Wirksamkeit
Akupunkturpunkte durch Ultraschall sichtbar machen
Seit einigen Jahrzehnten rückt die Akupunktur als schonende und wirksame Heilmethode immer stärker ins Interesse der westlichen Medizin. Anerkannte Studien belegen, dass sich die Behandlung über Akupunkturpunkte für viele verschiedene Leiden und Erkrankungen eignet. Doch die Untersuchungsergebnisse sind nicht immer einheitlich. Dabei eignen sich offenbar Ultraschall-Geräte, um die Akupunktur-Forschung zu erleichtern und zu verbessern.
Ultraschall statt Nadeln? Mit den Wellen können die Akupunkturpunkte angeregt werden uns so eine andere Art der Akupunktur durchgeführt werden. Ultraschallwellen sind akustische Signale mit einer Frequenz, die das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmen kann. In der Medizin spielt Ultraschall heute eine wichtige Rolle zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten. Dabei werden meist Ultraschallwellen einer bestimmten Frequenz von einem Gerät produziert. Das Körpergewebe nimmt die Wellen unterschiedlich stark auf oder reflektiert sie. Die reflektierten Impulse lassen sich dann in ein Bild umsetzen. So erhält der Arzt während einer Ultraschall-Untersuchung, der so genannten Sonographie, direkten Einblick ins Körperinnere und kann auf diese Weise die Organe untersuchen. Die Methode ist unkompliziert und sehr schonend: Der Patient wird nicht mit Strahlen belastet.
Akupunktur aktiviert das Gehirn
Ultraschall setzt man heute auch in der ganzheitlichen Medizin ein, um Akupunkturpunkte anzuregen. Zwei amerikanische Forscher haben nun geprüft, ob die Stimulation von Akupunkturpunkten mit Ultraschallwellen genau so wirkt wie die klassische Akupunktur-Behandlung mit Nadeln.
Zunächst setzte ein erfahrener Akupunkteur bei einem Probanden herkömmliche Akupunktur-Nadeln in den so genannten Akupunkturpunkt Blase (BL-67), der an der Außenseite des kleinen Zehs liegt. Um sicher zu gehen, dass er den Punkt tatsächlich getroffen hatte, wurde gleichzeitig eine Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) bei dem Probanden durchgeführt. Mit Hilfe dieses bildgebenden Verfahrens kann man die erhöhte Aktivität von Nervenzellen im Gehirn auf einem Bildschirm farbig darstellen. Wird nun der Punkt BL-67 am Zeh durch die Akupunkturnadel gereizt, leuchtet es sozusagen im Gehirn auf – an einer charakteristischen Stelle im Bereich des Hinterhaupts. Trifft man den richtigen Akupunkturpunkt nicht, erhöht sich auch die Gehirnaktivität an dieser Stelle nicht.
Als die Forscher sicher waren, den richtigen Punkt BL-67 gefunden zu haben, wurde die Akupunktur-Nadel durch ein Ultraschall-Gerät ersetzt, das sehr intensive und stark gebündelte Ultraschallwellen auf den Akupunkturpunkt produzierte. Während dieser Ultraschall-Stimulation an genau derselben Stelle betrachtete man wieder die fMRT-Bilder des Gehirns. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Bilder kaum voneinander unterschieden und folgerten daraus, dass sowohl Akupunkturnadeln als auch starke Ultraschallimpulse zur Stimulation von Akupunkturpunkten eingesetzt werden können.
Mit Ultraschallwellen auf der Suche nach Akupunkturpunkten
Ob sich Ultraschall eignet, um außer Organen auch Akupunkturpunkte zu untersuchen, wollten die beiden kalifornischen Forscher anschließend testen. Dazu benutzten sie ein Sonographie-Gerät, dessen reflektierte Signale als Linien auf einen Bildschirm übertragen wurden. Dieses bildgebende Ultraschall-Gerät arbeitet allerdings mit viel schwächeren Impulsen als die zuvor erwähnte Apparatur, die zur Stimulation der Akupunkturpunkte eingesetzt worden war.
Nun wurde die Körperoberfläche im Bereich des Punkts BL-67 Millimeter für Millimeter sorgfältig mit dem Ultraschall abgerastert. Weil das Gewebe im Bereich der Akupunkturpunkte andere Eigenschaften besitzt und offenbar weniger elastisch ist, konnten die Wissenschaftler den Akupunkturpunkt präzise auffinden. Außer der genauen Stelle bestimmten sie zusätzlich die Form und Größe des Punkts auf Zehntel Millimeter genau.
Akupunkturpunkte im Wandel
Während der Ultraschall-Untersuchungen des Akupunkturpunkts BL-67 und anderer Akupunkturpunkte in dessen Nachbarschaft stellten die Forscher mit der Zeit Änderungen fest: Die Lage der Punkte, ihre Größe und Form veränderten sich täglich ein wenig, in etwa um einige Zehntel Millimeter. Diese leichten Verschiebungen beobachtete man bei mehreren Personen, deren Akupunkturpunkte jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen per Ultraschall ausgemessen wurden. Es erscheint folglich sinnvoll zu sein, dass Akupunkturärzte die Akupunkturpunkte individuell und vor jeder einzelnen Behandlung erneut bestimmen.
Wissenschaftliche Akupunkturstudien erleichtern
Wenn es um die Erforschung der Akupunktur geht, kann der Einsatz von Ultraschallwellen einen wertvollen Beitrag leisten: Zur Stimulation von Akupunkturpunkten eignet Ultraschall sich vor allem deshalb, weil die Wellen exakt dosierbar sind. Das erleichtert die standardmäßige Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen. Außerdem lassen sich Akupunkturpunkte per Sonographie offenbar präzise auffinden. Weil der Patient die Ultraschallbehandlung nicht spüren oder fühlen kann, kann man die Stimulation von Akupunkturpunkten auch problemlos vortäuschen. So wird die Placebokontrolle möglich, die einen wichtigen Faktor in klinischen Studien darstellt. Moderne Methoden wie die Ultraschall-Technik können also insgesamt dazu beitragen, dass künftig noch mehr Menschen von den Erkenntnissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) profitieren.
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