Bei Blutungsstörungen und Schwangerschaftsabbrüchen

Ausschabung (Abrasio, Kürettage, Curettage)

Wenn der Frauenarzt oder die Frauenärztin bei Blutungsstörungen oder nach einer Fehlgeburt eine Ausschabung vorschlägt, so klingt das für viele Frauen zunächst abschreckend. Doch keine Patientin muss vor dem Routineeingriff Angst haben. Wir erklären, wann eine Ausschabung nötig wird, wie sie abläuft und was in den Tagen danach zu beachten ist.

eierstöcke und gebärmutter vor ausschabung
Blutungsstörungen im gebärfähigen Alter, erneut auftretende Blutungen während der Wechseljahre und Fehlgeburten sind die häufigsten Indikationen für eine Gebärmutterausschabung.
iStock

Die Ausschabung (medizinische Begriffe dafür sind Abrasio uteri, Kürettage oder Curettage) ist eine in der Regel komplikationslose gynäkologische Operation, die bei verschiedensten Symptomen von Frauenärzten vorgeschlagen wird. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut mit chirurgischen Instrumenten vorsichtig abgetragen. Dies kann auch diagnostischen Zwecken dienen, um das entnommene Gewebe aus der Gebärmutterhöhle auf krankhafte Veränderungen zu untersuchen.

Wann eine Ausschabung notwendig wird

Im Laufe des Menstruationszyklus baut sich die Gebärmutterschleimhaut unter dem Einfluss von Hormonen auf und bereitet sich so auf die Einnistung einer Eizelle vor. Gibt es nach dem Eisprung keine Befruchtung, dann stößt der weibliche Körper die stark durchblutete Schleimhaut wieder ab, es kommt zur Regelblutung. Dieser normale, natürliche Vorgang des Auf- und Abbaus der Gebärmutterschleimhaut kann aus verschiedenen Gründen gestört sein. 

Am häufigsten wird eine Ausschabung vom Arzt bei Blutungsstörungen durchgeführt. Verlängerte, sehr starke oder schmerzhafte Regelblutungen sowie wieder auftretende Blutungen in den Wechseljahren können dabei diagnostisch abgeklärt und gleichzeitig behandelt werden.

Die Gründe für solche Blutungsstörungen sind vielfältig und meist harmlos. So können Myome (gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur) und Polypen dafür sorgen, dass sich die Gebärmutter nicht mehr richtig zusammenziehen und die Schleimhaut abstoßen kann. Selten sind bösartige Tumoren der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom) Grund für die Blutungsstörungen.

Ausschabung nach Fehlgeburt und Geburt

Eine Gebärmutterausschabung wird häufig nach einer Fehlgeburt durchgeführt. Damit soll sichergestellt werden, dass nach einem spontanen Abgang der Embryo und der Mutterkuchen komplett abgestoßen wurden. Zurückgebliebenes Gewebe kann zu andauernden Blutungen und Infektionen führen.

Nicht in jedem Fall aber ist nach einer Fehlgeburt eine Ausschabung unbedingt nötig. Die Indikation dazu hängt sowohl von der körperlichen als auch psychischen Verfassung der Frau ab. Wenn sich die Patientin gegen eine Abrasio und für eine natürliche Abstoßung entscheidet, sollte sie genau auf körperliche Symptome wie Schmerzen, Blutungen und Fieber achten und bei entsprechenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen.

Nach einer natürlichen Geburt ist in manchen Fällen ebenfalls eine Gebärmutterausschabung nötig, wenn sich die Plazenta nicht vollständig von der Innenwand der Gebärmutterhöhle gelöst hat. Ein Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung) wird – wenn er nicht medikamentös ausgelöst wird – ebenfalls mit einem solchen Eingriff durchgeführt. In diesem Fall heißt die spezielle Methode Absaugung oder Saugkürettage.

Vorbereitung und Ablauf der Gebärmutterausschabung

Der Eingriff wird heute meist ambulant in gynäkologischen Abteilungen von Krankenhäusern oder in Frauenarztpraxen durchgeführt. Die Patientin bekommt von der Prozedur nichts mit. Der Eingriff ist unter lokaler Betäubung möglich, in Deutschland wird er jedoch meist unter einer kurzen Vollnarkose ausgeführt. Die Patientin muss dafür nüchtern sein, sechs bis acht Stunden vor der Operation darf sie nichts gegessen sowie keine Medikamente eingenommen haben. 

Die Ausschabung wird auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl durchgeführt. Der äußere Genitalbereich wird gesäubert, möglicherweise rasiert und mit sterilen Operationstüchern abgedeckt. Der Arzt führt dann zunächst ein Spekulum in die Scheide ein, um den Muttermund zu weiten. Die eigentliche Gebärmutterausschabung wird mit einer Kürette ausgeführt. Mit diesem löffelartigen, mehr oder weniger scharfkantigen Instrument kann der Arzt die Gebärmutterschleimhaut und wenn nötig Material aus dem Gebärmutterhals vorsichtig abtragen. Das Gewebe wird mit einem Absauger aufgenommen und zur Untersuchung ins Labor geschickt.

Absaugung statt Ausschabung bei der Saugkürettage

Bei einem operativen Schwangerschaftsabbruch wird üblicherweise statt des Löffels eine Saugkürette eingesetzt. Embryo und Plazenta werden dabei mit einem stumpfen Röhrchen aus dem Uterus abgesaugt.

Nach der Ausschabung überprüft der Arzt per Ultraschall, ob das Gewebe vollständig abgetragen wurde. Alternativ kann eine Gebärmutterspiegelung (Endoskopie) angeschlossen werden. Dabei wird ein Endoskop mit einer Lichtquelle eingeführt und die Bilder vom Inneren der Gebärmutter auf einen Bildschirm übertragen. Der Operateur kann so die Gebärmutterhöhle in Augenschein nehmen, sich überzeugen, dass keine Gewebereste mehr vorhanden sind, auffällige Bereiche genauer untersuchen und Polypen entfernen.

Sonderform der Abrasio: Fraktionierte Kürettage

Eine spezielle Form der Ausschabung ist die fraktionierte Kürettage. Sie wird vor allem aus diagnostischen Gründen durchgeführt, zum Beispiel wenn auffällige Befunde aus einem Pap-Test oder einer Ultraschalluntersuchung näher untersucht werden müssen. Bei dem Eingriff werden zunächst Gewebeproben aus dem Gebärmutterhals (Zervix) entnommen, mit einer zweiten Kürette dann Proben von der Schleimhaut.

Auch bei der Endometriumbiopsie wird diese Methode angewandt, hier werden Proben von der vorderen und hinteren Wand der Gebärmutter entnommen.

Was ist nach der Ausschabung zu beachten?

In der Regel dauert eine Ausschabung maximal 15 Minuten. Nach der Vollnarkose kommt die Patientin im Aufwachraum zu sich und wird dort noch einige Zeit beobachtet. Meist noch am gleichen Tag kann sie die Praxis oder Klinik verlassen. Da der Kreislauf jedoch erst wieder in Schwung kommen muss, ist es ratsam, sich abholen zu lassen oder ein Taxi nach Hause zu nehmen. Auf das eigene Auto oder öffentliche Verkehrsmittel verzichtet man nach dem Eingriff lieber.

In den ersten Tagen nach der Ausschabung ist Schonung angesagt. Da der Muttermund sich erst langsam wieder schließt, besteht die Gefahr, dass Keime in die Gebärmutter eindringen und Infektionen verursachen können. Deshalb sollten Frauen nach der Abrasio zwei bis drei Wochen lang auf Vollbäder, Saunagänge, Schwimmen, Tampons und auch Geschlechtsverkehr verzichten.

Leichte Blutungen und Schmerzen sind normal

Auch die Gebärmutter selbst muss sich nach dem Eingriff erholen und die Wunde abheilen. Leichte, ziehende Schmerzen, leichte Blutungen bis zu eine Woche und bräunlicher Ausfluss bis zwei Wochen nach dem Eingriff sind normal.

Die erste Regelblutung setzt nach vier bis acht Wochen wieder ein. Doch bereits davor kann es zu einer Schwangerschaft kommen, weshalb an Verhütung gedacht werden sollte. Schwanger werden sollte die Frau frühestens drei Monate nach der Ausschabung.

Mögliche Komplikationen nach einer Ausschabung

Die Gebärmutterausschabung ist ein Routineeingriff, Komplikationen sind selten. Am häufigsten treten Blutungen und menstruationsartige Schmerzen auf – das ist ganz normal und ein Zeichen, dass sich die Gebärmutter regeneriert.

Bei starken Schmerzen und Blutungen sowie Fieber sollte jedoch der Frauenarzt zu Rate gezogen werden. Diese Symptome können Anzeichen für eine Verletzung des Gebärmutterkörpers, Infektionen oder zurückgebliebenes Gewebe sein. Eine Behandlung erfolgt nach Schwere der Symptome entweder mit Medikamenten oder einer erneuten Ausschabung.

Möglich, aber selten sind nach einer Gebärmutterausschabung Verwachsungen im Bereich der Gebärmutter und eine Schwächung des Gebärmutterhalses. Diese können das Risiko für Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Komplikationen bei späteren Schwangerschaften erhöhen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Juli 2016
Quellen: Bundesverband Ambulantes Operieren e.V. Onlineinformationen zur Gebärmutterausschabung, http://www.operieren.de, abgerufen Januar 2016; Frauenärzte im Netz, Online-Informationen zu operativen Eingriffen Kürettage und fraktionierte Abrasio, http://www.frauenaerzte-im-netz.de, abgerufen Januar 2016

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Wechseljahre
    Ausschabung wirklich nötig
    08.12.2013 | 19:34 Uhr

    Hallo, ich wende mich an Sie, da ich sehr verunsichert bin, was die Notwendigkeit einer...   mehr...

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