicher

Für privat genutzte Ein-und Zweifamilienhäuser gilt die Verordnung übrigens nicht - egal wie groß der Trinkwasserspeicher ist. "Dort ist jeder für sich selbst verantwortlich. Es schadet jedoch nicht, wenn man das auch dort mal prüfen lässt", so der Fachmann. Er empfiehlt zudem, den Warmwasserkessel nie auf Temperaturen von unter 65 Grad Celsius einzustellen. "Das machen viele aus Öko-Gründen, doch das wäre eine ideale Brutstätte für Legionellen. Die lieben solche Temperaturen."

Autor: mp / dpa
Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2013

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